Die zur Überwachung von Innenräumen vorgesehene Indoor Cam S350 stellt dank Weitwinkel- und Teleobjektiv zwei Streams gleichzeitig dar. Wie gut sich die WLAN-Kamera in der Praxis schlägt, zeigt der Test.
Immer mehr Hersteller von Überwachungskameras bieten Varianten mit Dual-Objektiv (Bestenliste). Dabei verfolgen sie unterschiedliche Ansätze. Die Annke NCD800 (Testbericht) und die Reolink Duo 2 (Testbericht) verwenden das zweite Objektiv zur Vergrößerung des Sichtfelds. Aus zwei Einzelaufnahmen entsteht eine 180-Grad breite Panoramaansicht. Andere Modelle wie die Reolink Trackmix (Testbericht) setzen das zweite Objektiv hingegen für eine zusätzliche Ansicht mit vergrößerter Darstellung ein. Dank Weitwinkel- und Teleobjektiv haben Anwender damit gleichzeitig Totale und Detailansicht im Blick.
Letzteres bietet auch die PTZ-Überwachungskamera Eufy Indoor Cam S350, die anders als die wetterfeste Eufy Solocam S340 (Testbericht) nicht für den Außeneinsatz konzipiert ist, sondern zur Überwachung von Innenräumen. Das Weitwinkelobjektiv bietet eine Auflösung von 3840 × 2160 Pixel und ein 130 Grad großes Sichtfeld für die Totale, während das Teleobjektiv mit 2304 × 1296 Pixel auflöst. In beiden Fällen liegt die maximale Bildrate bei 15 Bildern pro Sekunde (FPS). Videos speichert die PTZ-Kamera im HEVC-Format, das aktuell die beste Kompression bietet. Mit Strom wird die S350 über ein USB-Netzteil mit USB-A-auf-USB-C-Kabel versorgt.
Videos nimmt die 4K-Überwachungskamera standardmäßig ereignisbasiert auf und speichert sie auf einer microSD-Karte, die allerdings nicht zum Lieferumfang zählt. Eine kontinuierliche Aufzeichnung unterstützt sie nur, wenn sie mit der Homebase gekoppelt ist. Zudem muss diese mit einer Festplatte oder SSD ausgestattet und per Ethernet mit dem Router verbunden sein. Eine Speicherung auf einem NAS wie Synology Surveillance Station (Testbericht) unterstützt die Dual-Objektiv-Kamera hingegen nur, wenn sie nicht mit der Homebase verbunden ist. Außerdem bleibt dann die Auflösung der 4K-Kamera auf 1080p beschränkt und das zweite Objektiv ist ebenso wie die PTZ-Funktion mit der Synology nicht steuerbar. Für die Indoor Cam S350 bietet Eufy zudem einen kostenpflichtigen Cloudspeicherplatz, der monatlich je nach Umfang 3 oder 10 Dollar kostet.
Die KI der Kamera unterscheidet bei der Bewegungserkennung zwischen Personen, Haustieren und anderen sich bewegenden Objekten. Mit der Anbindung an die Homebase kann sie darüber hinaus noch Gesichter und Fahrzeuge identifizieren. Und noch eine Funktion bietet die Indoor Cam S350, wenn sie an die Homebase angeschlossen ist: die sogenannte Cross-Kamera-Verfolgung. Damit werden Videos vom selben Ereignis verschiedener Eufy-Überwachungskameras zu einer Aufnahme zusammengefügt. Die Funktion steht allerdings bis jetzt nicht offiziell zur Verfügung.
Mangels zusätzlicher LED-Beleuchtung kann die S350 nachts Videos nur in Schwarzweiß aufnehmen. Last but not least bietet die Dual-Objektiv-Kamera auch eine Gegensprechfunktion und eine laute Sirene, die bei Bedarf automatisch Alarm schlägt.
