Energie vom Solarpanel, KI-gestützte Bewegungserkennung und keine monatlichen Kosten: Wie gut die Eufy Solocam S220 in der Praxis funktioniert, zeigt der Test.
Update 10.12.2024: Die Eufy Solocam S220 ist jetzt zum Tiefstpreis für 47 Euro erhältlich.
Überwachungskameras mit Akku, WLAN und Solarpanel (Bestenliste) bieten viele Vorteile: Sie lassen sich zum einen flexibel positionieren und dank solarer Energieernte muss man sie im Idealfall auch nicht manuell aufladen. "Set it and Forget it", lautet die Devise.
Mit der Solocam S220 hat Eufy eine weitere Überwachungskamera vorgestellt, die in ebendiese Kategorie fällt. Sie ist das kleine Schwestermodell der Solocam S40 (Testbericht), die inzwischen unter S230 firmiert. Im Unterschied zu dieser bietet die S220 keine integrierte LED, sodass bei Dunkelheit nur Schwarz-Weiß-Aufnahmen auf Basis der eingebauten Infrarot-LEDs gelingen. Außerdem fällt sie kompakter aus und ist leichter. Der Akku ist im Vergleich zur S230 mit 6500 mAh nur halb so stark und auch der Lautsprecher ertönt mit 75 dB weniger laut als das Modell in der S230 mit 90 dB.
Ansonsten gleichen sich die beiden Modelle in Form, Aussehen, Auflösung und Speicherausstattung. Beide nutzen zur Energieversorgung ein integriertes Solarpanel, das auf der Gehäuseoberseite montiert ist. Wer die S220 oder die S230 sinnvoll nutzen möchte, sollte also ein sonniges Plätzchen finden. Ansonsten sollte man zu einer anderen, Akku-betriebenen Modell greifen. Etwa zu einem, das über ein externes Solarpanel mit Energie versorgt wird. Dank eines langen Verbindungskabels zwischen Kamera und Solarpanel sind solche Varianten in puncto Positionierung flexibler als die Solocam S220/S230. Hier kommen etwa Kameras von Reolink wie die Argus 3 Pro (Testbericht) oder die Switchbot Outdoor Cam (Testbericht) infrage. Weitere Modelle mit Akku, WLAN und Solarpanel zeigen wir in unserer Bestenliste Top 10: Die besten autarken Überwachungskameras mit WLAN, Akku & Solar im Test. Als Alternative bieten sich auch Varianten an, die statt WLAN über das Mobilfunknetz angebunden sind. Weitere Informationen dazu bietet der Beitrag Ohne WLAN: Außen-Überwachungskameras mit LTE, microSD & Solar.
| Modell | Eufy Solocam S40/S230 | Eufy Solocam S220 |
| Modellnummer | T81243W1 | T8134321 |
| Abmessungen (T/B/H) | 12,2 x 9,4 x 6,5 | 9,6 × 8,1 × 5,9 cm |
| Solarpanel | k.A. | 0,9 Watt |
| Gewicht | 499 Gramm | 320 Gramm |
| Speicher | 8 GB | 8 GB |
| Akku | 13.400 mAh | 6500 mAh |
| Lautsprecher | 90 dB | 75 dB |
| Auflösung | 2304 × 1296 Pixel | 2304 × 1296 Pixel |
| Beleuchtung | ja, 600 Lumen | nein |
Die Eufy Solocam S220 bringt ohne Halterung knapp 320 Gramm auf die Waage und misst 9,6× 8,1 × 5,9 cm. An der Gehäuseunterseite verbirgt sich hinter einer 2 × 1 cm großen Öffnung der bis zu 75 dB laute Lautsprecher. Zusammen mit dem an der Gehäusefront oberhalb des Objektivs positionierten Mikrofons bietet die Kamera eine Gegensprechfunktion. An der Front befindet sich außerdem das Objektiv mit einem Sichtfeld von 135°, das Videos in Verbindung mit dem genutzten CMOS-Sensor mit maximal 2K im HEVC-Format (H.264) aufnimmt. Zudem sind an der Frontseite noch Bewegungs- und Lichtsensor sowie die Betriebs-LED untergebracht.
Die Kamera ist wetterfest nach IP67 und laut Hersteller im Temperaturbereich zwischen -20 und 50 Grad Celsius einsatzbereit. Im Lieferumfang sind Halterung, Bohrschablone sowie Schrauben zur Befestigung enthalten. Die Kurzanleitung, die auch in deutscher Sprache vorliegt, enthält detaillierte Informationen zur Montage. Diese sind auch in der App abrufbar. Eufy empfiehlt, die Kamera in einer Höhe von 2 bis 3 Meter zu montieren. Das schützt sie auch vor dem Zugriff von Dieben, denn eine Diebstahlsicherung wie die Eufy Cam 2 Pro bietet sie nicht.
