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Creality Sermoon V1 Pro: Kompakter 3D-Drucker mit Cloud & hoher Druckqualität

Creality Sermoon V1
VORTEILE
  • einfache Inbetriebnahme
  • Steuerung per App
  • große Materialvielfalt
NACHTEILE
  • nicht, wie versprochen, kindersicher
  • Cloud-Slicing hat Verbesserungspotential
  • kleiner Bauraum

In der Cloud Druckmodelle auswählen und an den 3D-Drucker senden – das funktioniert mit dem Sermoon V1 von Creality. Der kompakte Drucker verspricht hohe Druckqualität und eine bequeme Bedienung. Wir haben den schicken Plug&Play-3D-Drucker getestet.

Kein Aufbauen, keine Voreinstellungen, nur auspacken, einschalten und 3D-Modelle drucken – und das auch ohne PC. Das klingt zu schön, um wahr zu sein, aber genau das verspricht der Hersteller. Die Standardausführung, des Creality Sermoon V1, gibt es ab 320 Euro, der Creality Sermoon V1 Pro mit eingebauter Kamera und zusätzlichem Türöffnungssensor ist zur Veröffentlichung des Tests ab 341 Euro direkt beim Hersteller erhältlich.

Dieser Einzeltest erscheint in unserer Themenwelt 3D-Drucker. Neben Tests von Filament- und Resin-Druckern vergleichen wir hier etwa Filamente oder zeigen, wo es kostenlose Druckvorlagen gibt.

In diesem Test geht es um den Creality Sermoon V1 Pro, einen als kindersicher beworbenen Filament-3D-Drucker mit geschlossenem Gehäuse.

Ausstattung

Der Sermoon V1 Pro ist trotz geschlossenen Gehäuses ein kompakter Filament-Drucker, der auch auf den Schreibtisch passt. Die Abmessungen betragen 40 × 38 × 43 cm, das Gewicht liegt bei 11,5 kg. Letztlich ist das Gerät etwa so groß wie ein Laserdrucker mit zusätzlichem Papierfach. Dementsprechend übersichtlich ist auch der Bauraum. Hier stehen maximal 17,5 × 17,5 × 16,5 cm zur Verfügung. Damit ist der Sermoon V1 einer der kleinsten FDM-Drucker, die wir getestet haben.

Der Creality Sermoon V1 in XY-Core-Bauweise.

Die Hardware kann sich allerdings sehen lassen. Doppelte Z-Arm-Führung in XY-Core-Bauweise in Kombination mit einem kleinen Bauraum versprechen hervorragende Druckergebnisse. Denn je kleiner der Drucker, desto kürzere Wege, weniger Vibration und somit genauere Druckergebnisse. Zum Einsatz kommt außerdem der neue Sprite-Extruder von Creality. Hierbei handelt es sich um einen Dual-Gear-Direct-Drive-Extruder mit hohem Vorschubdruck (bis zu 80 Newton). Die Kombination aus zwei ineinandergreifenden Filament-Förderrädern und einer minimalen Distanz zwischen Extruder und Hotend leistet exzellente Arbeit und erzeugt sehr saubere Drucke. PLA, PETG, ABS und TPU können damit problemlos verarbeitet werden. Wir haben mit diesem Extruder etwa TPU mit einer Druckgeschwindigkeit von ordentlichen 35 mm/s gedruckt und damit ausgezeichnete Ergebnisse erzielt.

Der Hersteller wirbt obendrein damit, dass der Sermoon V1 Pro ein kindersicherer 3D-Drucker ist. Doch wie stellt sich der chinesische Hersteller einen kindersicheren 3D-Drucker vor? Schließlich erreicht die Druckdüse eine Temperatur von bis zu 250 Grad und das Heizbett immerhin 80 Grad. Ferner gibt es Komponenten, die während des Druckvorgangs mit einer Geschwindigkeit von bis zu 15 cm pro Sekunde hin- und herfahren. Dazu kommt, dass 3D-Drucker ziemlich dumm sind. Sie fahren in der Regel nur ihren Dienstplan ab und reagieren nicht smart. Auch wenn ein Druck fehlschlägt oder das Material ausgeht, machen viele der Drucker stur weiter.

