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HTC RE im Test: tolle Kamera für Schnappschuss-Freaks

HTC RE im Test: tolle Kamera für Schnappschuss-Freaks

Die HTC RE war eine der wenigen Überraschungen des Jahres im Mobile-Business. Mit ihrem außergewöhnlichen Periskop-Design und von der Positionierung irgendwo im Niemandsland zwischen GoPro-Bullet-Cams und Sonys Linsen-Kameras der QX-Serie sorgte die kleine Knipse für Verwirrung. Aber wer braucht die 150 Euro teure HTC RE?

Nach zwei Wochen mit der Kamera lautet die Antwort in Kurzform: Jeder, der gerne, viel und überall fotografieren möchte – ohne Auslöseverzögerung und so bequem wie möglich. Die ausführliche Antwort liefert dieser Testbericht.

Design

Die HTC RE sieht aus wie ein kleines Periskop – oder, je nach Betrachtungsweise, wie ein Asthma-Spray. Außerdem ist sie erstaunlich klein. Selbst in durchschnittlich großen Männerhänden verschwindet sie fast vollständig. Außerdem passt sie sehr bequem immer noch irgendwie in eine Jacken- oder Jeanstasche.

Unsere beiden Testgeräte kommen in Orange und Weiß daher – und sehen mit dem glänzenden Lack regelmäßig aus, als hätten wir sie als Pommesgabel missbraucht. Dafür hat der Lack zumindest zwei Wochen harten Alltag kratzerfrei überlebt.

Die HTC RE ist deutlich kompakter als selbst kleinere Smartphones.

Nachdem die Kamera wasserdicht ist, kann man sie immerhin guten Gewissens unter fließendem Wasser abspülen – auch, wenn das mit dem offenen microUSB-Anschluss auf der Unterseite beim ersten Mal etwas Überwindung kostet. Nur beim danebenliegenden microSD-Slot sollte man darauf achten, dass er fest verschlossen ist.

Handling

Ansonsten ist die RE-Kamera schnell beschrieben. Auf der Rückseite gibt es einen großen chromfarbigen Auslöser, der sich in jeder noch so verqueren Aufnahmesituation entweder mit dem Daumen oder dem Zeigefinger gut erreichen lässt. Wo normale Kompaktkameras oder Handys aus der Hand zu fallen drohen, hat man die RE noch sicher im Griff.

Einen Ein/Aus-Schalter gibt es übrigens nicht – die Kamera merkt automatisch, wenn man sie hochhebt. Ein kurzer Druck auf den Auslöser schießt dann sofort ein Foto. Nachdem die RE keinen Autofokus hat, ist die Auslöseverzögerung minimal. Was das für Nachteile hat, dazu kommen wir später.

Mit Hilfe eines optischen Sensors im Griff und eines Bewegungssensors merkt die HTC RE, wenn man sie hochhebt – und schaltet sich ein.

Ein langer Druck auf den Auslöser startet die Videoaufnahme. In der Praxis ist es uns des Öfteren passiert, dass wir mit „Nachdruck“ ein Foto schießen wollten – und durch einen zu langen Druck versehentlich den Videomodus aktiviert haben. Auf der Vorderseite der RE gibt es noch einen weiteren Button, der die Zeitlupen-Videoaufnahme mit 96 fps aktiviert – also viermal langsamer als normal. Ton gibt es hier dann allerdings nicht.

Steuerung per Smartphone

Die RE Camera beschränkt sich auf zwei Hardware-Buttons zur Steuerung – und verzichtet sogar auf ein Display. Die einfachste Möglichkeit zum Weiterverarbeiten der geschossenen Fotos bietet die kostenlose App namens „RE“ von HTC. Wer die Kamera einmal mit dem Smartphone verbunden hat, kann sich in der Anwendung alle auf der microSD-Karte der RE abgelegten Fotos ansehen. Die Kamera nutzt übrigens sowohl Bluetooth als auch WLAN: ersteres zum Steuern, zweiteres zum Übertragen von Daten.

Bei den frisch geschossenen Fotos dauert es allerdings ein paar Sekunden, bis die App die Thumbnails geladen hat. Und auch beim Anzeigen der Großversion sowie beim Übertragen auf das Smartphone gibt es immer wieder Gedenkpausen.

An direkten Bearbeitungsmöglichkeiten bietet die App lediglich eine Objektivkorrektur. Darüber hinaus kann der Nutzer die geschossenen Fotos noch aufs Smartphone übertragen oder direkt teilen. Außerdem wirbt HTC fleißig damit, man möge doch die eigenproduzierte App Zoe installieren, die Fotos und Videoschnipsel in sogenannte Highlight-Videos verwandelt.

