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Google Nest Wifi im Test: WLAN-Mesh mit Smart Speaker

Google Nest Wifi im Test: WLAN-Mesh mit Smart Speaker
VORTEILE
  • Schickes Design
  • Mikrofon und Lautsprecher
  • Cloud-Management
NACHTEILE
  • Cloud-Zwang
  • App-Zwang

Google integriert seine WLAN-Produkte in die Nest-Familie. Wir testen das neue WLAN-Mesh-Set Google Nest Wifi.

Google bringt die zweite Generation seines Wifi-Mesh-Systems: Leider ohne Wifi-6, auch ohne Tri-Band-Mesh. Doch immerhin mit einem stärkeren Dual-Band-Wifi-5-System als 2016: Mit 4×4 statt früher nur 2×2 WLAN-Strömen beim Mesh-Router.

Dazu sind mehr Bluetooth-Varianten und eine Art Zigbee-Low-Energy-Funk für die Smart-Home-Vernetzung an Bord. Das birgt viel Potenzial für die Zukunft. Im neuen Mesh-Repeater sitzen zudem Far-Field-Mikrofone und ein recht brauchbarer Lautsprecher. Das Ganze lässt sich über zwei Google Apps managen, auch von unterwegs, über die Cloud, per Smartphone, mit Unterstützung durch den Google Assistant.

Das erste Google Wifi Mesh System (Testbericht) kam 2016 in den USA und seit Sommer 2017 auch bei uns in die Regale. Es war ein 2×2-11ac-Wifi-5-System mit mäßig starker WLAN-Power, aber großem Bedienkomfort, schicker Optik, smarten Mesh-Funktionen und einer äußerst eleganten App. Nun kommt das Google Nest Wifi auf den deutschen Markt. Die mattweißen Nest-Wifi-Boxen fühlen sich warm, weich und griffig an. Die neuen Rundlinge fügen sich unauffälliger in das Wohnambiente ein, als die weißen Hart-Plastik-Dosen aus 2016 mit ihren blauen LED-Ringen im Disco-Stil.

Lieferumfang des getesteten Google Nest Wifi Mesh Sets zum UVP von 259 Euro: Links der Nest Wifi Router. Rechts der Nest Wifi Zugangspunkt. Oben drauf ein flaches Ethernetkabel. Vorne zwei 15-Watt-Netzteile (Bild: Harald Karcher).

Das neue Nest-2er-Set besteht aus zwei sehr unterschiedlichen Funkern:

  • AC2200 4×4 MU-MIMO-WLAN-Router
  • AC1200 2×2-WLAN-Zugangspunkt

Der neue Nest-Router hat also eindeutig mehr WLAN-Power als das alte System. Konkretere Brutto-Speed-Angaben für das neue Nest Wifi (wie etwa 1733 oder 866 Mbps) fanden wir bei Google leider nirgends. Im 11ax-Wifi-6-Zeitalter mit 4800 Mbps Brutto kann man mit 11ac-Wifi-5 eh nicht mehr aus der Masse herausstechen. Lediglich die WLAN-Normen IEEE 802.11a-b-g-n-ac werden von Google in den Tech Specs bestätigt. Zudem kann das neue Nest Mesh mit den WLAN-Optimierungsprotokollen 802.11k, 11v und 11s für Band-Steering, AP-Roaming und System-Skalierung protzen.

Bluetooth und Zigbee statt Wifi-6

Nest pfeift beim jüngsten Mesh noch auf die Power von Wifi-6: Zu neu, zu teuer, noch kein Massenmarkt. Stattdessen sitzen mit Bluetooth LE und Zigbee zwei kostengünstige Low-Energy-Funker in den Wifi-5-Boxen. Google vermeidet allerdings den Marketing-Namen Zigbee und spricht stattdessen nur vom Protokoll IEEE 802.15.4-Thread.

Google Nest Wifi Zugangspunkt von unten: Mikrofon-Ein-Aus-Schieber, runde Buchse für Netzteil-Hohlstecker und ein LED-Leuchtring in der Bodenplatte (Bild: Harald Karcher).

Ab 2020 will Google zusammen mit Industriepartnern verraten, wie sich damit Lampen, Türen, Fenster, Heizungen, IoT-Sensoren und Smart Home Devices per Minimal-Funk steuern, regeln und überwachen lassen. Man darf also hoffen, dass die neuen Google-Nest-Funker ab 2020 auch smarte Sachen wie etwa Philips Hue Lampen steuern können. Natürlich ohne dann noch eine gesonderte Philips Hue Bridge besorgen, betreiben und bestromen zu müssen. Das ist jetzt aber nur eine Vermutung, und keine Ankündigung seitens Google.

