Bereits im zarten Alter von fünf Jahren hatte Jonas seinen ersten PC und hat glücklicherweise noch die Zeit von Kassetten, CDs und Disketten miterlebt. Seitdem hat ihn Technik und der Spaß an Gadgets nicht mehr losgelassen. Angefangen hat er 2023 als Volontär bei TechStage, das 2024 in heise bestenlisten übergegangen ist. Seit 2025 ist er dort nun fest als Redakteur im Team tätig und allen voran Experte für Mini-PCs. Weiterhin testet er für allerlei PC-Zubehör, Saugroboter, Ladegeräte und Powerbanks. Privat ist er Vielleser, Bahn-Nerd und Musikliebhaber, wobei sein Musikgeschmack so vielfältig ist wie er selbst.
Klein, aber wie oho ist dieser Mini-PC? Die CSL Tiny Box ist verglichen mit anderen Vertretern seiner Art wirklich winzig. Was das preiswerte Gerät bietet, klärt der Testbericht.
Die CSL Tiny Box ist wirklich richtig klein. Gerade einmal eine Handfläche füllt der Mini-Mini-PC aus und ist abermals kompakter als der schon kompakte Blackview MP80 (Testbericht) – das ist beeindruckend. Das macht ihn zum bisher kleinste Mini-PC, den wir in den Händen gehalten haben. Viel Leistung passt in ein so kleines Gehäuse jedoch nicht und so finden wir hier lediglich einen Celeron N4120 und 4 GB Arbeitsspeicher (RAM) zum Preis von 170 Euro vor. Gerade der RAM ist sehr knapp bemessen. So ist der Windows-Betrieb eine echte Zumutung.
Die CSL Tiny Box ist am unteren Ende der Leistungskette angesiedelt. Zum Einsatz kommt mit dem Intel Celeron N4120 sogar ein Quad-Core-Prozessor (vier Kerne mit 1,1 GHz Basistakt, 2,6 GHz Boosttakt), der aber im Schatten des unterdimensionierten RAMs steht. Lediglich 4 GB sind fest auf der Platine verlötet. Nachrüsten geht also nicht. Beim Systemspeicher setzt man auf 128 GB eMMC-Flash-Speicher, der laut Speicher-Benchmark Crystaldiskmark mit USB-Stick-Geschwindigkeit von etwa 170 MB/s arbeitet.
Immerhin hier kann man nachrüsten, denn im Unterboden versteckt sich M.2-Steckplatz für M.2-2242-SSD. Mehr Speicher kann man sich aber auch direkt auf der Herstellerwebseite über einen Konfigurator hinzu konfigurieren. Auch gibt es Varianten der Tiny Box, die direkt auf eine M.2-SSD mit mehr Speicher setzen.
Bei den Anschlüssen hat Spartanismus Einzug gehalten, was aber mit der Größe und dem dadurch knappen Platz am und im Gehäuse zu erklären ist. So gibt es neben dem einzig zur Stromversorgung vorhandenen USB-C-Anschluss nur zwei Anschlüsse für USB-A 3.2 Gen 1 und einmal HDMI 2.0. Ein Ethernet-Anschluss für eine stabile LAN-Anbindung fehlt gänzlich, über einen entsprechenden Adapter, wie den TP-Link UE300 für rund 10 Euro, kann man den LAN-Port per USB nachrüsten. Das Modul für WLAN setzt auf den veralteten Standard Wi-Fi 5, bei Bluetooth ist man hingegen mit Version 5.1 noch recht aktuell unterwegs.
Wichtig: Der Mini-PC lässt sich ausschließlich mit dem beigelegten Netzteil mit Strom versorgen. Andere Ladegeräte mit unter 65 Watt (Bestenliste) sowie ab 65 Watt (Bestenliste) oder Powerbanks (Bestenliste) brachten die Tiny Box nicht zum Laufen.
Die CPU verfügt zwar über vier Kerne, doch selbst der Dual-Core-Prozessor des Bmax 6 Plus (Testbericht) rennt um Welten besser – mehr Kerne nutzen bei der kümmerlichen Menge an Arbeitsspeicher wenig. Bester Beweis dafür ist das Ergebnis in PCmark 10, das mit 1497 Punkten das niedrigste Ergebnis bei einem Mini-PC ist, das wir jemals gemessen haben.