Apropos Videos: Die App bietet noch einen Intervall-Timer, der es ermöglicht, Zeitraffer-Videos aufzunehmen. Der Nutzer hat die Möglichkeit, sowohl die gesamte Aufnahmedauer als auch das Intervall der geschossenen Bilder einzustellen. Der Film wird automatisch erstellt – praktischerweise gibt es noch eine Info, wie lange der resultierende Clip bei der gegenwärtig getroffenen Einstellung wird. Ein Stativ ist bei dieser Funktion natürlich Pflicht. Tipp am Rande: Montiert die RE doch einmal auf eine aufziehbare Eieruhr, um ein Time-Lapse-Video mit Kamera-Schwenk aufzunehmen.

Zu guter Letzt gibt es in der Smartphone-App noch eine Sucher-Funktion, die ich allerdings in der Praxis nie benutzt habe. Bis Kamera und App soweit startklar sind, hätte man meistens auch schon längst mit dem Smartphone fotografiert, das in der Regel eine sehr ähnliche Bildqualität liefern dürfte wie die RE. Und der große Reiz liegt ja gerade darin, immer sofort Fotos schießen zu können.

Meiner Meinung nach ergibt das Sucher-Feature in erster Linie Sinn, um das Smartphone bei Selfies als Fernauslöser zu nutzen. Oder um die RE korrekt auszurichten, wenn man sie als Action-Kamera irgendwo montieren möchte. Wer die Kamera kopfüber montiert, beispielsweise unter einem Auto, kann das Bild übrigens per Software um 180 Grad drehen.

Die App für die RE Camera steht erfreulicherweise nicht nur für HTC-Smartphones, sondern für alle Android-Geräte ab Version 4.3 und sogar fürs iPhone zum Download bereit. Während sich die HTC RE unter Android nach einmaligem Einrichten immer zuverlässig ohne weiteres Zutun mit dem Smartphone verbindet, lief das unter iOS nicht ganz so einwandfrei. Wir mussten auf dem iPhone stets zuerst Bluetooth aktivieren, dann die App öffnen und anschließend per WLAN die Verbindung herstellen.

Hardware

Die HTC RE hat einen 1/2,3 Zoll großen Bildsensor mit 16 Megapixeln. Es kommt hier ein rückseitig belichteter Chip von Sony zum Einsatz. Das Objektiv hat eine Brennweite von 4,1 Millimetern, was bei einem 1/2,3-Zoll-Sensor eine Kleinbild-Äquivalenzbrennweite von 19 Millimetern ergibt. Nachdem es sich aber um eine deutlich fischaugige Optik handelt, ergibt sich ein unerwartet großer Bildwinkel von 146 Grad.

Hinter dem Objektiv der HTC RE sitzt ein Bildsensor von Sony, wie er in vielen Kompaktkameras der Einsteiger- und Mittelklasse zum Einsatz kommt.

Wer nicht auf die Fischaugen-Optik steht, kann die Fotos mit der Objektivkorrektur in der App entzerren. Dabei geht dann allerdings auch ein guter Teil an Informationen in den Bildecken verloren. Und nachdem die Anwendung Bildteile strecken muss, wird auch interpoliert und die effektive Auflösung sinkt. Nachdem die allermeisten mit der RE geschossenen Fotos nur auf Facebook, Instagram & Co. landen werden, kann das dem Gros der Nutzer völlig egal sein.

Die Frage lautet hier dann lediglich: Fischaugen-Effekt mit krummen Linien oder gerade Linien mit weniger Bildwinkel? Die Antwort ist Geschmackssache. Der große Bildwinkel bedeutet immerhin eines: Zielen ohne Display ist mit der RE Camera kein Problem. Wer ungefähr in Richtung Motiv schießt, fängt üblicherweise alles ein.

Wie eingangs schon erwähnt, hat die HTC-Kamera keinen Autofokus. Das bedeutet einerseits, dass die Auslöseverzögerung quasi gleich null ist. Allerdings ist damit auch kein Fokussieren auf sehr nahe Objekte möglich. Der starke Weitwinkel spielt HTC hier jedoch in die Karten und sorgt für einen akzeptablen Wert – die Naheinstellgrenze liegt bei etwa zehn Zentimetern.

Fotoqualität

Bei der Bildqualität bewegt sich die HTC RE auf dem Niveau von besseren Smartphone-Kameras. Zwar ist der Bildsensor mit 1/2,3 Zoll großer als bei den meisten Mobiltelefonen, doch dafür liegt das Öffnungsverhältnis des Objektivs mit F2.8 eine ganze Blende unter beispielsweise dem HTC Desire Eye, das F2.0 bietet. Das bedeutet, dass für gleich ausgeleuchtete Fotos die doppelte Belichtungszeit erforderlich ist – oder die doppelte ISO-Empfindlichkeit. Und damit ist die größere Sensorfläche wieder dahin.

