Mit dem Fritz Smart Gateway können Smart-Home-Anwender in Kombination mit einer Fritzbox Zigbee-Geräte steuern. Wie gut das funktioniert, zeigt der Test.
Mit der Fritzbox 5690 Pro für Glasfaser und DSL und der Fritzbox 6670 Cable hat AVM letztes Jahr zwei neue Routermodelle vorgestellt, die nicht nur WLAN und Dect unterstützen, sondern auch das Zigbee-Funkprotokoll beherrschen. Zigbee ist im Smart-Home-Bereich der populärste Funkstandard, den tausende Smart-Home-Geräte verwenden. Diese können Anwender zusammen mit einer Smart-Home-Zentrale (Bestenliste) wie Home Assistant (Testbericht) oder Homey Pro (Testbericht) für Automatisierungen verwenden. So kann etwa ein Bewegungsmelder smarte Leuchten oder eine smarte Steckdose Geräte ein- und ausschalten.
Noch sind die Zigbee-Fritzboxen aber nicht im Handel. Doch dafür gibt es von AVM das Fritz Smart Gateway, das in Kombination mit einer Fritzbox, Zigbee-Geräte steuern kann. Damit erschließt AVM potenziell Tausende Zigbee-Geräte, sodass Fritzbox-Anwender deutlich mehr smarte Devices ansteuern können als bislang über Dect. Und mit der angekündigten Unterstützung des neuen Smart-Home-Standards Matter sollen im Laufe des Jahres sogar noch weitere Geräte Kontakt mit der Fritzbox über das Fritz Smart Gateway aufnehmen können. Wie gut das Fritz Smart Gateway in Verbindung mit Zigbee-Geräten funktioniert, zeigt unser Test.
Das Fritz Smart Gateway ist keine eigenständige Smart-Home-Zentrale, sondern funktioniert nur in Verbindung mit einer kompatiblen Fritzbox. Dafür kommen alle Fritzboxen mit Dect-Unterstützung infrage, die mit Fritz OS 7.50 arbeiten.
Kontakt zu einer Fritzbox nimmt das Fritz Smart Gateway per 2,4-GHz-WLAN oder per Ethernetkabel auf. Für eine WLAN-Verbindung zwischen Gateway und Router müssen Anwender lediglich an beiden Geräten die Connect-Taste drücken. Wer das Gateway per Ethernetkabel mit der Fritzbox verbinden möchte, muss lediglich das Kabel anschließen. Einfacher kann es also kaum sein. Leider dient das integrierte WLAN des Gateways nur zur Verbindungsaufnahme mit der Fritzbox, als Repeater kann es jedoch nicht dienen.
Mit dem Fritz Smart Gateway können Anwender bis zu 50 Geräte, etwa Heizkörperthermostate wie das Fritz Dect 302 (Testbericht) ansteuern. Bei Zigbee-Devices beträgt die maximale Anzahl 40 Geräte, bei Dect-ULE-Geräten sind es 30, wobei es aber nur 20 Fritz-Dect-Steckdosen oder -LED-Lampen sein können.
Für die Verbindungsaufnahme zu Zigbee-Geräten melden sich Anwender direkt am Fritz Smart Gateway an. Die Zigbee-Box ist nicht an die Benutzerkonten der Fritzbox gekoppelt, sodass man ein eigenes Nutzerkonto anlegen muss. Für den ersten Login verwendet man das Standard-Passwort, das am Gerät aufgedruckt ist.
