Lukasz beschäftigt sich seit über 15 Jahren als Redakteur mit Smartphones, Apps, Gadgets und Content-Marketing. Seit 2021 arbeitet er für Heise Medien und ist derzeit leitender Redakteur bei Heise Bestenlisten. Der studierte Historiker aus Tübingen begeistert sich sonst für Fitness, Fußball, Fotografie sowie basslastige Musik.
Das Honor 90 protzt unter anderem mit einer 200-Megapixel-Kamera und 512 GByte Speicher. Ob das schicke Smartphone ein echter Flagship-Killer ist, zeigt der Test.
Update: Der neue Mittelklasse-König ist das Poco F5 Pro (Testbericht).
Honor erneuert sein Portfolio der Mittelklasse-Smartphones. Beim Honor 90 packt der chinesische Hersteller eine 200-Megapixel-Kamera in ein schlankes Gehäuse. Das Smartphone ähnelt seinem Vorgänger Honor 70 (Testbericht) optisch und nutzt bereits den neuesten Mittelklasse-Prozessor von Qualcomm, den Snapdragon 7 Gen 1. Richtig verschwenderisch ist Honor bei der Speicherausstattung, standardmäßig kommt das Gerät mit einem halben TByte zum Käufer sowie 12 GByte RAM.
Angesichts dieser Ausstattungsmerkmale kommt der Verdacht auf, einen echten Flagship-Killer vor sich zu haben. Wie gut sich das Honor 90 im Vergleich zur Konkurrenz schlägt und ob es wirklich eine Alternative zu einem Top-Smartphone ist, zeigt dieser Test. Weitere Geräte dieser Art finden sich in der Top 10: Die besten Smartphones bis 500 Euro sowie Top 10: Die besten Smartphones bis 400 Euro.
Wie auch schon der Vorgänger, wirkt das Honor 90 stilvoll, schlank und filigran. Das Display ist zu den Seiten hin spürbar gebogen. Das Gleiche gilt für die Rückseite, was dem Mobilgerät eine harmonische und weiche Formgebung verleiht. Zum auffälligsten Designmerkmal gehört die Kamera auf der Rückseite. Die drei Linsen sowie der LED-Blitz verteilen sich auf zwei gleich große Kreise, die deutlich aus dem Gehäuse herausragen. Neu ist das aber nicht. Das Ganze erinnert stark an den Vorgänger Honor 70 (Testbericht).
Die Rückseite aus geätztem Glas in Klavierlack sieht sehr edel aus, allerdings sind Fingerabdrücke hier schnell sichtbar. Der Rahmen selbst ist nicht aus Metall, sondern Kunststoff. Angesichts des Preises wäre hier ein anderes Material eigentlich angebracht gewesen. Der Druckpunkt der Tasten ist aber fest, die Verarbeitung wirkt insgesamt hochwertig. Als Fingerabdruckleser fungiert ein Sensor unten im Display.
Das Honor 90 ist mit einer Dicke von unter 8 Millimetern recht schlank und angenehm leicht mit rund 180 Gramm. Es liegt damit zwar gut in der Hand, doch die glatte Oberfläche macht es sehr rutschig. Aufgrund des filigranen Charakters des Handys empfehlen wir ohnehin die Nutzung einer Schutzhülle. Eine IP-Zertifizierung zum Schutz vor Wasser findet man wie schon bei den Vorgängern nicht. Hier ist also Vorsicht beim Umgang mit Flüssigkeiten angesagt. Das ist schade, die meisten Konkurrenten bietet mittlerweile auch in der gehobenen Mittelklasse Schutz vor Wasser, etwa das Samsung Galaxy A54 (Testbericht) oder das Motorola Edge 40 (Testbericht).
Das OLED-Display misst in der Diagonale 6,7 Zoll und bietet eine ordentliche Auflösung von 2664 × 1200 Pixel (Full-HD+). Damit liefert die Anzeige eine gestochen scharfe Auflösung von etwa 436 ppi (Pixel pro Zoll). Das Bildformat zieht sich mit einem Verhältnis von 20:9 recht stark in die Länge. Die Bildwiederholrate von 120 Hertz sorgt für ein geschmeidiges Bild bei Animationen, Spielen oder beim Scrollen. HDR10+ bietet es ebenfalls.
