Stefan schrieb bereits während des Studiums Spieletests für ein Printmagazin im Ruhrgebiet. Durch einen glücklichen Zufall landete er in Berlin und arbeitete fast 15 Jahre bei Areamobile, zuletzt als leitender Testredakteur. Für Heise Bestenlisten testet er Smartphones, Saug- und Mähroboter, Lautsprecher, Modellflugzeuge und andere Technik-Gadgets.
Bislang hat sich Ecovacs bei seinen Mährobotern ohne Begrenzungskabel auf Kamera und Beacons zur Navigation verlassen, beim neuen GX-600 ist das anders. Was das für Vor- und Nachteile mit sich bringt, verraten wir im Test.
Lästiges Begrenzungskabel-Verlegen war gestern, auch Ecovacs hat als erfolgreicher Hersteller von Saugrobotern (Bestenliste) kabellose Modelle wie den Goat G1 (Testbericht), G1 800 (Testbericht) und G1 2000 (Testbericht) im Angebot. All diesen Modellen ist aber gemein, dass sie neben der Kamera zur Navigation zusätzliche Beacons benötigen, um sich auf dem Rasen zurechtzufinden. Die sind aber nicht nur teuer in Anschaffung und Unterhalt (99 Euro pro Stück, pro Jahr und pro Bake je drei D-Batterien), sondern je nach Geschmack auch noch eher unschön im Garten anzusehen. Außerdem hindert dichter Bewuchs die Kommunikation der Signalfackeln untereinander und mit dem Roboter, weshalb wir eher offene Gärten mit moderater Vegetation für die G1-Modelle empfehlen.
Ecovacs setzt beim neuen Goat GX-600 auf smarte Sensoren und KI-Algorithmen zur kabelfreien Erkennung des Mähbereichs. Was hochtrabend klingt, bringt allerdings einige Einschränkungen mit sich. Wir haben uns den neuen Mähroboter ausführlich angeschaut und verraten, was er kann.
Der Ecovacs Goat GX-600 kostet zum Testzeitpunkt 1299 Euro bei Amazon. Weitere Mähroboter ohne Begrenzungsdraht haben wir in unserer Bestenliste zusammengefasst.
Der in schlichtem Grün gehaltene Ecovacs Goat GX-600 wirkt solide und ausreichend hochwertig verarbeitet. Die Form ist nahezu mit den G1-Modellen identisch. So fällt direkt die an der Front eingebaute Weitwinkelkamera ins Auge, die Orientierung und smarter Objekterkennung dient. Die 360-Grad-Kamera, die bei den anderen G1-Modellen oben auf dem Chassis als gläserne Halbkugel sitzt, fehlt dem GX-600. Das gilt auch für die Antenne der G1-Modelle. Da der GX keine weiteren Positionierungs-Baken benötigt, fällt die flexible Stummelantenne der anderen Modelle hier weg.
Der Rest ist weitestgehend gleich. So gibt es oben auf dem Mäher wieder die aufklappbare Abdeckung, unter der sich Bedientasten für Einstellungen am Gerät, Display und mechanische Schnitthöhenregulierung sowie (dahinter) die rote Stopptaste befinden. Größe und Gewicht sind nahezu identisch zu den anderen Modellen der G1-Reihe von Ecovacs. Der Goat GX-600 ist nach IPX6 gegen Regen und Spritzwasser geschützt, entsprechend lässt er sich mit dem Gartenschlauch, nicht aber mit einem Hochdruckstrahler reinigen.
Etwas Vorsicht ist bei der Positionierung der Ladestation geboten. Diese wird nun nicht mehr im 90-Grad-Winkel zur Mähfläche positioniert, sondern so parallel zur Rasenkante, dass der Roboter bei der Rückfahrt entlang der Rasenkanten entgegen dem Uhrzeigersinn später wieder zurückfindet. Dabei muss die Station nicht zwingend auf der Rasenfläche selbst stehen, sondern darf auch direkt daneben auf der Terrasse positioniert werden, sofern der Roboter sie so finden kann. Dank der gut bebilderten Anleitung in Handbuch und App sollte die richtige Positionierung aber keine Probleme bereiten. So flexibel wie bei den G1-Modellen lässt sich der Aufstellort aber nicht wählen.
Bei der ersten Inbetriebnahme wird der Goat GX-600 per QR-Code mit der zugehörigen Ecovacs-Home-App gekoppelt – ganz wie bei der G1-Serie. Ein vierstelliger PIN-Code schützt vor unbefugtem Zugriff, das war es auch schon. Denn lästiges Verlegen von Begrenzungskabeln entfällt komplett und auch das sonst obligatorische Abfahren der Rasengrenzen wie mit einem RC-Auto (Ratgeber) gibt es nicht. Der Mäher ist direkt startklar.
