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Drift-Car im Test: Modellauto mit Smartphone-Fernsteuerung

Drift-Car im Test: Modellauto mit Smartphone-Fernsteuerung
VORTEILE
  • innovatives Konzept
  • realistisches Fahrverhalten
  • Fertigung in Deutschland
NACHTEILE
  • hoher Preis
  • schwierige Steuerung

Der Hersteller Sternkind verspricht für seine ferngesteuerten Autos rasante Drift-Action, realistisches Fahrgefühl und authentischen Motor-Sound. Wir haben getestet, ob die Drift Cars den hohen Erwartungen gerecht werden.

Autorennbahnen faszinieren. Nachdem wir bereits die klassische Carrera-Bahn im Mario-Kart-Look (Testbericht) und den digitalen Herausforderer Anki Overdrive: Fast & Furious Edition (Testbericht) im Test hatten, kommt nun ein komplett anderer Ansatz: Die Drift Cars, vom Hersteller Dr!ft geschrieben, benötigen keine Rennstrecke und bieten dank App-Steuerung jede Menge Einstellungsmöglichkeiten.

Lieferumfang

Das Drift Car kommt in einer weißen Pappschachtel beim Kunden an. Darin liegt säuberlich verpackt das Auto nebst einer kleinen Karte. Auf dieser steht, welcher Mitarbeiter das jeweilige Modell montiert hat. Dieses liebevolle Extra zeigt, dass der Hersteller einen hohen Qualitätsanspruch hat. Entwicklung und Produktion finden in Deutschland statt – und das soll sich auch in der Verpackung wiederspiegeln.

Der Lieferumfang des Drift-Cars.

Neben dem eigentlichen Modell im Maßstab 1:43 liegen ein Schraubendreher, ein Micro-USB-Kabel und eine mehrsprachige, gedruckte Anleitung in der Box. Außerdem gehören ein Bogen mit Stickern und vier kleine Verkehrsinseln aus Pappe zum Lieferumfang. Für den Rennmodus ist ein Barcode für Start-Ziel-Linie enthalten.

Während die Verpackung sehr exklusiv wirkt, sind Optik und Haptik des Modellautos etwas enttäuschend. Zum einen sehen die Autos ohne zusätzliche Aufkleber etwas nackt aus, zum anderen sind sie mit gerade einmal 59 Gramm sehr leicht und wirken dadurch wie billiges Kinderspielzeug. Der Eindruck täuscht aber, die Verarbeitung ist ordentlich. Gut gefallen uns die kleinen Details wie die beleuchteten Scheinwerfer und die funktionsfähigen Bremslichter.

Da der Hersteller Sturmkind keine echten Automodelle lizensiert hat, handelt es sich bei den Fahrzeugen um reine Phantasiemodelle. Der Look unserer Modelle geht in Richtung Nissan, Subaru oder ähnlicher Fahrzeuge.

Vorbereitung und Aufbau

Was sofort auffällt, ist der ungewöhnliche Antrieb des Drift Cars. Dreht man das Modell um, erkennt man, dass der eigentliche Motor samt Lenkung mittels einer dritten Achse in der Mitte des Autos untergebracht ist. Die Vorderachse des Modells hat keine Funktion und dient nur der Optik. Das sieht bei manchen Fahrmanövern seltsam aus, funktioniert in der Praxis aber gut.

Eine Fernsteuerung gehört nicht zum Lieferumfang. Zur Steuerung wird ein Smartphone mit der kostenlosen Drift-App (iOS / Android ) benötigt. Ein USB-Netzteil zum Laden des Auto-Akkus ist nicht dabei. Da die Drift Cars keinen hohen Ladestrom benötigen, funktioniert jedes Smartphone-Netzteil mit Micro-USB-Kabel. Der erste Ladevorgang dauert etwa eine halbe Stunde.

