Lukasz beschäftigt sich seit über 15 Jahren als Redakteur mit Smartphones, Apps, Gadgets und Content-Marketing. Seit 2021 arbeitet er für Heise Medien und ist derzeit leitender Redakteur bei Heise Bestenlisten. Der studierte Historiker aus Tübingen begeistert sich sonst für Fitness, Fußball, Fotografie sowie basslastige Musik.
Als Dashcam mit drei Objektiven filmt die Vantrue E3 alle Bereiche rund ums Auto ab. Wie gut die Autokamera ist, zeigt der Test.
Die Dashcam Vantrue Element 3 (kurz: E3) macht gleichzeitig Videos vom Innenraum, dem Bereich hinter sowie vor dem Fahrzeug. Die Weiterentwicklung der Vantrue Element 1 (Testbericht) liefert damit umfassende Aufnahmen, die als Beweismittel vor Gericht im Schadensfall genutzt werden können. An der Autokamera selbst befinden sich zwei Linsen: Eine filmt das Geschehen im Cockpit, die andere den Bereich in Fahrtrichtung. Eine zusätzliche Kamera für die Heckscheibe hat den Bereich hinter dem KFZ im Blick.
Dashcams sind nach wie vor umstritten in Deutschland. Aufnahmen sind aber unter bestimmen Voraussetzungen vor Gericht zulässig, wie aus einem BGH-Urteil von 2018 hervorgeht. Verboten sind und waren Dashcams nie. Der Einsatz einer Autokamera bringt aber große Herausforderungen mit sich bezüglich des Datenschutzes.
Die Vantrue Element 3 sieht im Prinzip aus wie eine Digitalkamera. Sie ist damit deutlich größer als die kompakte Vantrue Element 1 (Testbericht) und entspricht mit ihren Abmessungen (74 × 44 × 40 mm) eher unserem wuchtigen Testsieger Nextbase 622GW (Testbericht). Die Größe ist dem Display im 16:9-Format sowie der zweiten Linsen für den Innenraum geschuldet. Damit fällt sie im Blickfeld des Fahrers deutlich mehr auf als die kleine Element 1 – was einige als störend empfinden könnten.
Nur noch die Form des Hauptobjektivs erinnert an die kleinere Element 1. Diese ist auffällig in eine große, kreisrunde Kunststoffscheibe eingebettet. Die Verarbeitung hinterlässt einen erstklassigen Eindruck. Das Gehäuse besteht weitgehend aus Metall, lediglich die Abdeckungen vorne an der Kamera sind aus Kunststoff. Spaltmaße gibt es keine, alle Tasten bieten einen festen Druckpunkt.
Links befindet sich ein auffällig in Orange gehaltener Knopf. Dieser schaltet die Kamera durch längeres Drücken bei Bedarf aus oder speichert eine Aufnahme direkt in einem geschützten Speicherbereich ab (mehr dazu später). Darunter ist der Schacht für eine microSD-Karte. Diese gehört aber nicht zum Lieferumfang. Mehr über passende microSD-Karten erklären wir im Ratgeber Speicherkarten: Die richtige Karte für Handy, Kamera oder Drohne finden.
Auf der Rückseite befindet sich das LCD mit einer Diagonale von 2,45 Zoll, daneben ist die Linse, die Fahrer und Innenraum filmt. Oben befindet sich die Halterung zum Ankleben an der Windschutzscheibe sowie ein USB-C-Steckplatz für das Kabel der Heckkamera. Zur Stromversorgung gibt es einen weiteren USB-C-Anschluss an der Halterung. Diesen verbindet man per Kabel und Adapter (gehört zum Lieferumfang) mit dem 12-Volt-Anschluss im PKW.
Die vier Bedientasten befinden sich an der Unterseite der Kamera. Diese kann man also während der Fahrt nicht erkennen. Auf dem Display befinden sich jeweils vier Icons, die darauf hinweisen, welche Funktion jeweils die Tasten haben.
Die Heckkamera selbst ist deutlich kleiner und angenehm unscheinbar. Das Gehäuse ist ebenfalls aus Metall. Die Verbindung mit der Dashcam erfolgt per USB-C-Kabel – hier muss also das Kabel aufwändig durch den Innenraum geführt werden. Ähnlich funktioniert auch die Transcend Drivepro 620 (Testbericht).
Gut gelöst ist die Montage. Wie schon bei der Element 1 liegen antistatische Folien bei. Diese legt man auf die Windschutzscheibe, bevor man dann die Kameras (vorne und hinten) mit einem 3M-Klebestreifen an der Folie befestigt. Das erleichtert es, die Dashcam ohne Rückstände von der Scheibe zu entfernen.