Die knapp 230 Gramm schwere Eufy Indoor Cam S350 kann man einfach auf ein Regal stellen oder an einer Decke oder einer Wand montieren. Die Form der Kamera erinnert an einen kleinen Roboter mit zwei Augen. Letztere sind die beiden Objektive, die aus einem quaderförmigen Oberteil mit einer Breite von 8 Zentimetern und einer Tiefe von 6 Zentimetern herausblicken. Dieser sitzt auf einem 3 Zentimeter hohen Konus mit einem unteren Durchmesser von etwa 6 Zentimeter. Dieser befindet sich auf einem silberfarbenen und knapp ein Zentimeter hohen Standfuß. Konus und Quader sind drehbar, letzterer lässt sich zudem nach oben und unten schwenken. Optisch und haptisch hinterlässt die knapp 11 Zentimeter hohe Indoor Cam S350 einen einwandfreien Eindruck.
Im Lieferumfang sind für die Montage nötige Halterungen, Schrauben und Dübel sowie eine Bohrschablone enthalten. Die mehrsprachige Kurzanleitung, darunter auch Deutsch, bietet detaillierte Informationen zur Montage, die auch in der App abrufbar sind.
Die Inbetriebnahme der Indoor Cam S350 ist wie alle Eufy-Überwachungskamera sehr einfach, setzt aber ein Nutzerkonto beim Hersteller voraus. Weitere Angaben zum Setup finden sich in der Bildergalerie und in älteren Testberichten zu Eufy-Kameras.
Zusätzlich zur App können Anwender Livestream und Gerätedaten auch über eine Web-Anwendung auf dem Desktop abrufen. Allerdings ist damit keine Konfiguration der Geräte möglich. Eine leistungsfähige Desktop-Anwendung, wie sie etwa Reolink bietet, hat Eufy bislang nicht im Angebot.
Die Einstellungen der Kamera erreicht man in der Standardansicht über das Drei-Punkte-Menü und das Zahnradsymbol. Sie umfassen Konfigurationsmöglichkeiten zu den Menüpunkten Bewegungserkennung, Geräuscherkennung, Schwenk-/Neige- und Winkeleinstellungen sowie Video, Audio, Benachrichtigung, Allgemein und Gerätefreigabe.
Einige Konfigurationseinstellungen sind abhängig von vier möglichen voreingestellten Positionen der PTZ-Kamera, die Anwender am besten als erstes unter Winkeleinstellungen oder von der Livescreen-Ansicht über das entsprechende Symbol definieren. Hierfür können sie die Ansichten beider Objektive verwenden und eine Standardansicht aus diesen auswählen. Die festgelegten Wegpunkte sind etwa für den Auto-Cruise-Modus relevant, wenn dieser aktiviert wird. Ähnlich wie die Dann fährt die Kamera routinemäßig diese Positionen ab, wobei sie auch Zoom-Positionen berücksichtigt. Zudem können Anwender eine sogenannte 360-Grad-Rundumsicht starten, wobei die Kamera dann Panoramafahrt durchführt, wobei sie allerdings nicht zoomt, sondern in der Standardansicht einen 360 Grad großen Bereich abfährt.
In diesem Abschnitt kann man auch einen Datenschutzwinkel festlegen, den die Kamera anvisiert, wenn die entsprechende Option auf der Startseite aktiviert wird.
Unter Bewegungserkennung lässt sich der Aktivitätsbereich der Kamera einschränken, der sich bei der Indoor Cam S350 wegen des 360-Grad-Sichtfelds auf mehrere zuvor festgelegte Positionen verteilt. Damit erfasst die Kamera nur Bewegungen in den festgelegten Bereichen. Zusätzlich lassen sich unter Videoeinstellungen – Datenschutzzonen zwei Bereiche definieren, die bei einer Videoaufnahme geschwärzt sind. Allerdings kann das Objektiv der PTZ-Kamera dann nicht mehr bewegt werden. Sie entspricht dann einer starr ausgerichteten Überwachungskamera.
