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Dashcam Nextbase 422GW im Test: GPS, Alexa, Notrufsystem

Dashcam Nextbase 422GW im Test: GPS, Alexa, Notrufsystem
VORTEILE
  • sehr hohe Bildqualität
  • einfache Bedienung
  • praktische Auswertungssoftware
NACHTEILE
  • hoher Preis
  • Notruffunktion kostenpflichtig

Die 422GW gehört zur neuen Generation von Dashcams des Herstellers Nextbase. Neben den neuen Funktionen wie Sprachsteuerung und Notrufsystem gefällt uns vorwiegend die Bildqualität.

Wenn es im Straßenverkehr kracht, steht oft die Schuldfrage im Raum. Wer sich absichern möchte, braucht handfeste Beweise. Diese dürfen nach einem Urteil des BGH auch in Form eines Videos vorgelegt werden.

Unter bestimmten Bedingungen sind Aufzeichnungen einer Dashcam als Beweismittel bei Unfällen zulässig (BGH-Urteil vom 15. Mai 2018 – VI ZR 233/17). Grundsätzlich verstoßen die Aufnahmen gegen das Datenschutzrecht. Eine Ausnahme sind kurze, anlassbezogene Aufzeichnungen eines Unfallgeschehens. Letztlich bedeutet dies, dass die Videoaufzeichnungen der Dashcam nur dann erlaubt sind, wenn sie lediglich einen kurzen Zeitraum um das Unfallgeschehen speichern. Videos, die keinen Unfall zeigen, dürfen nicht gespeichert und erst recht nicht im Internet veröffentlicht werden.

Design und Lieferumfang

Das Design der Dashcam 422GW ist modern und die Abmessungen sind im Vergleich zu den Vorgängermodellen ein Stück geschrumpft. Auf der Vorderseite sitzt das sehr lichtstarke Objektiv mit einer Blende von f/1,3 und der magnetische Slot für die Halterung. Dank der hohen Lichtempfindlichkeit sind damit auch Aufnahmen bei hohem Fahrtempo und bei Dämmerung ausreichend scharf. Den größten Teil der Rückseite nimmt das berührungsempfindliche 2,5-Zoll-IPS-Display ein. Darunter ist der orange beleuchtete Notfall-Taster verbaut. Auf der Oberseite sitzt eine Mini-USB-Schnittstelle für den Anschluss am Computer. Power-Taster und der Einschub für eine Micro-SD-Karte sind auf der linken Gehäuseseite zu finden. Auf der Unterseite sitzen der Reset-Taster und ein Helligkeitssensor. Auf der rechten Seite ist eine Mini-HDMI-Buchse verbaut. Diese funktioniert sowohl als Ein- als auch als Ausgang. Mehr dazu unter dem Punkt Bedienung.

Die Kamera misst 85 × 47 × 45 mm und wiegt zusammen mit der Saugnapfhalterung 160 Gramm. Dank der geringen Größe passe die Kamera unauffällig hinter den Rückspiegel. Die Vorderseite ist aus gebürstetem Aluminium gefertigt; Verarbeitung und Haptik sind sehr hochwertig.

Zum Lieferumfang gehört auch noch ein Kratzer, um die Klebehalterung zu entfernen.

Neben der Dashcam gehören ein Mini-USB-Kabel und zwei Halterungen für die Windschutzscheibe zum Lieferumfang. Eine passende Mikro-SD-Speicherkarte mit 32 GByte und ein Werkzeug zum Entfernen der Klebehalterung sind ebenfalls beigepackt. Das 12-24V-Netzteil für den Zigarettenanzünder ist auch für die Nutzung in einem Lkw ausgelegt. Die Kabellänge ist mit zwei Metern Länge ausreichend dimensioniert, um sich vernünftig verlegen zu lassen.

Der Nutzer hat bei dieser Dashcam die Auswahl zwischen einer Saugnapf- und Klebe-Halterung. Die magnetischen Halterungen verfügen über einen zusätzlichen USB-Port und so kann die Kamera aus dem Fahrzeug entnommen werden, ohne das Kabel abstecken zu müssen. Sowohl Klebe-Halterung als auch das Modell mit Saugnapf haben im Test einwandfrei gehalten. Auch die magnetische Verbindung zwischen Halterung und Dashcam funktioniert zuverlässig.

