Das Waldwiesel von Urwahn ist ein minimalistisches Gravel-E-Bike mit hochwertigen Komponenten und Stahlrahmen aus dem 3D-Drucker. Wir haben das E-Bike getestet und zeigen günstigere Alternativen.
Gravelbikes möchten die Vorteile stabiler Mountainbikes mit denen leichter Rennräder vereinen. So eignen diese sich sowohl für Straßenfahrten als auch für leichtes Gelände wie Feldwege. Zudem bieten Gravelbikes in der Regel eine komfortablere Sitzposition als Rennräder, was sie für längere Fahrten und Bikepacking-Abenteuer anbietet. Ihre im Vergleich zu Rennrädern breiteren Reifen bieten höheren Grip und Komfort. Für Alltagsfahrten und mehrtägige Touren bieten viele Gravelbikes Befestigungspunkte für Trinkflaschen, Gepäckträger und Schutzbleche.
Doch sie sind schwerer als reine Rennräder. Wer ausschließlich auf der Straße unterwegs ist, für den könnte ein Rennrad die bessere Wahl sein. Auch sind sie nur bedingt für das Gelände geeignet. Urwahn schreibt zum Waldwiesel zwar: Einsatzgebiet Wald. Das mag auf Feldwege zutreffen. Wer jedoch denkt, dass er mit einem Gravelbike Wald-Trails bezwingen kann, wird schnell von der Rahmengeometrie, den schmalen Reifen und der fehlenden (aber optional erhältlichen) Frontgabelfederung auf den (Wald-)Boden der Tatsachen zurückgeholt.
Dabei ist das Waldwiesel nicht einfach nur ein Gravelbike, sondern vielmehr ein E-Gravelbike. Es kommt zusätzlich mit einem unauffälligen Motor, einem kleinen, unsichtbar im Rahmen versteckten Akku und einer dezenten Steuereinheit am Lenker. Dass es sich hier um ein E-Bike handelt, sehen nur versierte Blicke.
Das Waldwiesel kostet als E-Bike stolze 6000 Euro. Wer eine Federgabel oder einen Range-Extender will, zahlt nochmals darauf. Das ist viel Geld und mehr als bei allen Gravel-E-Bikes, die wir bisher getestet haben.
Als Superschnäppchen gibt es aktuell (November 2023) das sehr gute Fiido C21 (Testbericht) für 1200 Euro. Richtig gut sind auch die elektrischen Gravelbikes Honbike Uni 4 (Testbericht) für 1260 Euro sowie Urtopia Carbon 1 (Testbericht) für 2700 Euro. Allerdings fehlt ihnen der für Gravelbikes so typische Rennradlenker.
Mehr über sportliche E-Bikes erklären wir im Ratgeber E-Bike-Kaufberatung: Das beste E-Rennrad & E-Gravelbike ab 1400 Euro finden. Leichte, schicke und elektrifizierte Urban Bikes präsentieren wir in der Top 8: Die besten leichten E-Bikes im Test – Testsieger ab 660 Euro.
Der mit einem griffigen Tape umwickelte Rennradlenker bietet einen guten Halt und damit stets die volle Kontrolle über das E-Bike. Die Bremsen sind über zwei Postionen gut erreichbar. Das Waldwiesel kommt mit der Mahle-X35+-Antriebseinheit, welche wir bereits beim Winora E-Flitzer (Testbericht) testen konnten. Vergleichbar dem Winora kommt auch das Waldwiesel ohne Display. Das unterstreicht den minimalistischen Charakter des Waldwiesel. Trotzdem finden wir es schade, nicht die aktuelle Geschwindigkeit und die Restkapazität des Akkus sehen zu können. Wer das will, benötigt die optionale Mahle-App. Sie verbindet sich via Bluetooth mit dem E-Bike und zeigt unter anderem Tempo und Reichweite an. Wir empfehlen eine Fahrradhalterung für das Smartphone (Bestenliste).