Um Fehlalarme zu vermeiden, können Anwender die Erkennungsart der Bewegungserkennung auf Menschen und/oder Haustiere begrenzen. Im Test hat das die Kamera einwandfrei hinbekommen und bei Menschen alarmiert, bei Haustieren zum Beispiel aber nicht. Auch die integrierte Geräuscherkennung funktioniert problemlos. Anwender können außerdem die Geräuscherkennung auf „Weinen“ beschränken, sodass die S350 nur dann alarmiert, wenn sie ein weinendes Baby erkannt hat.
Unter Kalibrierung Schwenk-/Neigeeinstellungen können Anwender die Bewegungsverfolgung (KI-Nachverfolgung) aktivieren. Dann verfolgt die Kamera erkannte Objekte automatisch. Zusätzlich lässt sich die Schnelligkeit der Objektiv-Drehgeschwindigkeit in fünf Stufen einstellen.
Und wie bei Eufy üblich können Anwender die Steuerung der Kamera mit anderen Personen teilen. Hierfür müssen diese die Eufy-App installieren und sich registrieren.
Dank hoher Auflösung sind die Videos der Indoor Cam S350 tagsüber sehr detailreich. Bei Dunkelheit kann sie mangels LED-Spotlight nur in Schwarzweiß aufnehmen. Details sind aber dann auch noch gut zu erkennen. Die integrierte Gegensprechfunktion funktioniert einwandfrei. In puncto Benachrichtigungen bietet die Eufy lediglich eine Push-Funktion. Die Zustellung hat im Test zuverlässig und unverzüglich funktioniert. Warnmeldungen über E-Mail verschicken Eufy-Kameras anders als Modelle von Reolink hingegen nicht. Auch ist ein Upload eines Bilds oder Videos auf einen FTP-Server nicht vorgesehen.
Die noch im Betastadium befindliche Cross-Kamera-Verfolgung bei der Videos mehrere Eufy-Überwachungskameras zu einer Aufnahme zusammengefügt werden, konnten wir leider nicht testen. Die versprochene Freischaltung der Funktion innerhalb von 24 Stunden hat bedauerlicherweise nicht funktioniert. Womöglich ist uns da das chinesische Neujahrsfest, zu dem traditionell viele chinesische Firmen mehrere Tage Betriebsurlaub haben, dazwischengekommen.
Die gleichzeitige Darstellung der beiden Streams von Weitwinkel- und Teleobjektiv hat während des Tests problemlos funktioniert. Der Livestream steht sowohl mit einer 5-GHz als auch mit einer 2,4-GHz-Verbindung zügig parat und hat nur einen Versatz von maximal einer Sekunde. So hat man die Totale sowie eine optisch dreifach vergrößerte Zoom-Ansicht im Blick. Man hat aber auch die Möglichkeit, nur einen Stream zu betrachten. In Kombination mit dem digitalen Zoom ermöglicht die Eufy Indoor Cam S350 auch eine bis zu achtfache Vergrößerung. Die Ergebnisse können sich in jedem Fall sehen lassen (siehe auch Bildergalerie).
| Eufy Solocam S350: Videoformate | ||||
|---|---|---|---|---|
| Modus (App) | 4K | 2K | 1080P | 720p |
| Auflösung | 3840 x 2160 | 2304 x 1296 | 1920 x 1080 | 1280 x 720 |
| Codec | HEVC | HEVC | HEVC | HEVC |
| Bildrate | 15 fps | 15 fps | 15 fps | 15 fps |
| Dateigröße (5s) | 963 KB | 178 KB | 140 KB | 109 KB |
Die Eufy Indoor Cam S350 arbeitet auch in Verbindung mit den Sprachassistenten Google Assistant und Amazon Alexa. In Kombination mit einem smarten Display (Ratgeber) können Anwender den Kamera-Livestream mit einem kompatiblen Gerät wie Nest Hub oder Echo Show verfolgen.
