Mit der N1 Outdoor hat Baseus ein Bundle geschnürt, das zwei batteriebetriebene Überwachungskameras und einen Hub mit 16 GB Speicher umfasst. Wie gut die Sicherheitslösung in der Praxis funktioniert, zeigt der Test.
Die chinesische Firma Baseus ist bislang als Anbieter von Zubehör wie Powerbanks (Bestenliste) und USB-Ladegeräte (Bestenliste) in Erscheinung getreten. Mit der N1 Outdoor für aktuell 140 Euro erweitert das Unternehmen sein Produktportfolio um ein Überwachungskamera-Set. Es besteht aus zwei batteriebetriebenen Überwachungskameras (Bestenliste) und einem Hub, der standardmäßig 16 GByte Speicherplatz bietet. Letzterer kann über einen 2,5-Zoll-Einschub für eine SATA-SSD oder -Festplatte bis zu einer Größe von bis zu 16 TB erweitert werden. Das Konzept erinnert an die Eufy Cam 2 (Testbericht), Eufy Cam 3 (Testbericht) oder Arlo Ultra 2 (Testbericht), die ebenfalls mit einem Hub zur Speicherung der Videos kommen. Wie bei der Konkurrenz können Anwender die Lösung um zusätzliche Kameras für den Anschluss an den Hub erweitern. Einzeln kostet die N1 aktuell 70 Euro, maximal verkraftet der Hub acht Geräte.
Die Kamera erlaubt die Aufnahme von Videos mit einer Auflösung von 2304 × 1296 Pixel und 15 fps. Als Codec kommt H.264 zum Einsatz, der gegenüber der moderneren Variante H.265 alias HEVC nicht so leistungsfähig bei der Komprimierung ist. Das Sichtfeld fällt mit 145° diagonal überdurchschnittlich groß aus. Relativ groß ist auch der Akku mit einer Kapazität von 7.800 mAh, der eine Laufzeit von bis zu 210 Tagen gewährleisten soll. Ein Solarpanel, das mit wenigen Sonnenstunden am Tag den Akku laden kann, hat Baseus aktuell nicht im Programm.
Eine farbige Nachtsicht ermöglicht die Baseus mithilfe der 100 Lumen starken Spotlight-LEDs. Eine Infrarot-Nachtsicht in Schwarz-Weiß bietet sie ebenfalls. Bei der Bewegungserkennung differenziert sie zwischen Personen und anderen sich bewegenden Objekten. Eine spezielle Erkennung von Fahrzeugen und Haustieren hat sie hingegen nicht zu bieten. Auch eine Linienüberschreitung erfasst die Baseus anders als die Tapo C225 (Testbericht) nicht. Und auch auf eine Geräusch- und Manipulationserkennung muss man verzichten. Über die integrierte Gegensprechfunktion können Anwender mit Personen kommunizieren.
Die Überwachungskamera Baseus N1 Outdoor ist nach IP67 vor Feuchtigkeit und Staub geschützt und zwischen -20° und 50 °C einsatzbereit. Der Lieferumfang enthält Schrauben und Dübel zur Befestigung der Halterungen für die beiden Kameras sowie ein Netzteil für den Hub, ein Ethernetkabel zur Verbindung zwischen Hub und Router und ein Ladekabel.
Die Einrichtung von Hub und Kameras erfolgt mit der App Baseus Security, die für iOS und Android vorliegt. Sie ist aber nur für Smartphones optimiert und nicht für Tablets. Ein Installationsassistent hilft beim Set-up, das nach wenigen Minuten abgeschlossen ist (siehe auch Bildergalerie). Die Verbindung zwischen Hub und Router erfolgt mit dem mitgelieferten Ethernetkabel. Über WLAN kann der Hub hingegen nicht mit dem Router gekoppelt werden.
Während der Einrichtung erläutert der Assistent die wichtigsten Funktionen der App. Außerdem informiert die App unter Einstellungen – Gebrauchsanleitung über die Bedeutung der LED-Anzeigeleuchten sowie über die Möglichkeiten der Sync-Taste.