Die Lösung von Creality ist deshalb ein komplett eingehauster 3D-Drucker mit Filament-Erkennung und Türöffnungssensor in der Pro-Variante. Wird die Tür während des Druckvorgangs geöffnet, hält der Druckkopf an. Das dauert allerdings bis zu drei Sekunden, was uns in der Praxis deutlich zu lange erscheint. Die Temperatur von Druckdüse und Heizbett werden zudem weiter auf Betriebstemperatur gehalten. Hinzu kommt, dass auch in der Pro-Variante kein Öffnungssensor in der oberen Abdeckung sitzt. In Bezug auf Kindersicherung kann uns der Creality Sermoon V1 Pro deshalb nicht überzeugen – durchgefallen! Lange Abschaltzeit, ein fehlender Sicherungssensor und die konstant heiße Düse sprechen gegen ausreichend Kinderschutz. Auch wenn der Sermoon V1 hier nicht überzeugt – im Test hat er uns trotzdem positiv überrascht.

Insgesamt erscheint uns der Aufbau durchdacht. Das Gehäuse ist ordentlich verarbeitet und glänzt mit schickem Design. Der Filament-Rollenhalter kann bei Bedarf ein- oder ausgeklappt werden. Die obere Abdeckung geht nahtlos in die des Korpus über und ist, ohne Sicherung, abnehmbar. Die Pro-Variante besitzt zudem eine Kamera im Inneren. Wer will, kann den Druckvorgang so auch aus der Ferne beobachten.

Für eine bequeme Bedienung gibt es Auto-Leveling, ein manuelles Nivellieren ist somit nicht notwendig. Das beheizte Druckbett ist mit einer flexiblen und abnehmbaren, magnetischen Bauplattform ausgestattet.

Der Extruder des Creality Sermoon V1.

Creality hat außerdem sein Versprechen für einen 3D-Drucker mit Cloud-Anbindung gehalten. Per App kann man bequem 3D-Modelle aussuchen, diese für den Druck vorbereiten und dann direkt an den Sermoon V1 Pro senden. Zudem verarbeitet das Gerät im Test alle Materialien bis 250 Grad problemlos, ohne Warping oder Verzug. Dank der eingeschränkten Bauraumgröße und dem neuen Extruder ist die Qualität der Drucke einwandfrei.

Aufbau

Das ist ein kurzer Absatz. Der Creality Sermoon V1 Pro kommt schließlich schon fertig aufgebaut in einer weitgehend plastikfreien Verpackung beim Kunden an. Der größte Teil der Schutzverpackung besteht aus gepresster Pappe. Lediglich die Seitenteile sind mit Luftpolsterkissen ummantelt.

Sind diese entfernt, kann man den Drucker direkt aufstellen und muss nur noch das Netzkabel angesteckten. Das war es schon.

Die ausklappbare Filament-Rollenhalterung.

Software und Inbetriebnahme

Nach dem Hochfahren vermisst der Drucker zunächst sein Druckbett mithilfe des Druckkopfes. Händisches Leveln ist unnötig. Anschließend kann sofort von Speicherkarte gedruckt werden. Für die Remote-Control-Funktion benötigen wir erst noch die hauseigene Slicer-Software Creality Print, die Creality-Cloud-App und einen entsprechenden Account.

Nach dem Anlegen eines Nutzerkontos und der Installation der Software müssen wir uns mit dem Drucker verbinden. Dazu den Drucker einschalten und im Chassis neben dem Filament-Halter für etwa sechs Sekunden den kleinen Reset-Button drücken. Jetzt suchen wir per Smartphone ein WLAN mit dem Namen CXSWBox. Nach der erfolgreichen Verbindung erscheint in der Regel ein Hinweis in der Creality-Cloud-App. Dort wird die WLAN-Verbindung eingerichtet. Falls das Pop-up nicht erscheint, kann man über das Einstellungsrad in der unteren Reiterleiste unter Geräte – Sermoon V1 – Pro – Netzwerkeinstellungen die WLAN-Verbindung einrichten.

Sobald die Verbindung steht, wird der Sermoon V1 als online angezeigt. Nun auf dem Smartphone wieder zurück ins hauseigene WLAN wechseln und schon lässt sich der Drucker bequem per App steuern und überwachen. Auch der Download von fertigen Modellen funktioniert prima. Besonders praktisch ist die Cloud in Verbindung mit dem Creality-Print-Slicer für den Computer. In der PC-Software kann man zunächst ein beliebiges 3D-Modell slicen und es anschließend in die Cloud hochladen. Nach Upload des Gcodes öffnet sich ein Fenster und zeigt unter dem Reiter QR-Code-Login den QR-Code für das eben hochgeladene Modell. Diesen können wir jetzt per Cloud-App abfotografieren und dann direkt an den Drucker senden.

