Diebstahlschutz dank GPS & eSIM, nur 15 Kilogramm Gesamtgewicht und ganz viel Style: Das Urtopia Carbon 1 kann mehr als die meisten anderen E-Bikes. Ob sich der Kauf lohnt, zeigt der Test.
UPDATE: Der Preis des Urtopia Carbon 1 ist von zunächst 3300 Euro auf 2699 Euro bei Satking.de gefallen.
E-Bikes werden nicht nur immer günstiger, sie werden auch immer schlauer. Besonders viele smarte Funktionen bietet das Urtopia Carbon 1. Dazu ist es äußerst stylisch und wiegt mit nur 15 Kilogramm für ein E-Bike ausgesprochen wenig.
Im Grunde kann sich das Urtopia Carbon 1 nicht ganz entscheiden, in welche E-Bike-Kategorie es sich einordnen will. So bietet es abgesehen vom typisch gebogenen Lenker viele Eigenschaften, die E-Gravelbikes zugeschrieben werden. Wer jedoch Schutzbleche und einen Gepäckträger für je 100 Euro dazu ordert, hat im Grunde ein vollwertiges E-Citybike. Mehr zum Thema gibt es in unserer E-Bike-Kaufberatung: Das beste E-Rennrad & E-Gravelbike ab 1400 Euro finden und dem Ratgeber E-Bike für die Stadt: Gute E-Citybikes gibt es schon ab 700 Euro.
Der Testbericht zeigt, ob sich der hohe Preis für das Carbon 1 lohnt oder ob Käufer lieber zum deutlich günstigeren und dennoch hervorragenden Fiido C21 (Testbericht) greifen sollten.
Das Urtopia Carbon 1 kommt größtenteils vormontiert in einem großen Karton. Vorderrad über einen Schnellspanner befestigen, Sattelstange einsetzen und fixieren, Pedale anschrauben, aufpumpen – fertig. So schnell ging das bisher bei keinen anderen der über 40 von uns getesteten E-Bikes (Themenwelt). Dennoch sollten anschließend alle Schrauben geprüft werden. In einigen Fällen kann es auch nötig, sein, die Bremsen zu justieren. Bei uns passte alles auf Anhieb.
Optisch ist das Carbon 1 ein echtes Highlight. Zum Hingucker macht es vor allem der ungewöhnlich geschwungene Rahmen aus Karbon, wahlweise in den Größen M und L. Es kommt in den Farben Weiß und Schwarz. Außerdem stehen die zwei Varianten Sirius und Midnight in Paris zur Verfügung, die dezent Farbe ins Spiel bringen. Die Verarbeitung scheint beim Urtopia Carbon 1 auf einem höheren Niveau zu sein als bei vielen anderen E-Bikes aus China.
Der Lenker wirkt aufgeräumt. Neben den Bremsgriffen hinter den ergonomischen und bequemen Griffen gibt es links einen Fingerabdrucksensor zum Entsperren des E-Bikes. Dieser funktioniert schnell und zuverlässig, hat aber Probleme mit feuchten Fingern. Im Regen kann das zu einem echten Ärgernis werden. Auf der rechten Seite sitzt ein Steuerkreuz, welches stets optimal auf unsere Eingaben reagiert.
Mittig prangt ein großes Display mit einer LED-Punktematrix. Es spiegelt bei direkter Sonneneinstrahlung, lässt sich dank der großen Darstellung aber dennoch meist erkennen. Polarisierende Sonnenbrillen haben mit ihm keine Probleme.
Das Carbon 1 ist im Grunde ein Computer auf zwei Rädern. Wie mächtig dieser ist, zeigt Urtopia in einer Demo, in der sie den KI-Chatbot ChatGPT darauf laufen lassen. Ob und wann ChatGPT jedoch auf die Serien-E-Bikes kommt, konnte uns Urtopia auf Nachfrage nicht beantworten.
Bevor sich alle normalen Funktionen nutzen lassen, verlangt die App des Urtopia Carbon 1 ein Update des E-Bikes. Dies funktioniert zunächst nur über WLAN. Das zweite benötigte Update erfolgt dann wahlweise über 4G. Ja, das Carbon 1 verfügt über ein Mobilfunkmodul und eine eSIM-Karte, welche im ersten Jahr direkt nach dem Verbinden mit der App ohne Zusatzkosten aktiviert ist.