Die Inbetriebnahme der Eufy Solocam S220 ist prinzipiell einfach, setzt aber ein Nutzerkonto bei Eufy voraus. Dafür muss man eine E-Mail-Adresse angeben und ein Passwort einrichten. Die anschließende E-Mail, im Test ist diese im Spam-Folder gelandet, enthält einen Bestätigungslink über den die Registrierung abgeschlossen wird.
Anschließend wählen Anwender über das Plus-Zeichen in der App als Modell die Solocam S220 aus. Zunächst verbindet man die Kamera mit einem 2,4-GHz-WLAN-Netzwerke, 5-GHz-Netzwerke unterstützt die Solocam S220 wie die meisten Überwachungskameras nicht. Dann drückt man oben am Gehäuse die Sync-Taste. Ein kurzer Piepton signalisiert, dass der von der App erzeugte QR-Code von der Kamera zur Verbindungsaufnahme eingescannt werden kann. Dafür hält man das Smartphone mit dem QR-Code vor die Kamera und wartet einige Sekunden, bis die Solocam S220 sich mit dem ausgewählten WLAN verbunden hat. Ein Piepton signalisiert diesen Prozess. Anschließend ist sie einsatzbereit und per Smartphone-App steuerbar. Zusätzlich zur App können Anwender Livestream und Gerätedaten auch über eine Web-Anwendung auf dem Desktop abrufen. Den Zugang dafür muss man in der App über das Kontrollzentrum – Zugang zum Webportal per PIN autorisieren. Das Desktop-Portal bietet allerdings keine Konfiguration der Geräte. Eine leistungsfähige Desktop-Anwendung, wie sie etwa Reolink (Test) bietet, hat Eufy bislang nicht im Angebot.
Die Eufy-App zeigt auf der Startseite sehr übersichtlich sämtliche bislang registrierten Kameras mit dem zuletzt aufgenommenen Live-Bild inklusive eines Sicherheitsberichts über aufgelaufene Alarme. Die Einstellungen der Kamera erreicht man in der Standardansicht über das Drei-Punkte-Menü und das Zahnradsymbol. Sie umfassen Konfigurationsmöglichkeiten zu den Menüpunkten Bewegungserkennung, Dashboard, Video, Audio, Benachrichtigung, Allgemein und Gerätefreigabe. Wer eine Home Base 3 im Einsatz hat, kann die Solocam S220 auch daran anbinden. Dann kann die Solocam S220 auch Gesichter, Fahrzeuge und Haustiere erkennen. Zudem werden aufgenommene Videos zentral auf der Homebase 3 abgespeichert und nicht auf dem 8 GByte großen internen Speicher. Ist sie nur mit einem WLAN-Router gekoppelt, bietet sie nur eine Differenzierung zwischen Personen und anderer sich bewegender Objekte.
In Abschnitt Bewegungserkennung können Anwender den Aktivitätsbereich der Kamera festlegen. Und unter Videoeinstellungen können sie Datenschutzzonen definieren, die bei der Aufnahme geschwärzt werden. Damit kann man ausschließen, dass sie Personen auf einem fremden Grundstück oder öffentlichen Bereich erfasst und somit einen DSGVO-konformen Betrieb realisieren. Um Fehlalarme zu vermeiden, können Anwender die Erkennungsempfindlichkeit justieren – sieben Stufen stehen hierfür zur Verfügung – und die Erkennungsart auf Personen, Fahrzeuge und Haustiere begrenzen. Im Test hat das die Kamera einwandfrei hinbekommen und bei Menschen alarmiert, aber bei Haustieren nicht.
Und wie bei Eufy üblich, können Anwender die Steuerung der Kamera mit anderen Personen teilen. Hierfür müssen diese die Eufy-App installieren und sich registrieren.
Dank 2K-Auflösung (2304 × 1296 Pixel) und einer hohen Datenrate von bis zu 1,33 MBit/s sind die Videos der Kamera sehr detailreich. Das gilt aber nur für Aufnahmen, die tagsüber stattfinden. Nachts kann die S220 anders als die S230/S40 keine Videos in Farbe aufnehmen. Damit reduziert sich die Detailschärfe etwas.