Anschließend ist es an der Zeit, Platz für die ersten Fahrversuche zu schaffen. Während für Profis ein freier Tisch als Drift-Strecke ausreicht, sollten Anfänger etwas mehr Raum einplanen. Wir nutzen eine Fläche von etwa 2 × 2 Metern. Wichtig ist der passende Bodenbelag. Fliesen- oder Parkettböden sind perfekt geeignet. Die Autos fahren zwar auch auf Teppichböden, aber das macht nur unnötig Arbeit, da sich ständig Fussel in den Reifen verfangen.

Die Drifts funktionieren dank des mittig platzierten Antriebs.

Zur Nutzung der Software ist eine einmalige Registrierung notwendig; das Fahren klappt ohne Internetverbindung. Ist der Akku vollgeladen, folgt die Kopplung zwischen Smartphone und Modell. Im Test funktioniert das problemlos – sowohl mit dem iPhone, als auch mit verschiedenen Android-Geräten. Wir haben es unter anderem mit dem Mate 20 Pro (Testbericht) und dem iPhone 8 (Testbericht) ausprobiert. Die App meldet, sobald eine neue Firmware verfügbar ist. Deren Installation dauert pro Fahrzeug etwa fünf Minuten. Im Testzeitraum von vier Wochen kam es insgesamt zweimal mal vor, dass wir neue Firmware installiert haben. Die Updates sind Pflicht: Die Autos fahren nicht, wenn man sie nicht installiert.

Steuerung

Nach dem Start der App erscheint zunächst das Hauptmenü. Von hier aus geht es entweder in die Einstellungen oder direkt ins Renngeschehen. Die gekoppelten Autos erscheinen auf einer Art Spielkarte. Nach der Wahl des Autos und einem Fingertipp auf den Play-Knopf erscheint ein virtuelles Cockpit mit Tacho, Drehzahlmesser, Tankanzeige und Öltemperatur. Im unteren Bildschirmbereich sind ein Taster für den Rückwärtsgang, ein Start-Stop-Knopf und ein Scheinwerferknopf zu sehen. Oben links gibt es eine Zeit-Anzeige, rechts davon werden erspielten Punkte eingeblendet.

Ein Druck auf den Start-Stop-Button startet das Drift Car, untermalt von blubbernden Motorgeräuschen aus den Smartphone-Lautsprechern. Die Bedienung in den Standardeinstellungen ist sehr intuitiv. Zum Lenken wird das Smartphone wie ein Lenkrad benutzt. Wie bei Anki Overdrive ersetzt die rechten Bildschirmhälfte das Gaspedal. Je weiter oben man drückt, desto mehr Gas gibt das Auto. Die Bremse ist allerdings nicht wie bei Anki weiter unten, sondern auf der linken Display-Seite untergebracht. Die App untermalt jedes Manöver mit passendem Sound. Der graue Wagen hat laut Beschreibung einen V8-Motor – dieser hört sich im Rennen auch anders an als der des roten Flitzers.

Die Karosserie ist keinem echten Auto nachempfunden.

Der Einstieg ins Renngeschehen ist einfach: Bereits in der ersten Kurve legt das Auto einen fetten Drift hin. Nach den ersten paar Minuten und massenweise Drifts stellt sich dann allerdings Ernüchterung ein. Das gezielte Umfahren von Hindernissen ist deutlich schwieriger als erwartet. Wir brauchen unzählige Versuche, bis wir es schaffen, in einem einigermaßen engen Radius um eine am Boden aufgestellte Tasse zu driften.

Bevor an dieser Stelle Frust aufkommt, sollte man sich die Fahrzeugeinstellungen in der App ansehen. Hier gibt es zahlreiche Einstellungsmöglichkeiten hinsichtlich der Fahrphysik. Es ist beispielsweise möglich, den maximalen Lenkeinschlag zu verändern, zwischen Simulation- und Arcade-Mode zu wechseln und verschiedene Fahrassistenten zu aktivieren. Die Einstellungen sind deutlich spürbar und wirken sich zum Teil extrem auf das Fahrverhalten aus. Anfänger sollten mit aktivierten Assistenzsystemen im Arcade-Modus üben und sich erstmal an die Steuerung gewöhnen. Nach ein paar Runden unter vereinfachten Fahrbedingungen stellen sich dann schnell die ersten Erfolgserlebnisse ein; die Motivation steigt. Wer aber nur annähernd so gut fahren möchte wie die Fahrer in den Drift-Werbevideos , muss einiges an Übungszeit investieren.