Die App bietet fast alle Einstellungsmöglichkeiten, die es auch für die G1-Modelle gibt. Einziger Unterschied: Der Nutzer sieht keine Karte der Mähfläche und entsprechend grafisch auch nicht den aktuellen Mähfortschritt. Der wird nur als Prozentzahl angezeigt. Bei ausreichender WLAN-Abdeckung dürfen Nutzer aber durch die Kamera des Mähers schauen und sehen so eventuell, wo der GX gerade mäht. Die automatische Mähplan-Erstellung klappte bei uns übrigens nicht vernünftig – der GX wollte danach mitten in der Nacht mähen, obwohl die Tierschutzzeit aktiviert war.
Der Ecovacs Goat GX-600 orientiert sich allein mittels seiner Kamera und den damit verbundenen KI-Features. Nach dem Start fährt er zuerst am Rand entlang die erreichbare Rasenfläche ab, anschließend geht es in den Innenbereich. Klasse: Im Gegensatz zum ansonsten ähnlich agierenden Worx Vision (Testbericht) fährt der Ecovacs-Mäher geordnete Bahnen und nicht nach dem Chaosprinzip. Das spart Zeit und Strom und garantiert, dass der Mäher tatsächlich auch die komplette Fläche abfährt. Er schafft in der „Fein“-Einstellung 300 Quadratmeter pro Tag, die versprochenen 600 Quadratmeter also innerhalb von 24 Stunden.
Und wie navigiert der GX nun? Mittels der sogenannten Smartedge-Technologie erkennt der Mähroboter dank Kamera und intelligenter Algorithmen Farben und Beschaffenheit unterschiedlicher Materialien und kann so Rasen von Stein, Beton oder anderen Texturen unterscheiden. Das setzt entsprechend voraus, dass die zu mähende Rasenfläche immer gut erkennbare Abtrennungen zu Beeten und anderen Bereichen aufweist. Denkbar sind hier etwa Randsteine, Mauern, Zäune oder Hecken. Wächst Gras ohne erkennbare Abgrenzung ins Beet, endet der daraus resultierende Ausflug des GX ins Beet für Blumen unter Umständen tödlich. Obwohl unser Testgelände streckenweise ohne übermäßig eindeutige Unterscheidungen auskommt, hat sich der GX allerdings nicht einmal ins Beet verabschiedet oder sonst wie festgefahren.
Im Gegenzug kommen allerdings die typischen Probleme der Kamera-Navigation zum Tragen. So mäht der GX-600 zwar oft bis wenige Zentimeter an den Rand und fährt mit einem Rad bisweilen auf dem Randstein, bei einer angrenzenden Terrasse wollte er das aber nicht. So mäht er Ränder genauer als der ähnlich agierende Worx Vision (Testbericht) und deutlich besser als der Einhell Freelexo Cam 500 (Testbericht), Modelle, bei denen der Nutzer aber selbst die genaue Fahrweise vorgeben kann, sind hier trotzdem im Vorteil.
Ein weiterer Negativpunkt: Herabhängende Äste und Zweige werden – wie auch bei den G1-Modellen – als feste Hindernisse umfahren. Gras darunter kann der GX also nicht mähen. Und auch bei Rasen, der einfach anders als erwartet aussieht, gerät der Ecovacs-Mäher leicht ins Schwimmen. So ließ er sich im Test etwa von einem wahren Blütenmeer an verblühten und abgefallenen Blüten irritieren. Zwar umfuhr er sich erstaunlicherweise nicht komplett, hielt hier aber größeren Abstand zum Rand als gewöhnlich. Dafür kam er sehr gut mit einem ehemaligen „Biomüllhügel“ klar, der inzwischen komplett mit Gras überwachsen, aber zu steil zum Befahren ist. Hier fuhr der GX erstaunlich klare Ränder um den Fuß des Hügels herum.
Zudem arbeitet die integrierte Pfadplanung strukturiert und effizient. Der Mäher wählt dabei ein systematisches Streifenmuster und fährt anschließend parallele Bahnen mit leichter Überlappung. Ausgelassen hat der GX-600 im Test dabei nichts. Das Wendemanöver an Rasenkanten klappt zudem tadellos. Nach der Arbeit fand unser Testexemplar gut heim – und das, obwohl wir die Station testweise alles andere als optimal positioniert haben. Einziger Nachteil: Der Rückweg erfolgt immer wieder am Rand der Mähfläche entlang und dauert so unter Umständen länger als nötig.
Etwas schade finden wir, dass der Roboter in der App keine Karte und auch keinen Mähfortschritt darstellt. Das können zwar auch Einhell Freelexo Cam 500 (Testbericht), Worx Vision (Testbericht) und Husqvarna Automower 410XE Nera mit Epos (Testbericht) nicht, die mähen aber auch nach dem Chaosprinzip. Ein weiterer Nachteil: Der Ecovacs GX-600 kann zwar auch andere Rasenflächen als die einmal angelernte mähen, will dafür aber zum neuen Arbeitsort getragen werden. Das Husqvarna-Modell fährt selbstständig per angelerntem Pfad zu anderen Flächen, der Worx Vision kann das immerhin (zumindest theoretisch …) mittels einer veralteten RFID-Scheibe im Boden. Mehr dazu gibt es im jeweiligen Testbericht.