Allerdings nutzen auch Amazon Alexa Lautsprecher (Vergleich) , Belkin WeMo, Bitron Home, Bosch Smart Home, Busch-Jaeger, Danfoss, Ikea Tradfri (Testbericht) , Osram Lightify (Testbericht) , Samsung SmartThings und Telekom Magenta SmartHome schon diverse Zigbee-Varianten für ihre Heimvernetzungsansätze. Man darf also spekulieren, mit wem sich Google Nest ab 2020 verbünden wird.

Anschlüsse

Im Gegensatz zum Google-Wifi-Mesh-System aus 2016 gibt es 2019 erstmals einen großen Unterschied zwischen Router und Repeater. Der Modem-lose Google Nest Wifi Router hat im Boden einen Ethernet-LAN-Port für Kabel-gebundene Heim-Netz-Geräte (etwa Rechner, Drucker, NAS) und einen Ethernet-WAN-Port für die Zuspielung des Internets aus einem Google-fremden Modem, etwa aus einer Fritzbox für DSL, Kabel oder Glasfaser.

Im Gegensatz zum Router hat der WLAN-Mesh-Repeater mit dem eingedeutschten Namen Google Nest Wifi Zugriffspunkt überhaupt keine Ethernet-Buchse, was für WLAN-Access-Points unüblich ist. Man kann ihn also nur über die Luft per WLAN mit dem Google Router vermeshen, nicht per Kabel. Außerdem kann man dadurch keine Netzwerk-Geräte per LAN-Kabel an den Repeater anschließen. Diese Wireless-Only-Philosophie dürfte Technik-ferne User freuen, manch einem fortgeschrittenen Heimvernetzer aber nicht gefallen, weil triviale LAN-Kabel halt nach wie vor mehr Speed und viel mehr Stabilität ins Heimnetz bringen, als jeder noch so hyperschlaue Wifi-Mesh-Funk.

Am roten LAN-Kabel werden im Test 500 Megabit Internet von Vodafone über eine AVM Fritzbox 6591 Cable in den weißen Google Nest Wifi Router zugespielt. Unten: Am weißen Kabel werden hausinterne Daten, Fotos und Videos aus einem 10-Gigabit-Synology DS1618+ NAS-Server zugeliefert. Mitte: Stromkabel vom Netzteil her kommend (Bild: Harald Karcher).

Lautsprecher

Dafür spendiert Google dem neuen Wifi-Mesh-Repeater einen 40-Millimeter-Lautsprecher-Treiber mit halbwegs fettem Bass und klaren Höhen, sowie mehrere Far-Field-Mikrofone. Damit kann der User sein WLAN-System per Sprache steuern, etwa so: Hey Google, mach einen Speedtest, sperre alle Kindergeräte ab 22 Uhr, öffne das Gastnetz, spiele Disco-Musik, sag mir das Wetter von morgen. Dabei hilft der Google Assistant, dessen Intelligenz sich künftig von der fernen Cloud ein bisschen stärker in die Machine-Learning-Chips des neuen Wifi-Mesh-Systems verlagern soll. Vielleicht hilft diese Künstliche Intelligenz in Zukunft ja, den CO2-Ausstoß der großen Internet-Knoten und fernen Cloud-Rechenzentren marginal zu reduzieren, vor allem wenn die schlaue Heimvernetzung samt KI aus dem eigenen Solardach bestromt wird.

Gegen die Angst vor permanenter Überwachung kann der Google-Nest-Repeater die Mikrofone abschalten. So muss der Rest der Welt sich keine Geräusche aus fremden Schlafzimmern anhören. Sind die klugen Far-Field-Mikrofone dagegen aktiv, sollen sogar Freisprechtelefonate via Google Duo mit anderen Google Nest Mesh Repeatern rund um den Globus möglich sein. Der Nest Router hat allerdings kein Mikrofon und keinen Lautsprecher verbaut, nur der Nest Repeater. Dieser hat eine Touch-Steuerung zur Lautstärkeregelung. Idealerweise sollte Nest noch einen Router mit Mikrofon und Smart Speaker nachschieben, auch wenn der dann ein bisschen teurer wird. Sonst kann es leicht passieren, dass man im gleichen Zimmer einen sprachlosen Router und einen sprechenden Repeater benötigt.