Im Alltagsbetrieb ruckelt Windows 11 selbst im minimalistischen S-Modus ununterbrochen, für den Homeoffice-Betrieb ist das System in unseren Augen gänzlich unbrauchbar. Der S-Modus für leistungsschwache Systeme schränkt die Programmauswahl auf Store-Apps ein, die Deaktivierung geht leicht über die Windows-Optionen. Empfehlenswert ist die Nutzung von Windows hier keinesfalls.
Ein leichtgewichtiges Linux könnte allerdings aufgrund des geringen Ressourcenverbrauchs für eine Besserung sorgen. Hier empfehlen sich klassische Leichtgewicht-Derivate, wie Lubuntu, Xubuntu oder das Tiny Core Linux. Aber auch Chrome OS Flex als Systemressourcen-schonendes System kann man verwenden. Der Download klappt über das Chromebook Recovery Extension Tool, wie die Kollegen von Heise Download erklären.
Was die Einsatzzwecke angeht, sehen wir die Tiny Box bei wenig anspruchsvollen Anwendungsbereichen, wie als Basis für Informationsanzeigen, Kassensysteme oder Hotspot. Gerade, wo man nicht wahrnehmen soll, dass ein Mini-PC am Werke ist, spielt das Gerät seinen größten Trumpf aus. Hier ist die geringe Größe ein riesiges Ass, denn so passt die Tiny Box überall hinein und verschwindet einfach aus dem Blickfeld. Damit hat sie auch ein Alleinstellungsmerkmal, denn obwohl Mini-PCs an sich bereits klein sind, ist das CSL-Gerät wirklich winzig. Zur Montage bietet sich dabei die VESA-Montagevorrichtung an.
Die Betriebslautstärke der Tiny Box ist gut, wir messen per Smartphone-App rund 30 Dezibel am Gehäuse und etwa 22 Dezibel aus einem Meter Entfernung. Das ist für einen Mini-PC vollkommen in Ordnung und damit nur schwer von Umgebungsgeräuschen zu differenzieren, unhörbar ist der Zwergenrechner aber dennoch nicht. Ein positives Beispiel, da gerade Modelle von Geekom keine ordentliche Lüftersteuerung haben und immer laut aufdrehen. Schwächere Mini-PCs sind jedoch ohnehin leiser, da die Wärmeentwicklung sich durch die geringere Leistung in Grenzen hält – so auch hier.
Die Verarbeitung der CSL Tiny Box ist grundsolide, der schwarze Kunststoff weder überragend gut noch schlecht. Lediglich bei den Lüftergittern auf der Oberseite sollte man Vorsicht walten lassen, sie sind sehr filigran und geben bereits bei wenig Druck nach – weshalb sie recht schnell brechen und in den Lüfter geraten könnten. Schön sind die Gummistandfüße am Unterboden, womit sich Vibrationen des Lüfters nicht übertragen können.
In der Basisausstattung mit 128 GB an eMMC-Speicher und 4 GB RAM zahlt man für die Tiny Box bei Amazon aktuell 170 Euro. Möchte man statt eMMC- einen SSD-Speicher, der über 512 GB verfügt, liegt man schon bei 240 Euro. Angesichts der Leistung erscheint das teuer.
Die CSL Tiny Box gewinnt vor allem mit ihrer absurd geringen Größe unsere Herzen. Doch sobald wir den Ein-/Aus-Knopf betätigen und die ersten Schritte in Windows 11S gehen, überlegen wir uns das mit der Liebe noch einmal. Denn die Performance ist unterirdisch, der Rechner kaum für den Betrieb von Windows nutzbar.
Wir können das System folglich nur mit dem Einsatz leichtgewichtiger Linux-Derivate empfehlen und für leistungsschwache Anwendungen. Dazu gehören unter anderem Kassensysteme oder Informationsanzeigen, beispielsweise im Zusammenspiel mit mobilen Monitoren (Ratgeber). Am Ende ist unser jäh gefälltes Urteil: Wer nicht gerade auf die Kompaktheit des Systems abfährt, der ist mit anderen gleich teuren Mini-PCs besser bedient. Ansonsten sind 4 GB RAM im Jahr 2024 fast schon eine Beleidigung und dringend zu meiden.
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