Die gewählte Unterstützungsstufe zeigt das Waldwiesel mit hinter der Steuereinheit verborgenen Farbcodes. Diese sind jedoch so gut versteckt, dass sie bei direkter Sonneneinstrahlung im Grunde nicht zu erkennen sind. Die Steuereinheit selbst besteht lediglich aus drei Tastern. In unserem Fall bewies der Testredakteur das Vorhandensein seiner zwei linken Daumen und brach beim Festschrauben des Lenkers einen Teil des unteren Tasters ab.
Das Frontlicht ist winzig und dennoch ausgesprochen hell. Fahrer können die Höhe des Abstrahlwinkels variieren. Das Rücklicht in Form von fünf senkrecht angeordneten roten LEDs ist ungewöhnlich. Trotzdem ist das Licht StVZO konform.
Das Schaltwerk kennt elf Gänge und bietet sowohl beim langsamen als auch beim schnellen Fahren eine angenehme Übersetzung. Nur wenn die Anstiege zu steil werden, wünscht man sich mitunter noch kleinere Gänge.
Der Rahmen des Waldwiesels kommt wahlweise in den Farben Schwarz, Grau, Rot, Blau oder Gelb und ist eine echte Besonderheit. Zunächst fällt seine ungewöhnliche Geometrie ins Auge, die etwas an das Urtopia Carbon 1 (Testbericht) erinnert. Ihr fehlt das Sitzrohr, wodurch Unebenheiten nicht direkt an den Fahrer weitergegeben werden. Nachteil: Schmutz spritzt vom Reifen direkt auf Fahrerbeine und Kurbel. Auch fehlt so ein zusätzlicher Platz für einen Trinkflaschenhalter.
Wirklich speziell ist jedoch vor allem das Produktionsverfahren des Stahlrahmens. So entsteht der von Urwahn Fair Frame getaufte Rahmen im 3D-Drucker. Das soll besonders nachhaltig und gut skalierbar sein. Trotzdem sind wir nicht komplett überzeugt. Das liegt vor allem am Werkstoff Stahl, der zwar stabil und elastisch, aber deutlich schwerer als etwa Karbon ist. Einem derart auf Minimalismus getrimmten E-Bike hätte ein Karbonrahmen abermals etwas Gewicht genommen. So messen wir auf der Redaktionswaage gut 15 kg. Das ist für ein E-Bike wenig. Aber es gibt auch E-Bikes wie das Urtopia Carbon 1 (Testbericht), welches mit 2700 Euro nur halb so viel kostet und vergleichbar viel auf die Waage bringt. Das Fiido C21 (Testbericht) ist mit 1200 Euro deutlich günstiger und wiegt mit weniger als 18 kg kaum mehr.
Fahrer sitzen auf dem Waldwiesel in ähnlicher Position wie auf einem Rennrad. Das liegt auch am Rennradlenker. Über diese Position bringt der Fahrer besonders viel Kraft auf die Pedale und ist gleichzeitig vergleichsweise aerodynamisch. Aus ergonomischer Sicht ist diese Sitzposition nicht optimal. Sie bietet bei einem Job mit viel Sitzen wegen der gekrümmten Haltung des Fahrers keinen körperlichen Ausgleich. Um dem entgegenzuwirken, können Kunden beim Kauf die Vorbauüberhöhung anpassen.
Wir bevorzugen E-Bikes mit einer aufrechten Sitzposition. Mit dem Waldwiesel hatten wir nach etwa 25 km schon deutliche Nackenschmerzen. Egal, mit welchem Fahrrad man unterwegs ist, wir empfehlen grundsätzlich das Tragen eines Helms. Gute Modelle zeigen wir in der Top 5: Die besten smarten Fahrradhelme mit Blinker, Bluetooth & Musik im Test.
Der Motor sitzt kaum sichtbar am Hinterrad. Er benötigt etwas, bis er sich dazu schaltet und läuft in etwa genauso lange nach. Seine Kraft ist mit 40 Nm moderat. Durch die leichte Bauweise des Waldwiesels reicht sie jedoch im Zusammenspiel mit der eigenen Muskelkraft aus. Beim Anfahren hört man den Motor noch leicht, während der Fahrt kaum noch.
