Wer im Alter vernetzt bleiben möchte, greift zu einem Smartphone für Senioren. Das Doro 8200 bringt alles mit, was ein solches Gerät haben muss. Ob es Schwächen gibt, zeigt der Test.
Die Generation Z, auch als Gen Z bekannt, ist die erste Generation, die vollständig mit den modernen Technologien des 21. Jahrhunderts aufwächst. Seit der Erfindung und Vorstellung des ersten iPhones im Jahr 2006 entwickelte sich unsere Welt noch stärker in Richtung digitale Vernetzung, Erreichbarkeit und Kommunikation. Wer im Jahr 2023 über keinen Internetanschluss oder kein entsprechendes digitales Endgerät, wie ein Smartphone oder einen Computer verfügt, kann sich mittlerweile als von der Außenwelt abgeschnitten betrachten. Denn so viele Prozesse laufen heute über das Smartphone ab, dass es für Menschen aus der Generation Z selbstverständlich ist, ein solches Gerät zu besitzen. Für ältere Menschen gilt das aber bislang nicht zwangsläufig.
Verschiedene Smartphone-Hersteller geben sich seit Jahren Mühe, um Geräte zu entwickeln, die auch für ältere, weniger technikaffine Menschen erschwinglich und zugänglich sind. Dadurch sollen diese Menschen unabhängiger und am Puls der Zeit und mit ihren Freunden und ihrer Familie vernetzt bleiben. Ein solches Gerät ist das Doro 8200. Das in Schweden hergestellte Seniorenhandy kommt mit vielen Features, die die Benutzung durch Menschen hohen Alters vereinfachen sollen. Dazu gehören extragroße Symbole, ein vereinfachtes Bedienungskonzept und eine Notruftaste, falls mal etwas schiefgeht. Doch auf der Hardware-Ebene zeigt das Gerät einige Schwächen. Im Test zeigt sich, was das Gerät wirklich drauf hat.
Unsere Kaufberatung zu Seniorenhandys erklärt ausführlich, welche Eigenschaften und Funktionen ein solches Gerät besitzen sollte – wen das Thema interessiert, der findet dort mehr Informationen. Wer hingegen kein richtiges Smartphone, sondern ein einfaches Handy – auch Feature-Phone genannt – zum gelegentlichen Telefonieren und Simsen sucht, wird im Ratgeber zu günstigen Notfall-Handys ab 12 Euro fündig.
Im Lieferumfang des Doro 8200 enthalten ist neben dem Gerät selbst ein Ladegerät, ein passendes USB-A auf USB-C-Ladekabel sowie eine Ladestation. Diese ist unten mit Gummifüßen versehen, wird mittels USB-C mit Strom versorgt und kann das Gerät über denselben Anschluss aufladen – das ist praktisch und vereinfacht motorisch eingeschränkten Personen das Aufladen. Die Ladestation ist gut verarbeitet, aber nichts Besonderes. Das Smartphone selbst tanzt mit seinem Design ebenfalls wenig aus der Reihe anderer Smartphones um die 300 Euro.
Die Front des Geräts wird von einem 6,1 Zoll großen Display sowie der Frontkamera bewohnt, die in einer Teardrop-Notch untergebracht ist. Die oberen und unteren Ränder könnten zwar dünner sein, stören aber nicht. Die Rückseite besteht aus dunkelblauem Kunststoff. Dieser ist jedoch nicht glatt, sondern mit einer samtigen Textur versehen und fühlt sich fast schon gummiert an. Dadurch ist das Gerät besonders griffig und liegt ausgezeichnet in der Hand – ein weiterer Aspekt, der die Nutzung durch ältere Menschen vereinfacht. Die Notruftaste ist auf der Rückseite in derselben Farbe wie das Kamera-Modul direkt unter diesem untergebracht und somit sehr gut ertastbar und erreichbar.
Die Power-Taste ist auf der rechten Geräteseite angebracht und besteht aus glänzendem Kunststoff, der in einer silbernen Farbe optisch vom Rest des Geräts abgesetzt ist. Auf der linken Seite befinden sich die Knöpfe für die Lautstärke, die als zwei individuelle Schalter statt Wippe vorhanden sind. Außerdem finden die Nutzer dort den Slot für die SIM- und microSD-Karten, der sich praktischerweise ohne ein Spezialwerkzeug öffnen lässt und lediglich einen Fingernagel zum Öffnen erfordert.
