Stefan schrieb bereits während des Studiums Spieletests für ein Printmagazin im Ruhrgebiet. Durch einen glücklichen Zufall landete er in Berlin und arbeitete fast 15 Jahre bei Areamobile, zuletzt als leitender Testredakteur. Für Heise Bestenlisten testet er Smartphones, Saug- und Mähroboter, Lautsprecher, Modellflugzeuge und andere Technik-Gadgets.
Ein Saugwischer wischt primär, ein Akkusauger saugt – warum nicht beides in Einem? Geht – und zwar beim Dreame H12 Dual. Er ist beides: vollwertiger Wischer und Sauger. Wie das klappt, zeigt der Test.
Ein Saugwischer kostet locker 300 Euro, ein ordentlicher Akkusauger auch. Anschließend kann man zwar gut Wischen und Saugen, allerdings stehen auch immer zwei Geräte rum. Dreame findet das offenbar auch überflüssig und bringt mit dem Dreame H12 Dual ein Modell auf den Markt, das wie der Roborock Dyad pro Combo (Testbericht) beides in Einem ist: vollwertiger Saugwischer und Akkusauger. Wir haben im Test überprüft, wie gut das tatsächlich klappt. Alle Saugwischer-Tests findet man in unserer Themenwelt Saugwischer.
Der Lieferumfang fällt beim Dreame H12 Dual zwangsläufig etwas umfangreicher als bei einem „einfachen“ Saugwischer aus. Denn zusätzlich zum Gerät selbst und der passenden Lade- und Reinigungsstation befinden sich darin zusätzlich ein Aufbewahrungsständer sowie das darauf zu lagernde Zubehör, das aus dem Saugwischer einen reinrassigen Akkusauger macht. Dazu gehört ein zusätzlicher Staubbehälter, Saugrohr, Bürstenkopf, eine kleine Motorbürste für Polster und ein Reinigungszusatz zum Wischen. Hinzu kommen eine zweite Wischrolle mit Stoffbezug sowie eine Fugendüse, mit der man etwa in Sofaritzen kommt. Aufbewahrung für Saugwischer und Akkusauger-Zubehör sind nicht miteinander verbunden und können daher theoretisch auch separat aufgestellt werden.
Beim Design setzt Dreame auf den nahezu gleichen monolithischen Korpus wie beim Dreame H11 Max (Testbericht) oder dem Nachfolger H12 Pro. Entsprechend wirkt der H12 Dual wieder ziemlich wuchtig und ist das genaue Gegenteil des filigranen Jimmy HW9 (Testbericht). Trotzdem hat das Design des Dreame-Modells seinen Reiz und uns gefällt der Mix aus grauem und schwarzem Kunststoff sowie durchsichtigen Elementen gut. Oben installiert der Hersteller wieder ein Display, das sich um 180 Grad dreht. So können Nutzer sowohl beim Laden in der Station als auch während des Betriebs Inhalte ablesen, ohne sich den Hals verrenken zu müssen. Abweichend vom Vorgänger verfügt der HW12 Dual nun über einen zusätzlichen Tragegriff am oberen Bereich des Korpus, direkt unter dem Display.
Er dient als Griff, wenn der Saugwischer zum reinen Akkusauger umgebaut wird. Dafür lässt sich dieser Teil samt Motor, Display und Akku abnehmen, der Staubbehälter für den Akkusauger andocken und Saugrohr samt Bürstenkopf anschließen. Praktisch: Das Zubehör findet zusammen wie bereits angedeutet auf einem eigenen Aufbewahrungsständer Platz, nur die Reinigungsflüssigkeit zum Wischen passt nirgendwo hin und muss daher komplett separat aufbewahrt werden. Gut gefallen hat uns übrigens auch die Verarbeitung des HW12 Dual, hier klappert oder wackelt nichts.
Eine App gibt es für den Dreame H12 Dual nicht, entsprechend entfällt ein Abschnitt dazu. Schlimm ist das nicht, denn beim Roborock Dyad Pro Combo (Testbericht) lassen sich darin zwar durchaus sinnvolle Dinge einstellen, zwingend nötig ist aber auch dort die App nicht. Auch so wirkt das Dreame-Modell ausreichend „digital“: Das gut ablesbare Display informiert umfassend über Modi, Akkustand und Fehler, hinzu kommt eine (auf Wunsch deaktivierbare) Sprachausgabe, die auch auf Deutsch verfügbar ist. Im Betrieb wirkt der Saugwischer wie die meisten Modelle leicht steif, wenn es um Richtungswechsel geht. Das sorgt im Gegenzug für einen guten Geradeauslauf, außerdem ist der Kraftaufwand, um Kurven zu fahren, minimal. Für die Bewegung nach vorn muss überhaupt keine Kraft aufgewendet werden, da der H12 Dual durch die drehende Wischrolle selbst für Vortrieb sorgt. Das Roborock-Modell ist hier dank der beiden gegenläufigen Rollen neutral, trotzdem aber mit genauso wenig Kraft zu bewegen.
