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Blink XT2 im Test: Überwachungskamera mit Batteriebetrieb

Blink XT2 im Test: Überwachungskamera mit Batteriebetrieb
VORTEILE
  • Batteriebetrieb
  • kostenlose Cloud (2 Stunden)
  • einfache Inbetriebnahme
NACHTEILE
  • kürzere Batterielaufzeit in der Praxis

Die XT2 ist die neue Version der außentauglichen Batterie-Kamera der Amazon-Tochter Blink. Der Hersteller verspricht zwei Jahre Laufzeit und kostenlose Cloud-Speicherung.

Die Versprechen klingen ja schon fast zu gut, um wahr zu sein – und natürlich gibt es einen Haken, wenn man genau hinsieht. Ganz aus der Welt gegriffen sind die Behauptungen dennoch nicht.

Konzept

Es gibt haufenweise Überwachungskameras mit Cloud-Anbindung, die unabhängig vom Stromnetz funktionieren – etwa die Stickup-Cam (Testbericht) oder die Spotlight-Cam (Testbericht) von Ring, die optional auch über Solarzellen mit Strom versorgt werden. Mehr dazu findet sich in unserem Ratgeber: Solar-Überwachungskameras mit WLAN .

Nahezu all diesen Kameras ist gemein, dass sie mit einem WLAN-Modul ausgestattet sind – und das unterscheidet sie von Blink. Statt einer direkten Verbindung zwischen Kamera und Wireless LAN benötigen die Blink-Kameras Verbindung zu einem Sync-Modul, einem kleinen, schwarzen Kasten mit USB-Stromversorgung. Über einen anderen Funkstandard stellt das Sync-Modul die Verbindung zu den Kameras her und hängt selbst im WLAN des Routers. In der Praxis bedeutet das, dass die Kameras nicht über die energiehungrige WLAN-Verbindung Kontakt zur Cloud halten müssen – das ist gut für die Batterielaufzeit. Auch ansonsten haben die Ingenieure viel am Energiemanagement gearbeitet. So schläft die komplette Kameraeinheit entspannt im Standby-Modus, bis der PIR-Bewegungsmelder etwas erkennt. Erst dann kommen energiehungrige Anwendungen dazu, etwa die Bildauswertung.

Entsprechend gibt der Hersteller an, dass die Kamera mit einem Batteriesatz zwei Jahre funktionieren soll. Da das Produkt nagelneu ist, können wir dazu noch keine Aussage treffen. Wir wissen aber, dass das Vorgängermodell mit laut Herstellerangaben einem Jahr Laufzeit in der Praxis tatsächlich mehrere Monate durchhält. Der Haken: Zwei Jahre – oder 22 Stunden Video-Aufzeichnung, dann sind die Batterien leer. Und wenn die Aufzeichnung im Dunkeln erfolgt, würden wir davon noch mal ein gutes Stück abziehen – die dann zugeschaltete Infrarotbeleuchtung samt hörbarem Relais dürfte merklich zu Buche schlagen. Zumindest für die Nutzung der Sprechfunktion gilt das sicher, gibt der Hersteller das auch an.

Die Sync-Box ist so leicht, dass sie sich leer anfühlt – Strom per USB braucht sie aber tatsächlich. Sie stellt die Verbindung zum heimischen WLAN und über einen anderen Funk-Standard zu den Blink-Kameras her.

Damit ist die Zielgruppe der Blink XT2 geklärt. Die Kameras sind optimal an Orten, wo sich wenig tut. Wir würden sie nicht anbringen, wo sie dauernd anspringen muss; dafür sind akku- oder solargespeiste Kameras wohl besser geeignet. Aber um einen Blick auf den selten genutzten Hintereingang, das Gartenhäuschen oder die Laube im Schrebergarten zu werfen, ist die XT2 optimal. Wer möchte, kann die Kamera auch per USB-Netzteil oder Solar-Panel mit Energie versorgen, beides ist aber nicht im Lieferumfang enthalten. Ein Sync-Modul ist immer nötig, es hält Verbindung zu bis zu zehn Kameras gleichzeitig. Verschiedene Starter-Sets ab 120 Euro bringen immer das Sync-Modul und eine bis fünf Kameras mit.

Einrichtung

Blink setzt auf die Cloud. In der Praxis bedeutet das, App für iOS oder Android herunterladen, Nutzerkonto einrichten – dafür reicht erfreulicherweise die E-Mail-Adresse – und den Anweisungen zur Einrichtung folgen. Obwohl die App keine gute Bewertung im Store hat, hatten wir keine Probleme. Diverse Bugs aus der Vergangenheit sind wohl inzwischen repariert.

Der Assistent führt den Nutzer vorbildlich durch die Installation. Wo und wie stellt man die Sync-Box auf, WLAN-Verbindung herstellen, Batterien in die Kamera einlegen; im Hintergrund werden noch brav aktuelle Software-Versionen auf alle Komponenten übertragen. Realistische 10 bis 15 Minuten nach dem Öffnen der Verpackung hat man die Bewegungserkennung eingestellt und kann per App ein Live-Bild abrufen und Aufzeichnungen einsehen.

Zum Anmelden der Kamera am System legt man die Batterien nein und scannt in der Blink-App den QR-Code.

Die mitgelieferte Halterung ist für die Wandmontage gedacht, einen Standfuß oder ähnliches gibt es nicht im Lieferumfang. Die zugehörigen Schräubchen eignen sich aber eher für amerikanische Sperrholzwände oder die Montage an Regalen oder Möbelstücken als für eine deutsche Ziegelwand. Irgendwie nicht ganz zeitgemäß: In der Verpackung liegen gleich zwei USB-Netzteile, eins mit EU-Stecker und eins für britische Steckdosen. Einer dieser Adapter wird wohl ungenutzt im Müll landen – respektive beim Wertstoffhof.

