Matthias Semlinger hat nach dem Abitur den Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer und Dolmetscher gemacht und mehrere Jahre in dem Beruf gearbeitet. Da er sich schon seit dem 16. Lebensjahr gern und ausgiebig mit Computern beschäftigte, sattelte er 1998 kurzerhand um und fing als…
Die Dashcam Viofo A119 Mini 2 zeichnet mit dem modernen Starvis-2-Sensor von Sony nicht nur die Fahrt auf, sondern dient auch der Beweissicherung. Wie sich die A119 Mini 2 in der Praxis schlägt, klärt unser Testbericht.
Das „Mini“ im Namen der A119 Mini 2 bezieht sich wohl auf das Display, das mit nur 1,5 Zoll Diagonale wirklich sehr klein ausfällt. Die Form des Geräts selbst erinnert an einen Faustkeil, oben schlank und unten verdickt. Doch das ist nicht das einzige Besondere an dieser Autokamera: Für besonders hohe Videoqualität soll der neue Sony-Starvis-2-Sensor sorgen. Daneben bietet die Kamera praktische Funktionen wie ein integriertes GPS-Modul und eine Sprachsteuerung.
Grundsätzlich ist der Einsatz solcher Autokameras oder Dashcams in Deutschland nicht verboten, unterliegt aber einigen Auflagen, die Käufer tunlichst beachten sollten. Prinzipiell ist eine Aufnahme im öffentlichen Straßenverkehr immer ein Eingriff in Persönlichkeitsrechte, sofern Kennzeichen oder Gesichter erkennbar sind. Entsprechende Aufnahmen dürfen Sie also auch keinesfalls weitergeben oder bei Youtube veröffentlichen, ohne diese Merkmale unkenntlich zu machen.
Kritisch ist auch eine anlasslose, andauernde Aufzeichnung zu sehen: Daher ist eine Loop-Aufnahme-Funktion sehr anzuraten, bei der immer nur kurze Videoclips auf der Speicherkarte landen, die im laufenden Betrieb überschrieben werden. Idealerweise sollten beim Einsatz von Dashcams nur einige wenige Clips erstellt werden, in der Praxis ist es leider so, dass viele Geräte die Speicherkarten fast vollschreiben, ehe sie die ältesten Clips überschreiben. Um das zu vermeiden, kann es sinnvoll sein, Speicherkarten mit eher kleinerer Kapazität einzusetzen, insbesondere solche mit 8 GByte.
Das Gehäuse der Viofo A119 Mini 2 besteht aus größtenteils schwarzem Kunststoff und wirkt sehr ordentlich verarbeitet: Das Gehäuse knarzt nicht, zeigt keine ungleichmäßigen Spaltmaße und gibt an keiner Stelle auf Druck nach. Auch die Tasten fühlen sich knackig an und reagieren prompt. Der Eindruck in puncto Verarbeitung ist erstklassig.
Diskussionswürdig ist dagegen die Design-Entscheidung für die stehende Bauform: Einerseits lässt sich das Gerät ordentlich bedienen und das nur 1,5 Zoll große Display zeigt genügend Informationen, um das Menü zu bedienen und die Videovorschau anzusehen. Andererseits hätte bei einem liegenden Design problemlos ein deutlich größeres Display Platz gefunden im Gehäuse, das diese Aufgaben angenehmer macht. Einen Touchscreen besitzt das Gerät nicht, würde angesichts der Displaygröße aber auch keinen Sinn ergeben.
Aufgrund der Höhe lässt sich die A119 Mini 2 auch nicht einfach hinter dem Rückspiegel verstecken, da sonst die Bedientasten vom Spiegel verdeckt werden. Für optimale Sicht und Bedienung wurde die Dashcam deshalb oben, rechts vom Innenspiegel, platziert. Da die Kamera nicht über eine Halterung verfügt, wird sie mit dem leicht vorstehenden GPS-Modul direkt auf die Windschutzscheibe geklebt. Das hat den Vorteil, dass die Dashcam sehr sicher auf der Scheibe sitzt und sich bei Tastendrücken nicht verdreht. Nachteilig ist aber, dass man das kleine Display nicht zu sich drehen kann und man in der Praxis stark von der Seite darauf schaut. Das schränkt die Ablesbarkeit des kleinen Displays ein.