Nach dem Anmelden erscheint die gewohnte Oberfläche einer Fritzbox. An der linken Seite finden Nutzer die Menüeinträge, rechts davon werden entsprechende Informationen oder Konfigurationsmöglichkeiten angezeigt. Unter dem Menüeintrag Smart Home gibt es Geräte und Gruppen, Automatisierung und Bedienung, genau wie bei einer Fritzbox. Die Daten in diesem Bereich werden zwischen beiden Geräten abgeglichen, sodass man etwa mit der Fritzbox Vorlagen und Szenarien für angelernte Zigbee- oder andere Smart-Home-Geräte erstellen kann. Auch lassen sich diese von der Fritzbox aus bedienen. Allerdings kann man keine Zigbee-Geräte mit der Fritzbox anmelden und auch keine Automatisierungen erstellen. Das gelingt nur über das Fritz Smart Gateway. Für die Bedienung der smarten Devices können Anwender auch die mobile App Fritz Smart Home verwenden, aber nicht für das Anlernen von Zigbee-Geräte oder das Erstellen von Automatisierungen.
Mit dem Fritz Smart Gateway können verbundene Geräte zwar als Auslöser dienen, doch nicht direkt als Aktor fungieren. Hierfür muss man zunächst eine Vorlage oder ein Szenario erstellen, das etwa Leuchtmittel sowie Farbeinstellungen enthält, die mit der Automatisierung eingeschaltet werden sollen. Das ist im Vergleich zu Automatisierungen, wie sie etwa Home Assistant oder Homey Pro bieten, etwas umständlicher. Dort kann man Geräte auch als Aktoren und entsprechende Eigenschaften wie Leuchtstärke oder Farbeinstellungen als Bedingungen auswählen.
Neben Routinen auf Basis von Vorlagen können Anwender auch in den Geräteeinstellungen bestimmte Automatisierungen konfigurieren. So ist es etwa möglich, in den Einstellungen eines Bewegungsmelders einen Schaltvorgang für ein Gerät zu definieren. Dabei können Anwender auch die Schaltdauer festlegen, sodass der Bewegungsmelder nach einer erkannten Bewegung eine Lampe einschaltet und sie etwa nach einer Minute ohne Bewegungsmeldung wieder ausschaltet.
Im Test haben wir versucht, verschiedene Zigbee-Geräte mit dem Fritz Smart Gateway zu koppeln. Hierfür berücksichtigen wir auch Varianten, die bislang nicht auf der Kompatibilitätsliste von AVM stehen (siehe auch Bildergalerie). Diese führt Geräte aus den Kategorien Beleuchtung, Rollos, Steckdosen, Taster & Schalter, sowie Repeater und Unterputz-Module.
Neben der kompatiblen Ikea-E27-LED konnten wir auch die E27-Modelle von Flair Viyu und Innr mit dem Fritz Smart Gateway verbinden. Wie bei dem kompatiblen Ikea-Modell können wir die Leuchtmittel nicht nur schalten, sondern auch Farbe und Helligkeit einstellen sowie eine Zeitschaltung konfigurieren. Auch das Ein- und Ausschalten der Leuchtmittel mit den Tastern Fritz Dect 400 und Aeotec IM6002 hat im Test einwandfrei funktioniert.
An Bewegungsmeldern (Ratgeber) konnten wir die Modelle Frient Motion Sensor Pro MOSZB-140, Sonoff Motion Sensor SNZB-03 und Bitron Home Smabit anlernen. Varianten von Aqara (Testbericht) ließen sich hingegen nicht mit dem Fritz Smart Gateway koppeln. Allerdings unterstützt das Zigbee-Addon für die Fritzbox offiziell noch nicht diese Geräteklasse. Und so stehen praktisch keine Konfigurationsmöglichkeiten wie Blindzeit, Empfindlichkeit et cetera für die Bewegungsmelder zur Verfügung. Auch werden nicht alle Sensoren der Modelle berücksichtigt. Die Variante von Frient erfasst neben Bewegung noch Helligkeit und Temperatur. Doch diese Werte bleiben anders als mit Home Assistant oder Homey Pro derzeit noch verborgen.
