Philipp hat seinen beruflichen Werdegang als Praktikant in einer Werbeagentur begonnen und ist mit verantwortlich für das Design von Bierdeckeln, Werbetafeln und einem Fan-Bus eines großen Fußballvereins. Danach folgte der erste Schritt zum Journalismus: Ein Volontariat bei PC-Zeitschriften, die heute kaum noch jemand kennt - PC Direkt und PC Professionell. Dann folgte ein mehrjähriger Ausflug in die Welt des Marketings, PR-Arbeit und Qualitätsmanagement in einem mittelständischen Handelsunternehmen.
Seit 2015 ist Philipp bei Heise im Team von Bestenlisten aktiv. Hier bringt er auch seine privaten Interessen ein und deshalb für Drohnen, Laser, Balkonkraftwerke, Powerstations und zahlreiche China-Gadgets wie Handwärmer, USB-Lötkolben oder Mini-Taschenlampen zuständig.
Die neue Dashcam X110 von Garmin bietet neben guter Bildqualität und einfacher Handhabung viele integrierte Assistenzsysteme. Wir haben getestet, ob die kompakte Kamera auch in der Praxis überzeugt.
Die Nutzung von Dashcams ist in Deutschland zwar umstritten, unter Einhaltung bestimmter Voraussetzungen ist deren Einsatz aber erlaubt. Im Schadensfall helfen die gespeicherten Aufnahmen den Ablauf zu rekonstruieren und die Schuldfrage zu klären. Für die Zulässigkeit der Aufnahmen dürfen diese etwa nicht permanent angefertigt und gespeichert werden. Die Garmin-X-Serie nutzt dazu eine Loop-Funktion. Hier werden ältere Aufnahmen automatisch mit aktuellen Videos überschrieben – außer es kommt zu einem Zwischenfall, dann wird die Aufnahme gesichert.
Die neue Garmin X110 speichert solche Videos dann in 1080p in einem seperaten Ordner. Die kompakte Pkw-Kamera filmt aber nicht nur das Geschehen vor dem Fahrzeug, sie bietet neben Sprachsteuerung und Live-Übertragung zum Handy auch noch Assistenzsysteme wie einen Abstands- und einen Spurhalteassistenten. Zusatzfunktionen wie Park-Guard und eine Zeitrafferfunktion runden den üppigen Funktionsumfang ab. Ob sich das Investment von rund 222 Euro lohnt, verraten wir im Test.
Garmin setzt bei seiner X-Serie auf ein nahezu vergleichbares Gehäuse und so sind die Modelle X110, X210 und X310 beim Design kaum zu unterscheiden. Die jetzt getestete, ganz in schwarz gehaltene X210 ist mit einem Gewicht von 62 Gramm und Abmessungen von knapp 70 × 42 × 20 Millimeter angenehm kompakt und beeinträchtigt somit auch nicht das Sichtfeld.
Rückseitig befindet sich das Farbdisplay mit einer Diagonalen von knapp 2,4 Zoll. Bedient wird die Kamera mit den vier Tastern an der rechten Gehäuseseite. Die haben einen klaren Druckpunkt und reagieren zuverlässig. Die obere Taste ist der An/Ausschalter und dient zur Navigation durch die Menüs, der untere Button ist zum manuellen Speichern einer Aufnahme oder zur Bestätigung im Menü. Auf eine bequeme Touch-Funktion hat Garmin verzichtet – die ist der teureren X310 vorbehalten.
Der Schacht für die zur Speicherung benötigte microSD-Karte befindet sich auf der Unterseite, eine Speicherkarte gehört allerdings nicht zum Lieferumfang. Für den Einsatz in einer Dashcam empfiehlt sich generell eine microSD-Karte mit hoher Lese- und Schreibgeschwindigkeit. Die Geschwindigkeitsklasse sollte mindestens den Faktor 10 betragen. Worauf Käufer noch achten sollten, erklären wir im Ratgeber Speicherkarten: Die richtige Karte für Handy, Kamera oder Drohne finden. Nach dem Einlegen der Speicherkarte wird diese von der Kamera formatiert. Sind auf der Karte noch andere Daten, sollte man diese entsprechend im Vorfeld sichern, da sie anschließend weg sind.
Das Kameraobjektiv auf der Vorderseite ragt etwa einen Zentimeter aus dem schlichten schwarzen Gehäuse hervor. Verarbeitung und Druckpunkte der Taster geben keinen Anlass für Beschwerden. Dem gehobenen Preis entsprechend gibt es hier eine erstklassige Verarbeitungsqualität.