Unten hausen der Mono-Lautsprecher, ein Mikrofon und ein USB-C-Port, oben ein weiteres Mikrofon und eine Audioklinke, über die Nutzer sich besonders freuen dürfen. Denn selbstverständlich ist sie heutzutage nicht mehr, aber für die Zugänglichkeit (im Sinne der Barrierearmut) von Vorteil. Das Gerät misst 152 × 73 mm und ist 9,3 mm dick. Damit gehört es eindeutig zu den kleineren Smartphones, was auch das im Vergleich geringe Gewicht von knapp unter 170 g beweist. Insgesamt ist das Gerät gut verarbeitet, grobe Mängel sind nicht aufgefallen. Die Haptik ist ein willkommener Plus-Punkt, ebenso die kleine Benachrichtigungs-LED, die im Front-Lautsprecher versteckt ist.
Doro verbaut in seinem 8200 ein 6,1 Zoll großes Display. Es handelt sich dabei um ein IPS-Panel (LCD), das mit einer Bildwiederholrate von 60 Hertz und einer Auflösung von 1560 × 720 Pixeln bietet. Damit handelt es sich auf dem Papier um ein eher schwaches Display – in dieser Preisklasse sind Bildschirme mit hohen Bildwiederholraten von 90 und 120 Hertz sowie mindestens einer Full-HD+ Auflösung längst Standard; in einigen wenigen Geräten um die 300 Euro (Bestenliste) finden wir sogar OLED-Panels, das mit besseren Schwarzwerten und schöneren Farben punkten kann. Der Hersteller entschied sich allerdings für ein Panel, das eher an Mittelklasse-Geräte aus dem letzten Jahrzehnt erinnert. Das ist schade – das ist die objektive Seite.
Subjektiv ist das im Doro 8200 verwendete Display-Panel allerdings eines, das für den vorgesehenen Einsatzzweck beziehungsweise für die Zielgruppe – also Senioren – völlig ausreichend ist. Die Farbdarstellung ist in Ordnung, die Blickwinkelstabilität ebenso. Die LCD-typischen Schatten um die Displayränder herum sind auf hellen Hintergründen sichtbar, besonders, wenn der Bildschirm aus einem untypischen Blickwinkel betrachtet wird. Die Display-Helligkeit ist mit 620 cd/m² ausreichend hoch, um auch bei Sonneneinstrahlung ablesbar zu sein. Der Bildschirm haut insgesamt nicht vom Hocker, ist aber auch kein Schlechtes.
Auf der Rückseite des Doro 8200 befinden sich insgesamt drei Kameras. Wem sich die Frage stellt, was eine Person im Lebensabend denn mit drei Rückkameras bei einem Smartphone anfangen soll, der sei beruhigt: Der Hersteller nutzt hier den bei günstigen Geräten weitverbreiteten Trick, durch Äußeres eine raffinierte Kameratechnik vorzugaukeln. Denn lediglich die Hauptkamera ist in dieser Anordnung relevant – sie löst mit 16 Megapixel auf. Bei den anderen beiden Kameras handelt es sich um einen Tiefensensor und eine Makro-Linse, beide lösen mit jeweils zwei Megapixeln auf. Sie erfüllen in der regulären Kameranutzung aber kaum eine Funktion und sind erst recht nicht für die Kameraqualität förderlich, wie sich im Test zeigt.
Die Aufnahmen bei Tageslicht sind keine Überflieger. Sie sind dank der 16-Megapixel-Hauptkamera zwar schön scharf, sodass Details angemessen dargestellt werden. Die Farbdarstellung ist in den meisten Fällen aber recht unnatürlich. Ist der Himmel sichtbar, neigt die Kamera dazu, diesen über- und die anderen Teile des Bilds dafür unterbelichtet darzustellen. So wirken viele Szenen unharmonisch. In Innenräumen bleibt der Effekt aus, die Farben sind dafür aber etwas verwaschen.
Die Frontkamera erzeugt schon bei geringfügig schwächerer Beleuchtung verrauschte Aufnahmen. Die Kameras in diesem Smartphone eignen sich allenfalls für Schnappschüsse, fotografische Meisterwerke erzeugen Oma und Opa hier eher nicht. Für Videotelefonie ist die Linse auf der Vorderseite ausreichend. Videoaufnahmen werden mit der Hauptkamera bei 1080p mit 60 Bildern pro Sekunde. Kurios: Das Design des Einstellungsmenüs der Kamera-App erinnert sehr an Huaweis EMUI-Benutzeroberfläche.
