Lange hat kein 3D-Drucker im Test so überzeugt wie der Elegoo Neptune 3 Plus. Die Marke Elegoo, eher bekannt für solide SLA 3D-Drucker, setzt mit ihrer neuen Neptune-Serie einen neuen Standard in Sachen FDM-Druckqualität.
Wir haben in unserem Test mit dem Neptune 3 Plus Filamente wie PLA und PETG, aber auch ABS und TPU verwendet und waren am Ende restlos begeistert. Solch einen Volltreffer landete zuletzt Anycubic mit ihrem Vyper (Testbericht) und der Kobra-Serie (Testbericht). Hier waren der schnelle und einfache Aufbau, der hohe Bedienerkomfort und die hohe Druckqualität ausschlaggebend.
Auch der überdurchschnittlich große Elegoo Neptune 3 Plus ist in nur 15 Minuten betriebsbereit, wirkt von Anfang an sehr hochwertig und bringt seine eigene Slicer-Software mit. Für eine möglichst hohe Druckqualität hat Elegoo den gesamten Druckeraufbau überarbeitet und stabilisiert. Die Kooperation mit der Software Cura macht sich beim hauseigenen Slicer ebenfalls positiv bemerkbar.
Warum der Drucker für uns sogar der Anwärter auf die neue Nummer Eins ist, verrät dieser Einzeltest aus unserer Themenwelt 3D-Drucker, wo wir auch SLA-Drucker, Zubehör und Verbrauchsmaterial testen und vergleichen. Der Elegoo Neptune 3 Plus wird Anfang Februar ausgeliefert und ist bereits jetzt im Shop von Elegoo und etwa bei 3DJake für rund 370 Euro vorbestellbar.
Der Neptune 3 Plus ist auf den ersten Blick so wie fast alle kartesischen 3D-Drucker aufgebaut. Lediglich der maximale Bauraum ist mit 32 x 32 x 40 cm überdurchschnittlich groß. Wer genau hinsieht, erkennt aber Details, die so nicht selbstverständlich sind. So hat Elegoo etwa die Aluprofile verstärkt, den Druckkopf auf vier haltbare Nylonrollen gesetzt, das Cold-End vergrößert und den Druckkopf mit einer doppelten Bauteilkühlung ausgestattet. Die für die Haftung wichtige PEI-Druckplattenbeschichtung ist von einer überdurchschnittlich hohen Qualität.
Der Neptune 3 Plus besteht aus mehreren eloxierten Aluprofilrahmen, was so weit Standard ist. Die Aluprofile für die z-Achse und die des y-Druckschlittens sind allerdings ungewöhnlich massiv. Zusätzlich gibt es ein Verbindungselement zwischen den zwei Y-Druckbettschienen, was die Stabilität nochmals erhöht. Die gängigen Druckbettschlitten verfügen über drei bis vier Nivellierungsschrauben, der Schlitten des Neptune 3 Plus hat sechs Stellschrauben und so kann das Druckbett noch exakter gelevelt werden.
Die mittlerweile üblichen zwei gekoppelten z-Achs-Spindeln, Filament-Sensor und Resume-Printing nach Stromausfall sind natürlich auch beim Neptune 3 Plus mit an Bord. Der Schlitten des Druckkopfes läuft allerdings auf vier anstatt wie üblich nur drei Rollen – und diese bestehen aus haltbarem Nylon. Der Druckkopf besitzt ein sehr großes und breites Cold-End, dadurch liegt der Schmelzpunkt des Filaments weit unten in der Heat-Break, was schonender für das Teflon-Inlay ist. Die zwei Bauteilkühler, wichtig für schnelle Druckgeschwindigkeiten, sind gut auf den Druckpunkt ausgerichtet.
Bei all diesen Details merkt man schnell, dass dieser Drucker kein Zufallsprodukt ist, sondern sich mit der Materie auseinandergesetzt worden ist. Der Hersteller hat neben dem Druckkopf auch konsequent das Vibrations- und Bewegungsverhalten analysiert und optimiert. Das sorgt insgesamt für zuverlässigeren Ablauf und gleichmäßigeren Filament-Fluss. So erreicht der Neptune 3 Plus ein sehr sauberes Druckbild ohne Lüftervibrationsmuster, mit regelmäßigem Schichtauftrag, exakten Überhängen und geringem Spinning (Filament-Fäden zwischen den Bauteilen). Hier gibt es sehr gute Druckqualität ab Werk – und das ganz ohne Tuning.