Für den Test haben wir die Bewegungsmelder so konfiguriert, dass sie bei einer erfassten Bewegung eine E27-LED einschalten und nach einer Minute ohne Bewegungserkennung diese wieder ausschalten. Alle drei Bewegungsmelder schalten die Lampe nach einer erkannten Bewegung sofort ein. Doch beim Ausschalten lassen sie sich unterschiedlich lange Zeit. Mit dem Frient-Bewegungsmelder wurde das Licht nach 1:25 Minute ausgeschaltet, mit dem Sonoff und dem Smabit hat es hingegen über zwei Minuten gedauert. Mangels Konfigurationsmöglichkeiten der Bewegungsmelder ist man auf deren Voreinstellungen angewiesen und so lassen sich die unterschiedlichen Reaktionszeiten erklären.
Letzteres gilt auch für Verbrauchswerte von entsprechenden smarten Steckdosen (Bestenliste). Zwar werden diese bei den Dect-Steckdosen von AVM erfasst, die angelernte Zigbee-Steckdose von Aeotec liefert am Fritz Smart Gateway, anders als mit den Smart-Home-Zentralen Homey Pro und Home Assistant hingegen keine Verbrauchswerte (siehe auch Bildergalerie).
Neben Steckdosen, LED-Lampen, Taster und Bewegungsmelder haben wir auch noch versucht, andere Zigbee-Geräte wie Präsenzsensoren (Ratgeber) und Gardinenmotoren (Aqara Curtain Driver E1) mit dem Fritz Smart Gateway zu verbinden – leider ohne Erfolg.
AVM verkauft das Fritz Smart Gateway regulär für knapp 90 Euro. Aktuell wechselt es für circa 75 Euro den Besitzer (TechStage-Preisvergleich).
Das Fritz Smart Gateway kann im Test nicht restlos überzeugen. Zwar hat das Gerät dank Zigbee-Support und der angekündigten Matter-Unterstützung das Potenzial, die ideale Ergänzung für Fritzbox-Nutzer zu sein, wenn es um die Steuerung von smarten Geräten geht.
Doch die mangelnde Kompatibilität zu einer Vielzahl von Zigbee-Geräten wie Bewegungsmeldern und anderen Gerätegruppen verhindert, dass ambitionierte Anwender, die auf Basis von Sensoren wie Präsenz- und Bewegungsmelder smarte Automatisierungen umsetzen möchten, das Fritz Smart Gateway als Smart-Home-Zentrale verwenden. Sie werden mit einem Home Assistant Green (Testbericht) oder Homey Pro (Testbericht) besser bedient, allerdings kosten diese auch zum Teil deutlich mehr als das Zigbee-Add-on für die Fritzbox. Wer hingegen mit den Einschränkungen klarkommt, erhält mit dem Smart Fritz Gateway eine Smart-Home-Zentrale, die dank lokaler Ansteuerung von Smart-Home-Geräten ohne Cloud auskommt und so ein besonders hohes Maß an Datenschutz bietet.
Mehr Informationen zu einer intelligenten Haussteuerung bietet unser Themenschwerpunkt Smart Home sowie unsere Bestenliste zu Smart-Home-Zentralen. Für Einsteiger ins Thema empfehlen wir unseren Ratgeber Smart Home: Auch mit wenig Geld zum Erfolg. Auch interessant: Elesion als günstige Smart-Home-Alternative von Pearl. Wer smart heizen will, sollte sich den Ratgeber Smarte Thermostate für Fußbodenheizungen durchlesen und die Bestenliste Top 10: Die besten smarten Heizkörperthermostate 2022 ansehen. Und wie man den Standby-Verbrauch von Geräten reduzieren kann, erklärt der Beitrag WLAN-Steckdosen in der Praxis: Modelle, Einsatzzweck, Preise. Und im Beitrag Bessere Luft: Smarte Raumluft-Sensoren für CO2, Radon, Ozon, Feinstaub & Co erklären wir, wie man auf Basis smarter Sensoren das Raumklima verbessern kann.
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