Mit dem 8-fach-Digital-Zoom lassen sich Objekte näher betrachten. Allerdings ist das nur bis zu einem Zoom-Level von 4 bis 5 noch sinnvoll, da bei höheren Stufen das Bild zu pixelig ist. Das Sichtfeld fällt mit 135° recht groß aus. Mehr bieten nur Überwachungskameras mit Doppel-Objektiv (Bestenliste).
Die Sirene ist mit bis zu 75 dB noch laut genug, um ungebetene Gäste zu erschrecken und die integrierte Gegensprechfunktion funktioniert ohne Fehl und Tadel. In Hinblick auf Benachrichtigungen bietet die Eufy lediglich eine Push-Funktion. Warnmeldungen über E-Mail verschickt sie hingegen nicht. Geofencing unterstützt die S220 nur in Verbindung mit einer Eufy-Basisstation.
Insgesamt bietet die Eufy-App eine intuitive Benutzeroberfläche, mit der Anwender die Überwachungskamera problemlos verwalten können. Wer sich mit der App noch nicht so gut auskennt, findet unter Anleitungen nützliche Hinweise zu den Funktionen Personenerkennung, Anpassung der Erkennungsempfindlichkeit, Aktivitätszone, Datenschutzzone, Sirene und Alarm (siehe auch Bildergalerie).
Die Eufy Solocam S220 können Anwender in Verbindung mit den Sprachassistenten Google Assistant und Amazon Alexa auch per Sprache steuern. In Kombination mit einem smarten Display (Ratgeber) kann man den Kamera-Livestream mit einem kompatiblen Gerät wie Nest Hub oder Echo Show verfolgen.
Leider bietet Eufy für seine Überwachungskameras keine Integrationsmöglichkeiten für andere Smart-Home-Systeme. Den Standard Open Network Video Interface (ONVIF) unterstützt die Kamera genauso wenig wie IFTTT. Immerhin sind Eufy-Überwachungskameras dank einer Community-App kompatibel zu Homey Pro (Testbericht). Auch für Home Assistant gibt es eine Integration.
Die Eufy Solocam S220 hinterlässt optisch und haptisch einen ausgezeichneten Eindruck. Eufy gewährt eine zwölfmonatige Garantie auf die Kamera, die regulär für knapp 130 Euro (Preisvergleich) den Besitzer wechselt. Aktuell ist sie im Shop des Herstellers für 110 Euro im Angebot. Update 10.12.2024: Jetzt zum Tiefstpreis für 50 Euro erhältlich.
Als Alternative mit mehr Flexibilität beim Aufstellort bietet sich die Reolink Argus 3 Pro (Testbericht) an. Sie bietet mit 2560 × 1440 eine höhere Auflösung, unterstützt auch 5-GHz-WLAN-Netze und kostet in Schwarz/Weiß aktuell 117 Euro/120 Euro.
Im Test überzeugt die Eufy Solocam S220 nahezu in jedem Bereich. Tagsüber sind die Aufnahmen sehr detailreich, nachts nimmt die Schärfe aber etwas ab. Hier kann sie nicht mit Modellen mithalten, die wie die Solocam S230 dank LED-Beleuchtung farbige Nachtsicht mit klareren Bildern liefern. Dank des integrierten Solarpanels arbeitet sie größtenteils autark. Das heißt: Ein manuelles Aufladen ist vermutlich nur während der Wintermonate gelegentlich nötig. Immerhin soll der Akku ohne Solarunterstützung bis zu drei Monate durchhalten.
Mit der bis zu 75 dB lauten Sirene dürfte sie ungebetene Gäste zuverlässig abschrecken. Wie von anderen Eufy-Kameras gewohnt, überzeugen auch die stabile WLAN-Verbindung und der schnell zur Verfügung stehende Livestream. Dank der Möglichkeit bei Bewegungen Menschen, Gesichter, Gesichter, Haustiere und Fahrzeuge zu identifizieren, kommt es im Test zu keinem einzigen Fehlalarm.
Weniger gut haben uns die Integrationsmöglichkeiten in gängige Smart-Home-Systeme gefallen. Zwar unterstützt die Kamera die digitalen Sprachassistenten von Google und Amazon, doch außer mit Homey Pro (Testbericht) oder Home Assistant (Testbericht) lässt sich die Kamera mit anderen Smart-Home-Lösungen nicht kombinieren.
Hinweis: Der ursprüngliche Artikel erschien am 17.10.2023. Bei attraktiven Angeboten wird er aktualisiert.
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