Lukasz beschäftigt sich seit über 15 Jahren als Redakteur mit Smartphones, Apps, Gadgets und Content-Marketing. Seit 2021 arbeitet er für Heise Medien und ist derzeit leitender Redakteur bei Heise Bestenlisten. Der studierte Historiker aus Tübingen begeistert sich sonst für Fitness, Fußball, Fotografie sowie basslastige Musik.
Das Huawei Mate X6 ist schlank, schick und bietet eine erstklassige Kamera. Google-Dienste fehlen, doch ein Trick ermöglicht Android-Apps. Mehr dazu im Test.
Foldables sind teuer, begeistern aber: Immer dünnere Geräte wie das Honor Magic V3 oder das Pixel 9 Pro Fold setzen Duftmarken – sei es beim Design oder der Kamera. Huawei kombiniert genau diese Stärken im Mate X6: ein schlankes, elegantes Gehäuse, ein exzellentes Display und eine vielseitige Kamera mit variabler Blende. Doch die US-Sanktionen bleiben ein Hindernis. Google-Dienste fehlen weiterhin, 5G ist nicht an Bord, die Performance reicht nicht an andere Flaggschiffe heran. Ob das Mate X6 trotzdem überzeugt und mit welchem Trick sich Android-Apps nachinstallieren lassen, klären wir in diesem Test.
Das Huawei Mate X6 ist äußerst flach und schick. Die Rückseite besteht aus edlem Kunstleder, besonders markant ist das kreisrunde Kameraelement, das prominent herausragt. Es könnte fast als Zwillingsbruder des Honor Magic V3 durchgehen und bietet mit Abmessungen von 156,6 × 144 × 4,6 mm (offen) sowie 156,6 × 73,8 × 9,9 mm (geschlossen) bei einem Gewicht von 239 g eine nahezu identische Größe. Die Konkurrenz von Honor ist minimal leichter und noch etwas dünner.
Verarbeitung und Faltmechanismus sind hervorragend. Die Knickstelle des inneren Displays ist kaum sichtbar und nur noch geringfügig mit dem Finger zu ertasten. Gefaltet ist es fast so schlank wie die Flaggschiff-Smartphones der Konkurrenz und bietet mit einem Seitenverhältnis von 20:9 ein sehr praktisches Bildformat. Aufgeklappt ist es hauchdünn und nahezu quadratisch. Gänzlich staubdicht ist es nicht – das trifft jedoch auf kein Foldable zu. Es ist allerdings nach IPx8 wasserdicht.
Das äußere OLED-Display mit LTPO-Technologie misst 6,45 Zoll in der Diagonale und löst mit 2440 × 1080 Pixeln auf, was eine scharfe Darstellung mit 414 PPI ermöglicht. Dank Kunlun Glass 2 ist es besonders robust und erreicht laut Huawei eine Spitzenhelligkeit von bis zu 2500 Nits. Damit bleibt es auch bei direkter Sonneneinstrahlung ablesbar.
Das innere faltbare OLED-Display mit LTPO-Technologie kommt auf 7,92 Zoll bei einer Auflösung von 2440 × 2240 Pixeln (418 PPI). Mit maximal 1800 Nits ist es laut Hersteller nicht ganz so hell wie das Außendisplay, im Test war die Ablesbarkeit bei Sonnenlicht aber dennoch unproblematisch. Die Bildqualität beider Panels überzeugt mit tiefem Schwarz, hohen Kontrasten und lebendigen Farben. Beide Displays unterstützen eine adaptive Bildwiederholrate von 1 bis 120 Hz und sorgen so für eine flüssige Darstellung.
Huawei verbaut im Mate X6 ein leistungsstarkes Kamera-Trio aus Haupt-, Ultraweit- sowie Periskop-Telekamera, das mit Flaggschiff-Smartphones der Konkurrenz problemlos mithalten kann. Die 50-Megapixel-Hauptkamera liefert dank variabler Blende (f/1.4 bis 4.0) exzellente Fotos mit hoher Detailgenauigkeit, kräftigen, aber natürlichen Farben und starkem Dynamikumfang. Insbesondere die naturgetreue Darstellung von Farben ist Huawei hier ausgezeichnet gelungen. Selbst bei wenig Licht überzeugt die Kamera mit scharfen und rauscharmen Bildern. Zudem sorgt die optische Bildstabilisierung (OIS) dafür, dass Aufnahmen auch bei längeren Belichtungszeiten verwacklungsfrei bleiben.