Zum Lieferumfang gehören neben der Dashcam und der Heckkamera jeweils ein Kabel mit Adapter für den 12-Volt-Anschluss im Auto sowie ein längeres USB-C- auf USB-C-Kabel und ein kürzeres USB-C- auf USB-A-Kabel für die Verbindung mit einem PC. Zusätzlich liegt wie schon bei der Element 1 eine kleine Funkfernbedienung zum Ankleben im Cockpit mit Knopfzelle (CR2032, im Lieferumfang enthalten) bei. Dabei handelt es sich im Prinzip nur zwei Knöpfe, mit denen man die Aufnahme im Notfall im gesicherten Bereich speichert oder die Sprachsteuerung aktiviert.
An der Dashcam befinden sich wie eingangs erwähnt eine Hauptlinse zum Filmen des Bereichs vor der Fahrzeug wie ein Objektiv für den Innenraum. Letzteres dürfte für die meisten Privatanwender komplett uninteressant sein. Vantrue adressiert dieses Feature vermutlich an Taxifahrer oder Fahrdienste. Damit kann der Fahrer die Insassen filmen. Ein ähnliches Konzept verfolgt auch die Garmin Dash Cam Tandem (Testbericht).
Sollten Passagiere übergriffig werden oder aus dem Fahrzeug flüchten, ohne zu bezahlen, erleichtern die Aufnahmen die Strafverfolgung. Allerdings bringt das wiederum Herausforderungen mit sich bezüglich des Persönlichkeitsrechts oder des Datenschutzes. Wer etwa fremde Personen mitnimmt, sollte diese über die Kamera informieren und die Aufnahmen im Anschluss löschen.
Die Dashcam verfügt über einen integrierten Beschleunigungssensor und einen Bewegungssensor. Damit registriert die Autokamera etwa starke Bremsmanöver, wie sie kurz vor einem Unfall auftreten können. In diesem Fall sichert die Kamera den Videoclip in einen geschützten Bereich, damit dieser nicht überschrieben wird. Optional gibt es die Möglichkeit, einen Zeitraffer für Aufnahmen zu aktivieren.
Außerdem bietet die Vantrue Element 3 die sogenannte Loop-Funktion. Diese ist für den Gebrauch in Deutschland wichtig, damit eine Dashcam nicht permanent Aufnahmen erstellt und mit sich führt. Denn die permanente Aufzeichnung des Verkehrsgeschehens ist ohne konkreten Anlass in Deutschland definitiv unzulässig. Leider entspricht die Lösung von Vantrue nicht ganz diesen Vorgaben.
Viel mehr erstellt die Kamera standardmäßig Clips mit einer Länge von einer Minute. Ältere Aufnahmen werden erst dann gelöscht, wenn die microSD-Karte zu 70 Prozent belegt ist. Optional kann man die Länger der Videos verlängern. Es fehlt aber eine Begrenzungsmöglichkeit auf wenige Clips, die permanent überschrieben werden. Bei einem großen Speicher führt das in der Praxis dazu, dass man zahlreiche Aufnahmen mit sich führt, die das Persönlichkeitsrecht von Verkehrsteilnehmern verletzen könnten. Hier bleibt als Empfehlung für Nutzer nur, den Speicher regelmäßig von Hand zu löschen.
Besser gelöst aus Datenschutzsicht ist das bei der Transcend Drivepro 230Q Data Privacy (Testbericht). Diese Dashcam erstellt maximal zwei Videodateien und überschreibt diese fortlaufend. Bei starken Bremsmanövern speichert die Kamera die Clips in einem geschützten Bereich separat ab, damit diese nicht vom Loop überschrieben werden. Die Garmin Dash Cam 67W (Testbericht) bietet die Option, immer nur einen Videoclip zu erstellen und zu überschreiben, bei der Nextbase 622GW (Testbericht) sind es optional bis zu vier Dateien.
Zur genauen Ortung verfügt die Vantrue Element 3 über GPS und kann die Standrotdaten auf Wunsch in den Videodateien hinterlegen. Der Anschluss per Typ-C-Stecker übertragt maximal mit USB 2.0. Optional ist eine WLAN- und Bluetooth-Verbindung mit dem Smartphone möglich. Eine App namens „Vantrue Cam“ gibt es ebenfalls, mit der man Videos ansehen, bearbeiten, löschen oder sogar herunterladen kann. Dort zeigt die App auch den Standort zu den jeweiligen Aufzeichnungen an.