Bei der Bewegungserkennung unterscheidet die Baseus N1 Outdoor zwischen Personen und anderen sich bewegenden Objekten. Im Test kommt es mit der standardmäßig aktivierten Bewegungserkennung allerdings häufig zu Fehlalarmen, durch etwa vom Wind bewegte Äste, Luftballons und anderen Gegenstände. Erst nachdem wir die Bewegungserkennung auf Personen begrenzen, registrieren wir keine Fehlalarme mehr.
Die Aufnahmen von erkannten Bewegungen zeigt die App übersichtlich im Bereich Ereignisse. In der Beschreibung zu den Ereignissen klassifiziert die App die Erkennungsart mit Menschlich oder Bewegung. Da wir die Bewegungserkennung allerdings auf Personen begrenzt haben, ist das etwas verwirrend.
Zudem kann man die Bewegungserfassung über die Option Aktivitätszone einschränken, sodass Benachrichtigungen nur erfolgen, wenn eine Bewegung in einer der festgelegten Aktivitätszonen erfolgt.
Überwachungskameras dürfen aus Datenschutzgründen lediglich das eigene Grundstück filmen. Oft ist das in der Praxis allerdings nicht möglich, sodass das Sichtfeld der Kamera auch fremde Grundstücke erfasst. Daher unterstützen viele Überwachungskameras das Schwärzen von Bildbereichen. So auch die Baseus N1 Outdoor, die diese Funktion unter Geräteeinstellungen – Videoeinstellungen – Privatsphäre-Zonen bereitstellt. Hier können Anwender zwei Zonen im Sichtfeld der Kamera definieren, die bei der Aufnahme geschwärzt werden. Rechtlich reicht das aber noch nicht aus. Zusätzlich ist eine Einwilligung der betroffenen Personen wie Nachbarn bei der Installation einer Überwachungskamera erforderlich, wenn diese auf ihr Grundstück ausgerichtet ist.
Die Alarmierungsmöglichkeiten der Baseus-Kamera umfassen neben den klassischen Pushbenachrichtigungen auch Alarmtöne und Lichtsignale der Spotlight-LEDs. Letztere können Anwender unter der Option Sicherheit konfigurieren. Akustische Alarme kann man dort für die Kameras und auch für den Hub aktivieren.
Benachrichtigungen per E-Mail oder einen Upload der Aufnahme auf einen FTP-Server unterstützt die Baseus anders als etwa Reolink-Überwachungskameras hingegen nicht. Außerdem lassen sich Benachrichtigungen zeitlich nicht einschränken.
Die Steuerung über die App ist intuitiv und die Darstellung des Livestreams erfolgt zügig, ebenso schnell spielt die Baseus-App aufgenommene Videos ab. In der Livestream-Ansicht gibt es Schalter für das schnelle Aktivieren bestimmter Funktionen. Anwender können darüber Videos oder Fotos aufnehmen, das Mikrofon der Kamera ausschalten, die Gegensprechfunktion nutzen, den Alarm aktivieren sowie die Nachtsicht (Infrarot, Spotlight, Ausschalten) konfigurieren. Ein Wechsel der Auflösung, wie von anderen Herstellern gewohnt, ist hingegen nicht möglich.
Eine Sprachsteuerung unterstützt die Baseus N1 Outdoor über Amazon Alexa und Google Assistant. Im Test hat die Koppelung mit Alexa zwar funktioniert, allerdings erscheint der Livestream nicht auf einem Echo Show 8. Eine Verbindung zur Kamera konnte Alexa aber herstellen und hat zuverlässig über Bewegungserkennungen informiert.
Wie alle mit Akku betriebenen Überwachungskameras unterstützt auch die Baseus N1 Outdoor nicht den Onvif-Standard und auch keinen RTSP-Stream. Daher kann man sie in andere Smart-Home-Zentralen (Bestenliste) wie Home Assistant (Testbericht) nicht integrieren. Auch die Steuerung per Dritthersteller-Software wie Synology Surveillance Station (Testbericht) ist nicht möglich.