So sieht das virtuelle Cockpit aus.

Wirklich Spaß macht das Fahren nur zusammen mit Freunden. Wer alleine fährt, muss sich selbst Ziele stecken, da zielloses Driften irgendwann seinen Reiz verliert. Wer einmal Blut geleckt hat und fleißig übt, wird dann aber von Akku zu Akku besser.

Das Tempo der Drift Cars ist laut Hersteller maßstabsgetreu. In anderen Worten: Die Autos sind mit knapp 2 m/s recht langsam. Das allerdings gehört zum Konzept. Sturmkind wirbt mit absolut authentischer Fahrphysik und sehr realem Drift-Verhalten. Und bei der Baugröße dürfe das Tempo eben nicht höher sein – das ist gewöhnungsbedürftig, aber nicht dramatisch. Was sehr positiv auffällt, ist die extrem lange Fahrzeit der Drift Cars. Im Test hält der Akku 30 bis 35 Minuten lang durch.

Spielmodi

Neben dem freien Driften sind alternativ Rennen mit Rundenzeiten möglich. Dazu wird lediglich der beigepackte Papierstreifen mit der Start-Ziel-Linie benötigt. Fährt das Auto über die Linie, wird die Rundenzeit gestoppt. Um hier gute Rundenzeiten hinzubekommen, ist es sinnvoll in den Einstellungen auf das Auto-Setup Rennen umzustellen. Die Lenkung ist dann sehr präzise und das Fahrzeug driften gar nicht mehr. Der Unterschied ist im Hersteller-Video gut zu erkennen.

Wie wir in einem Gespräch mit dem Hersteller erfahren haben, ist für Ende 2018 ist ein weiteres Update mit einem neuen Spielmodus geplant. Er ermöglicht es, Hindernisse wie 180-Grad-Turns und Haarnadelkurven per Barcode zu markieren, den die Fahrzeuge beim Überfahren auslesen. Die Fahrer müssen dann in einer vorgegebenen Zeit möglichst viele dieser Barcodes abfahren. Für jedes gemeisterte Hindernis gibt es Punkte, die sich künftig gegen virtuelle Auto-Ausstattung tauschen lassen. Geplant sind beispielsweise andere Motorenvarianten mit passendem Sound oder neue Reifentypen mit entsprechenden Fahreigenschaften.

Fazit

Die Drift Cars machen Spaß und sind außergewöhnlich. Allerdings handelt es sich bei den Autos weniger um RC-Spielzeug, als um eine Art Simulation fürs Wohnzimmer. Die Steuerung ist sehr realistisch und ebenso anspruchsvoll. Wer ordentlich damit fahren will, muss lange üben.

Positiv erwähnenswert ist die gute Ersatzteil-Politik: Bis auf die Elektronik sind alle Einzelteile beim Hersteller verfügbar. Auch die stetige Weiterentwicklung mit neuen Spielmodi ist positiv.

Was uns weniger gefällt, ist der extrem hohe Preis der Drift Cars. Pro Fahrzeug sind derzeit 150 bis 200 Euro fällig. Wer sich ein Doppelpack kauft, kann zwar ein bisschen sparen, günstig sind die Autos trotzdem nicht. Zum Vergleich: Die sehr spaßige Anki-Overdrive-Rennbahn (Testbericht) inklusive zweier Autos kostet derzeit etwa soviel wie ein einzelnes Drift Car.

Auch wenn die Autos komplett in Deutschland gefertigt werden, bei dem hohen Preis ist das Produkt tatsächlich nur etwas für hartgesottene Drift-Fans.