Der Neptune 3 Max von Elegoo schlägt mit seinem riesigen Bauraum von 420 × 420 × 500 mm die Konkurrenz um einige Zentimeter und ist zudem günstiger. Wir haben den XL-Drucker getestet.
Ein 3D-Drucker im XXL-Format für unter 450 Euro klingt zu schön, um wahr zu sein. Bei so einem günstigen Preis ist es fast nicht vorstellbar, dass hier aktuelle Technik und Software an Bord sind. Mit dem Neptune 3 Max will Elegoo aber genau das bieten.
Der Neptune 3 Max ist ein klassischer kartesischer 3D-Drucker wie seine kompakten Schwestermodelle Neptune 3 Pro und Neptune 3 Plus (Testbericht), aber wegen seiner Größe zusätzlich mit massiveren Alu-Profilen, Querstreben und Verbindungselementen verstärkt. Die Druckbettauflage besteht aus einem PEI-beschichteten Federstahlblech, das fest auf dem magnetischen Druckbett sitzt. Auch der Druckkopf mit zeitgemäßer Direct-Drive-Technologie und die kompakte zweiseitige Bauteilkühlung geben Anlass zur Hoffnung. Der kleinere, auch preiswerte Elegoo Neptune 3 Plus (Testbericht) hatte uns schon mit hervorragenden Druckergebnissen überrascht. Wenn das größte Modell auch die gestiegenen Anforderungen des größeren Bauraums im Griff hat, wäre der Neptune 3 Max der neue beste XXL-3D-Drucker.
Dieser Einzeltest gehört zu unserer Themenwelt 3D-Drucker. Das Testgerät hat uns Elegoo zur Verfügung gestellt.
Der Bausatz des Neptune 3 Max enthält neben dem Drucker Werkzeug für den Aufbau, die benötigte Software auf einer Mikro SD-Karte und Ersatzteile, wie Düsen, Düsenreiniger und Hotend-Teflon-Inlay.
Der Drucker besteht aus zwei großen vormontierten Modulen: Plattform und oberen Rahmen, dazu kommen Querstreben, Rollenhalter und Touchscreen. Das Kniffligste an dem Zusammenbau des Neptune 3 Max ist die Montage von unteren Chassis und oberen Rahmen. Hierfür muss die Plattform hochkant gestellt und der obere Rahmen von unten angeschraubt werden. Ist dies erledigt, wird das obere Ende mit Querstreben fixiert. Danach noch Rollenhalter inklusive Filament-Run-out-Sensor und Touchscreen anschließen und der Aufbau ist abgeschlossen.
Die Bedienoberfläche des farbigen Touchscreens ist sehr übersichtlich gestaltet. Alle wichtigen Funktionen sind schnell über separate Reitermenüs erreichbar. In den einzelnen Abschnitten sind alle jeweiligen Einstellungsmöglichkeiten gut zusammengefasst. Im Menüpunkt Leveling etwa werden alle Daten des Auto-Bed-Leveling erfasst und nach abgeschlossener Vermessung angezeigt – so kann ein ungleich ausgerichtetes Bett anhand dieser Daten nochmals kalibriert werden.
Die ab Werk ausgelieferte Firmware des Neptune 3 Max kann bei Ankunft schon veraltet sein, weshalb man auf der Herstellerseite nach Updates suchen sollte. Die zum Testzeitpunkt aktuelle Version 1.3.5.1a beinhaltet wichtige Verbesserungen für die automatische Druckbett-Kalibrierung während des Drucks. Das Aufspielen der neuen Firmware gestaltet sich völlig unproblematisch. Es gibt letztlich zwei Dateien: ein Update für den Touchscreen und ein Firmware-Update für den Drucker. Zuerst wird das hintere Cover des Touchscreens geöffnet, um diesen via Mikro SD-Karte zu aktualisieren. Für das Firmware-Update des Druckers muss die Mikro SD-Karte in den regulären Speicherkarten-Slot eingesteckt werden und nach dem Anschalten erledigt der Drucker alles Weitere von allein.
Der Slicer, mit dem die 3D-Modelle für den Druck vorbereitet werden, finden wir ebenfalls auf der Mikro SD-Karte. Es ist eine vorkonfigurierte Version von Cura, namens Elegoo-Cura, in der alle Elegoo Druckermodelle der Neptune-Reihe abrufbar sind. Sobald das richtige Druckermodell ausgewählt ist, kann mit der Vorbereitung der 3D-Modelle begonnen werden.
Wir hatten bereits die aktuelle Konkurrenz im XL-Format von Anycubic, den Kobra Max (Testbericht) mit 400 × 400 × 450 mm und den Creality Cr-6 Max (Testbericht) mit 400 × 400 × 400 mm im Test. Der Bauraum des Elegoo Neptune 3 Max schlägt beide knapp mit 420 × 420 × 500 mm.
Die komplette Rahmenkonstruktion des Neptune 3 Max besteht aus 40 × 20 mm starken halb geschlossenen Alu-Profilen. Der Aufbau wird mit zusätzlichen Streben und Verbindungselementen gesichert und bietet solch eine stabile Basis. Die beweglichen Elemente sind Druckbett, Druckkopf und horizontale z-Achse. Alle drei Elemente werden über gegenüberliegende Laufrollen in der V-Nut der Alu-Profile bewegt. Druckbett und z-Achse sind beide über doppelte Führungen stabilisiert und arbeiten so vibrationsärmer und präziser. Die Fahrten des Druckkopfs sind dank zwei gegenüberliegender Laufrollenpaare besonders präzise.
