Der Quietcomfort Ultra bildet die neue technologische Speerspitze von Boses ANC-Kopfhörern. Wir verraten im Test, ob sich der Kauf lohnt und wie der Vergleich zum Vorgänger ausfällt.
Beim Kopf-an-Kopf-Rennen um das beste ANC spielt Bose seit jeher eine große und wichtige Rolle. Gerade in den letzten Jahren lässt es sich der ANC-Pionier nicht nehmen, vermehrt frische Modelle auf den Markt zu bringen, die sich alle irgendwie einordnen wollen.
Am einfachsten dürfte es beim neuen ANC-Flaggschiff sein: Der Bose Quietcomfort Ultra soll die besten ANC- und Klang-Qualitäten in sich vereinen, die Bose zu bieten hat. Aber auch (endlich) Features liefern, die die Konkurrenz schon länger an Bord hat: 3D-Sound und ein High-Res-Codec wären da vor allem zu benennen.
Ob der Anschluss gelingt und wie stark sich das neue Topmodell vom Vorgänger Bose Quietcomfort 45 (Testbericht) absetzt, klären wir im Test.
Schon der erste Blick zeigt deutlich: Bose bleibt auch beim Quietcomfort Ultra seiner etablierten und schlichten Designsprache treu. Hier ist überwiegend Kunststoff im Einsatz. Durch schöne Rundungen, farbliche Schattierungen und einem matten Finish fällt das aber nicht so deutlich auf wie bei vielen anderen Kopfhörern. Trotzdem: Zumindest etwas mehr sichtbares Metall oder besondere Stoffe hätten es mit Blick auf den gehobenen Preis durchaus sein dürfen. Dafür fällt der Bose Quietcomfort Ultra mit 250 Gramm vergleichsweise leicht ins Gewicht.
Die weichen und mit Kunstleder überzogenen Polster an den Ohrmuscheln und am Bügel tragen maßgeblich zum außerordentlich guten und anschmiegsamen Tragekomfort bei. Hier sitzt gefühlt alles perfekt. Nichts drückt oder zwickt unangenehm – auch nicht nach stundenlangem Tragen.
Der Bose Quietcomfort Ultra ist in vier Farben erhältlich: Schwarz, Weiß, Mondblau und in einer limitierten "Diamond 60th Edition", die speziell für das 60. Bose-Jubiläum entworfen wurde.
Bei der ersten Einrichtung, dem Pairing und auch bei der Bedienung per App und direkt am Kopfhörer macht sich Boses Erfahrung schnell bemerkbar. Alles geht simpel von der Hand, ist gut organisiert und schnell zu verstehen. Die Bedienung direkt am Kopfhörer ist auf das Wesentliche reduziert. An der Unterseite der rechten Ohrmuschel gibt es lediglich zwei Tasten: eine Bluetooth-/Power-Taste und eine Multifunktionstaste, die zur Mediensteuerung verwendet wird. Völlig unscheinbar, aber super funktionell: ein Streifen an der Rückseite des rechten Ohrhörers, über den durch Wischen nach oben oder unten die Lautstärke geregelt werden kann. Das funktioniert erfreulich präzise.
Die Begleit-App ist ähnlich durchdacht: Das Start-Menü ist mit nur sechs Punkten schön aufgeräumt. Die einzelnen Funktionen und Einstellmöglichkeiten finden sich dann gut geordnet und kompakt in den Untermenüs. Neben einem Equalizer mit vier Modi (Bassverstärker, Bassreduzierer, Höhenverstärkung und Höhenreduzierung), der sich auch individuell anpassen lässt, können etwa der 360-Grad-Sound, das ANC und eine Shortcut-Funktion eingestellt werden.
Im Bose Quietcomfort Ultra steckt viel zeitgemäße Technik. An Codecs gibt es – neben SBC und AAC – beispielsweise auch das qualitativ hochwertigen aptX-Adaptive. Übertragen wird per Bluetooth 5.3 – plus praktischem Multipoint-Feature für die Verbindung mit zwei Geräten gleichzeitig. An besonderen Premium-Funktionen sind der immersive 360-Grad-Sound und CustomTune zu benennen. Letzteres passt den Klang auf Wunsch automatisch an die Ohren an. Grundsätzlich scheint Bose bewusst darauf geachtet zu haben, dass es der Kopfhörer mit seinen Features nicht übertreibt und sich möglichst selbst um alles kümmert.
Das gilt zum Beispiel auch beim Power-Management: Über eine Trageerkennung begibt sich der Quietcomfort Ultra automatisch in einen Ruhemodus, sobald er abgesetzt wird – und schaltet sich sofort wieder ein, sobald er wieder auf dem Kopf sitzt. Die Dauer des Ruhemodus lässt sich über die App auf bis zu 24 Stunden einstellen. Ein kleines Feature mit hohem Komfort-Plus, gerade auf längeren Reisen, wenn man den Kopfhörer immer mal wieder für eine Weile weglegt und nicht ständig auf das Ein- und Ausschalten achten will.