Neben der Kameralinse sitzt der bewegliche Befestigungsarm, mit dem die Dashcam an die Innenseite der Windschutzscheibe geklebt wird. Damit das Klebe-Pad auch dauerhaft hält, muss man die Klebestelle unbedingt vorher von Schmutz und Fett befreien und bei moderaten Außentemperaturen arbeiten. So befestigt hält die Dashcam dann wirklich zuverlässig – auch bei Erschütterungen und Temperaturwechseln. Bei der Befestigung mit einem Saugnapf wäre der Halt erfahrungsgemäß weniger zuverlässig. Einziger Nachteil der starken Klebe-Pads: Das rückstandsfreie Entfernen ist aufwendig.
Zum Lieferumfang der X110 gehören die Dashcam, ein rund vier Meter langes USB-A-auf-USB-C-Kabel und ein USB-Netzteil für den Zigarettenanzünder. Eine Speicherkarte ist wie bereits erwähnt nicht enthalten.
Die großzügige Länge und der geringe Durchmesser des Ladekabels machen die Verlegung im Innenraum auch für Laien einfach. Wichtig bei der Montage: Das Kabel muss das Sichtfeld freilassen und darf sich keinesfalls in Pedalen oder Lenkrad verheddern können. Erfahrungsgemäß verlegt man entlang der Windschutzscheibenrahmens und führt es über den Fußraum des Beifahrers zum Zigarettenanzünder oder einer ansonsten vorhandenen USB-Stromversorgung.
Für die Stromversorgung ist der USB-C-Anschluss zuständig, trotzdem hat die Dash Cam X110 auch einen kleinen Lithium-Ionen-Akku integriert. Der hat zwar nur eine geringe Kapazität und eignet sich nicht für einen dauerhaften Betrieb, hilft aber nach einem Crash die Stromversorgung aufrechtzuerhalten. Das ist wichtig, damit die Aufzeichnungen tatsächlich gespeichert werden. Selbst ohne externe Stromzufuhr nimmt die Garmin Dash Cam X110 in den Tests noch etwa weitere 10 bis 15 Minuten auf. Ein weiterer Vorteil des Akkus: Die Laufzeit reicht locker aus, um die Kamera mitzunehmen und damit zu Hause Videos kabellos über die Garmin Drive App auf dem Smartphone anzusehen oder herunterzuladen.
Kommuniziert wird per Bluetooth oder WLAN-Verbindung. Zur Ortsbestimmung ist ein GPS-Empfänger integriert. Ein Beschleunigungssensor (G-Sensor) erkennt, wann das Fahrzeug anfährt, und beginnt dann automatisch zu filmen. Außerdem registriert der Sensor starke und plötzliche Verzögerungen, etwa beim scharfen Bremsen oder bei einem Unfall. Ist dies der Fall, landet das Video automatisch in einem geschützten Ordner auf dem Speicher, damit dieser von der Loop-Funktion nicht überschrieben wird. Dieses automatische Überschreiben alter Daten ist für den Gebrauch der Dashcam in Deutschland essenziell, da dauerhafte Aufnahmen ohne Anlass nicht zulässig sind. Die X110 bietet zwei Optionen für den Loop: Die Kamera erstellt fortlaufend Clips mit einer Länge von 30 Sekunden, bis die microSD-Karte voll ist und überschreibt dann jeweils die älteste Aufnahme. Alternativ zeichnet die Kamera immer nur ein Video von 30 Sekunden auf, welches dann permanent überschrieben wird. Ausnahme sind Clips, bei denen der G-Sensor eine Gefahrensituation festgestellt hat. Diese Videos werden nicht überschrieben.
Wir empfehlen aus Gründen des Datenschutzes, eine einzelne Aufnahme fortlaufend zu überschreiben. Zusätzlich sollte man regelmäßig die durch den Sensor gespeicherten Clips prüfen. Prinzipiell empfehlen wir aber aus Datenschutzgründen, die gespeicherten Aufnahmen regelmäßig zu löschen, wenn sie nicht benötigt werden.
Im Test zeigt sich die Bedienung und Steuerung der Dash Cam X110 intuitiv und selbsterklärend. Der obere Taster dient zum Ein- und Ausschalten und als Zurück-Taster im Menü. Die zwei mittleren Tasten dienen zum Durchblättern der Menüoptionen, der unterste zum Bestätigen. Während der Fahrt können damit auch einzelne Videos manuell gespeichert werden. Das allerdings ist bis auf Ausnahmen nicht ratsam, da man sich auf die Straße konzentrieren sollte.