Ein Router speist mehrere Zugangspunkte

Laut Google lassen sich auch beim neuen Nest-Mesh wieder mehrere Router (ganz ohne Repeater) miteinander vermeshen: Das kann erwünscht sein, denn jeder Nest-Router hat ja zwei Ethernet-Ports, aber kein Mikrofon, und keinen Lautsprecher. Wer alle Features des Nest-Mesh-Systems genießen will, braucht also mindestens einen Router und einen Repeater.

Ein Router soll etwa 120 Quadratmeter Wohnfläche mit WLAN versorgen können, jeder Repeater weitere 90. Wer in jedem Zimmer einen schlauen Lautsprecher haben will, braucht sogar ebenso viele Mesh-Repeater wie seine Wohnung Zimmer hat. Als Nebeneffekt entsteht ein Multi-Room-Sound-System. Spätestens damit dringt Google ganz nebenbei bis in den letzten Winkel der Wohnung vor, mit allen potenziellen Vor- und Nachteilen.

Im Gegensatz zu den Nest-Routern sind die Nest Wifi Repeater keine Solo-Performer: Sie benötigen mindestens einen Nest Wifi-Router oder einen alten Google Wifi-Router. Genau! Die alten Mesh-Systeme aus 2016 sollen mit den neuen Nest-Systemen aus 2019 kompatibel sein.

Installation und Setup

Die Installation war schon beim alten Google-Wifi-Mesh-System elegant, sofern der User kein Problem damit hatte, dass sein WLAN über die Google-Cloud gemanagt wird. Daran hat sich auch 2019 mit dem neuen Nest-Wifi-Mesh nicht viel geändert. Wer noch kein Google-Konto hat, muss zuvor eines anlegen. Natürlich kann man das Google Wifi System auch über einen zweiten, dritten oder x-ten Google-Cloud-Account managen, falls man es nicht im eigenen Google-Haupt-Account drin haben will.

Vorteil des Cloud-Managements: Die laufende Verwaltung des Google-WLANs, etwa temporäre Kindersperre, Familiensperre, spontane Freischaltung eines Gastzuganges, kann auch von unterwegs per App erfolgen, also auch per Mobilfunk via Handy. Dieses WLAN-Management aus der Ferne ist im Prinzip nicht schwerer, als unterwegs mal kurz Emails, Facebook oder Instagram zu checken.

Nachteil dieses Cloud-Konzeptes: Manche User wollen Google absolut nicht ans WLAN heranlassen. Das wäre sicher ein gutes Argument, wenn deren WLAN auch sonst Null Kontakt mit dem Internet hätte. Dieser Fall einer kompletten Internet-Abschottung des heimischen WLAN kommt aber selten vor. Meist wird genau das Gegenteil gewünscht: Maximales Internet per WLAN für die ganze Familie, bis in den hintersten Winkel der Wohnung oder des Hauses. Aber damit ist auch Google sowieso im WLAN drin, egal ob das Internet nun ganz Mesh-trendig via Linksys Velop (Testbericht) , Netgear Orbi (Testbericht) , Google Wifi (Testbericht) oder ganz herkömmlich per WLAN-Router-und-Repeater im Haus verteilt wird.

Nun mal konkret: Wir stecken das Netzteil des Nest-Routers in eine Stromdose. Damit fährt er hoch. Ein Hardware-Schalter ist nicht vorhanden. Dann stecken wir ein Internet-zuführendes LAN-Kabel in die linke Buchse des Google-Funkers.

Wie im Setup-Flyer empfohlen, installieren wir die Google Home App (nein, nicht die Google Wifi App wie damals anno 2016) auf ein WLAN-11ac-und-Bluetooth-fähiges Smartphone. Konkret ein LG G6. Dann lassen wir uns von der App ganz elegant durch das restliche Setup führen. Dank Bluetooth erkennt das Handy den Google-Mesh-Funker im gleichen Raum vollautomatisch.

An einer Stelle wurden wir von der Google Home App gebeten, die Smartphone-Kamera auf die Unterseite des Nest-Routers zu richten: Die App fotografiert dort den aufgedruckten Setup-Code. Der User muss an keiner Stelle wissen, was eine IP-Adresse ist und schon gar keine eintippen.

Nach dem Router-Setup lassen wir uns von der Google Home App durch die Installation des Nest Wifi Zugangspunktes führen. Dadurch treten auch Mikrofon und Lautsprecher erstmals in Aktion, was nach dem Router-Setup allein ja noch nicht möglich war: Die Google Home App fragt zum Beispiel: Hast du den Ton gehört? Der Ton sagt dir, dass du eine Verbindung mit dem richtigen Nest Wifi Point hast .