Die Bildqualität des Displays ist hervorragend und überzeugt mit kräftigen Farben, satten Kontrasten und hoher Leuchtkraft. Die Anzeige bleibt auch unter Sonnenlicht stets gut ablesbar – messen konnten wir über 900 cd/m². Laut Honor erreicht das Display sogar bis zu 1600 cd/m² bei adaptiver Helligkeitsanpassung. Stark ausgeprägt ist zudem die Blickwinkelstabilität. Das Display ist damit nahezu auf Flagship-Level.
Bei der Megapixelzahl lässt es Honor krachen: Die Hauptlinse bietet 200 Megapixel, selbst die Frontkamera für Selfies kommt auf stolze 50 Megapixel – so viel wie bei den Hauptkameras vieler Smartphones. Mit an Bord ist ein Weitwinkelobjektiv mit 12 Megapixel, das auch für Makroaufnahmen zum Einsatz kommt. Daneben befindet sich noch eine Linse für Tiefenschärfe mit 2 Megapixel zur Abstandsbestimmung für den Porträtmodus. Eine optische Bildstabilisierung (OIS) bietet die Kamera allerdings nicht, was angesichts des Preises eigentlich zu erwarten wäre.
Bei Tag schießt das Honor 90 hervorragende Fotos. Details sind stark ausgeprägt, der Dynamikumfang ist stimmig und bietet farblich ausgewogene und scharfe Aufnahmen auch bei wechselhaften Lichtverhältnissen. Auch bei Dunkelheit fängt die Linse noch viel Licht ein, allerdings fehlt es den Bildern dann deutlich an Schärfe, es macht sich viel Bildrauschen breit. Spätestens jetzt vermisst man den optischen Bildstabilisator (OIS).
Die Weitwinkellinse bietet ebenfalls gute Aufnahmen, die nur minimal blasser ausfallen als mit der Hauptlinse. Diese bietet auch tolle Nahaufnahmen und zeigt, dass es dafür keine separaten Makroobjektive benötigt. Richtig gut sehen zudem Selfies aus, die ausgeprägte Bilddetails liefern. Videos sind ebenfalls gelungen und wirken auch ohne OIS ziemlich stabil. Möglich sind maximal 4K bei 30 fps (Bildern pro Sekunde) oder Full-HD mit 60 fps – auch mit der Frontkamera. Bei Tag bietet die Kamera des Honor 90 insgesamt alles, was man benötigt, lässt den Nutzer aber nachts etwas im Stich.
Als Antrieb kommt der neue Mittelklasse-Chip von Qualcomm Snapdragon 7 Gen 1 zum Einsatz. Dieser nutzt acht Kerne: einmal Kryo Prime (2,5 GHz), dreimal Kryo Gold (2,36 GHz) und viermal Kryo Silver (1,8 GHz). Das System on a Chip (SoC) bietet eine mehr als ausreichende Leistung für die meisten Aufgaben des Alltags. Das belegen auch die guten Werte bei den Benchmarks „Work 3.0“ von PCmark (12.000 Punkte) sowie „Wild Life“ von 3Dmark (3000 Punkte).
Im Alltag läuft das System auch mit mehreren Apps im Hintergrund ohne Probleme und geschmeidig. Für die meisten Spiele reicht die Leistung ebenfalls aus, abgesehen von vielleicht sehr stark grafiklastigen Titeln. Allerdings ist der Vorsprung des neuen Chips im Vergleich zum Snapdragon 778G weniger deutlich als erhofft.
Honor packt zudem richtig viel Speicher in das Handy: 512 GByte interner Speicher sowie 12 GByte RAM sind schon eine Ansage. Allerdings gibt es keine kleinere Speichervariante, mit der das Gerät dann auf einen Preis von unter 500 Euro hätte kommen können. Eine Speichererweiterung ist nicht möglich – wenn auch kaum nötig. Für die Ortung greift das Honor 90 auf GPS, Glonass, Beidou und Galileo zurück. Der Fingerabdruckleser arbeitet gewohnt schnell und verlässlich.
