Das neue smarte Heizkörperthermostat von Bosch besticht mit gut ablesbarem Display und schickem LED-Ring. Wie es sich in der Praxis schlägt, verrät der Testbericht.
Passend zu ihrem Firmenmotto „Technik fürs Leben“ hat die Robert Bosch GmbH mit dem Heizkörperthermostat II nach dem 2019 vorgestellten Modell (Testbericht) erst seit Kurzem ein neue überarbeitete Variante im Programm. Wie die erste Version kann auch das Heizkörperthermostat II nur in Verbindung mit dem Bosch Smart Home Controller betrieben werden. Denn anders als die ohne Zentrale auskommenden WLAN-Modelle funkt das Bosch-Thermostat mit dem für Smart-Home-Anwendungen optimierten Zigbee-Funkprotokoll (Ratgeber).
Das Starter-Paket Raumklima enthält neben dem Smart Home Controller und zwei Heizkörper-Thermostaten II noch einen Tür-/Fenster-Sensor, der das Thermostat herunterregelt, sobald er ein geöffnetes Fenster erkennt. Andere Lösungen wie der Aqara Radiator E1 (Testbericht) integrieren die Fenster-Offen-Erkennung direkt ins Thermostat. Allerdings basiert diese Erkennung auf einem starken Abfall der Temperatur und reagiert entsprechend zäh, da der im Thermostat integrierte Temperatursensor wegen des Abstrahleffekts des Heizkörperthermostats sehr lange benötigt, bis er ein offenes Fenster anhand eines Temperaturrückgangs signalisiert. Ein Tür-/Fenster-Sensor erkennt das sofort und schaltet das Thermostat ohne Verzögerung ab.
Das Design des Geräts weiß durchaus zu gefallen. Im Vergleich zum Vorgänger ist die Haptik aufgrund der stärker ausgeprägten Rundungen des mit 87 × 51 × 51 mm kompakten Thermostats angenehm und wertig. An der Oberseite informiert ein Display über die eingestellte oder die gemessene Temperatur. Was angezeigt wird, legen Nutzer in der App fest. Die kontrastreiche Anzeige ist auch bei direkter Lichteinstrahlung und bei Dunkelheit leicht ablesbar. An der Vorderseite sitzt ein silbergrauer Regler, mit der man die Zieltemperatur nach unten ober oben korrigieren kann. Zwischen vorderem Regler und dem hinteren in Weiß gehaltenen Teil des Gehäuses sitzt noch ein farbiger LED-Ring, der mit roter respektive blauer Beleuchtung kurz signalisiert, ob man die Temperatur erhöht oder reduziert hat.
Die Inbetriebnahme des Heizkörperthermostat II erfolgt mit der für iOS und Android vorliegenden App Bosch Smart Home. Doch bevor man zur App greift, muss zunächst der Smart Home Controller per mitgeliefertem Ethernetkabel mit dem heimischen WLAN-Router verbunden und mit Strom versorgt werden. Die Initialisierung kann einige Minuten in Anspruch nehmen, da das Gerät automatisch nach Aktualisierungen sucht und die neue Software gegebenenfalls herunterlädt und installiert. Dieser Vorgang kann laut Bosch bis zu 30 Minuten dauern. Im Test signalisiert der Smart Home Controller nach etwa 10 Minuten mit weiß leuchtenden Power- und Netzwerk-LEDs, dass er bereit für das weitere Setup ist.
Jetzt kann ihn mit der App verbinden. Hierfür scannt man den an der Unterseite des Geräts befindlichen QR-Code ein. Die App schafft das aber nicht, vermutlich, weil die QR-Code-Grafik zu klein ausfällt. Bei uns lag im Karton allerdings noch ein Aufkleber mit einer größeren QR-Code-Grafik, die die App problemlos eingelesen hat. Alternativ gibt es noch die Möglichkeit, die Koppelung über die manuelle Eingabe von Mac-Adresse und Key, die beide an der Unterseite des Geräts neben der QR-Code-Grafik aufgedruckt sind, durchzuführen. Nachdem der Smart Home Controller eingerichtet ist (siehe auch Bildergalerie) erfolgt die Koppelung mit Tür-/Fenster-Kontakt und Heizkörper-Thermostat II. Hierfür muss man den Tür-/Fenster-Kontakt öffnen und die Schutzfolie zwischen Batterie und Stromkontakt herausziehen und anschließend den QR-Code im Inneren des Sensors scannen. Für die Koppelung des Heizkörperthermostats scannt man den QR-Code im Batteriefach und setzt anschließend die mitgelieferten zwei AA-Batterien ins Heizkörperthermostat ein. Die Batterien sollen eine Betriebszeit von bis zu zwei Jahren ermöglichen, was sicher aber abhängig davon ist, wie häufig das Thermostat das Ventil steuert. In jedem Fall werden Anwender rechtzeitig informiert, wann ein Batteriewechsel erforderlich ist.
Die einzelnen Installationsschritte werden durch einen Installationsassistenten detailliert erklärt und sollten keine Probleme bereiten. Jetzt wird das Thermostat an den Heizkörper montiert. Standardmäßig passt es auf herkömmliche Schraubgewinde mit M30 x 1,5 mm (Passende Adapter für Danfoss RA und Danfoss RAVL liegen bei). Die App fordert dann eine Kalibrierung des Thermostats. Nach dieser ist das smarte Heizkörperthermostat einsatzbereit.