Ausstattung

Neben GPS-Empfänger und Beschleunigungssensor ist die rechtlich relevante Loop-Funktion integriert. Die Kamera zeichnet dabei nicht nonstop auf, sondern in kurzen Videoclips mit einer bis drei Minuten Länge. Sie überschreibt automatisch die ältesten Aufnahmen, sobald die Speicherkarte voll ist.

Der interne Beschleunigungssensor bemerkt starke Verzögerungen, wie sie bei Bremsmanövern oder einem Crash auftreten und verschiebt das aktuelle Video-File in einen eigenen Unterordner auf der Speicherkarte. Versehentliches Überschreiben einer strittigen Situation ist so nicht möglich. Wer eine Aufnahme händisch vor dem Überschreiben schützen möchte, drückt den Notfall-Taster unterhalb des Monitors. In der Standardeinstellung speichert die Kamera die Videoclips in zwei unterschiedlichen Auflösungen und Qualitätsstufen ab. Ein einminütiges Video in hoher Auflösung belegt etwa 115 MByte Speicher, das niedrig aufgelöste Video braucht lediglich knapp 12 MByte Platz. Das ist dann hilfreich, wenn ein Video per Smartphone verschickt werden soll.

Die Kamera hilft nicht nur, beim Fahren Beweise zu sichern, sie bleibt auf Wunsch auch beim Parken aktiv. Zur Parkraumüberwachung ist neben dem Beschleunigungssensor eine zusätzliche Bewegungserkennung integriert. Verzeichnet die Kamera Bewegungen oder Erschütterungen, startet sie eine Aufzeichnung auf und hilft so eventuell bei der Aufklärung von Parkremplern oder Vandalismus. Dank des integrierten Akkus funktioniert dieses Extra auch, wenn die Kamera keinen Strom vom Auto bekommt.

Die Bedienung des Touchscreens funktioniert zuverlässig.

Damit das Livebild nicht ablenkt, schaltet sich das Display auf Wunsch nach einer halben Minute ab. In der Standardeinstellung bleibt das Display aber an. Wer den Bildschirm dauerhaft benutzt, profitiert vom integrierten Lichtsensor, der die Helligkeit automatisch an das Umgebungslicht anpasst. Das ist primär bei Nachtfahrten hilfreich, besser fährt es sich aber mit ausgeschalteter Anzeige.

In Sachen Video-Auflösung hat die 422GW weniger Auswahlmöglichkeiten als das Top-Modell 612GW (Einzeltest) der ersten Baureihe. Zur Wahl stehen Aufnahmen in 1440p (30 fps) oder 1080p (60/30 fps).

Wer möchte, kann die Videos auch als Zeitraffer aufnehmen, um damit etwa sein Urlaubsvideo aufzuwerten. Dazu muss die entsprechende Funktion im Menü aktiviert sein. Die Wiedergabezeit des Zeitraffers beträgt ein Sechstel der eigentlichen Aufnahmedauer. In der Anleitung weist der Hersteller darauf hin, dass diese Funktion für die Freizeitgestaltung gedacht ist und im normalen Straßenverkehr deaktiviert werden soll. Wer sie nutzt, kann Fahrten mit einer Dauer bis zu einer halben Stunde aufnehmen.

Neu hinzugekommen ist die Integration der Alexa-Sprachsteuerung und des automatischen Notrufs. Auf diese beiden Sonderfunktionen gehen wir weiter unten genauer ein.

Bedienung

Die Steuerung per Touchscreen ist einfach und intuitiv. Die Menüführung der 422GW ist nachvollziehbar aufgebaut und dank einer vernünftigen Übersetzung leicht verständlich. Ein gleich zu Testbeginn fällige Update ist nach etwa drei Minuten mithilfe des Smartphones installiert.

Wer seine Kamera lieber am Smartphone konfiguriert oder sich Videos herunterladen möchte, kann die kostenlose App MyNexbase Connection für iOS und Android benutzen. Auch diese ist bequem zu bedienen, allerdings steht sie zum Testzeitpunkt nur in einem Sprachmix aus englisch und deutsch zur Verfügung.

Die App für die Dashcam ist intuitiv zu bedienen.