Ein E-Bike, welches ständig online ist, hat gleich mehrere Vorteile. Zum einen synchronisieren sich Fahrdaten stets automatisch mit dem Smartphone. Allerdings muss dafür manuell eine Bluetooth-Verbindung zum Smartphone hergestellt werden, wenn der Fahrer per App in die Fahrradoptionen will. Zum anderen erschwert es einen Diebstahl. Denn neben dem Mobilfunkmodul kommt das Carbon 1 außerdem mit GPS und kann entsprechend ortsunabhängig per App geortet werden.
Obendrein ist es per App möglich, einen Alarmmodus zu aktivieren. Sobald das E-Bike nun bewegt wird, ertönt ein schrilles Alarmsignal und der Nutzer wird per App informiert. Die App erlaubt dem Nutzer das Bestimmen eines Bereichs auf einer Karte. Verlässt das Carbon 1 diesen, ertönt ebenfalls der Alarm und der Nutzer bekommt eine Nachricht. Ungewöhnlich ist der unter dem Display sitzende aktive Lüfter, der in ruhigen Umgebungen deutlich zu hören ist.
Unter Display sitzt ein Lautsprecher. Dieser tönt los, sobald der Fahrer das Fahrrad einschaltet, den Unterstützungsmodus wechselt, den Blinker aktiviert (dazu später mehr) oder das Fahrrad wieder ausschaltet. Die Töne lassen sich per App anpassen, was aber nichts an ihrem penetrant hohen Nervfaktor ändert. Zum Glück gibt es eine Möglichkeit, den Lautsprecher komplett abzuschalten. Alternativ gibt es einen starken Vibrationsmotor im Carbon 1, der Aktionen ähnlich wie an einem Smartphone per Vibration quittiert.
Wer will, kann den Lautsprecher per Bluetooth ansteuern, um etwa während der Fahrt Musik oder Podcasts zu hören. Abgesehen davon, dass man sich damit bei seinem Mitmenschen unter Umständen unbeliebt macht, hat der Speaker eine nur mäßige Qualität. Trotzdem ist er recht laut, Stimmen und Melodien sind auch bei höheren Geschwindigkeiten erkennbar.
Interessant: Vor dem Update der Software aktiviert das Drücken auf den Steuerkreuz nach links oder rechts einen Blinker. Dieser sitzt jedoch nicht wie bei einigen E-Scootern gut sichtbar an den Haltegriffen des Lenkers. Stattdessen blinkt eine neben dem E-Bike auf den Boden gerichtete Projektion. Nach dem Update zeigt das Display nach dem Drücken der Links-/Rechts-Taste weiterhin einen Blinker an, allerdings gibt es keine Projektion mehr, die blinken könnte.
Gut, dass Urtopia dieses eigentlich sinnvolle Feature gestrichen hat, schließlich sind derartige Lichtanlagen an Fahrrädern in Deutschland nicht zugelassen. Woran Urtopia nicht gedacht hat: Auch elektronische Hupen sind bei Fahrrädern nicht erlaubt, ein Druck auf die rechte Taste erzeugt jedoch ein lautes Hupgeräusch. Hoffentlich entfernt Urtopia dies mit dem nächsten Update. Eine normale Klingel hat das E-Bike nicht.
Die App erlaubt versteckt in den Untermenüs das Aktivieren zusätzlicher Display-Optionen. Nun aktivieren die Links-/Rechtstasten nicht mehr den nicht funktionierenden Blinker, sondern verschiedene Anzeigen wie die gefahrenen Kilometer, eine Uhrzeit oder eine Wetteranzeige.
Schön finden wir, dass die App jede Fahrt mit Streckenverlauf auf einer Karte, Distanz, Dauer und Durchschnittsgeschwindigkeit protokolliert. Das ist nicht nur praktisch, sondern sieht auch noch richtig schick aus. Über die App startet der Fahrer auch die Navigation.