Bedauerlicherweise bietet Eufy für die Indoor Cam S350 keine Integrationsmöglichkeiten für andere Smart-Home-Systeme (Bestenliste). Immerhin ist sie dank einer Community-App kompatibel zu Homey Pro (Testbericht). Auch unter Home Assistant (Testbericht) gibt es für die Eufy-Kameras eine Community-Integration.
Immerhin erlaubt die App installierte Eufy-Überwachungskameras miteinander zu kombinieren, sodass einzelne oder sämtliche Kameras aufnehmen, wenn eine davon einen Alarm registriert. Mit der Homebase S380 bietet Eufy zudem ein eigenes NAS, das für die Kamera nicht nur Speicherplatz bereitstellt, sondern auch mit KI-Funktionen wie der Erkennung von Gesichtern und Haustieren ausstattet.
Der Einsatz der Indoor Cam S350 in Verbindung mit einem Dritthersteller-NAS wie der Synology Surveillance Station ist aufgrund der reduzierten Auflösung von 1080p sowie der fehlenden Unterstützung für die PTZ-Funktion nur wenig sinnvoll.
Die Eufy Indoor Cam S350 kostet regulär 130 Euro. Aktuell wechselt sie für 74 Euro den Besitzer.
Wer eine Überwachungskamera mit höchster Auflösung und optischem Zoom sucht, liegt mit der Eufy Indoor Cam S350 genau richtig. 3840 × 2160 Pixel, sprich 4K, bietet bislang kein anderes Modell für Innenräume. Damit bietet die S350 eine detailreiche Darstellung und liefert dank des zweiten Objektivs eine vergrößerte Detailansicht und damit deutlich mehr Funktionen als herkömmliche Überwachungskameras mit nur einem Objektiv.
Die App ist reaktionsschnell, funktionsreich und bietet eine intuitive Bedienung. Käufer erhalten mit der Indoor Cam S350 eine leistungsfähige PTZ-Überwachungskamera für Innenräume, die dank Geräuscherkennung auch als Babyphone geeignet ist. Die stabile WLAN-Verbindung inklusive Unterstützung von Wi-Fi 6 und die schnelle Aktivierung des Livestreams sind weitere Pluspunkte.
Weniger gut haben uns die limitierten Integrationsmöglichkeiten in gängige Smart-Home- und NAS-Lösungen gefallen. Zwar unterstützt die Kamera die digitalen Sprachassistenten von Google und Amazon, doch außer mit Homey Pro (Testbericht) und Home Assistant (Testbericht) lässt sich die Kamera mit anderen Smart-Home-Lösungen wie Samsung Smartthings (Testbericht) und Apple Homekit (Testbericht) nicht kombinieren.
Wer aber bereits andere Überwachungskameras des Herstellers verwendet, kann alternativ zur NAS-Ersatzlösung Homebase S380 greifen. Dann gibt es nicht nur genügend Speicherplatz, sondern auch noch Zusatzfunktionen wie Gesichts- und Fahrzeugerkennung. Und mit der Cross-Kamera-Verfolgung, die aus mehreren Videos verschiedener Eufy-Kameras eine Aufnahme erstellt, steht ein weiteres interessantes Sicherheitsfeature parat. Empfehlenswert ist die Eufy Indoor Cam S350 in erster Linie für Anwender, die schon viele Eufy-Überwachungskameras und die Homebase S380 im Einsatz haben. Damit kann man die Leistung der Indoor Cam S350 voll ausreizen.
Wer hingegen an Überwachungskameras interessiert ist, die sich problemlos auch mit Dritthersteller-Lösungen wie Synology Surveillance Station (Testbericht) und in Smart-Home-Lösungen wie Home Assistant (Testbericht) integrieren lassen, sollte auf Modelle mit Onvif-Support achten. Mehr Informationen dazu bietet der Beitrag Überwachungskameras ohne Cloud: Keine monatlichen Kosten & mehr Datenschutz.
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