Das Objektiv ist an der Unterseite drehbar angebracht und lässt sich so problemlos ausrichten. Der Drehbereich beträgt rund 80°, ausreichend für praktisch alle Fahrzeuge, solange die Windschutzscheibe nicht ganz senkrecht steht. Ein Vorteil dieser Konstruktion: Das unten angebrachte Objektiv wird man kaum unabsichtlich verstellen, da alle anderen Bedienelemente weit davon entfernt sind.
Ist die Kamera einmal angebracht und konfiguriert, verrichtet sie ihren Dienst vollkommen unauffällig. Man wird kaum auf den Bildschirm schauen, vor allem wenn man das Display so einstellt, dass es beim Autostart nicht automatisch angeht.
In puncto Ausstattung bietet die Viofo-Kamera einiges. Sie bringt eine deutsche Sprachausgabe sowie eine brauchbare Sprachsteuerung mit, über die sich nicht nur die Aufnahme starten und stoppen lässt, sondern auch Aufnahmen schützen und einiges mehr. Die Eindeutschung hat der Hersteller leider nicht konsequent zu Ende gedacht: Die Sprachkommandos sind nur auf Englisch verfügbar.
Mit dem Handy verbindet sich die Dashcam per WLAN (2,4/5 GHz), die Bedienung erfolgt dann über eine gut gemachte, übersichtliche App. Eine Speicherkarte gehört nicht zum Lieferumfang, doch das ist kein großes Problem angesichts mittlerweile recht niedriger Preise. Bei großen Versandhändlern fangen die Preise für eine microSD-Karte mit 32 GByte Kapazität bei rund 5 Euro an. Mehr zu solchen Speichermedien erklären wir in der Kaufberatung: Speicherkarten für 4K-Kameras und Drohnen.
Dank integriertem GPS-Modul werden in der Aufzeichnung auch Geschwindigkeit und Koordinaten des eigenen Fahrzeugs mit aufgezeichnet. Dazu besitzt die Dashcam sowohl einen G-Sensor als auch eine Bewegungserkennung. Löst der G-Sensor aus, etwa bei einem starken Bremsvorgang, wird die Aufnahme automatisch gegen Überschreiben geschützt. Einen integrierten Akku gibt es bedauerlicherweise nicht: Sobald der Strom weg ist, geht die Kamera aus.
Wer möchte, kann auch noch eine Bluetooth-Fernbedienung dazu erwerben, mit der sich per Tastendruck ein Video als wichtig kennzeichnen und so vor dem Überschreiben schützen lässt. Auch ein zirkulärer Polfilter kann hilfreich sein, der sich ganz einfach über das Objektiv schieben lässt und dann Reflexe in der Aufnahme mindert und Kontraste verbessert. Außerdem ist ein Kabelsatz erhältlich, der die Nutzung der Parkfunktion ermöglicht. Ist das Gerät nämlich per Dauer-Plus mit der Stromversorgung verbunden, kann es in niedriger Qualität dauerhaft weiter aufnehmen oder eine Aufnahme bei Bewegungen oder Erschütterungen starten. Der Einsatz dieser Funktion ist rechtlich jedoch kritisch zu sehen in Deutschland. Wir raten davon eher ab.
Die Installation der Kamera ist recht unkompliziert. Eines der beiden mitgelieferten Antistatik-Pads auf die Windschutzscheibe legen, Luftblasen möglichst herausdrücken und schließlich die Kamera mit Klebepad auf der Folie befestigen. Dann die selbst beschaffte microSD-Karte einlegen und mit dem Fingernagel eindrücken, bis sie einrastet. Fehlt nur noch der Schritt, die Kamera an den Strom anzuschließen, die Zündung einzuschalten und die Linse anhand der Vorschau so auszurichten, dass sie möglichst viel vom Geschehen auf der Fahrbahn erfasst – fertig.