Der Neptune 3 Max besitzt als einziger der drei XL-Drucker einen Direct-Drive-Extruder. Diese neuere Technologie integriert den Extruder in den Druckkopf und verspricht durch verkürzte Distanz zu Hotend präzisere Druckqualität und problemloser Verarbeitung von flexiblen Filamenten wie TPU. In dem Druckkopf finden wir auch einen kapazitiven Sensor für die Druckbettvermessung und die zweiseitige Bauteilkühlung. Der kapazitive Sensor erzeugt ein elektromagnetisches Spannungsfeld und überwacht dieses. Den gleichen Mechanismus finden wir bei einem Touchscreen. Nähert sich ein fester Gegenstand dem Spannungsfeld, registriert der Sensor die Veränderung und schlägt an. Bei der Druckbettvermessung ist der kapazitive Sensor dafür zuständig, das Druckbett an insgesamt 63 Punkten zu vermessen. Er registriert so Unebenheiten im Zehntel-Millimeter-Bereich, die später während des Druckvorganges durch Bewegungen der z-Achse nivelliert werden.
Der Unterbau des Druckbetts besteht aus einer mit Schienen verstärkten Aluminiumplatte. Darauf befindet sich eine magnetische Folie mit einem Millimeter Stärke, die das PEI-beschichtete Federstahlblech zuverlässig hält. Während des Druckens hat die warme Druckplatte dank der PEI-Beschichtung eine besonders hohe Haftung, nach dem Abkühlen lösen sich gedruckten Modelle durch unterschiedliche Oberflächenspannungen wie von Geisterhand. Ist dies nicht der Fall, kann die goldene Auflage auch bequem abgenommen und das ausgedruckte Modell durch Biegen des Bleches abgelöst werden.
Der Neptune 3 Max wurde von uns ausgiebig mit kleinen und großen Objekten und den Filament-Typen PLA, PETG und TPU getestet. Wenn die aktuelle Firmware Version 1.3.5.1a installiert ist, arbeitet das Auto-Bed-Leveling völlig zufriedenstellend und garantiert einen festen Halt auf der gesamten Druckfläche. Kleine Objekte, wie Spielfiguren oder präzise Funktionsteile, setzt der XXL-Drucker trotz seiner riesigen Abmessungen einwandfrei um.
Die große weiße Vase wurde mit nur einer Konturlinie im Modus „Außenkontur spiralisieren“ von Cura-Slicer in einer Höhe von 50 cm umgesetzt. Hier mussten wir für das Tempo für ein schönes Druckbild von anfänglichen 180 mm/s auf 60 mm/s. Im oberen Drittel hat die Vase trotz der reduzierten Druckgeschwindigkeit leichten Z-Versatz – ein unregelmäßiger Versatz einzelner Höhenschichten zueinander. Dies entsteht entweder bei unsauberen Bewegungen der Druckermechanik, zu schnellen Druckgeschwindigkeiten oder zu beweglichen gedruckten Bereichen im Modell. Um hier mangelhafte Mechanik bei dem Neptune 3 Max auszuschließen, haben wir ein weiteres XL-Modell Burj Kalifa mit einer Höhe von 50 cm gedruckt. Zwar musste die Druckgeschwindigkeit abermals auf 45 mm/s reduziert werden, dafür hatten wir dann ein perfektes Druckbild. Die perfekt abgeschlossene Spitze beweist, dass die Mechanik des Neptune 3 Max präzise arbeitet. Zudem zeigt sie die Stärke der doppelten Bauteilkühlung, die bei geringen horizontalen Bewegungen des Druckkopfs die Abwärme der heißen Düse gut im Griff hat.
Im offiziellen Online-Store von Elegoo kostet der Neptune 3 Max umgerechnet 445 Euro inklusive Versand. Ein sehr fairer Preis hinsichtlich der Druckqualität und des riesigen Bauraums. Aktuell ist das Modell aber vergriffen – Vorbestellungen für die Auslieferung Ende April 2023 werden entgegengenommen. Alternativ ist der Drucker etwa beim Onlineshop 3D-Jake für 499 Euro sofort verfügbar.
Der Neptune 3 Max ist eine gelungene Symbiose aus aktueller Technik, übersichtlicher Steuerung und einem fairen Preis. Der Drucker kann kleine wie sehr große Objekte in perfekter Qualität umsetzen, dabei ist er allerdings nicht der Schnellste. Wer groß und ordentlich drucken will, muss langsam drucken, daran ändert auch der stabile Aufbau des Neptune 3 Max nichts.
Wer große und vor allem auch schwere Drucke umsetzen will, sollte sich alternativ den Creality Cr-6 Max (Testbericht) anschauen. Sein solider Rahmen bietet zusätzlich Halt für hohes Gewicht. Hingegen besticht der Elegoo Neptune 3 Max zusätzlich durch das präzisere Druckbild wegen des Direct-Drive-Extruders und der zweiseitigen Bauteilkühlung. Die Druckplattentechnologie bei Elegoo ist zudem aktueller und bietet eine stärkere Haftung und ein bequemeres Ablösen der fertigen Druckobjekte. Sehr elegant hat Elegoo die Bedienung über den abnehmbaren Touchscreen mit intuitiver Menüführung gelöst. Im Gesamtbild hält Elegoo auch mit dem Neptune 3 Max sein aufgedrucktes Versprechen „Create the Future“ und dies mit einem sehr niedrigen Preis.
Weitere Drucker-Einzeltests, Filament-Vergleichstests und allgemeine Ratgeber rund um FDM- und SLA-Drucker zeigen wir in unserer Themenwelt 3D-Drucker.
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