Das E-Klapprad Engwe P1 bietet trotz des niedrigen Preises von nur 600 Euro viele praktische Features wie Schutzbleche, Gepäckträger, zwei Taschen und einen starken Motor. Ob das kompakte E-Bike hält, was Engwe verspricht, zeigt unser Test.
E-Klappräder sind günstig, schick, schnell und auf kleinstem Raum verstaubar. Vor allem elektrische Klappräder aus China machen den etablierten Marken Konkurrenz, denn nirgends sonst findet man derart gute Preis-Leistungs-Verhältnisse. Die besten E-Klappräder zeigen wir in unserer Bestenliste E-Klapprad.
Der chinesische Hersteller Engwe ist auf dem E-Bike Markt längst kein Unbekannter mehr. Wir hatten bereits das elektrische Fatbike Engwe E26 im Test, an dem uns besonders die hohe Reichweite, die ordentliche Verarbeitung, die bequeme Gangschaltung und die sicheren Bremsen gefielen. Auch die elektrischen Citybikes Engwe P275 Pro und Engwe P275 ST fallen mit ihrem guten Mittelmotor, dem Riemenantrieb und dem großen Akku positiv auf. Technisch gehören sie zu den Spitzenreitern bei den günstigen E-Bikes.
Das Engwe L20 ist ein besonders kleines Tiefeinsteiger-E-Bike mit starkem Motor, großem Akku, Gepäckkorb und einer Zuladung von bis zu 120 kg. Das Engwe Engine X wiederum ist ein voll ausgestattetes elektrisches Klapprad mit dicken Reifen, Gepäckträger, Schutzblechen, starkem Motor, großem Akku sowie einer Federung am Vorder- und Hinterrad. Letzteres ist bei Klapprädern eher selten. Wer das ultimative E-Bike zum Falten sucht, dem empfehlen wir den Test des Fafrees F20 X Max.
Nun schauen wir uns das Engwe P1 genauer an. Es hat zwar dünnere Reifen und keine Hinterradfederung, ist ansonsten aber gerade für den günstigen Preis von 749 Euro bei Geekbuying sehr gut ausgestattet. Neben mechanischen Scheibenbremsen, einem starken 40-Nm-Motor und einem 486-Wh-Akku fallen vor allem die Schutzbleche, der Gepäckträger, die Gepäckträgertasche und die große Lenkertasche positiv auf. Ob das E-Klapprad hält, was Engwe verspricht, soll dieser Test klären.
Der Aufbau des Engwe P1 gestaltet sich etwas umfangreicher als bei vergleichbaren E-Bikes, sollte aber für jeden mit etwas handwerklichem Geschick problemlos machbar sein. Alle nötigen Werkzeuge liegen bei. Es müssen das Vorderrad, die Pedale, die Lenkstange, der Lenker, die Sattelstütze mit Sattel, das vordere Schutzblech, die Frontleuchte, der Ständer, die Satteltasche, die Lenkertasche mit Klicksystem und die Smartphonehalterung montiert werden. Zusammen mit dem Aufpumpen der Reifen und dem Nachziehen aller Schrauben benötigen wir dafür etwa eine Stunde.
Optional liegt dem Paket ein Gasring bei, der in Deutschland jedoch nicht erlaubt ist. Abgesehen davon scheint das E-Bike auf den ersten Blick die Voraussetzungen zu erfüllen, um als Pedelec legal auf deutschen Straßen fahren zu dürfen.
Optisch wirkt das E-Bike eher unauffällig. Klappräder in diesem Formfaktor sieht man derzeit häufig. Die matte schwarze Lackierung geht in Ordnung, der Schriftzug auf orangefarbenen Pfeilen gefällt uns weniger gut. Montiert man die zwei beiliegenden Taschen, wirkt das Design fast schon etwas altbacken. Das Kabelmanagement ist wie bei den meisten E-Klapprädern nur mäßig gelöst, alle Kabel verlaufen außen am Rahmen.
Bezüglich der Verarbeitung macht das E-Bike einen ordentlichen ersten Eindruck. Nichts wackelt oder quietscht während der Fahrt. Trotzdem werden hier sehr günstige Bauteile verwendet, die schneller verschleißen können. Positiv: Das Engwe P1 verträgt eine hohe maximale Zuladung von 120 kg. Das Eigengewicht beträgt etwa 25 kg.
Ausgeklappt misst das Rad 163 cm x 63 cm x 122 cm, zusammengeklappt reduzieren sich die Maße auf kompakte 95 cm x 85 cm x 45 cm. So passt es auch in die meisten Kofferräume. Im öffentlichen Nahverkehr sollte der kostenlose Transport problemlos möglich sein. Zum Zusammenklappen öffnet man zunächst den Sicherungshebel am Hauptrahmen und legt das Rad zusammen. Dann lässt sich die Lenkstange einfahren und einklappen, die Sattelstange absenken und die Pedale anklappen.
