Stefan schrieb bereits während des Studiums Spieletests für ein Printmagazin im Ruhrgebiet. Durch einen glücklichen Zufall landete er in Berlin und arbeitete fast 15 Jahre bei Areamobile, zuletzt als leitender Testredakteur. Für Heise Bestenlisten testet er Smartphones, Saug- und Mähroboter, Lautsprecher, Modellflugzeuge und andere Technik-Gadgets.
Das Mokwheel Obsidian ist ein E-Fatbike mit Drehmomentsensor, starkem 65-Nm-Hinterradmotor und Vollfederung. Wir verraten im Test, ob es sein Geld wert ist.
E-Fatbikes wirken nicht, als seien sie in der Stadt gut aufgehoben. Dabei haben die extrem breiten Reifen durchaus auch im urbanen Umfeld ihre Vorteile und auch eine ordentliche Federung ist nicht nur abseits befestigter Wege sinnvoll. Das Mokwheel Obsidian ist ein SUV-E-Bike oder E-Mountainbike mit 4 Zoll breiten Reifen auf 26-Zoll-Felgen. Auf der deutschen Website des Herstellers stehen derzeit zwei Farbmodelle zur Verfügung: Schwarz/Rot oder Desert Camouflage.
Highlight ist die Vollfederung, die aus einer Federgabel mit 130 mm Federweg und einer Luftdruck-Rahmenfederung besteht. Hinzu kommen hydraulische Scheibenbremsen und Schaltung von Markenherstellern sowie ein kräftiger Motor. Das alles hat seinen Preis: 2199 Euro verlangt Mokwheel für sein Monster-Bike. Im Test muss das Mokwheel Obsidian beweisen, ob es trotz des Preises ein gutes Gesamtpaket ist.
Der Aufbau des Mokwheel Obsidian ist für Geübte schnell und einfach getan. Doch auch Ungeübte können durch die mitgelieferte Aufbauanleitung das E-Fatbike in einem recht übersichtlichen Zeitfenster aufbauen. Die für den Aufbau benötigten Werkzeuge werden mitgeliefert und sind fein säuberlich sortiert und qualitativ erstaunlich hochwertig. Für die Montage werden das Mokwheel Obsidian aus dem Karton entnommen, Vollzähligkeit der mitgelieferten Teile geprüft, Aufbauanleitung zur Hand genommen und die Komponenten Schritt für Schritt zusammengebaut. Neben den üblichen Teilen sind auch Schutzbleche und eine Front- sowie Rücklampe im Lieferumfang enthalten. Einen Gepäckträger gibt es hingegen nicht.
Optisch ist das Mokwheel Obsidian durch das moderne Design und die schwarz-rote Lackierung sehr auffällig. In Natura gefallen uns das Mattschwarz in Kombination mit dem Metallic-Rot sogar noch einmal deutlich besser als auf Bildern. Den massiven Rahmen ziert ein Schriftzug des Herstellers. Durch die Gesamtgröße von 197 cm x 71 cm x 117 cm (L x B x H) und die wuchtigen Reifen wirkt das E-Fatbike sowohl optisch als auch beim Fahren eher wie ein 27,5 Zoll-E-Mountainbike. Sehr positiv fällt das Kabelmanagement am Lenker auf. Hier sind die Kabel durch Spiralschläuche miteinander verbunden, was den Lenker cleaner aussehen lässt. Die Schweißnähte sind ebenfalls sauber und professionell verarbeitet. Viele Komponenten des Rads sind von Shimano, liegen aber im unteren Preissektor. Die Pedale bestehen aus Metall und wirken stabil. Zudem haben sie die für den deutschen Straßenverkehr benötigten gelben Reflektoren. Mit 35 kg ist das Mokwheel Obsidian kein Leichtgewicht.
Der Lenker misst 71 cm und ist somit breiter als übliche Lenker. Das erhöht Kontrolle und Stabilität beim Fahren. Er ist zudem ergonomisch gut geformt und daher auch bei längeren Fahrten bequem. Die Griffe bieten zudem kleine Gelpolster und verhindern so Druckstellen an den Handballen. Es gibt keinen Gasgriff – der wäre in Deutschland auch nicht erlaubt. Wer die Klingel vermisst: Die installiert Mokwheel unscheinbar links neben dem Griff.
Das farbige LED-Display verfügt über klare und gute Darstellung. In der Hauptanzeige sieht man Strecke, Geschwindigkeit, gefahrene Zeit sowie Fahrstufe. Über ein Bedienelement auf der linken Lenkerseite schaltet der Nutzer das E-Bike ein- und aus, außerdem reguliert er dort die Schiebeunterstützung, welche insbesondere bei Steigung nützlich ist. Durch kurzes Gedrückthalten der Tastenkombination Plus und Minus öffnet sich ein Zusatzmenü. Hier ist es möglich, Display-Helligkeit, Sprache sowie Einheiten einzustellen.