Unterm Strich gelingen die Fotos bei Tageslicht ansehnlich und farbenfroh. Bei Innenaufnahmen, beispielsweise zu Hause oder in Restaurants, muss die Kamera die Lichtempfindlichkeit dann allerdings schon merklich nach oben schrauben. Das macht sich am ehesten dadurch bemerkbar, dass die Farben etwas abflauen und feine Details der Rauschunterdrückung zum Opfer fallen.

Im Halbdunkel verlängert die RE Camera die Belichtungszeiten auf bis zu 1/15 Sekunde. Wer hier noch scharfe Fotos haben möchte, braucht auch bei 23 Millimetern Brennweite ruhige Hände. Dass die RE nicht einmal 70 Gramm auf die Waage bringt, hilft ebenso gut beim Stillhalten wie ein dreifacher Espresso. Eine LED für Aufnahmen im Dunkeln wäre noch schön gewesen.

Wer übrigens das Maximum aus der Kamera herausholen möchte, sollte die Fotoauflösung in der App von standardmäßigen 12 auf die vollen 16 Megapixel hochschrauben. Wenn die Fotos für Instagram oder Facebook bestimmt ist, sorgen weniger Pixel allerdings dafür, dass mehr Fotos auf der mitgelieferten 8-GByte-microSD-Karte Platz finden.

Für den Videomodus gilt Ähnliches wie für die Standbilder. Bei Tageslicht sind die Clips ansehnlich und farbenfroh. Bei schlechteren Lichtverhältnissen gehen Schärfe und Farben langsam den Bach hinunter.

Nachdem die RE im Zeitlupen-Modus viermal mehr Bilder einfängt als im Normalbetrieb und dadurch viermal kürzere Belichtungszeiten einsetzt, sind hier die Anforderungen an die Lichtverhältnisse entsprechend höher.

Akku

Auf der Unterseite der RE gibt es einen Micro-USB-Anschluss zum Aufladen des Akkus, ein Stativgewinde und – hinter einer kleinen Klappe – einen microSD-Kartenslot.

Der 820 mAh starke Akku der RE hält laut HTC bei der Full-HD-Videoaufnahme eine Stunde und 40 Minuten lang durch – oder 1200 Fotos. Mangels Display hat die Knipse auch keine Akkustand-Anzeige – dieser lässt sich allerdings in der App einsehen. Wer die App nicht häufig nutzt, sondern lediglich mit der RE fotografiert, steht aber regelmäßig mit leerem Akku da. So wie ich zum Beispiel.

Wer viel knipst, sollte sich das optional erhältliche Ladedock für 30 Euro gönnen – und die Kamera hier einfach jeden Abend einstöpseln. Das erspart regelmäßigen Frust.

Zubehör

HTC bietet zusammen mit der RE diverses Zubehör an, das insbesondere die Action-Freaks ansprechen dürfte. Es gibt eine Saugnapf-Halterung, eine Lenker-Halterung und eine Clip-Halterung, die mit Preisen von 20, 15 und 13 Euro erfreulich günstig sind. Dank des Standard-Stativgewindes auf der Unterseite arbeitet die RE natürlich auch mit allen möglichen Stativen, GorillaPods und dergleichen zusammen, die eine Standard-Viertelzoll-Schraube haben. Darüber hinaus soll es auch noch einen Zusatz-Akku geben, der unten an die Digicam angedockt wird.

Außerdem bietet der Hersteller ein sogenanntes Protection Pack an, dass die Wasserresistenz verbessern soll. Ohne überlebt die RE 30 Minuten auf bis zu einem Meter Wassertiefe, mit Protection Pack erfüllt sie den IPX8-Standard für dauerhaftes Untertauchen. Das ermöglicht bis zu eine Stunde Aufenthalt bei maximal drei Metern Tiefe. Nachdem sich die Spezifikationen auf Süßwasser beziehen, sollte man im Meer allerdings vorsichtig sein.

Video

Fazit

Die RE ist supereinfach zu bedienen, schießt dank des weitwinkeligen Fischaugen-Objektivs erfrischend andere Fotos als die 08/15-Smartphone-Bilder und ist immer Einsatzbereit. Wunder darf man von der Bildqualität allerdings keine erwarten – sie bewegt sich auf Smartphone-Niveau. Für Schnappschuss-Freaks, die Ihre Fotos in erster Linie auf Facebook & Co. hochladen, ist die Kamera ein wunderbares Spielzeug.