Die Bildqualität der Baseus N1 Outdoor ist tagsüber bei guten Lichtverhältnissen ohne Fehl und Tadel. Bei Gegenlicht gelingt die Belichtung allerdings weniger gut. Und auch bei der Nachtsicht muss man einige Einschränkungen in Kauf nehmen. Wie üblich gehen bei Infrarotaufnahmen einige Details verloren. Doch mit den beiden LED-Spotlights sind Aufnahmen auch bei Dunkelheit in Farbe möglich, die deutlich detailreicher als die Schwarz-Weiß-Aufnahmen per Infrarot sind.
Baseus verkauft das Set aus zwei Kameras und dem Hub regulär für 170 Euro. Aktuell ist sie mit einem 30-Euro-Rabatt für 140 Euro erhältlich. Alle paar Wochen ist sie sogar schon für 130 Euro zu haben. Wer das Set erweitern möchte, kann an den Hub bis zu acht Kameras anschließen. Einzeln kostet die N1 Outdoor aktuell 70 Euro.
Wer etwas mehr Geld ausgibt, erhält mit der Eufy Cam 2 (Testbericht) für etwa 200 Euro und Eufy Cam 3 (Testbericht) für circa 400 Euro leistungsfähigere Alternativen. Vor allem letztere bietet mit der neuen Steuerzentrale Homebase 3 (S380) erweiterte Erkennungsfunktionen. Daran angeschlossene Kameras können bei der Bewegungserkennung zwischen Menschen, Gesichtern, Fahrzeugen und Haustieren differenzieren. Und wer eine Eufycam 2 (Testbericht) verwendet, kann diese ebenfalls mit der neuen Homebase verbinden und so von der verbesserten Bewegungserkennung profitieren. Dabei sorgt ein selbstlernender Algorithmus für eine stetige Verbesserung der KI-Engine, sodass die Bewegungserkennung mit der Zeit immer zuverlässiger funktioniert. Und noch ein Feature bietet die Eufy-Lösung auf Basis der Homebase 3: die sogenannte Cross-Kamera-Verfolgung. Damit werden Videos vom selben Ereignis verschiedener Eufy-Überwachungskameras zu einer Aufnahme zusammengefügt. Zudem können Anwender Eufy-Überwachungskameras auch in Home Assistant einbinden.
Zum aktuellen Preis von 140 Euro hat das Überwachungskamera-Set Baseus N1 mit Hub einiges zu bieten. Dank Akku-Betrieb können Anwender die Kameras relativ flexibel positionieren und mithilfe des Hubs landen aufgenommene Videos auf einem Zentralspeicher, auf den Diebe anders als bei Überwachungskameras mit microSD-Karte keinen Zugriff haben. Der WLAN-Empfang des Hubs, der per Ethernetkabel mit dem Router verbunden ist, hat im Test einwandfrei funktioniert und steht der Leistung der Konkurrenzmodelle von Eufy und Arlo in nichts nach.
Aber anders als die Lösungen der Konkurrenz bietet die Baseus neben der Erkennung von Personen keine Identifizierung von Gesichtern, Haustieren und Fahrzeugen. Auch hat Baseus kein Solarpanel im Angebot, das den Akku der Kameras mithilfe der Sonne automatisch mit Energie versorgt. Auf eine Desktop-Anwendung zur Ansteuerung der Kamera oder einen Zugriff per Browser bietet Baseus anders als Eufy ebenfalls nicht. Bei einem Preis von 140 Euro für das Set wäre das auch überraschend. Schließlich sind die Lösungen von Eufy und Arlo deutlich teurer. Wer mit diesen Einschränkungen leben kann, erhält mit der Baseus N1 Outdoor eine preiswerte Sicherheitslösung.
Überwachungskameras gibt es viele: PTZ-Modelle, Varianten mit Dual-Objektiv oder sogenannte Floodlight-Cams. Zahlreiche Tests, Ratgeber und weitere Informationen finden TechStage-Leser in unserer Themenwelt Überwachungskameras. Ein Blick auf unsere Überwachungskameras-Bestenlisten ist ebenfalls empfehlenswert:
Affiliate-Information
Bei den mit gekennzeichneten Links handelt es sich um Provisions-Links (Affiliate-Links). Erfolgt über einen solchen Link eine Bestellung, erhält TechStage eine Provision. Für den Käufer entstehen dadurch keine Mehrkosten.