Danach dürfen wir dem Google Assistant beibringen, unsere Stimme zu erkennen. Dabei wird es zeitweise unklar, ob wir noch mit dem Smartphone oder schon mit den Far-Field-Mikrofonen im Nest-Wifi-Lautsprecher reden. Egal. Hauptsache Google versteht uns. Wir sagen Hey Google und das System lobt überschwänglich: Hört sich super an . So leicht kommt man im restlichen Leben ja kaum zu einem dicken Lob. Danach schickt Google gleich eine Verlockung hinterher: Wir dürfen jetzt nämlich „Musikdienste verknüpfen“, unter anderem auch das kostenpflichtige Google Play Music. Oder Videodienste wie Netflix und Maxdome. So läppern sich die Abos zusammen. Spannend klingt auch der Hinweis: Du kannst mit jedem telefonieren, der auch Google Duo hat – natürlich in bester Qualität. Du kannst auch deinen eigenen intelligenten Lautsprecher anrufen, um mit Personen bei dir zu Hause zu sprechen . Jetzt ist das Telefon also auch im Wifi-Mesh-Repeater eingebaut.

Nach diesen Erleuchtungen und Abo-Verlockungen startet die Google Home App eine Firmware-Aktualisierung im smarten Nest Mesh Repeater: Download, Neustart und nach drei Minuten dann die Meldung: Nest Wifi ist auf dem neuesten Stand . Ja irgendwie schon elegant. Wer seine WLAN-Funker lieber altmodisch über den PC-Browser bedient, hat Pech gehabt: Das ging bereits beim Google Wifi nicht, und ist wohl auch beim neuen Nest Wifi nicht vorgesehen.

Per Zufall haben wir auch noch die alte Google Wifi App auf dem Smartphone. Damit kann man das neue Nest Mesh ebenfalls steuern und sogar noch granularer konfigurieren. Die alte Google Wifi App wirkte sogar konsequenter und brillanter durchgestylt als die neue Google Home App. Vermutlich wird der geniale Software-Schuss von 2016 jetzt gerade noch vollends in die Google Home App transplantiert. Mal sehen, wie die Baustelle in ein paar Monaten aussieht. Möglicherweise haben unterschiedliche Teams an den zwei Apps gearbeitet. Denn Google hat 2014 den Thermostat- und Feuermelder-Hersteller Nest Labs für 3,2 Milliarden Dollar zugekauft.

Features

Schon mit Google Wifi konnte man mehrere Geräte zu Gruppen zusammenfassen, etwa alle Internet-Geräte der Kinder. Das geht natürlich auch beim Google Nest Mesh. Damit kann man den Kindern oder auch anderen Gruppen spontan (oder strategisch durchgeplant) den Zugang zum Internet abdrehen, etwa für Essens-, Lern- und Schlafens-Zeiten. Auch ein Jugendschutz mit Unterdrückung unerwünschter Webseiten lässt sich für einzelne User oder für eine ganze Gruppe von Geräten aktivieren.

Wie die meisten WLAN-Systemhersteller bietet auch Google wieder ein Gäste-WLAN, das man schnell und einfach von daheim oder von unterwegs per Smartphone einrichten kann. Den WLAN-Sicherheitsschlüssel kann man unter anderem auch per Email an den lieben Gast im fernen Heim versenden. So muss man Gästen nicht den WLAN-Schlüssel zum eigenen Heimnetz geben, damit am Ende nicht vertrauliche Dateien aus Versehen in falsche Hände gelangen. Mit dem kommenden Update soll das System auch die neue Verschlüsselung WPA3 unterstützen.

Leistungsmessung

Im Test hängt der Google Nest Wifi Router hinter einer AVM Fritzbox 6591 Cable, die dem Mesh-System das Internet aus einem Vodafone-Kabel-500-Anschluss in den 1-Gigabit-WAN-Port einspielt. Zusätzlich ist der 1-Gigabit-LAN-Port des Nest Routers mit dem 10-Gigabit-LAN-Port eines Synology DS1618+ NAS-Servers verbunden, auf dem 100x 1GB Testdateien liegen. Der Nest Router im DG ist mit dem Nest Repeater im OG über die Luft per WLAN vermesht.