Für den Beitrieb ist eine Stromverbindung mit dem KFZ erforderlich. Die Dashcam verfügt aber über Superkondensatoren statt eines Akkus. Diese erlauben den Weiterbetrieb für eine kurze Zeitspanne, damit Videos abgesichert werden für den Fall, dass bei einem Unfall sich das Kabel löst.
Als Fahrassistenzsystem bietet die Vantrue Element 3 eine optionale Kollisionswarnung in fünf unterschiedlich empfindlichen Stufen. Es gibt zudem eine Parkraumüberwachung. Die Kamera filmt, sobald sie Erschütterungen feststellt oder Bewegungen vor der Linse erkennt. Welche der beiden Optionen gewünscht ist, legen Nutzer in den Einstellungen fest. Die Nutzung einer Parkraumüberwachung in Deutschland ist allerdings rechtlich umstritten, da Personen unwissentlich gefilmt werden, die sich am Fahrzeug aufhalten.
Die Dashcam kommt ohne Touchscreen aus. Die Bedienung erfolgt über vier Tasten am unteren Ende des Geräts sowie den orangefarbenen Knopf links am Gehäuse. Letztere speichert die Aufnahme automatisch im geschützten Bereich, damit sie die Loop-Funktion nicht überschreiben kann.
Die Kamera filmt automatisch, sobald das Fahrzeug losfährt. Die äußerste Taste unten links stoppt oder startet erneut eine Aufnahme. Der zweite Knopf wechselt durch die verschiedenen Ansichten der einzelnen Kameras. Der dritte Taster deaktiviert die Tonaufzeichnung. Über den vierten Knopf gelangt man in die Einstellungen, hierzu muss man vorher die Aufzeichnung stoppen.
Eine Spracherkennung ist vorhanden, funktioniert aber nur für Englisch, Japanisch, Russisch und Chinesisch. Über die Fernbedienung kann man per Knopfdruck den Notfallaufzeichnungsmodus aktivieren sowie die Sprachsteuerung starten. Vor der ersten Nutzung muss man Fernbedienung und Kamera koppeln.
Die höchstmögliche Auflösung beträgt 2592 × 1944 Pixeln bei 30 Frames pro Sekunde (fps). Standardmäßig ist für die Hauptkamera WQHD (2560 × 1440 Pixel) eingestellt bei 30 fps. Die übrigen Linsen filmen mit Full-HD (1920 × 1080 Pixel). 60 fps sind nur bis Full-HD möglich. Dann fallen Details weniger genau aus, dafür wirken die Aufnahmen flüssiger, was von Vorteils ein kann, wenn man Aufnahmen bildweise durchgehen möchte.
Die Bildqualität der Element 3 ist insgesamt gut, auch wenn die Aufnahmen nicht übermäßig scharf ausfallen. Besser machen es die anderen Dashcams in unsern Tests aber auch nicht, abgesehen von der Nextbase 622GW (Testbericht) mit 4K-Auflösung. Das Geschehen auf der Straße ist ausreichend gut zu erkennen. Bei WQHD bleiben Kennzeichen noch bis in etwa zehn Meter Entfernung ablesbar, bei Full-HD klappt es nur auf wenige Meter. Bei Dunkelheit stellt die Innenkamera auf einen Infrarotmodus in Schwarzweiß um.
Der Aufnahmewinkel beträgt 160 Grad. Damit ist das Geschehen rund ums Fahrzeug noch gut zu erkennen, ohne dass die Aufnahmen durch den Weitwinkel verzerrt wirken. Hier bietet es sich an, die Heckkamera auf dem Display anzuzeigen, da sie tote Winkel besser abdeckt, als es der Rückspiegel kann.
Die Vantrue Element 3 kostet bei Amazon derzeit 300 Euro. Damit gehört sie schon zu den teuren Dashcams aus unsern Tests.
Die Vantrue Element 3 ist eine gute Dashcam. Sie bietet sich für alle an, die auch den Innenraum und den Bereich hinter dem Fahrzeug abdecken wollen. Die Bildqualität ist gut, auch wenn es bei der Bildschärfe noch Luft nach oben gibt. Montage und Einrichtung sind einfach, auch die App macht einen guten Job. Design und Verarbeitung sind ebenfalls überaus gelungen.
Enttäuschend ist die Lösung beim Loop-Modus. Dieser nimmt immer wieder neue Clips auf, erst wenn der Speicher zu 70 Prozent voll ist, löscht die Autokamera alte Aufnahmen. Besser wäre hier eine Lösung, bei der man eine maximale Anzahl an Clips festlegen könnte. Andernfalls müssen Nutzer häufig von Hand den Speicher löschen, um nicht Ärger wegen Datenschutzverletzungen zu riskieren oder auf eine Speicherkarte mit wenig Kapazität zurückgreifen.
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