Zudem verfügt das Urtopia über eine Sprachsteuerung. Nach dem langen Druck auf den Fingerabdruckscanner erscheint in der LED-Punktematrix ein entsprechendes Symbol und das E-Bike aktiviert die Mikrofone. Die Sprachsteuerung funktioniert allerdings nur auf Englisch und beschränkt sich auf wenige Funktionen. In leisen Umgebungen versteht uns das Carbon 1 gut. Wenn es lauter wird oder wir schnell fahren, hat es dagegen Probleme.
Insgesamt ist die Software ein wahrer Traum für jeden (Fahrrad-)Nerd. Derart viele Optionen liefert kaum ein anderes E-Bike. Das Urtopia bietet damit einen Blick in die Zukunft des E-Bikes. Allerdings wirkt die Software an vielen Stellen nicht komplett durchdacht. Teilweise ist sie etwas zu umständlich. Immerhin hat Urtopia dank der 4G-Konnektivität die Möglichkeit, die Software des Fahrrads per Update anzupassen. Wir hoffen, dass sie von dieser Option auch Gebrauch machen werden.
Hinter dem Software-Overkill versteckt sich beim Urtopia Carbon 1 ein solides E-Bike. Besonders bemerkenswert ist sein geringes Gewicht von nur 15 Kilogramm, was Urtopia durch viele leichte Komponenten wie einem Karbon-Rahmen erreicht. Auch der CND-Riemenantrieb von Gates Carbon Drive für bis zu 30.000 Kilometer und der damit verbundene Verzicht auf eine Gangschaltung trägt zum geringen Gewicht bei. Doch die fehlende Gangschaltung ist auch der größte Kritikpunkt am Carbon 1. Denn bereits ab etwa 20 Kilometer in der Stunde erreicht man eine recht flotte Trittfrequenz. Der Motor unterstützt bis 25 Stundenkilometer, spätestens dann wird das schnelle Gestrampel nach einigen hundert Metern unangenehm. Dank des geringen Gewichts des E-Bikes ist es eigentlich möglich, über die vom Motor unterstützte Maximalgeschwindigkeit hinaus per Muskelkraft zu beschleunigen. Allerdings macht das bei der zu hohen Trittfrequenz höchstens auf kurze Dauer Spaß.
Zum Glück bietet Urtopia seit Kurzem eine Alternative. So verzichtet das Carbon 1S auf den Riemenantrieb zugunsten einer klassischen Gangschaltung von Shimano. Auch wenn wir diese Version nicht ausprobieren konnten, gehen wir von einem deutlich höheren Nutzwert aus. Wer sich für die Version mit Gangschaltung entscheidet, muss dem Gewicht des Carbon 1 jedoch 8 Gramm hinzufügen.
Der kleine, leise und dennoch recht starke 250-Watt-Motor mit 35 Nm sitzt am Hinterrad. Dank eines Drehmomentsensors an der Kurbel reagiert er ähnlich flott wie ein Mittelmotor. Das erinnert uns stark an das hervorragende Fiido C21 (Testbericht). Die hydraulischen Bremsen reagieren knackig auf entsprechende Manöver und bringen den Fahrer schnell zum Stehen. Die Pedale machen einen weniger hochwertigen Eindruck.
Der Fahrer kann zwischen drei normalen Modi wählen, die alle bis 25 Kilometer pro Stunde beschleunigen und lediglich die Motorstärke regulieren. Das ist super und längst nicht bei allen E-Bikes mit Heckmotor Standard. Wer lange den Nach-Oben-Knopf drückt, aktiviert einen Turbo-Modus. Dieser nutzt die volle Kraft des Motors und kommt mit einem Kniff. Wer aus dem Stand in die Pedale tritt, ohne dass der Motor auch nur einmal aufhört, setzt die Geschwindigkeitsbegrenzung außer Kraft. So ist es kein Problem, das Urtopia Carbon 1 auch auf 40 Stundenkilometer motorunterstützt zu beschleunigen. Das mögen zwar einige Nutzer gut finden. Erlaubt ist es in Deutschland jedoch nicht. Hier sollte Urtopia dringend per Software-Update nachbessern.