Am Lenker des Engwe P1 sitzt rechts eine einfache Shimano-Schaltung. Links befindet sich ein monochromes Display, welches Geschwindigkeit, Unterstützungsstufe, Akkukapazität und Tageskilometer anzeigt. Positiv: Der Lenker ist höhenverstellbar, was die Ergonomie verbessert. Die Klingel ist praktischerweise in den linken Bremsgriff integriert. Die Handgriffe sind ergonomisch geformt und auch für längere Touren geeignet.
Dank Klicksystem lässt sich die große Lenkertasche einfach abnehmen und zusammenfalten, wenn sie nicht gebraucht wird. Die meisten kleineren Einkäufe sollten problemlos hineinpassen. Praktisch ist die im Lieferumfang enthaltene Handyhalterung, die Smartphones sicher fixiert. Wer die beste Handyhalterung sucht, dem raten wir zur Top 10: Die beste Handyhalterung für das Fahrrad.
Das vordere Licht ist hell und lässt sich in der Ausrichtung verstellen. Auch das Rücklicht ist erfreulich hell und leuchtet beim Bremsen zusätzlich auf – keine Selbstverständlichkeit in dieser Preisklasse. Der hintere Gepäckträger kann mit bis zu 25 kg beladen werden. Die passende Tasche fasst etwa zwei Colaflaschen, sieht hochwertig aus und soll wasserfest sein.
Engwe gibt eine empfohlene Körpergröße von 150 bis 190 cm an. Unser 186 cm großer Testfahrer fühlt sich auf dem P1 jedoch nicht wohl, da die Sattelstütze für ihn deutlich zu kurz ist. Fahrer ab etwa 175 cm sollten eine längere Sattelstütze nachkaufen. Der Sattel selbst ist angenehm weich gepolstert und mit weißen Ziernähten versehen. Er bietet einen recht hohen Sitzkomfort – wenn denn die Körpergröße passt.
Der 250-Watt-Heckmotor des Engwe P1 hat ein ordentliches Drehmoment von 40 Nm. Er springt nach etwa einer Pedalumdrehung an. Einen Drehmomentsensor gibt es nicht, daher reagiert der Antrieb etwas verzögert. Hat er jedoch einmal seine volle Kraft entwickelt, beschleunigt er zügig bis zur in Deutschland erlaubten Maximalgeschwindigkeit von 25 km/h.
Die mechanischen Scheibenbremsen vorn und hinten packen bei unserem Testrad auf Anhieb gut zu. Erfahrungsgemäß müssen sie aber gerade bei sehr günstigen E-Bikes anfangs häufig nachjustiert werden.
Die einfache Gangschaltung funktioniert zufriedenstellend. Allerdings ist die Trittfrequenz selbst im höchsten Gang für Geschwindigkeiten über 25 km/h etwas zu hoch. Die Federgabel vorn ist zwar recht kurz, schluckt aber zumindest kleinere Unebenheiten weg und erhöht so den Fahrkomfort.
Die 20-Zoll-Räder haben ein ordentliches Profil und eine angenehme Breite. An die extrem dicken Reifen des Engwe Engine X reichen sie aber nicht heran.
Der Akku des Engwe P1 hat eine Kapazität von 468 Wh. Er lässt sich per Schlüssel entnehmen und mit dem beiliegenden Netzteil in circa sechs Stunden vollständig aufladen.
Der Hersteller bewirbt eine maximale Reichweite von 100 km – allerdings unter idealen Bedingungen wie ebener Strecke, moderater Geschwindigkeit, leichtem Fahrer und milden Temperaturen. Im realen Einsatz mit viel Stop-and-Go, hohen Geschwindigkeiten und 80 kg Zuladung kommen wir auf deutlich niedrigere, aber immer noch ordentliche 30 km Reichweite.
Das Engwe P1 ist bei Aliexpress für 600 Euro erhältlich. Dafür bekommt man ein voll ausgestattetes E-Klapprad mit starkem Motor und großem Akku.
Das Engwe P1 ist ein sehr interessantes E-Klapprad, das mit üppiger Ausstattung, kompakten Abmessungen und einem unschlagbar günstigen Preis punktet. Besonders hervorzuheben sind der kraftvolle Motor, der recht große Akku, die komplette Beleuchtung mit Bremslicht und die vielen praktischen Extras wie Gepäckträger und Taschen.
Allerdings muss man in dieser Preisklasse auch Abstriche machen: Die eingebauten Komponenten sind eher einfach, beim Kabelmanagement und der Optik ist noch Luft nach oben. Zudem ist die Sattelstütze für größere Fahrer zu kurz. Doch insgesamt bekommt man sehr viel E-Bike fürs Geld.
Wer ein günstiges, gut ausgestattetes Elektro-Klapprad für den flexiblen Einsatz in Stadt und Bahn sucht und bereit ist, Kompromisse einzugehen, der findet im Engwe P1 einen spannenden Kandidaten.
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