Die angezeigte Geschwindigkeit wurde per GPS-App nachgemessen: Die zulässigen 25 km/h wurden durch die Unterstützung nicht überschritten. Zumindest dann nicht, wenn man nicht das Geheimmenü verwendet, dass durch gleichzeitigen Druck von Plus, Minus und Licht für 3 Sekunden erreicht wird. Denn hier lässt sich unter anderem die maximale Geschwindigkeit auf 99 km/h anheben, wovon das Obsidian auch locker 50 km/h und sogar mehr mit Motorunterstützung erreicht. Irgendwann reicht allerdings die Übersetzung des höchsten Ganges nicht mehr aus, der Fahrer strampelt sich tot. Der Motor hingegen würde wohl noch weiter anschieben. Das ist beeindruckend – und leider in Deutschland illegal, zumal die Freischaltung so einfach ist.
Da nützt es auch nichts, dass das am Akku des Fahrrades mit angeschlossene Frontlicht StVZO-zertifiziert (Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung) ist. Ein Rücklicht ist übrigens auch mit in der Lieferung enthalten und wird mit einem USB-C-Kabel geladen, welches nicht im Lieferumfang enthalten ist. Die meisten Nutzer dürften aber eins von ihrem Handy zu Hause haben, geladen wird mit einem Handy-Ladegerät oder an PC oder Laptop. Schade, dass das nicht auch am Stromkreis des Fahrrades hängt und auch ein Bremslicht finden wir bei E-Bikes praktisch – das fehlt natürlich ebenfalls.
Die Sattelhöhe lässt sich zwischen 58 cm und 71 cm beliebig anpassen. Gemessen wurde von der Mitte des Tretlagers bis zur Sitzpolsteroberfläche. Der Lenker hat eine angenehme Höhe und lässt sich durch Umsetzen der Spacer (Abstandsringe zur Einstellung der Lenkerhöhe) noch ein wenig in der Höhe verstellen. Die Geometrie vom Mokwheel Obsidian wirkt sehr sportlich, bleibt aber ausreichend komfortabel. Nur der Sattel hat – optisch und auch beim Komfort – Luft nach oben.
Der 250-Watt-Heckmotor bietet eine Spitzenleistung von 500 W und ein Drehmoment von 65 Nm, dabei arbeitet er verhältnismäßig leise. Nutzer wählen über ein separates Bedienelement am Lenker zwischen bis zu fünf Unterstützungsstufen. Die regeln nicht, bis zu welcher Geschwindigkeit der Motor jeweils unterstützt, sondern, wie viel Kraft er freigibt und wie schnell der Drehmomentsensor reagiert. So braucht man auf Stufe 1 eine ganze Pedalumdrehung, bis der Heckmotor zur Unterstützung aktiviert wird, auf Stufe 5 kaum 1/8-Umdrehung. Insgesamt fühlt sich die Unterstützung recht gut an und sorgt für ein angenehmes Fahrgefühl und kräftige Beschleunigung.
Allerdings ist es auf höchster Unterstützungsstufe schwierig, konstant eine Geschwindigkeit zu fahren, da der Drehmomentsensor dann sehr feinfühlig und präzise reagiert. So schaltet der Motor bei nachlassender Trittkraft schnell wieder ab, um anschließend wieder stark anzuschieben. Abhilfe schafft die Reduzierung der Unterstützungsstufe – auf Stufe 1 ist konstantes Fahren deutlich einfacher. Allerdings ist dann die Reaktion beim Anfahren wieder stark verzögert, sodass der Fahrer theoretisch ständig am Nachregeln ist. Hier sollte Mokwheel noch einmal Hand anlegen.
Die Vorderradfederung hat laut Hersteller einen Federweg von ordentlichen 130 mm, zusätzlich bietet das Mokwheel Obsidian eine Rahmendämpfung, die einstellbar auf das eigene Körpergewicht ist. Im mitgelieferten Benutzerhandbuch befindet sich eine Tabelle für die Einstellung des Dämpfers, sofern man eine Dämpferpumpe besitzt. Eine große Auswahl davon gibt es ab unter 20 Euro bei Amazon. Insgesamt schlägt sich die Federung bei normaler Gangart richtig gut. Die vordere Federgabel ist dabei sehr weich eingestellt, das gilt auch für die Rahmendämpfung. Zusammen mit den dicken Reifen bügelt das Obsidian so schlechte Wege geradezu glatt. Diese Kombination aus Dämpfung und dicken Reifen nimmt abgesenkten Bordsteinen, Schotterwegen und sogar altem Kopfsteinpflaster den Schrecken, denn das Obsidian lässt das alles so wirken, als fahre man mit auf einem gepflasterten Radweg mit leichten Unebenheiten. Das ist beeindruckend.
Wer den Unterschied zwischen Fahren mit und ohne Federung direkt spüren möchte, kann beide Federelemente mit je einem Handgriff blockieren – der Gegensatz ist gewaltig, auch wenn selbst dann natürlich noch die dicken Reifen einige Stöße abmildern. Auf Wald- und Feldwegen brilliert das Obsidian, in der Stadt ohnehin. Hier kommt allerdings auf glattem Asphalt ein erhöhter Geräuschpegel wegen der Stollenreifen hinzu.