Angetrieben wird das Doro 8200 vom Helio P22, einem MediaTek-Prozessor mit acht Kernen à 2,0 GHz aus dem Jahr 2018. Der Hersteller verbaut also einen bereits fünf Jahre alten Chip der unteren Mittelklasse.
Das spiegelt sich schmerzhaft in der Leistung wider: Das Gerät ist nicht außerordentlich schnell, eigentlich überhaupt nicht schnell. Nachdenkpausen gibt es bei praktisch jeder Interaktion mit dem Gerät, egal ob beim Entsperren, Öffnen von Apps oder ihrer Bedienung. Kleine Ruckler sind an der Tagesordnung, vollkommen eingefroren ist das Gerät während der Testnutzung aber nicht. Beim PCmark Work 3.0-Benchmark erreicht das Gerät einen Wert von knapp unter 5000 Punkten – das ist schwach. Der Grafik-Benchmark 3Dmark Wild Life ließ sich im Test nicht ausführen. Für Menschen mit viel Geduld – und dazu gehören ältere Menschen ja meistens – ist das Gerät ausreichend und in Ordnung. Man sollte allerdings nicht versuchen, damit komplexe Aufgaben zu erledigen oder Multitasking zu betreiben, es sei denn, man möchte scheitern.
Begleitet wird der veraltete Prozessor von 4 GByte Arbeitsspeicher – das ist Googles Mindestvoraussetzung, die ein Smartphone mitbringen muss, um das installierte Android 12 zu unterstützen. Im Hintergrund geöffnete Apps werden nach relativ kurzer Zeit wieder geschlossen, was nervig sein kann. Verbaut sind außerdem 64 GByte an internem Speicher. Das ist gerade noch ausreichend, bei einem Gerät für den Preis von 300 Euro kann man hier, beim Arbeitsspeicher und beim Prozessor allerdings wesentlich mehr erwarten.
Die restliche Ausstattung besteht aus Wi-Fi 5, Bluetooth 5.2, GPS mit GLONASS und einem Spritzwasserschutz nach IP54 – hier keine Besonderheiten. Der Mono-Lautsprecher ist brauchbar, mehr als das allerdings nicht. Bei Telefonaten gibt es allerdings eine Besonderheit: Das Gerät ist mit Clearsound-Technologie ausgestattet, wodurch Gespräche über das Mobilfunknetz mit einer besonders klaren Sprachqualität ablaufen sollen. Im Test konnte dieses Versprechen bestätigt werden, insbesondere die Lautstärke ist hervorzuheben. Das ist für Menschen, die altersbedingt hörbeeinträchtigt sind, ein großes Plus.
An dieser Stelle sollten auch die restlichen Hardware-Features erwähnt werden, die das Smartphone zu einem Seniorenhandy machen. Hier sticht besonders die Notruftaste ins Auge – sie befindet sich auf der Rückseite und fungiert als Alarmanlage, falls sich der Nutzer in einer Notsituation befinden sollte. Nach vorheriger Einrichtung in der Response-App kann eingestellt werden, welche Kontakte nach dreimaligem kurzem Drücken oder nach einem langen Halten der Notruftaste die Benachrichtigung samt GPS-Standort erhalten. Das Smartphone spielt auf Wunsch auch einen lauten oder leisen Alarmton ab. Die Notruftaste verfügt allerdings nicht über die Funktion, den Rettungsdienst, Polizei oder Feuerwehr zu verständigen – das müssen dann die benachrichtigten Angehörigen übernehmen.
Was die Seniorenfreundlichkeit dieses Geräts angeht, steht auch die Software im Vordergrund. Das Gerät läuft mit Android 12 mit einem hinreichend aktuellen Sicherheitspatch. Das Betriebssystem ist weitestgehend rein gehalten, wenn man es möchte – beim Einrichten fragt das Telefon, ob man zu ersten Mal ein Smartphone besitzt oder der Einstieg in die Smartphone-Welt bereits mit einem anderen Gerät erfolgt war. Es kann auch ausgewählt werden, dass das Gerät für eine andere Person eingerichtet wird. Danach erfolgt die Abfrage, ob die reguläre Android-Benutzeroberfläche oder stattdessen die speziell vereinfachte Doro-Benutzeroberfläche angewandt werden soll. Nach der Ersteinrichtung ist das Ändern dieser nur durch ein Reset auf Werkseinstellungen möglich.