Die Griffe der hydraulischen Scheibenbremsen sind gut erreichbar und dosierbar. Die Reifen dürften für unser Empfinden jedoch gerne noch etwas breiter sein – hier ist bei 42 mm Schluss.
Der fest eingebaute Akku hat eine Kapazität von 250 Wh stark. Ein optional erhältlicher, als Trinkflasche getarnter Akku erweitert die Kapazität um 208 Wh. Die tatsächliche Reichweite mit dem integrierten Akku kann nur schwer verallgemeinert werden. Dafür sind Faktoren wie Zuladungsgewicht, Unterstützungsstufe, Fahrweise, Untergrund, Höhenmeter, Temperatur, Wind und vieles mehr zu beachten.
Beim Waldwiesel kommt positiv hinzu, dass es leicht ist und viele hochwertige Komponenten nutzt. So kann man es, falls der Akku mal leer ist, problemlos mit reiner Muskelkraft betreiben. Außerdem hilft es der Akku-Reichweite, wenn Fahrer den Motor mit Muskelkraft unterstützen. Wer über 25 km/h fährt, was mit dem Waldwiesel bei entsprechender Strecke möglich ist, benötigt keinen Motor und schont entsprechend den Akku.
Das Waldwiesel kostet ohne Motor 4500 Euro. Mit der Mahle X35+ Antriebseinheit fallen 6000 Euro an. Wer die Karbon-Federgabel (1000 Euro) und den Range Extender (500 Euro) will, zahlt abermals mehr. Wir empfehlen einen Blick in den Ebay-Shop von Urwahn. Dort verkauft Urwahn E-Bike Waldwiesel ab 4000 Euro.
Das ist immer noch viel Geld. Andere E-Gravelbikes mit weniger hochwertigen Komponenten sind da deutlich günstiger. Als Superschnäppchen gibt es aktuell (November 2023) das sehr gute Fiido Fiido C21 (Testbericht) für 1200 Euro. Richtig gut sind auch die elektrischen Gravelbikes Honbike Uni 4 (Testbericht) für 1260 Euro und Urtopia Carbon 1 (Testbericht) für 2700 Euro. Allerdings fehlt ihnen der für Gravelbikes so typische Rennradlenker.
Das Fahren mit dem Waldwiesel macht richtig Laune – wenn man denn mit der Rennrad-typischen Haltung klarkommt. Die Komponenten des elektrischen Fahrrads sind ohne Ausnahme hochwertig. So ist es mit den Waldwiesel kein Problem, mit reiner Muskelkraft und ganz ohne Motor zu fahren oder auch mal die für E-Bikes so wichtige Unterstützungsgrenzen von 25 km/h per pedes zu knacken. Das Zubehör ist vielfältig, die Optik des Waldwiesels dank seines fehlenden Sitzrohrs außergewöhnlich. Der Stahlrahmen kommt aus dem 3D-Drucker und wirkt hochwertig. Allerdings hätte ein leichterer Karbonrahmen dem Waldwiesel ebenfalls gut zu Gesicht gestanden.
Der allergrößte Kritikpunkt am Waldwiesel ist sein hoher Preis. Für die Mindestkonfiguration in der elektrischen Ausführung fallen auf der Webseite von Urwahn 6000 Euro an, auf Ebay immer noch mindestens 4000 Euro. Damit ist es das mit Abstand teuerste E-Bike, welches wir bisher bei uns im Test hatten. Das geht auch viel günstiger. Klar kommen die preiswerten elektrischen Gravelbikes mit zum Teil erheblich weniger hochwertigen Komponenten. Trotzdem hatten wir mit ihnen zum Teil sehr viel Spaß.
Wir empfehlen hier etwa unsere Bestenliste leichte E-Bikes aus unseren Tests. E-Gravelbikes aller Preiskategorien zeigen wir in E-Bike-Kaufberatung: Das beste E-Rennrad & E-Gravelbike ab 1400 Euro finden.
Affiliate-Information
Bei den mit gekennzeichneten Links handelt es sich um Provisions-Links (Affiliate-Links). Erfolgt über einen solchen Link eine Bestellung, erhält TechStage eine Provision. Für den Käufer entstehen dadurch keine Mehrkosten.