Mobil unterstützt das Honor 90 wenig überraschend 5G, für heimische Netzwerke steht Wifi 6 zur Verfügung. Und für kabellose Verbindungen mit Kopfhörern & Co. greift das Gerät auf Bluetooth 5.2 inklusive aptX HD zurück. NFC ist ebenfalls an Bord. Kleines Ärgernis: Der Typ-C-Anschluss liefert nur den langsamen Standard USB 2.0 – was aber nahezu alle Hersteller in dieser Preisklasse so nachlässig handhaben.
Auf dem Honor 90 läuft Android 13 mit der Bedienoberfläche Magic OS 7.1. Honor verzichtet hier traditionell wie schon zu Zeiten aus der Zugehörigkeit zu Huawei auf einen App-Drawer. Sämtliche Apps landen also immer auf dem Startbildschirm. Zudem geizen die Chinesen nicht gerade mit Bloatware und eigenen Apps. Für eine Vielzahl an Google-Diensten gibt es eine eigene Alternative inklusive App-Store.
Vorbildlich zeigt sich das Gerät bei Updates. Der Sicherheits-Patch von Android stammt zum Testzeitpunkt aus Juli und ist somit auf dem neuesten Stand. Insgesamt verspricht Honor zwei große Android-Upgrades sowie Sicherheits-Updates für drei Jahre. Das ist mehr als in der Vergangenheit und auf Augenhöhe mit Motorola, auch wenn Samsung mit bis zu fünf Jahren einen deutlich längeren Software-Support bietet.
Bedenkt man, wie schlank das Gerät ist, dann ist die Kapazität des Akkus mit 5000 mAh wirklich beachtlich. Allerdings zeigt sich das Honor 90 als weniger ausdauernd, wie erhofft. Im Battery Test kam das Gerät auf etwa 10,5 Stunden. Damit liegt es nur im Mittelfeld unserer Tests, was enttäuschend ist. Mit dem 66-Watt-Netzteil ist es wenigstens recht flott in unter 40 Minuten aufgeladen. Kabelloses Laden beherrscht es aber nicht.
Das Honor 90 hat eine stolze UVP von fast 600 Euro. Damit ist es das bislang teuerste Smartphone der gehobenen Mittelklasse des chinesischen Herstellers. Erhältlich ist das Honor 90 immer mit 12/512 GByte in den Farben Schwarz („Midnight Black“), Grün („Emerald Green“) und nur exklusiv bei Honor auch in Silber („Diamond Silver“). Auf der Webseite von Honor gibt es aktuell einen Coupon mit einem Rabatt von 15 Prozent – damit kostet das Honor 90 nur 510 Euro.
Auf Wunsch bietet der Hersteller auf seiner Webseite beim Kauf eines Honor 90 weitere Produkte zum Discount-Preis an: So kosten die Honor Earbuds X5 dann nur 10 Euro statt 60 Euro und das Honor Band 7 (Testbericht) bekommt man für 10 Euro statt 50 Euro. Das Honor Pad 8 (Testbericht) erhalten Käufer als Beigabe zum Honor 90 für nur 60 Euro und das neue Tablet Honor Pad X9 gibt es für lächerliche 30 Euro!
Das Honor 90 ist ein starkes Mittelklasse-Smartphone, das mit einer 200-Megapixel-Kamera und richtig viel Speicher sowie einem tollen Display seine Duftmarken setzt.
Allerdings offenbart es auch einige Versäumnisse wie das Fehlen einer IP-Zertifizierung oder eines OIS, die bei der Konkurrenz zum ähnlichen Preis schon zu finden sind. Insgesamt bietet es wenig Neues im Vergleich zum Vorgänger, kostet dafür aber mehr. Um einen echten Flagship-Killer handelt es sich also nicht, auch nicht um den König der Mittelklasse. Wer aber ein schlankes Gerät mit tollem Display und guter Kamera sucht, ist hier gut aufgehoben.
Im Preisbereich bis 500 Euro trifft das Honor 90 auf starke Konkurrenz. Zu nennen wären etwa das Oppo Find X5 (Testbericht) mit schnellerer CPU und Hasselblad-Kamera oder das schicke und richtig gute Motorola Edge 40 (Testbericht) mit OIS. 200 Megapixel für 360 Euro bietet das Redmi Note 12 Pro+ (Testbericht). Eine deutlich preiswertere Alternative ist zudem das Samsung Galaxy A54 (Testbericht) mit IP67-Zertifizierung und fünf Jahren Software-Support.
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