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Huawei Matepad 11 im Test: Schnelles Tablet mit 120 Hz-Display

Huawei MatePad 11
VORTEILE
  • starke Leistung
  • Display mit 120 Hz
  • hervorragender Sound
NACHTEILE
  • eingeschränktes Angebot der Appgallery 
  • kein Fingerabdrucksensor
  • Display spiegelt stark  

Das Matepad 11 von Huawei setzt auf Harmony OS und eine sehr starke Performance. Ob das neue Tablet mit der Konkurrenz mithalten kann, verrät unser Test.

Das Huawei Matepad 11 ist eines der ersten Endgeräte der Chinesen, das mit dem eigenen Betriebssystem Harmony OS auf den europäischen Markt kommt. Damit reagiert Huawei auf den Bann der US-Regierung, die den chinesischen Smartphone-Hersteller 2019 auf die Entity-Liste gesetzt hat. Dadurch ist es US-Unternehmen verboten, mit Huawei Geschäfte ohne Genehmigung abzuwickeln.

Das hat zur Folge, dass sämtliche neuen Geräte von Huawei komplett ohne Google-Dienste auskommen müssen. Das bedeutet kein Google Play Store, Maps, Gmail oder YouTube. Seither setzt Huawei verstärkt auf seinen eigenen Marktplatz für Apps, die Huawei Appgallery. Mit Harmony OS folgt nun ein eigenes Betriebssystem – auch wenn es weitgehend auf Android basiert.

Das Huawei Matepad 11 ist ein Tablet der Mittelklasse, das oberhalb des Huawei Matepad 10.4 (Testbericht), aber unterhalb der beiden Matepad-Pro-Modelle einzuordnen ist. Es stellt damit das Top-Modell der auf Konsumenten zugeschnitten Tablets von Huawei dar. Mit einem Bildschirm von fast 11 Zoll fällt es etwas größer aus als die meisten Konkurrenten.

Design

Das Huawei Matepad 11 setzt die Designelemente und Formsprache anderer Tablets aus dem Hause Huawei konsequent fort. Wie schon beim Huawei Matepad 10.4 (Testbericht) sind die Ecken besonders stark abgerundet. Das verleiht dem Tablet eine organische und weiche Note.

Die Verbreitung des Matepad 11 ist tadellos. Wie schon beim etwas kleineren Ableger Matepad 10.4 kommt eine Magnesiumlegierung zum Einsatz. Die sorgt für edle und hochwertige Haptik, ohne zu sehr aufs Gewicht zu schlagen. Die dunkelgraue Lackierung „Matte Grey“ unterstreicht den edlen Look. Powert-Button und Lautstärkewippe bieten einen festen und soliden Druckpunkt. Spaltmaße fallen faktisch kaum auf. Nicht so elegant gelöst ist die Ausbuchtung der Hauptkamera auf der Rückseite – diese ragt deutlich sichtbar und spürbar hervor.

Mit einer Abmessung von 253 x 165 x 7,3 Millimetern fällt das Matepad 11 etwas größer aus als das Samsung Galaxy Tab S6 (Testbericht) und entspricht eher einem Lenovo Tab P11 (Testbericht) oder Samsung Galaxy Tab S7. Mit einem Gewicht von 485 Gramm ist das neue Huawei-Tablet wegen seiner Größe zudem kein Leichtgewicht. Das Matepad 11 bewegt sich dabei allerdings leicht unter dem Niveau des Lenovo Tab P11 und Samsung Galaxy Tab S7. Das ähnlich große iPad Pro 11 wiegt weniger.

Display

Der Bildschirm misst in der Diagonale fast 11 Zoll und bietet eine WQXGA-Auflösung von 2560 x 1600 Pixel. Das führt zu einer bei einem Tablet sehr hohen Pixeldichte von 276 ppi. Damit sind Pixel für das menschliche Auge kaum noch wahrzunehmen. Zum Vergleich: Das iPad Air 4 bietet eine Pixeldichte von 265 ppi, das Samsung Galaxy Tab S6 (Testbericht) kommt sogar auf 288 ppi.

Huawei nutzt wie Apple bei den iPads ein IPS-LCD. Samsung setzt bei seinen Top-Modellen hingegen auf OLED-Technologie. Besonders hervorzuheben ist die Bildwiederholrate von 120 Hz. Dadurch wirken Inhalte auf dem Bildschirm besonders flüssig. Das gibt es bei Tablets derzeit nur beim iPad Pro.