Wie groß der Neptune 3 Plus im Vergleich zum Standard-Modell der Serie ausfällt, zeigt das Herstellerfoto. Auch der Unterschied zum noch mal deutlich größeren Neptune 3 Max wird schnell deutlich.
Nach lediglich einer Handvoll Arbeitsschritten und weniger als einer Viertelstunde ist der Aufbau des Neptune 3 Plus erledigt. Auch unerfahrene Nutzer sollten das dank guter Anleitung in unter 20 Minuten schaffen.
Zuerst werden das untere Chassis und der obere Rahmen mit vier massiven Schrauben verbunden. Nun folgt die Befestigung des Druckkopfes am x-Achs-Schlitten – ebenfalls mit vier Schrauben. Der Druckkopfkabelbaum ist dank klarer Beschriftung schnell und unkompliziert mit dem unteren Chassis verbunden. Im vorletzten Schritt werden der Filament-Rollenhalter und die Halterung für das Touchscreen mit jeweils drei Schrauben fixiert. Nun noch die beiden z-Motoren, den Filament-Sensor und den Bildschirm anschließen und es kann losgehen.
Fertig aufgebaut misst der Neptune 3 Plus satte 58 x 53 x 64 cm und wiegt rund 14 kg.
Zunächst installieren wir die hauseigene Slicer-Software, die Elegoo auf MicroSD-Karte mitliefert. Hier sind auch die Bedienungsanleitung, eine Anleitung für die Netzwerksteuerung, USB-Treiber, zwei Vorlagen für Testdrucke und ein Aufbauvideo zu finden. Umfang und Qualität der mitgelieferten Dokumentation sind vorbildlich.
Der Slicer zur Vorbereitung der Druckdaten ist übersichtlich aufgebaut und die Zusammenarbeit mit Cura macht sich auch beim ordentlichen Umfang der Einstellungsmöglichkeiten bemerkbar. Gerade für Einsteiger sind die gebotenen Funktionen mehr als ausreichend. Aber auch als erfahrene Nutzer sind wir sehr zufrieden und finden alles, was für unseren Test nötig ist.
Die Bedienung am Drucker selbst gestaltet sich ebenfalls angenehm einfach. Das abnehmbare Touchscreen kann dank flexiblem Spiralkabel bequem wie ein Handy gehalten werden und danach in seine Halterung zurückgelegt werden. Diesen Luxus kannten wir bis jetzt nur vom Snapmaker A 350T oder einigen Laser-Engravern. Das farbige, berührungsempfindliche Display hat eine ausreichend hohe Auflösung und Helligkeit und reagiert schnell und zuverlässig. Die Bedienoberfläche ist übersichtlich, intuitiv aufgebaut und bietet viele Einstellungsmöglichkeiten und Abfragen. So werden auf Wunsch etwa die genauen Vermessungsdaten des Auto-Bed-Leveling angezeigt, das Leveling gestartet, das Filament geladen oder das Heizbett vorgewärmt.
Auch die auf der Speicherkarte abgelegten Druckmodelle sind schnell gefunden und so starten nach dem Leveln und Einlegen des Filaments die ersten Testdrucke.
Die Druckqualität ist einfach „großes Kino“ – hier gibt es ein dickes Wow! Wir haben mit allen eingesetzten Filamenten saubere Schichten mit gleichmäßigem und tollem Druckbild erzielt. Die schwarzen Modelle und den weißen Drachen haben wir mit PLA gedruckt. Die Ergebnisse sprechen für sich: kein Stringing und scharfe, klare Layer an den Säulen und den Spitzen. Der weiße Drache und das Modell des Burj Kalifa wurden außerdem mit extrem schnellen 180 mm/s gedruckt und haben dafür trotzdem top Ergebnisse erzielt. Selbst die filigrane Spitze bei 40 cm Höhe wurde für diese hohe Geschwindigkeit ordentlich gedruckt.