Ergänzt wird sie von einer 40-Megapixel-Ultraweitwinkelkamera, die große Bildausschnitte mit minimalen Verzerrungen einfängt. Das Highlight ist jedoch das 48-Megapixel-Periskop-Teleobjektiv: Der vierfache optische Zoom sorgt für gestochen scharfe Aufnahmen. Selbst der zehnfache Hybrid-Zoom liefert noch detailreiche Bilder – nur mit geringfügigem Bildrauschen. Auch hier minimiert OIS Verwacklungen, sodass selbst herangezoomte Motive noch scharf und stabil abgebildet werden.
Bei Videos zeigt sich das Mate X6 ebenfalls stark. 4K-Aufnahmen mit 60 FPS wirken flüssig und scharf, während Zeitlupen mit 240 FPS in Full HD möglich sind. Die Kamerainsel ragt zwar deutlich aus dem dünnen Gehäuse heraus, doch die gebotene Bildqualität rechtfertigt diesen Kompromiss.
Für Selfies stehen zwei 8-Megapixel-Kameras zur Verfügung, alternativ lässt sich auch die Hauptkamera nutzen. Ein entsprechendes Icon in der Kamera-App aktiviert das Außendisplay als Sucher, wenn das Gerät aufgeklappt ist. Das erfordert zwar einen zusätzlichen Handgriff, ermöglicht aber detailreiche Selbstporträts. Insgesamt bietet das Huawei Mate X6 eine der besten Kameras im Foldable-Bereich und liegt nahezu auf Augenhöhe mit dem Google Pixel 9 Pro Fold.
Im Mate X6 steckt das hauseigene Octa-Core-SoC Hisilicon Kirin 9020. Im Alltag sorgt der Chip für eine flüssige Bedienung und verzögerungsfreies Multitasking. Dennoch erreicht das Foldable in Benchmarks nur Werte eines Mittelklasse-Smartphones. Rund 10.000 Punkte bei PCmark und etwa 1600 Punkte bei 3DMark Wild Life Extreme sind solide, bleiben aber deutlich hinter aktuellen Flaggschiffen zurück. Für aufwendige 3D-Spiele ist das Mate X6 daher weniger geeignet, während es für alle anderen Aufgaben problemlos ausreicht.
Huawei verbaut 12 GB RAM und 512 GB internen Speicher – mehr als genug für Apps, Fotos und Videos. Eine microSD-Erweiterung fehlt, stattdessen setzt der Hersteller auf das wenig verbreitete, hauseigene NM-Card-Format. Allerdings sind NM-Karten deutlich teurer als microSD-Karten, aktuell kostet eine Karte mit 64 GB mindestens 24 Euro und mit 256 GB knapp 60 Euro.
Bei den Schnittstellen bietet das Mate X6 USB-C 3.1 mit Displayport 1.2, Wi-Fi 6, Bluetooth 5.2 (LDAC, AAC) sowie NFC. Ein Infrarot-Port ist ebenfalls vorhanden. Mobiles Bezahlen in der EU bleibt aufgrund der fehlenden Google-Dienste außen vor. Eine große Einschränkung gibt es im Mobilfunk: 5G fehlt, sodass das Mate X6 auf LTE beschränkt ist. Eine Unterstützung für digitale eSIMs fehlt ebenfalls.
Die Sprachqualität überzeugt mit klarem Klang und guter Geräuschunterdrückung, auch der Empfang bleibt stabil. Die Stereo-Lautsprecher liefern einen klaren Klang. Der Fingerabdrucksensor im Power-Button arbeitet zuverlässig und entsperrt das Gerät schnell. Alternativ gibt es eine 2D-Gesichtserkennung, die jedoch weniger sicher ist.