Insgesamt fährt sich das Urtopia Carbon 1 besser als die allermeisten anderen E-Bikes, die wir bisher im Test hatten. Besonders das ruhige Fahrverhalten, der schnell reagierende Motor und die dank des geringen Eigengewichts hohe Agilität hat es uns angetan. Wer vor allem viel in der Stadt unterwegs ist und sich besonders bei Geschwindigkeiten zwischen 20 und 25 Kilometer pro Stunde wohlfühlt, für den ist der ganglose Riemenantrieb perfekt. Wer dagegen auch gerne mal per Muskelkraft schneller fahren will, sollte zum Carbon 1S mit klassischem Kettengetriebe und Gangschaltung greifen.
Der Akku des Carbon 1 hat bei 36 V 9,8 Ah, was 352,8 Wh entspricht. Bedenkt man das geringe Gewichts des E-Bikes, ist das gar nicht mal zu wenig. Zum Vergleich: Das knapp 18 Kilogramm schwere Fiido C21 (Testbericht) hat einen Akku mit einer Kapazität von nur 209 Wh. Urtopia gibt beim Carbon 1 eine Reichweite von 40 bis 100 Kilometer an. Die 100 Kilometer wird man aber wohl auch dann nur schwer erreichen, wenn eine sehr leichte Person bei warmem Wetter und konstanter Geschwindigkeit langsam auf geradem Asphalt fährt. 40 Kilometer können dagegen erreicht werden. Realistischer sind bei einem Fahrergewicht von 80 Kilogramm und urbaner Umgebung aber wohl 20 bis 30 Kilometer. Zum Laden kann der Akku über einen Schlüssel entnommen werden. Das mitgelieferte Netzteil lädt ihn laut Urtopia in 2,5 Stunden wieder vollständig auf.
Der Preis des Urtopia Carbon 1 ist von zunächst 3300 Euro auf 2699 Euro bei Satking.de gefallen.
Das Urtopia Carbon 1 gewährt dank vieler schlauer Funktionen einen Blick in die smarte Zukunft der E-Bikes. Technisch gesehen ist das Urtopia Carbon 1 gewissermaßen ein Computer auf zwei Rädern. Mit eSIM und Mobilfunkmodul ist das Fahrrad stets online, was unter anderem die Synchronisation von Fahrdaten mit dem Smartphone und einen erweiterten Diebstahlschutz ermöglicht. Trotzdem hakt die Software an der ein oder anderen Stelle.
Hinter der beeindruckenden Feature-Vielfalt verbirgt sich ein solides E-Bike. Das Carbon 1 zeichnet sich durch ein geringes Gewicht von 15 Kilogramm aus, das durch einen Karbon-Rahmen und den Verzicht auf eine Gangschaltung erreicht wird. Das Fahren ist angenehm, allerdings ist die Trittfrequenz bei 25 Kilometer pro Stunde recht flott, was nach einiger Zeit unangenehm sein kann. Für eine angenehmere Fahrerfahrung bietet Urtopia die Carbon 1S Variante mit klassischer Gangschaltung an.
Insgesamt spürt man, dass es Urtopia ernst meint. So gibt es für das Carbon 1 ein deutsches Service-Center, zahlreiche Ersatzteile und viele Service-Partner. Zudem kann man es etwa über Jobrad leasen.
Insgesamt liefert das Urtopia Carbon 1 dank seines ruhigen Fahrverhaltens, des schnell reagierenden Motors und der hohen Agilität ein besseres Fahrerlebnis als die meisten anderen von uns getesteten E-Bikes (Themenwelt). Zudem ist der Hybrid zwischen E-Gravelbike und E-Citybike ein echter Hingucker.
Wer weniger Geld ausgeben will, dem legen wir das ebenfalls sehr gute Fiido C21 (Testbericht) ans Herz. Mehr zum Thema gibt es in unserer E-Bike-Kaufberatung: Das beste E-Rennrad & E-Gravelbike ab 1400 Euro finden und dem Ratgeber E-Bike für die Stadt: Gute E-Citybikes gibt es schon ab 700 Euro.
Affiliate-Information
Bei den mit gekennzeichneten Links handelt es sich um Provisions-Links (Affiliate-Links). Erfolgt über einen solchen Link eine Bestellung, erhält TechStage eine Provision. Für den Käufer entstehen dadurch keine Mehrkosten.