Wer die Bosch-Heizlösung auch unter Homekit steuern möchte, muss die Geräte mit der Bosch-Cloud verbinden. Das gilt auch für die Koppelung mit den Sprachassistenten Amazon Alexa und Google Assistant. Hierfür ist allerdings ein Nutzerkonto erforderlich. Wer das nicht wünscht, verzichtet auf die Cloud-Nutzung und steuert die an den Smart Home Controller II angebundenen Komponenten lokal – ganz ohne Konto und Cloud, was sicher vielen Anwendern aus Datenschutzgründen gefallen dürfte.
Über das Zahnradsymbol können Anwender auf die Einstellungen des Geräts und den Klimamanager (dazu später mehr) zugreifen. In den Geräteeinstellungen können sie Namen und Raum definieren, die Kindersicherung ein- und ausschalten sowie die Display-Parameter Ausrichtung, Helligkeit, Einschaltdauer sowie die angezeigte Temperatur (gemessen oder eingestellt) konfigurieren. In diesem Abschnitt lässt sich auch eine Temperaturangleichung des im Heizkörperthermostat befindlichen Temperatursensors vornehmen, falls dieser ungenau arbeitet. Außerdem verraten die Geräteeinstellungen noch die Zigbee-ID und die Ventilposition. Apropos Ventilposition: Das Heizkörperthermostat II bietet Schutz vor einer Verkalkung des Ventils, indem es jeden Samstag um 11 Uhr eine „Entkalkungsfahrt“ vornimmt.
Nun geht es an die Erstellung der Heizpläne. Diese lassen sich komfortabel in der App über Touchregler im Abschnitt Raumtemperatur einstellen. Hier definiert man zunächst die Dauer der Heizperiode, die in der App mit Warmphase bezeichnet wird. Pro Tag lassen sich bis zu sechs Heizperioden konfigurieren. Fürs Büro reicht uns eine Warmphase, die wir für 8 und 18 Uhr festlegen. Wer einen Heizplan für einen Tag erstellt hat, kann die Einstellungen mit einem Tippen auf Kopieren auf andere Wochentage übertragen – sehr praktisch.
Unter Dienste im Bereich Wohnkomfort können Anwender mit dem Klimamanager weitere Einstellungen und Automatisierungen festlegen. Mit der Option Heizpause & Kühlen kann so das Thermostat bei längerer Abwesenheit oder zu bestimmten Jahreszeiten mit Aktivierung der Einstellung Heizpause ausgeschaltet werden. Mit der Option „Nachhaltiges Lüften“ wird der Tür-/Fensterkontakt mit dem Thermostat gekoppelt. Erkennt der Sensor, dass ein Fenster geöffnet ist, schaltet das Thermostat den Heizkörper sofort ab. Optional kann man eine Verzögerung von bis zu 180 Sekunden einstellen, sodass bei einem kurzen Öffnen des Fensters das Thermostat nicht reagiert.
Das Bosch Heizkörperthermostat II kann auch mit einem externen Temperatursensor wie dem Smart Home Raumthermostat gekoppelt werden. Dann wird die gemessene Temperatur am Raumthermostat über den Smart Home Controller an das Heizkörper-Thermostate II weitergeleitet und die Raumregelung entsprechend angepasst.
Individuelle Alarmmeldungen können Anwender ebenfalls konfigurieren. So kann man etwa eine Regel definieren, dass bei einem länger als 10 Minuten geöffneten Fenster oder beim Abfall der Temperatur unter einen bestimmten Wert Nutzer Alarmierungen erhalten. Geofencing unterstützt das Gerät hingegen nicht direkt. Damit entfällt die Möglichkeit, das Heizkörperthermostat über Standortdaten zu steuern.
Das Bosch Heizkörperthermostat II kostet 70 Euro. Den Bosch Smart Home Controller II gibt es offiziell für 99 Euro. Er ist allerdings gerade für 63 Euro im Angebot. Zusätzliche Kosten in Höhe von 31 Euro entstehen noch durch den Tür-/Fenster-Offen-Sensor, auf den man aber auch verzichten kann.
Das Bosch Heizkörperthermostat II funktioniert im Test mit dem Smart Home Controller und dem Tür-/Fenster-Offen-Sensor tadellos. Es reagiert zügig auf Nutzereingaben und geht äußerst leise zu Werke. Haptisch und optisch hinterlässt es einen guten Eindruck. Positiv ist auch, dass es sich einfach bedienen und ganz ohne Cloud und Registrierung verwenden lässt. Wer also hohe Ansprüche an den Datenschutz stellt, ist mit der Bosch-Lösung bestens bedient. Anwender, die hingegen beim Komfort keine Kompromisse machen und das Gerät über einen Sprachassistenten oder Homekit steuern möchten, müssen sich registrieren und die Bosch-Cloud nutzen.
Allerdings ist die Bosch-Lösung im Vergleich zu anderen Modellen relativ teuer und sie bietet auch keine Integration in andere Smart-Home-Zentralen wie Homey Pro (Testbericht) oder Smartthings (Testbericht). Auch den Cloud-basierte Koppelungsdienst IFTTT unterstützt sie nicht. Schade ist auch, dass die App keinerlei Statistiken wie einen Temperaturverlauf bietet.
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