Funktionsumfang

Die Blink XT2 macht Video- und Tonaufnahmen bei Tag und Nacht; für den Nachtmodus ist eine Infrarot-Beleuchtung integriert. Ein Temperatursensor meldet den Stand der Dinge; und wer mag, kann beispielsweise für den Einsatz im Serverraum oder im Weinkeller auch einen Temperaturbereich festlegen, der eine Alarmmeldung als Push-Nachricht aufs Smartphone sendet. Die Kamera ist wetterfest und ist für die Montage im Freien geeignet.

In der App kann man festlegen, welche Bildbereiche für die Bewegungserkennung genutzt werden sollen. Ein echtes Schwärzen von Bereichen gibt es aber leider nicht – schade, wenn die Kamera beispielsweise eine Straße oder öffentlichen Raum einsieht, wohin sie eigentlich nicht blicken darf. In dem Fall muss der Nutzer die Kamera so ausrichten, dass sie eben nur Privatgelände sieht, oder braucht ein anderes Produkt.

Die App ist logisch aufgebaut, die Bedienung intuitiv.

Bewegt sich etwas im Bild, bekommt man eine Push-Nachricht aufs Handy und kann sofort den Live-Stream einsehen oder später die Aufzeichnung in der Cloud. Es gibt eine bidirektionale Sprachübertragung. Die Kamera überträgt alles, was das integrierte Mikrofon aufzeichnet. In der Live-Ansicht kann man Sprache auch von der Handy-App auf die Kamera übertragen. Das funktioniert erfreulich gut, in Abhängigkeit des Abstands zwischen Kamera und Sync-Modul gibt es aber eine Verzögerung von ein bis zwei Sekunden.

Bildqualität

Videos landen in 1080p in der Cloud. Der Öffnungswinkel der Linse beträgt 110 Grad; das ist schon relativ weitwinklig, aber noch kein Fischauge. Sowohl bei Tag als auch bei Nacht sind Gesichter meist gut zu erkennen, wobei wir ein paar Probleme mit Spiegelungen in der Kunststofflinse hatten. Für eine ordentliche Bildqualität im Dunkeln ist es wichtig, dass die Kamera weder in Lichtquellen blickt, noch dass sich reflektierende Gegenstände aus Metall oder Glas vor ihr befinden, die das Infrarotlicht zurückwerfen.

Die batteriebetriebene Kamera schaltet bei Bewegungserkennung sogar eine Infrarotbeleuchtung zu. Das Bild wirkt hier so matschig, weil das Licht vom Treppengeländer zurückgeworfen wird: Für Nachtaufnahmen sollte sich nichts in unmittelbarer Nähe vor der Linse befinden.

Die Reichweite zwischen Sync-Modul und Kamera war bei unseren Tests erfreulich. Die größtmögliche Entfernung im Haus inklusive Stockwerkswechsel hat nicht zu Problemen geführt und beim im Haus angeschlossenen Sync-Modul hat die Kamera auch im Garten bei 15 Metern Entfernung noch ein gutes Bild geliefert. Bei 20 Metern wurde es bei uns dann langsam fehleranfällig; oft kam die Verbindung nicht oder nur mit starker Verzögerung zustande. Fairerweise müssen wir aber dazusagen, dass eine an gleicher Stelle montierte Ring-Kamera mit WLAN-Anbindung ohne Repeater noch unzuverlässiger funktioniert.

Keine Spiegelreflex. etwas matschig – aber insgesamt kann sich das Full-HD-Bild im Hellen wie im Dunklen durchaus sehen lassen.

Cloud-Dienst

Über das Sync-Modul laden die Blink-Kameras ihre Aufzeichnungen in den Cloud-Dienst des Herstellers – mit allen bekannten Vor- und Nachteilen. Im Unterschied zu nahezu allen anderen Systemen ist das für Blink-Kunden aber kostenlos. Mit jeder Installation gibt es Gratis-Speicherplatz für 7200 Sekunden Video; das entspricht 2 Stunden – oder Platz für 1440 Standard-Aufzeichnungen von 5 Sekunden Länge. Wer möchte, kann die Aufnahmezeit für jede Kamera einzeln auch verändern. In der Praxis haben sich die 5 Sekunden als zu kurz erwiesen: Eine Person kommt ins Blickfeld der Kamera, bewegt sich kurz – und die Aufnahme ist vorbei, bevor man sieht, was passiert ist.

Per App ist es jederzeit möglich, die Videoaufzeichnungen abzurufen oder herunterzuladen. Ein 5-Sekunden-Clip mit Tonaufzeichnung belegt laut Hersteller etwa 750 KByte Speicher – das ist vor allem wichtig zu wissen, wenn man das System wirklich autark und ohne DSL-Verbindung betreiben möchte, etwa über einen LTE-Hotspot am Campingplatz.

Vorbildlich: Auch, wenn es dem einen oder anderen negativ aufstoßen dürfte, dass die Daten in der Amazon-Cloud landen, muss man hier im Gegensatz zum ebenfalls zu Amazon gehörenden Ring-Konzept keine persönlichen Daten, Zahlungsinformationen oder Adresse hinterlegen.

Fazit

Die Blink XT2 ist ein tolles Produkt für die Nische. Die einfache Einrichtung hat uns ebenso überzeugt wie die kostenlose Cloud oder die absolut ausreichende Bildqualität. Das Produkt ist eine optimale Lösung für eine Überwachung in selten frequentierten Bereichen. Wo viel los ist, bieten sich Alternativen mit Akku an. Die müssen zwar alle paar Wochen geladen werden, haben aber weniger Einschränkungen in Puncto Aufzeichnungsdauer.