Sollte man trotzdem das Bedürfnis haben, eine Situation in Video oder Foto festzuhalten, hilft alternativ der Sprachassistent. Hier reicht der Ausspruch „Ok, Garmin“ und die Sprachsteuerung ist aktiv. Wählbar sind die Optionen „Video speichern“, „Bild aufnehmen“, „Ton aufzeichnen“ und „Zeitraffer starten“. Letztere Funktion nennt Garmin „Travelapse“. Hier nimmt die Dashcam ein Zeitraffervideo der gesamten Fahrt auf – spannend, etwa bei der Fahrt in den Urlaub. Die eigentliche Aufzeichnung beeinflusst die Sonderfunktion nicht.
Die Dash-Cam-X-Serie von Garmin hat außerdem noch einige Fahrerassistenzsysteme an Bord. Dazu gehört etwa ein Losfahralarm. Der macht den Fahrer etwa im Stau darauf aufmerksam, dass das davorstehende Auto wieder anfährt. Wirklich gebraucht haben wir den Alarm aber nicht. Als sinnvoller empfinden wir den integrierten Parkassistenten Park-Guard. Ist der eingeschaltet, erkennt die X110 auch im Parkzustand Erschütterungen und macht dann eine Videoaufnahme. Kommt es zu einem Parkrempler hat man so immerhin eine kleine Chance, den Verursacher zu identifizieren. Wem das nicht ausreicht, der kann sich aus der Ferne per App sogar ein Livebild der Dashcam ansehen und prüfen, ob vor dem Pkw alles in Ordnung ist.
Bei aktiver Verbindung mit dem Handy per Garmin Drive kann man zudem einen Annäherungsalarm einrichten. Der informiert die Fahrerin oder den Fahrer an personalisierte POIs (Point of interest) oder etwa Ampelblitzanlagen.
Zusätzlich gibt es einen Spurhalteassistenten und eine Kollisionswarnung bei zu geringem Sicherheitsabstand. Trotz verschiedener Einstellungsmöglichkeiten blieb es bei uns nur bei einem kurzen Test der Assistenten – insbesondere die ständigen Warnungen bei beabsichtigten Spurwechseln haben uns genervt.
Die Dashcam erlaubt Aufnahmen mit einer maximalen Auflösung von 1920 × 1080 Pixel bei 30 fps (Bildern pro Sekunde). Das Sichtfeld (FOV) der Kamera ist mit 140 Grad zwar kleiner als bei etwa der älteren Dash Cam 65W, in der Praxis ist es aber ausreichend weitwinkelig und das Video insgesamt weniger verzerrt. Die Kontraste sind ausgeprägt und die Farben wirken nicht übersteuert. Perfekt ist das Bild allerdings nicht. Gerade bei Gegenlicht und wenig Beleuchtung kommt der Dynamikumfang an seine Grenzen. Insgesamt ist die Bildqualität aber auch bei Dunkelheit ordentlich.
Allerdings hätten wir uns bei dieser vergleichsweise niedrigen Auflösung eine höhere Bildwiederholrate gewünscht. Bei 60 fps würden selbst schnelle Bewegungen noch einigermaßen scharf aufgenommen – bei nur 30 fps sind die Details in den Standbildern oft ausgewaschen und unscharf. Nummernschilder sind dann oft nicht mehr lesbar.
Die Garmin Dash Cam X110 ist im Handel für 222 Euro erhältlich. Im Vergleich zu anderen Kameras mit 1080p ist das ein stattlicher Preis. Die Ausstattung und erfahrungsgemäß hohe Zuverlässigkeit rechtfertigen den hohen Preis zwar, trotzdem bleibt die Dash Cam X110 teuer. Wir würden hier einen Blick auf die älteren Modelle des Herstellers werfen, die sind etwas günstiger.
Die Garmin Dash Cam X110 ist eine kompakte, aber auch teure Dashcam mit zahlreichen Zusatzfunktionen. Neben einer hohen Zuverlässigkeit und den mehr oder weniger nützlichen Assistenzfunktionen gefallen uns die Zeitrafferfunktion und der Park-Guard. Dank der kompakten Abmessungen schränkt die kompakte Dashcam das Sichtfeld nur minimal ein und stört entsprechend auch nicht. Bedienung und Montage funktionieren einfach und problemlos.
Mit nur 1080p und nur 30 Bildern je Sekunde bleibt hier allerdings die Bildqualität auf der Stecke. Wer großen Wert auf die Zusatzfunktionen legt, kann zwar zugreifen, allerdings gibt es für ähnliche Preise inzwischen deutlich höhere Auflösung und Bildwiederholraten – hier muss man sich dann aber in der Regel bei den Sonderfunktionen einschränken. Insgesamt stellt sich die Frage, ob man die gebotenen Funktionen wohl überhaupt nutzt.
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