Außerdem hat der Dyad Pro (Combo) beim Randwischen leicht die Nase vorn. Während beim Dreame-Modell an der Fußleiste trotz angepriesenem randlosem Wischen etwa ein halber Zentimeter trocken bleibt, ist es beim Dyad Pro (Combo) noch etwas weniger. Schlussendlich schneidet hier der H12 Dual aber auch nicht schlecht ab. Der Rest ist in etwa wie bei der Oberklasse-Konkurrenz. Vollständiges Ablegen, um unter flache Möbel zu kommen, ist mit dem Saugwischer H12 Dual nicht möglich, da er sonst auslaufen könnte. Beim Wischen sorgt der Saugwischer nach kurzer Anfangsphase für einen gleichmäßigen, feuchten Flüssigkeitsfilm, der schnell abtrocknet. Sorge um teuren Parkettfußboden muss man sich da nicht machen. Dennoch ist die Reinigungsleistung gut, das oft in der Werbung verschüttete Müsli mit Haferflocken nimmt der H12 Dual im Wischmodus tatsächlich nach wenigen Wischbewegungen restlos auf. Gleiches gilt für sonstige Flüssigkeiten und meist auch eingetrockneten Schmutz wie Kaffee. Dabei regelt der H12 Dual die Saugleistung zuverlässig selbst. Den Ultra-Modus der neuen H12-Reihe, bei dem vor der Reinigung auf Knopfdruck das Wischwasser per Elektrolyse sterilisiert wird, gibt es beim H12 Dual nicht.
Nach der Reinigung wird der H12 Dual zur Selbstreinigung auf die Ladestation gestellt. Dabei spült der Saugwischer die Stoffrolle ordentlich durch und säubert sie, anschließend trocknet die Station sie für 20 Minuten mit 55 Grad warmer Luft. Dabei dreht der Sauger die Wischrolle kontinuierlich, damit sie von allen Seiten gleichmäßig getrocknet wird. Das geht mit einer gewissen Lautstärke einher, da die Drehzahl der Rolle für unseren Geschmack einfach zu hoch angesetzt ist. Im Schrank im Hauswirtschaftsraum stehend ist davon nebenan aber nichts mehr zu hören.
Zum Akkusauger umgebaut zeigen sich im Wesentlichen die gleichen Vor- und Nachteile wie beim Roborock Dyad Pro Combo. Der Zusammenbau geht schnell vonstatten, nachdem man sich anfangs kurz damit beschäftigt hat. Ohne Umbau geht es aber auch hier nicht, entsprechend braucht es einige Handgriffe und etwas Zeit vor dem Saugen. Danach klappt alles ordentlich. Der Bürstenkopf mit der stoffbesetzten Rolle für Hartböden wirkt anfangs etwas labil, sodass ein ordentlicher Geradeauslauf schwerfällt. Nach kurzer Eingewöhnungszeit macht das aber keine Probleme mehr und stattdessen kommt ein großer Vorteil im Vergleich zum Roborock-Modell zum Tragen: Die motorbetriebene Rolle kommt auch auf hohen Teppichen nicht zum Stillstand. Zwar dreht sie dort sicht- und hörbar langsamer, allerdings kämpft sie sich tapfer weiter. Damit schlägt sich das Kombi-Modell Dreame H12 Dual zumindest in diesem Punkt beim Saugen sogar besser als teilweise sehr hochpreisige Akkusauger. Klar ist aber auch, dass die Stoffbürste eigentlich eher für kurze Auslegeware und Hartböden gedacht ist. Für eine echte Tiefenwirkung fehlt es an längeren Borsten und die ansonsten gute Saugkraft von bis zu 16.000 Pa reicht nicht aus, um tief sitzenden Schmutz aus hochflorigen Teppichen zu entfernen.
Der Akku hält beim Wischen bis zu 35 Minuten, beim Saugen sind es im Normalmodus sogar bis zu 60 Minuten. Im Test konnten wir damit das Erdgeschoss des Testhauses mit rund 140 m² problemlos komplett reinigen. Anschließend lädt der H12 Dual in rund 4 – 5 Stunden wieder komplett auf.
Die UVP des Dreame H12 Dual liegt bei 299 Euro, günstiger war das Modell zum Testzeitpunkt nicht zu bekommen.
Mit einem Saugwischer kann man auch nur saugen, entsprechend verfügt der Dreame H12 Dual ebenfalls über einen „nur-saugen-Modus“. Als Saugwischer ist das Modell aber insgesamt mit etwas über 5 kg recht schwer und unhandlich, außerdem bietet ein Akkusauger situativ auch weitere Aufsätze wie eine Polsterbürste oder Fugendüse. Daher sind sowohl Saugwischer als auch Akkusauger absolut sinnvoll. Oder man kauft ein Kombi-Gerät wie den H12 Dual.
Denn der bietet für 500 Euro Saugwischer und Akkusauger in einem und in beiden Funktionen liefert er gute Leistung. Nur, wer viele hochflorige Teppiche hat, wird mit dem H12 Dual nicht glücklich. Denn dort kämpft sich die Motorbürste zwar im Gegensatz zum direkten Konkurrenten Roborock Dyad Pro Combo (Testbericht) tapfer durch und bleibt nicht stecken. Aufgrund der Beschaffenheit der Hauptbürste bleibt die Teppichreinigung aber eher oberflächlich.
Kernaufgabe ist entsprechend das Wischen und Saugen von Hartboden. Wer ohnehin mehr Wert aufs Wischen legt, sollte sich den Roborock Dyad Pro (Testbericht) ohne „Combo“ im Namen oder den von uns noch nicht getesteten, aber weitgehend baugleichen Dreame H12 Pro anschauen. Die Wischfunktion finden wir ansonsten beim Roborock-Combo-Gerät minimal besser, die Saugfunktion bei Dreame.
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