Die softwareseitige Einrichtung der Dashcam erfolgt am einfachsten über die App, da hier die zahlreichen Optionen deutlich übersichtlicher dargestellt werden als auf dem winzigen Bildschirm. Hier ist etwa bequem einzustellen. Dazu gehört etwa die Auflösung und Bildfrequenz für Aufnahmen und ob HDR sowie in welchem Zeitfenster genutzt wird, denn die Funktion liefert nachts die besten Ergebnisse. Hier ist auch der Loop-Modus zu finden, die Aufzeichnungsdauer der Einzelclips ist zwischen einer und zehn Minuten einstellbar. Wer möchte, formatiert die Speicherkarte hier und stellt einige der auf die Dauer nervigen Tonsignale ab, die gesprochenen Hinweise sind dagegen angenehm und hilfreich. Sind die Einstellungen erfolgt, benötigt man die App kaum mehr.
Die Einstellungen lassen sich ohne Probleme auch direkt am Gerät vornehmen, der Überblick auf dem kleinen Bildschirm ist jedoch mau und es dauert eine Weile, bis man sich an die etwas fummelige Bedienung über die doppelt belegten Tasten gewöhnt hat.
Sind die Einstellungen gemacht, muss man die Dashcam kaum noch anfassen. Soll eine Aufnahme manuell geschützt werden, drückt man entweder den großen Knopf mit dem orangen „Warndreieck“ an der Kamera oder sagt schlicht „lock the video“.
Der Starvis-2-Sensor von Sony produziert eine sehr ansehnliche Bildqualität mit einer Auflösung von bis zu 2560 × 1944 Pixeln, eine Stufe darunter mit in 2560 × 1440 Pixeln zeichnet die Viofo-Autokamera sogar mit einer Bildwiederholfrequenz von bis zu 60 Bildern je Sekunde (FPS) auf.
Die Farbdarstellung ist meist recht natürlich und ausgewogen, die Videos zeigen eine gute Schärfe. Allerdings fällt in den Testaufnahmen bei Tag auch eine gewisse Neigung zu Artefakten auf, die automatische Bildoptimierung scheint hier recht aggressiv vorzugehen und stark nachzuschärfen. Die Nachtaufnahmen haben uns super gefallen und sind von der Wirkung fast „so wie gesehen“, es ist kaum Rauschen zu sehen und auch bei Reflexionen ist dank des zuschaltbaren HDR-Modus nur recht wenig Überstrahlen feststellbar. Das Objektiv besitzt einen Bildwinkel von 140°, das ist ausreichend, um genug vom Geschehen am Straßenrand im Bild zu erfassen. Alles in allem überzeugt die Bildqualität auf ganzer Linie.
Die Viofo A119 Mini 2 kostete zum Testzeitpunkt im September 2023 etwa 160 Euro. Zum Black Friday bekommen Interessierte die Dashcam jetzt für nur 116 Euro – einer Ersparnis von 17 Prozent. Als Zubehör ist der Polfilter für 19 Euro eine Überlegung wert. Das Hardware-Kit kostet 22 Euro.
Die Viofo bietet mit dem aktuellen Sony-Starvis-2-Sensor, hoher Auflösung, (englischer) Sprachsteuerung und gelungener App ein gutes Paket. Besonders überzeugt die Kamera mit HDR und bei Nacht, wo das Bild wirklich sehr klar ist. Bei Tag sind die Aufnahmen aber teils ein wenig überschärft. Angesichts des Preises hätten wir uns aber noch eine Speicherkarte gewünscht und von dem Hochkant-Format sind wir nicht restlos überzeugt.
Affiliate-Information
Bei den mit gekennzeichneten Links handelt es sich um Provisions-Links (Affiliate-Links). Erfolgt über einen solchen Link eine Bestellung, erhält TechStage eine Provision. Für den Käufer entstehen dadurch keine Mehrkosten.