Die Doro-Benutzeroberfläche bringt einige Spezialfeatures mit sich: So werden viele reguläre Icons auf dem Startbildschirm (wie die Telefon-App, die Kamera-App und die Nachrichten-App) durch aussagekräftigere, sogenannte „Verben“ ersetzt. Statt „Messages“ steht bei Doro auf dem Startbildschirm „senden“, statt „Telefon“ folglich „anrufen“. Tippt der Nutzer eines der Icons an, kann er aus einer Aktion auswählen, wobei jede Einzelne genau beschrieben ist. So kann nach dem Antippen des Anrufen-Verbs ausgewählt werden, ob ein bereits bestehender Kontakt oder eine neue Telefonnummer angerufen werden soll. Das vereinfacht die Bedienung durch weniger technikaffine Personen immens.
Steht bei der Einrichtung keine Person zur Seite, die sich mit Smartphones „auskennt“, führt das Smartphone intuitiv durch diese und erklärt wenig später die grundlegenden Funktionen des Geräts. Es gibt zudem die Möglichkeit, die Bedienoberflächen und die Icons des Geräts für Menschen mit einem schlechteren Sehorgan stark zu vergrößern. Anzumerken ist allerdings, dass diese einfache Bedienoberfläche nicht überall eingehalten wird – die Kamera-App beispielsweise verfügt über keine vereinfachte Bedienung und konfrontiert den Benutzer stattdessen mit Fachbegriffen wie HDR und Makro. Insgesamt macht Doro beim Betriebssystem aber vieles richtig, sodass die Bezeichnung Seniorenhandy angemessen ist.
Die Akkukapazität des Doro 8200 beläuft sich auf 3000 mAh. Das ist wirklich nicht viel. Durchschnittliche Smartphone-Akkus besitzen heutzutage und auch in diesem Preisbereich eine Akkulaufzeit von 4000 bis 5000 mAh. Das schlägt sich auf die Laufzeit nieder: Bei normaler Nutzung kommt man nur mit Ach und Krach durch einen ganzen Tag. Beim Battery Test von PCmark erreichten wir etwa 7,5 Stunden, was einer der niedrigsten Werte der letzten Jahre bei einem Smartphone ist. Wird das Gerät intensiver genutzt, muss definitiv zwischendurch aufgeladen werden. Aufgeladen wird das Gerät mit schleichend langsamen 5 Watt in knapp 2 Stunden. Das ist enttäuschend, Ladegeschwindigkeiten von 30 Watt und mehr sind mittlerweile branchenüblich.
Das Doro 8200 ist für einen Preis von 299 Euro in der einzigen Speicherkombination 4/64 GByte und in der einzigen Farbe Dunkelblau direkt beim Hersteller, aber auch bei diversen Drittanbietern erhältlich. Der aktuell beste Preis liegt derzeit bei 283 Euro. Beim Doro 8200 Plus handelt es sich um ein Bundle mit einer Schutzhülle.
Das Doro 8200 ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits handelt es sich hier um ein Gerät, das aufgrund seiner deutlich veralteten und stellenweise einfach schlechten Hardware in vielen Bereichen hinterherhängt. Der Prozessor ist alt und die Leistung damit niedrig, die Bildschirm-Spezifikationen lassen zu wünschen übrig, die Kamera und Akkulaufzeit sind bei einem fast 300 Euro teuren Smartphone nicht angemessen. Wer nach einem Preis-Leistungs-Kracher oder einem Arbeitswerkzeug sucht, wird mit dem Doro 8200 nicht zufrieden sein.
Andererseits muss im Blick behalten werden, welche Zielgruppe das Gerät hat – keine Power-User eben, niemanden, der Multitasking betreiben möchte, sondern Oma und Opa oder den Rentner-Nachbarn nebenan. Für diese Personen ist das Smartphone in überragend vielen Aspekten ausreichend gut ausgestattet und macht seine Mängel mit Senioren-orientierten Features wie der Notruftaste oder einem speziell angepassten Betriebssystem wett.
Eine Bedienoberfläche speziell für Senioren bieten ebenfalls das Gigaset GS4 Senior (Testbericht) sowie Gigaset GS5 Senior (Test der Heise-Kollegen). Mehr zu dem Thema erklären wir im Ratgeber Seniorenhandy, iPhone, Smartwatch: Einfache Bedienung & SOS-Funktion für Ältere. Technisch anspruchsvollere Alternativen finden sich in der Top 10: Smartphones bis 300 Euro – Xiaomi und Motorola vor Samsung.
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