Die oberste Schicht des Bodens der grünen PETG-Box ist derart gleichmäßig und eben, dass die nach dem Druck regelrecht glänzte. Auch beim PETG von Material4Print haben wir keine echten Druckfehler, bis auf ein paar kleine Blobs an der hinteren Wand. Der durchsichtige Zylinder besteht ebenfalls aus PETG, allerdings aus dem billigsten, welches wir auf Ebay gefunden hatten. Er wurde im Vasenmodus bei eigentlich zu schnellen 180 mm/s gedruckt und auch hier gab es keine Fehler – und das bis in 40 cm Druckhöhe. Zum besseren Verständnis: Die meisten FDM-Drucker geben hier Maximalwerte von etwa 100 mm/s an. Die empfohlenen Geschwindigkeiten liegen in der Regel um die 60 mm/s.
Die drei Benchys, der klassische Stresstest für jeden Drucker, bestehen aus PLA, ABS und TPU. Sie sehen ebenfalls toll aus. Sie haben feine, gleichmäßige Schichten, schicke Überhänge und kein Stringing. Und das, wo gerade TPU stark zur Fadenbildung neigt und ABS nur schwierig haftet.
Da alles bis dahin alles auf der PEI-Druckplatte gehaftet hat, waren wir so überzeugt, dass wir noch einen großflächigen Druck einer grünen Box aus anspruchsvollem ABS gewagt haben. Das Material zieht sich beim Abkühlen stark zusammen und so ist dieses stabile Filament in der Regel nur für Drucker mit geschlossenem Gehäuse geeignet – zumindest bei großen Modellen. Hier gab es dann auch ab einer Druckhöhe von etwa 2,5 cm erstes Warping und wir haben den Druck schlussendlich abgebrochen. Bei einer hohen Raumtemperatur oder der Nachrüstung eines geschlossenen Gehäuses sollte aber selbst ABS in größeren Dimensionen noch gut druckbar sein. Kleine Modelle wie das Benchy klappen mit dem Neptune 3 Plus auch ab Werk mit ABS.
Die Düsen des Druckkopfes erreichen bis zu 260 Grad, das Heizbett bis 100 Grad. Selbst Nylon/PA dürften damit noch funktionieren, für PC liegt die Höchsttemperatur zu niedrig. Holz- und Steinfilament sind hingegen kein Problem.
Der Elegoo Neptune 3 Plus ist das mittlere Modell der Druckerserie. Zum Veröffentlichungszeitpunkt des Tests ist er für 350 USD im Onlineshop des Herstellers vorbestellbar. Die Auslieferung in der EU ist für Anfang Februar 2023 angekündigt. Beim österreichischen Onlineshop 3DJake kann man den Drucker für 370 Euro vorab bestellen. Die Kosten erscheinen uns aufgrund der tollen Ergebnisse als fair.
Der kleinere Neptune 3 Pro kostet 260 Euro, die XXL-Variante Neptune 3 Max kostet 470 USD. Auch diese beiden Varianten sind aktuell beim Hersteller und einigen Distributoren vorbestellbar. Im Preisvergleich ist die Serie aktuell noch nicht gelistet.
Das Fazit für den Elegoo Neptune 3 Plus ist klar: Der Filament-Drucker ist mit seinem sehr guten Druckbild, dem überdurchschnittlich großen Bauraum und einem Vorbesteller-Preis von unter 400 Euro unsere neue Kaufempfehlung. Uns hat das Modell und die Auswahl der Einzelkomponenten restlos überzeugt.
Dass selbst anspruchsvolle Filamente wie ABS und TPU bis zu einer gewissen Größe funktionieren, ist alles andere als selbstverständlich. Ein über alle Materialtypen derart gleichmäßig verteilt gutes Druckbild ist sogar ziemlich außergewöhnlich.
Eine vergleichbar hohe Druckqualität und ein ähnlich gutes Gesamtpaket bieten nur etwa der Vyper (Testbericht) und die Kobra-Serie (Testbericht) von Anycubic oder noch der Artillery Sidewinder X2 (Testbericht). Wer weniger Platz zur Verfügung hat und seinen 3D-Drucker durch eignes Tuning erweitern möchte, der sollte sich den Creality Ender 3 S1 (Testbericht) näher anschauen. Weitere Tests zeigt unsere Themenwelt 3D-Drucker.
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