Im Test sitzen zwei Google Nest Wifi Mesh Points ganz links in der Wohnung: Der Router im DG, und der Nest Zugangspunkt im OG. Mit einem Wifi-6-Samsung-Note10+ messen wir den Internet-Kabel-500-Netto-Speed aus der Fritzbox 6591 kommend in 5 Räumen, vom DG links oben, bis zum OG-Zimmer-4 rechts außen (Bild: Harald Karcher).
Unerklärlich: Das Google Nest Mesh System bestätigt dem schnellen Wifi-6-Asus-Laptop nur 60 Mbps Anbindungs-Geschwindigkeit, den beiden Android-Handys aber weit mehr Speed (Screenshot: Harald Karcher / mit Google Home App Software).

Eigentlich kamen die besten Testergebnisse bisher bei allen Wifi-5-Systemen, wenn wir mit einem Wifi-6-Laptop durch die Testwohnung wandern und dabei die 100x 1GB-großen Testdateien vom Synology-NAS-Server über das Mesh-System in den Laptop herunterladen. Das Google Nest Mesh hat hier allerdings enttäuscht. Der Netto-Durchsatz lag weit unter 100 Mbps. Warum? Verträgt sich das Intel-Wifi-6-Modul im Laptop noch nicht optimal mit dem Nest Mesh? Oder hat der 10-Gigabit-Multi-Speed-Port des NAS-Servers ein Problem mit dem 1-Gigabit-Port des Nest Routers? Wir konnten es bis Testschluss Ende November 2019 nicht final klären, vermuten aber Ersteres.

Allerdings bietet das Nest Mesh System einen eigenen Speedtest, den man mit der Google Home App aufruft. Also stellten wir drei WLAN-Surfgeräte im gleichen Raume und im gleichen Abstand zum Nest-Router auf. In diesem Szenario meldete Google Home einen Speed von

  • 655 Mbps zwischen Nest Router und Samsung Note10+, immerhin
  • 334 Mbps zwischen Router und LG G6 Handy, aber nur schlappe
  • 60 Mbps zwischen Wifi-6-Asus-Win-10-Laptop und dem Nest Router.

Normalerweise übertrifft aber just der Wifi-6-Laptop beim WLAN-Speed sämtliche Smartphones.

Die zweite Messung erfolgt mit dem Samsung Galaxy Note10, dem ersten offiziellen Wifi-Smartphone mit Wifi 6. Wir sind durch alle fünf Messpunkte der Testwohnung gewandert und haben dabei recht gute Ende-zu-Ende-Netto-Durchsätze erhalten:

Messung mit dem Samsung Galaxy Note 10+: In der roten Kurve waren beide Google Nest Funker eingeschaltet: Damit wurden vor allem die entfernteren Zimmer 3, 4 und 5 deutlich besser mit Internet versorgt, als es der Router alleine in der blauen Kurve schaffte (Bild: Harald Karcher).

Die dritte Messung erfolgt mit der Fritz App von AVM. Diese misst Durchsatz zwischen einer WLAN-Station und einem Smartphone. Sie stellt den Netzwechsel zwischen WLAN-Smartpphone, WLAN-Bändern und WLAN-Stationen sehr anschaulich in eine Grafik dar. Doch Vorsicht: Die Speed-Werte fallen mit dieser App in der Regel besser aus, als bei einem echten Ende-zu-Ende-Netto-Durchsatz über etliche Punkte hinweg vom Internet via WLAN bis ins Handy und zurück. Bei den folgenden Messkurven wandern wir mit dem Samsung Galaxy Note 10+ (Testbericht) zuerst über die Messpunkte 1-2-3-4-5 von DG ins OG rechts hinunter. Danach über die Punkte 5-4-3-2-1 wieder bis zum Nest-Router ins Dach zurück. In der App wird auch sichtbar, ob das Gespann aus Smartphone und Mesh-System den Speed am Ende der Wanderung wieder schnell hochzieht, oder das Gespann eher träge in den unteren Gängen kleben bleibt.

Strombedarf

In den Tech Specs zum Google Nest Mesh konnten wir Ende November 2019 noch keine Angaben zum Stromverbrauch finden. Das komplette Google Nest Paar hat rund 8 Watt im Standby und 11,25 Watt beim Surfen mit einem Samsung Note 10+ gezogen. Zum Vergleich: Google Wifi benötigte 2016 in Summe etwa 7 Watt im Standby und 9,6 Watt beim schnellen Internet-Download. Im gleichen Messszenario hat ein Netgear-ORBI-RBK50-Mesh-Pärchen von 2017 immerhin 13,1 Watt im Standby und 16,1 Watt beim Internet-Download verbraten. Das funkt aber auch Tri-Band-Mesh auf drei Bändern und hat 2x 4 = 8 Ethernet-LAN-Ports.