Dank des schwimmend gelagerten Mähwerks passt sich die Mähscheibe flexibel an Bodenunebenheiten an. Das Schnittbild war in unserem Test gleichmäßig und ohne vergessene Stellen. Die Schnitthöhe lässt sich über ein Drehrad am Gehäuse in 5-Millimeter-Schritten von 30 bis 60 Millimeter einstellen. Eine elektronische Verstellung per App wie bei manchen Konkurrenzmodellen gibt es nicht. Auch die Ausrichtung der Bahnen darf der Nutzer nicht vorgeben, das macht der Mäher eigenständig. In der Praxis ist beides aber verschmerzbar.
Die Kamera an der Front in Kombination mit einem ToF-Sensor (Time of Flight, Entfernungsmesser) und KI-Algorithmen dient nicht nur der Flächenerkennung, sondern auch als Sicherheitsfeature. Zusammengefasst unter dem Begriff AIVI 3D werden bewegliche und statische Objekte wie Spielzeuge, Tiere oder Gartenmöbel zuverlässig erkannt und umfahren.
Unsere Igel-Attrappe wurde wie bei den G1-Modellen verlässlich umkurvt. Wie immer gilt aber: Auch wenn die Sicherheitsfunktionen zuverlässig arbeiten, sollte der Mäher nicht unbeaufsichtigt in der Nähe von spielenden Kindern oder Haustieren und ebenfalls nicht in der Dämmerung oder Nacht eingesetzt werden.
Der Akku im Ecovacs Goat GX-600 hat eine Kapazität von 4000 Milliamperestunden. Das ist nicht übermäßig viel, entsprechend muss der Mäher etwa alle 80 Quadratmeter zurück zum Laden. Da das Nachladen einige Stunden dauert, benötigt der GX-600 für die namensgebenden 600 Quadratmeter Maximalfläche tatsächlich etwa zwei Tage.
Mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 1299 Euro gehört der Ecovacs Goat GX-600 preislich zu den günstigeren Mährobotern ohne Begrenzungsdraht, allerdings ist er für vergleichsweise kleine Flächen ausgelegt und bietet weniger Funktionen als andere Modelle. Positiv: Ecovacs gewährt 3 Jahre Garantie auf den Mäher sowie 2 Jahre auf den Akku. Der Ecovacs Goat GX-600 kostet zum Testzeitpunkt 1299 Euro bei Amazon. Inzwischen ist das Modell allerdings ausverkauft. Sein Nachfolger ist der Ecovacs Goat O500 Panorama, der gerade für 800 Euro im Angebot ist.
Direkte Alternativen sind die bereits angesprochenen Modelle Einhell Freelexo Cam 500 (Testbericht) und Worx Vision (Testbericht) – beide benötigen keine relevante Einrichtung und erkennen über ihre Kameras die Rasenfläche selbstständig. Etwas mehr für sogar weniger Geld oder gleiches können die beiden Segway-Modelle Navimow i105E und i108E (Testbericht). Hier haben Nutzer deutlich mehr Eingriffsmöglichkeiten, müssen dafür im Gegenzug bei der Ersteinrichtung einmalig die Mähfläche mit Smartphone und Mähroboter abfahren.
Der Ecovacs Goat GX-600 richtet sich an Besitzer möglichst übersichtlicher Gärten mit klaren Grenzen an den Rändern und nur einer einzelnen Rasenfläche. Ohne deutliche Grenzen kann sich der Mäher, der sich ausschließlich mittels seiner Kamera orientiert, theoretisch ins Beet verirren, auch wenn das in unserem Test bei nicht gerade optimalen Bedingungen nicht passiert ist. Einfacher (und dafür besser) geht es derzeit nicht: Station aufstellen, Roboter mit der App verbinden und schon geht es los mit der ersten Maht – schöne neue (kabellose) Zukunft!
Dafür haben Nutzer aber auch keine Eingriffsmöglichkeiten, wenn der GX-600 nicht das macht, was er von ihm erwartet. Eine Mähkarte zeigt der Roboter in der App nicht an, entsprechend auch keinen Mähfortschritt. Und auch, wenn der GX erstaunlich nah an Grenzen heranfährt, geht das von Hand angelernt besser. Dann kann der Mäher etwa so befehligt werden, dass er halb auf der Terrasse, halb auf dem Rasen fährt, um auch die Ränder komplett zu erwischen. Auch unter Sträucher will der GX-600 nicht fahren, stattdessen sieht er herabhängende Blätter als Hindernis. Außerdem bieten viele Konkurrenten die Option, mehrere Rasenflächen selbstständig zu mähen. Das kann der GX nur, wenn er händisch zu weiteren Grünflächen getragen wird.
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