Wir müssen klar sagen, dass die Cloud-Print-Funktion aus unserer Sicht noch in einer Beta-Phase steckt. Immerhin Uploads und Downloads haben im Test gut funktioniert. Das Online-Slicen klappt, wenn auch noch mit kleinen Fehlern. Die Videoüberwachung in Echtzeit bleibt allerdings oft hängen und abgespeicherte Videos vergangener Drucke konnten wir uns ebenfalls nicht anschauen. Im Test hängt sich die App außerdem sporadisch auf, ohne nachvollziehbaren Grund. Die Idee hinter dem Konzept gefällt uns schon sehr gut und so bleibt zu hoffen, dass Creality hier in Zukunft noch fleißig weiterentwickelt.

Druckqualität

Im Hinblick auf Druckqualität hat uns der kleine Sermoon V1 positiv überrascht. Drucke aus PLA sind insgesamt überdurchschnittlich gut gelungen. Mit dem Standardmaterial hat der kleine Drucker keine Probleme. Am Rande bemerkt, die Blobs auf der gedruckten Vase sind einer alten Speicherkarte geschuldet. Beim Zurückspeichern der zurückgelegten Druckerbewegungen für die Auto-Resume-Funktion, war die Schreibgeschwindigkeit dieser Karte schlicht zu langsam.

Wir haben, auch ohne große Erwartungen, zickiges ABS-Filament gedruckt. Das Material verzieht sich stark im Laufe des Druckvorgangs und ist deshalb deutlich schwieriger zu verarbeiten als etwa PLA. Aber der Sermoon V1 Pro hat hier dank geschlossenem Bauraum wunderbare Druckergebnisse geliefert: kein Verzug, kein Ablösen vom Druckbett. Die für ABS eigentlich zu niedrige Heizbetttemperatur von maximal 80 Grad, zeigt, dass auch die neu entwickelte Druckauflage gute Dienste liefert.

ABS hält gut. auch bei nur 80 Grad.

Drucken direkt über die Cloud hat im Test zwar funktioniert, doch wurde bei der Build-Plate-Adhesion ein Fehler erzeugt, weshalb wir den Druck abgebrochen haben. Bei einem Druck ohne Raft hat das Arbeiten per Cloud gut funktioniert.

Preis

Der Sermoon V1 Pro kostet 341 Euro im Onlineshop von Creality. Deutsche Shops rufen mit etwa 450 Euro deutlich mehr auf. Bei Ebay gibt es den Sermoon V1 ab 320 Euro, allerdings ohne Türkontakt und ohne Kamera. Auch hier verlangen deutsche Shops 450 Euro und mehr.

Fazit

Der kompakte Sermoon V1 ist ein echtes Kleinod, das bequem und unkompliziert dreidimensional druckt. Der kompakte Desktop-Printer hat dank des großartigen Extruders und der guten Druckbettauflage viele Materialien, wie ABS und TPU, im Griff. Hier braucht es kein aufwändiges Leveln, kein Basteln und kein Tunen. Der einsteigerfreundliche Drucker bietet dafür Druckerüberwachung in Echtzeit und Remote-Control per PC oder Smartphone. Wer mit dem eingeschränkten Bauraum zurechtkommt, erhält einen schicken 3D-Drucker mit ausgezeichneter Druckqualität zu einem fairen Preis.

Die Creality-Cloud ist die erste 3D-Bibliothek, die ihre Modelle gleich fertig aufbereitet für den jeweiligen Drucker ausliefert. Der PC kann somit ausgeschaltet bleiben. Für einen reibungslosen Einsatz der Cloud muss aber noch die eine oder andere Kinderkrankheit ausgemerzt werden. Das Konzept hat definitiv großes Potenzial.

Lediglich im Hinblick auf die Kindersicherheit konnte der Drucker trotz des Werbeversprechens nicht überzeugen, aber hier schneiden auch andere Modelle nicht besser ab. Wer größere Objekte drucken will, benötigt einen anderen Drucker. Wem das geschlossene Gehäuse und der Formfaktor gefällt, der sollte sich alternativ noch den fertig aufgebauten Flashforge Adventurer 3 (Testbericht) ansehen. Der bietet ebenfalls einen umbauten Bauraum mit integrierter Kamera und liefert sehr ordentliche Ergebnisse. Eine Cloud-Anbindung gibt es hier allerdings nicht.

Weitere Tests, Materialvergleiche und Ratgeber rund um dreidimensionales Drucken zeigen wir in der Themenwelt 3D-Drucker.