Wenn die Kamera einmal konfiguriert ist, muss sich der Nutzer nicht weiter darum kümmern. Sobald die Dashcam Strom bekommt oder händisch eingeschaltet wird, beginnt sie mit der Loop-Aufzeichnung. Vom Überschreiben alter Aufnahmen bekommt der Nutzer nichts mit. Lediglich wenn zu viele Videos mit dem Notfall-Button markiert wurden, muss man eingreifen und Platz auf der Speicherkarte schaffen.

Wer möchte, kann Geschwindigkeit, Datum, Uhrzeit und auch einen Namen oder ein Kennzeichen im Video einblenden. Wer dies nicht will, deaktiviert die jeweilige Anzeige im Menü. Die GPS- und Geschwindigkeitsdaten werden allerdings trotzdem mit abgespeichert.

Die kostenlose Nexbase-Software Replay 3 hilft bei der Auswertung der Videos. Das Programm spielt nicht nur die Aufnahmen ab, es zeigt auch Geschwindigkeit, Beschleunigungswerte und GPS-Position auf einer Karte an.

Obwohl die Dashcam auch bei moderaten Temperaturen schnell warm wird, funktioniert sie während des Tests selbst an heißen Tagen zuverlässig. Trotz über 40 Grad im Fahrzeuginneren macht die 422GW keinerlei Probleme.

Wer die Kamera per HDMI an einen Monitor anschließt, kann die Videos ohne Umwege abspielen und ansehen. Ein nettes, aber nicht wirklich notwendiges Extra. Interessanter ist da die Verwendung als Video-Eingang. Wer möchte, kann eine zweite Kamera an die 422GW anschließen, um damit ein Video mit Sicht nach hinten aufzuzeichnen. Nextbase bietet dafür drei verschiedene Rückkameras an. Ein Modell ist für die Montage an der Heckscheibe gedacht. Diese zeichnet lediglich den Verkehr hinter dem Fahrzeug auf. Die anderen beiden Varianten kommen direkt in den HDMI-Slot der Dashcam und nehmen entweder die Rückbank und Heckscheibe oder gar den kompletten Innenraum auf. Diese Option ist hauptsächlich für Eltern oder Fahrer mit unbekannten Fahrgästen interessant.

Bildqualität

Die Bildqualität der Videos ist, trotz der verringerten Auflösung, besser als beim alten Top-Modell Nextbase 612GW. Insbesondere der verbesserte und schnellere Weißabgleich hinterlassen einen sehr positiven Eindruck. Die Aufnahmen sind scharf und kontrastreich. Die Farben wirken natürlich und auch bei Fahrten mit starkem Gegenlicht ist der Dynamikumfang ordentlich. Wichtige Details wie Nummernschilder oder Straßennamen sind tagsüber in allen Lichtsituationen gut zu erkennen.

Der Blickwinkel ist mit 140 Grad ausreichend, um das Geschehen vor dem Auto einzufangen. Selbst Pkw auf annähernd selber Höhe sind noch erkennbar.

Dashcams sollten mindestens ein Blickfeld von 120 Grad haben.

Im Test haben wir die Standardeinstellung mit 1440p (30fps) benutzt. Die Standbilder aus den Videos sind sowohl bei niedrigen als auch bei hohen Geschwindigkeiten ordentlich scharf. Hier hat sich in Sachen Bildqualität einiges getan. Bei den bisher getesteten Kameras waren Standbilder der Aufnahmen mit 30 fps häufig unscharf – speziell bei hohem Fahrtempo.

Die Nachtaufnahmen sind ausreichend gut, können aber nicht mit der hervorragenden Bildqualität in heller Umgebung mithalten. Das Geschehen direkt im Scheinwerfer-Pegel ist gut zu erkennen. Aufgrund der Reflexionen der eigenen Scheinwerfer sind die Nummernschilder entgegenkommender Fahrzeuge aber nach wie vor nur schlecht lesbar. Im Vergleich zur 612GW ist die Qualität der Nachtaufnahmen der 422GW deutlich besser.

Sonderfunktionen

Sowohl die Sprachsteuerung mit Amazon-Alexa als auch die Notruffunktion funktionieren nur zusammen mit einem Smartphone mit Internetverbindung. Eine eigene Datenverbindung mit E-SIM oder einen eigenen SIM-Kartenslot gibt es bei der Dashcam nicht.