Das Mate X6 läuft mit EMUI 15, einem Android-Fork. HarmonyOS bleibt hierzulande Tablets und Smartwatches vorbehalten. Der Sicherheits-Patch stammt aus Dezember 2024 und ist damit nicht mehr ganz aktuell.
Die Bedienoberfläche erinnert an iOS oder Magic OS von Honor und bietet praktische Multitasking-Optionen, etwa die Darstellung von Fenstern, die bei aufgeklapptem Display besonders zur Geltung kommen. Hinzu kommen Widgets: Ein Wischen nach rechts führt zum Today-Startbildschirm, der ähnlich wie Google Discover aktuelle Nachrichten anzeigt, aber zusätzlich mit Widgets personalisiert werden kann.
Eine der größten Schwächen – neben dem Fehlen von 5G – sind die nicht vorhandenen Google-Dienste. Zwar liefert Huawei für einige davon mittlerweile gut funktionierende Alternativen, etwa Petal Maps, doch einen Ersatz für Google Pay gibt es nicht. Damit entfällt eine wichtige Bezahlmöglichkeit. Auch Banking-Apps lassen sich mangels entsprechender Dienste nicht nutzen.
Es gibt jedoch einen Trick, um mehr Android-Apps zu installieren: den Aurora Store. Die quelloffene Alternative zum Play Store kann über die Huawei Appgallery installiert werden und ermöglicht den Download vieler Apps aus dem Google Play Store – bis auf Google Pay. Dabei installiert der Store auch Komponenten von Micro G, einer Open-Source-Implementierung der Google Play-Dienste, die Apps ohne offizielle Google-Services nutzbar machen. Anschließend kann man sich mit einem Google-Konto im Aurora Store anmelden und zahlreiche Apps herunterladen. Sowohl Micro G als auch Aurora Store wurden unabhängig von Huawei entwickelt.
Trotz des schlanken Formfaktors verbaut Huawei einen kräftigen 5110-mAh-Akku. Die Laufzeit ist beeindruckend und erreicht fast das Niveau eines Outdoor-Smartphones. Im simulierten Battery Test von PCmark hielt das Mate X6 im gefalteten Zustand knapp 18 Stunden durch – einer der besten Werte in unseren Tests. Aufgeklappt kommt es im Dauerbetrieb auf rund 11 Stunden.
Zum Laden liegt ein 66-Watt-Netzteil bei. In den ersten 30 Minuten erreicht das Foldable damit fast 80 Prozent Ladekapazität, danach verlangsamt sich der Ladevorgang. Eine vollständige Aufladung dauert etwa eine Stunde. Kabelloses Laden wird ebenfalls unterstützt.
Das Huawei Mate X6 bleibt ein teurerer Spaß. Die UVP liegt typisch für ein Top-Foldable bei rund 1999 Euro. Das Modell in Nebula Red bekommt man derzeit schon ab 1299 Euro.
Huawei zeigt eindrucksvoll, wie ein Top-Foldable aussehen kann. Das Design wirkt elegant sowie tadellos verarbeitet. Die Akkulaufzeit ist herausragend. Die größte Stärke dürfte aber die Kamera sein, die gemeinsam mit dem Pixel 9 Pro Fold zu den besten in dieser Kategorie gehört.
Doch aufgrund der US-Sanktionen fehlen dem Smartphone einige Features, die in dieser Preisklasse eigentlich selbstverständlich sein sollten. So gibt es in der EU keine Möglichkeit für mobiles Bezahlen, 5G wird nicht unterstützt, und die Performance bleibt hinter der Konkurrenz zurück. Auch Google-Dienste fehlen, wenngleich sich über den Aurora Store mittlerweile viele wichtige Android-Apps installieren lassen.
Eine uneingeschränkte Kaufempfehlung ist daher schwierig. Wer ohne 5G und Google-Dienste auskommt, erhält ein exzellentes, hauchdünnes Foldable mit einer herausragenden Kamera. Wer hingegen nicht auf Google verzichten möchte, sollte sich das Honor Magic V3 genauer ansehen.
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