Die Akkulaufzeit gibt Bose mit bis zu 24 Stunden an. Ein Wert, der über das automatische Power-Management und energiehungrige Features wie ANC und 360-Grad-Sound stark variieren kann. In unserem Test brachte uns der Akku selbst bei intensiver Nutzung, aktiviertem ANC und hoher Lautstärke souverän durch den Tag. Und wenn es doch mal knapp wird, lässt sich der QuietcomfortUltra über USB-C in nur 15 Minuten Schnelladen wieder für bis zu 2 Stunden nutzen.
In der Kopfhörer-Königsdisziplin gibt sich der Bose Quietcomfort Ultra kaum eine Blöße. Auch hier darf man Gewohntes erwarten: Das Klangbild setzt sich Bose-typisch mit kraftvollen und betonten Bässen zusammen, ohne die Mitten und Höhen zu überlagern. Eine schöne, warme Balance, die sehr präzise klingt, sich auf Wunsch über den Equalizer aber auch noch anpassen lässt. In der Werkseinstellung kümmert sich der Kopfhörer selbstständig um die Klangeinstellung. Das passt in unseren Ohren schon so gut, dass wir den Equalizer komplett links liegen lassen – was in unseren Tests äußerst selten passiert.
Der immersive 3D-Sound mit Head-Tracking, den Bose verschärft als bahnbrechend proklamiert, darf indes eher als nettes Feature angesehen werden. Es funktioniert gut und gibt vor allem beim Filmschauen dem Klang ein wenig mehr Tiefe, wirkt in der Praxis aber eher als nette Spielerei, die man zu selten bewusst aktivieren will. Über die Unterstützung von Dolby Atmos hätten wir uns weitaus mehr gefreut.
Wie zu erwarten, fällt die aktive Geräuschunterdrückung vom ANC-Pionier Bose sehr gut aus. Ist sie aktiviert, sind lediglich Höhen wie Stimmen oder klirrendes Geschirr wahrzunehmen. Um alles auszublenden, reicht schon eine sehr geringe Lautstärke aus. Das ist sehr beeindruckend. Im Vergleich zum Vorgängermodell Quietcomfort 45 (Testbericht) hat sich die ANC-Effektivität allerdings nur in überschaubaren Nuancen verbessert. Beide Modelle performen hier auf einem fast identischen, sehr hohen Niveau.
Von Haus aus gibt es drei ANC-Modi: Aus, Ein und Aware. Der Aware-Modus glänzt mit einem sehr natürlichen Eindruck und zählt zum Besten, was wir hier in den letzten Jahren bei Premium-Kopfhörern erleben konnten. Toll gemacht: Es kann auch ein eigenes ANC-Profil erstellt werden, etwa speziell fürs Laufen, bei dem das ANC dann in zehn Intensitäts-Stufen geregelt werden kann. Das erinnert stark an die Bose Noise Cancelling Headphones 700 (Testbericht), die das Feature mit insgesamt elf Stufen erstmalig bei Bose an Bord hatten.
Bei Amazon zahlen Käufer für den Bose Quietcomfort Ultra derzeit 279 Euro.
Der Quietcomfort Ultra ist der derzeit fortschrittlichste ANC-Kopfhörer von Bose. Er vereint beste ANC-Performance, einen schön natürlich klingenden Aware-Modus, richtig guten Sound und nützliche Funktionen. Dazu trägt er sich leicht, schmiegt sich der Kopfform gut an und ist grundsätzlich ein idealer Begleiter für längere Reisen. Am allermeisten gefällt uns aber das durchdachte Konzept von Bose, hier einen Kopfhörer anzubieten, der sich angenehm reduziert von selbst um alle Feinheiten kümmert. Gleichzeitig geht die gelungene Begleit-App in die Tiefe, um das Bedien- und Einstellungs-Ruder selbst in die Hand zu nehmen.
Fehlt noch der Schwenk zum Vorgängermodell: Besitzer des Bose Quietcomfort 45 (Testbericht) sollten nur dann über den Wechsel zum neuen Ultra-Modell nachdenken, wenn sie die technischen Detail-Upgrades wie der High-Res-Codec aptX Adaptive oder das 3D-Sound-Feature auch aktiv nutzen wollen. Was die Klang- und ANC-Performance angeht, sind sich beide Modelle weitestgehend gleichauf.
Der Gedanke kann auch in die andere Richtung gespielt werden: Vor allem für iPhone-Nutzer, die ohnehin auf den AAC-Codec setzen müssen, ist der QC 45 eine tolle und auch preisgünstigere Alternative.
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