Im Test hatten wir massive Probleme mit der WLAN-Verbindung zwischen Dashcam und Smartphone. Diese brach immer wieder ab, weshalb wir weder Alexa noch den Notruf ordentlich testen konnten. Nach Rücksprache mit dem Hersteller bekommen wir in den nächsten Tagen eine Ersatzkamera. Sobald wir auch eine von den optional erhältlichen Rückfahrkameras erhalten, werden wir all diese Funktionen noch einmal überprüfen und den Test aktualisieren. Die Notruffunktion und Alexa fließen deshalb auch nicht in unsere Bewertung mit ein.

Die Sprachsteuerung per Alexa-App ist zwar ohne Dashcam nutzbar, einen Vorteil hat die Integration in der 422GW trotzdem: Wer sein Smartphone in der Mittelkonsole lädt oder in der Hosentasche lässt, kann Alexa im Normalfall nicht nutzen, da das Smartphone-Mikrofon abgedeckt ist. Letztlich bringt die Dashcam keinen integrierten Echo-Smartspeaker mit, der selbst auf Sprache & Co. reagiert; im Endeffekt ist es nur ein zusätzliches, gut platziertes Mikrofon mit Zugriff auf die Alexa-App auf dem Smartphone. Dank passendem Alexa-Skill hat das aber doch einen Mehrwert: Wer möchte, kann insbesondere Aufnahmen sichern, ohne dafür den Notfall-Knopf zu bedienen. Ein nettes Gadget für all jene, die es tatsächlich brauchen.

Der automatische Notruf-Assistent ist die zweite große Neuerung. Das Feature hängt am europäischen Ecall-System und übermittelt im Falle eines Unfalls die Koordinaten des Fahrzeugs und stellt eine Sprechverbindung zur Notrufzentrale her. Die Funktion ist im ersten Jahr kostenlos; nach 12 Monaten schlägt der Service mit gut 4 Euro pro Monat zu Buche. Immerhin ist kein Jahresvertrag nötig: Wer die SOS-Funktion nutzen will, kann sie bei Bedarf auch nur für einen einzelnen Monat buchen.

Das System funktioniert auf Basis der Daten des Beschleunigungssensors der Kamera. Damit nicht bei jedem Bremsmanöver ein Notruf ausgelöst wird, werden nach starken Verzögerungen diverse Parameter abgefragt, bevor tatsächlich ein Rettungswagen gerufen wird. Die Software prüft dabei unter anderem die GPS-Daten der Dashcam und vom Smartphone. Bewegt sich eines der beiden Geräte, bricht der Notruf ab. Ist die Position unverändert, bekommt der Nutzer in letzter Instanz einen Anruf. Erst wenn dieser nicht beantwortet wird, setzt die Zentrale wirklich einen Notruf ab. Dies funktioniert laut Hersteller in ganz Europa. Außer den reinen Positionsdaten kann der Nutzer dabei noch eine Reihe an Informationen zur Verfügung stellen. Neben Namen, Fahrzeugtyp und Farbe, Kennzeichen oder Blutgruppe können etwa Allergien oder Medikamentenunverträglichkeiten angegeben werden. Neuwagen haben diese Funktion bereits integriert, alte Fahrzeuge lassen sich so mit wenig Aufwand nachrüsten.

Preis

Die UVP für die Nextbase 422GW liegt bei 179 Euro. Die günstigsten Angebote gibt es bereits ab 156 Euro.

Fazit

Die Nextbase 422GW ist mit knapp unter 200 Euro verhältnismäßig teuer, aber diese Investition lohnt sich. Das einfache Handling, der zuverlässige Beschleunigungssensor und die sehr hohe Bildqualität überzeugen im Test. Auch die beiden Halterungsvarianten und die kostenlose Auswertungssoftware sind positiv.

Die Sonderfunktionen Notruf und Alexa sind praktisch, wenn man sie denn wirklich braucht. Für Nutzer, denen es lediglich um eine gute und zuverlässige Dashcam geht, treiben sie den Preis aber unnötig in die Höhe. Wer weder Alexa noch Notruf-Assistenten braucht, kommt mit den kleineren Modellen von Nextbase deutlich günstiger weg – ohne dabei große Abstriche bei der Bildqualität machen zu müssen. Wer Probleme mit Spiegelungen in der Windschutzscheibe hat, muss zum Top-Modell 522GW oder dessen Vorgänger 612GW (Einzeltest) greifen. Hier ist ein zusätzlicher Polfilter verbaut, der dieses Problem minimieren sollte.