Stromverbrauch des Google Nest Wifi Routers: Gut 4 Watt im Standby. Maximal 6,15 Watt beim Internet-Surfen mit einem Samsung Galaxy Note10+ Handy (Screenshot: Harald Karcher / mit AVM FRITZ!DECT 200 Software).
Stromverbrauch des Google Nest Wifi Zugangspunktes: Knapp 4 Watt im Standby. Maximal 5,1 Watt beim Internet-Surfen mit einem Samsung Galaxy Note10+ Handy (Screenshot: Harald Karcher / mit AVM FRITZ!DECT 200 Software).

Preis

Zum Start verkauft Google die Produkte nur über den eigenen Shop . Für Router und Access Point fallen dabei 259 Euro an, ein einzelner Access Point kostet 139 Euro. Sobald die Produkte bei anderen Händlern auftauchen, aktualisieren wir den Artikel.

Fazit

Das erste Google-Wifi-Mesh-System war schon beim US-Marktstart 2016 sehr schick und äußerst innovativ. Das lässt sich mit dem neuen Google-Nest-Wifi-System nur noch schwer toppen. Das neue Nest-System ist jetzt matt-weiß statt glatt-weiß und fügt sich dadurch etwas dezenter in das Wohnambiente ein.

Die Wifi-5-Power ist beim neuen Nest Router 2019 mit 4×4-11ac jetzt stärker als 2016 beim alten 2x2-11ac-Google-Mesh-System. Bluetooth funkte schon 2016 im Google Wifi System und jetzt auch 2019 wieder im Nest Wifi Mesh: Das machte die Installation schon 2016 via Bluetooth-Smartphone super-easy und wirkt auch 2019 noch immer sehr elegant.

Spannend wird es, wenn Google Nest und seine Industriepartner ab 2020 die weiteren Smart-Home-Vernetzungs-Pläne aus dem Sack lassen und das Low Energy Bluetooth BLE samt Zigbee alias IEEE 802.15.4-Thread in den neuen Mesh-Funk-Stationen ihre Wirkung entfalten dürfen. Dafür hat Nest sich aber den anstehenden Sprung auf Wifi-6 alias 11ax in seinem neuen WLAN-Mesh erst mal gespart. Mit 11ax wäre das Mesh-System für die breite Masse wohl zu teuer geworden.

Die elegante WLAN-Mesh-Management-Software lässt sich daheim oder von unterwegs bedienen, egal ob via WLAN oder Mobilfunk. Allerdings nur per Handy-App, nicht per Browser am großen PC-Monitor oder Laptop-Display. Dieser Cloud-Management-Komfort braucht natürlich einen Google-Account und eine möglichst stabile Nonstop-Verbindung in die Google-Cloud, so ähnlich wie Google Mail, Google Docs und Google Drive.

Preislich lagen schon die alten Google Mesh Funker aus 2016 attraktiv im untersten Drittel, zuletzt ab 99 Euro pro Stück. Beim neuen Mesh kostet das 2er-Set aus Router und Repeater 259 Euro UVP, gemittelt also 129,50 Euro UVP pro Exemplar. Nutzt man tatsächlich alle heutigen und künftigen Vorzüge des Nest Mesh Wifi, dann klingen 130 Euro nicht zu teuer.

Der Vergleich mit den sehr bekannten AVM-Fritz-Mesh-Repeatern ist ausnahmsweise schwierig, weil die Berliner bislang weder Mikrofone, noch Lautsprecher, Bluetooth, Zigbee oder smarte Assistenten in ihre Mesh-Produkte verbauen.

Doch dem Google-Wifi-System fehlt auch jetzt wieder ein Internet-Modem, das jede Fritzbox mit drin hat. Und wenn so eine Mesh-Master-fähige Fritzbox eh schon mal im Hause steht, kann man sie mit einem einzigen Fritz Repeater schon unter 100-Euro-Zusatzinvestition zu einem 2er-Mesh-Point-System aufrüsten. Ein Vergleich der vier wichtigsten Fritz Mesh Repeater 1200, 1750E, 2400 und 3000 steht hier .

Wer aber Mikrofone, Lautsprecher, Bluetooth, KI-Chips, Cloud-Management und den Google Assistant in seinem Wifi Mesh System quer durch alle Räume genießen will, wird momentan kam etwas Besseres als die Nest-Wifi-Lösung von Google finden.