Sprünge hingegen steckt das massive Fatbike zwar weg, allerdings ist vor allem die vordere Federgabel dafür nicht ausgelegt. Sie ist zu weich, sodass extreme Schläge dann selbst auf der härtesten Stufe (auch die Federgabel ist einstellbar, sogar ohne zusätzliches Werkzeug) durchschlägt. Außerdem scheint sie generell so etwas wie die Achilles-Ferse des Bikes zu sein, sofern man denn davon sprechen möchte. Denn sie hat in sich minimales Spiel, sodass das Vorderrad ungewollten Bewegungsspielraum nach vorn und hinten hat. Das bemerkt man etwa, wenn man das Bike schiebt und dann abrupt die Vorderradbremse zieht. Das Mokwheel schwingt dann leicht vor und zurück, wenn es zum Stehen gekommen ist. Im Fahrbetrieb merkt man davon im Alltag aber zum Glück nichts, hier überwiegt der Fahrkomfort bei Weitem. Das Obsidian bietet als Gesamtpaket ein sicheres, stabiles und enorm komfortables Fahrgefühl.
Apropos Bremsen: Die hydraulischen Scheibenbremsen von Tektro an Vorder- und Hinterrad arbeiten sehr gut und bringen das Fahrrad nach etwas Einfahrzeit auch bei hoher Geschwindigkeit schnell und sicher zum Stehen. Die Dosierbarkeit ist dabei ebenfalls ohne Tadel.
Der Akku vom Mokwheel Obsidian stammt von Samsung und liefert stolze 940 Wh bei 48 V und 19,6 A. Die Ladezeit betrug in unserem Test durchschnittlich 6,5 h. Als Reichweite gibt der Hersteller 65 bis 85 km an. Im Test kamen wir erstaunlicherweise sogar auf 113 km gefahrene Strecke laut GPS – und zwar bei maximaler Unterstützungsstufe und häufig 25 Km/h.
Das erstaunt, schließlich weichen Herstellerangaben normalerweise deutlich nach unten ab, denn die tatsächliche Reichweite eines E-Bikes ist stark von unterschiedlichen Faktoren abhängig. Hierzu gehören etwa die Wahl der Unterstützungsstufe, Gewicht des Fahrers, Topographie der Strecke sowie der Untergrund und sogar Gegen- oder Rückenwind sowie die Umgebungstemperatur. Wer beispielsweise viel in der höchsten Stufe oder bei starker Steigung fährt, wird eine geringere Reichweite haben.
Beim Mokwheel Obsidian ist das erstaunlicherweise anders. Für tägliche Fahrten zur Arbeit oder auch für Tagestouren ist der Akku mehr als ausreichend, tatsächlich fragten wir uns im Test, wann er denn endlich mal leer wäre. Eine Entnahme des Akkus ist sehr einfach, sodass dieser nicht nur im Rad, sondern auch bequem in der Wohnung geladen werden kann.
Das Mokwheel Obsidian kostet bei Mokwheel 2199 Euro. 50 Euro sparen heise-Leser mit dem Code techstage50. Der Versand des Fahrrades ist kostenlos. Bei Rückgabe innerhalb von 14 Tagen fallen eine Bearbeitungsgebühr sowie 150 Euro Rücksendekosten an. Bei einer Gesamtfahrleistung von mehr als 16 km kann das Fahrrad nicht zurückgegeben werden.
Als Alternative zum Mokwheel Obsidian kann man für etwas mehr Geld zum Himiway Cobra (Testbericht) greifen. Außerdem käme auch das Engwe E26 (Testbericht) infrage.
Das Mokwheel Obsidian bietet viel Ausstattung und gute Verarbeitung für einen vertretbaren Preis. Besonders hervorzuheben ist die komplette Federung vorn und hinten, die das Fahrgefühl auf unbefestigten Strecken extrem angenehm macht. Die hydraulischen Scheibenbremsen an Vorder- und Hinterrad reagieren sehr fein und bringen das Fahrrad schnell zum Stehen. Zudem sind die breiten Reifen sehr hilfreich in Natur (Feld- und Waldwege) und auch Stadt (Bordsteinkanten oder Schienen). Sie erhöhen nicht nur den Komfort bei Unebenheiten, sondern auch die Sicherheit. Der Heckmotor mit Drehmomentsensor arbeitet beim Fahren direkt und kraftvoll, sofern die höchste Unterstützungsstufe eingestellt ist.
Zwar bekommen Hobbyschrauber zum gleichen Preis bessere Einzelkomponenten und für kompetitives Fahren in einem Bikepark ist das Obsidian allein schon wegen des Gewichts nicht gedacht. Wer hingegen nicht selbst schrauben will und ein bequemes Bike für den Alltag sucht, erhält mit dem Mokwheel Obsidian ein schickes, robustes und kräftiges Fully-E-Bike zu einem ordentlichen Preis.
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