Der Bildschirm sorgt für ein gutes Bild mit kräftigen Farben, einer hohen Farbraumabdeckung sowie ausgeprägten Kontrasten. Dank IPS-Panel ist die Blickwinkelstabilität aus allen Richtungen ordentlich. Die Screen-to-Body-Ratio ist mit 86 Prozent für ein Tablet ausgezeichnet. Diese Rate verdeutlicht, wie viel Display-Fläche im Verhältnis zur Gerätegröße verfügbar ist. Das Galaxy Tab S6 von Samsung kommt hier auf knapp 83 Prozent, das iPad Air 4 auf 82 Prozent.

Die maximale Helligkeit fällt mit 500 cd ⁄m² für ein Tablet sehr hoch aus und bewegt sich auf dem Niveau des iPad Air 4. Das helle Display sorgt dafür, dass es auch im Freien bei gutem Wetter noch gut ablesbar bleibt. Allerdings spiegelt der Bildschirm ungewöhnlich stark. Knallt die Sonne direkt auf das Matepad, kann man es trotz der hohen Helligkeit nur eingeschränkt ablesen. Da hilft nur eins: ab in den Schatten!

Kamera

Die Kameras beim Matepad 11 entsprechen einfacher Standardkosten: 13 Megapixel mit LED-Blitz hinten und 8 Megapixel vorne. Damit gelingen sogar ordentliche Fotos mit ausreichend Bilddetails und überschaubarem Bildrauschen für gelegentliche Schnappschüsse. Aufgrund der Größe des Tablets dürfte allerdings niemand das Gerät als Kamera in den Urlaub mitnehmen. Abgesehen von einem digitalen Zoom gibt es keine besonderen Features. Videos sind sogar in 4K möglich, allerdings nur bei 30 fps. Die App empfiehlt mit 1080p zu filmen. Mangels Bildstabilisator wackeln die Videoaufnahmen recht stark.

Die Frontkamera liefert ebenfalls eine solide Bildqualität, die für Selfies und Videokonferenzen über Zoom, Teams oder Skype mehr als ausreichend ist. Die vordere Kamera entsperrt auf Wunsch über Bilderkennung das Tablet, was sogar bei mäßigen Lichtverhältnissen noch funktioniert. Wir empfehlen dennoch eine Sicherung per PIN, da die Bildentsperrung mit 2D-Technik zu einfach getäuscht werden kann.

Ausstattung

Die Hardware sorgt für einige Überraschungen beim Matepad 11. Die CPU stammt von niemand geringerem als Qualcomm – trotz US-Bann gegen Huawei. Der verwendet Snapdragon 865 bietet kein 5G, sorgt aber sonst für eine Top-Performance mit acht Kernen, vier ARM Cortex-A77 und vier ARM Cortex-A55. Laut dem Benchmark-Test Work 3.0 von PCmark erreichen wir damit über 9400 Punkte. Das liegt schon auf dem Niveau eines Smartphones der oberen Mittelklasse. Schneller war bei unseren Tablets im Test bisher nur das teure Samsung Galaxy Tab S7+ (Testbericht) mit über 12.500 Punkten.

Die Adreno-650-iGPU von Qualcomm sorgt für starke Leistung bei 3D-Grafiken. Im Benchmark-Test „Wildlife“ von 3Dmark erreichen wir satte 3800 Punkte. Die Performance macht sich bei Spielen bemerkbar, was das Matepad 11 zu einem vollwertigen Gaming-Tablet macht. Asphalt 9 lädt in nur wenigen Sekunden und läuft sehr flüssig – selbst bei hohen Details. Für genug Arbeitsspeicher ist mit 6 GByte RAM ebenfalls gesorgt.

Das Matepad 11 verfügt je nach Version über 64 GByte oder 128 GByte internen Speicher. Der Micro-SD-Karten-Slot erlaubt die Aufrüstung auf bis zu 1 TByte, überraschenderweise handelt es sich nicht um einen Steckplatz für Nano Memory Card von Huawei. Der USB-C-Anschluss unterstützt USB 3.0. Einen Klinkenstecker für Kopfhörer gibt es leider nicht, dafür liegt ein Adapter für den USB-C-Steckplatz bei. Ein Fingerabdrucksensor fehlt ebenfalls. Bei der kabellosen Konnektivität ist alles auf dem neuesten Stand: Wi-Fi 6 und Bluetooth 5.1. Ferner verfügt das Tablet über Licht-, Temperatur-, Lage-, Beschleunigungs- und einen Hallsensor sowie GPS. Sehr beeindrucken ist der Sound des Tablets – die vier Speaker sorgen für eine räumliche und ausgewogene Beschallung beim Streaming oder Gaming. Die Lautstärke erreicht einen hohen Pegel, ohne zu übersteuern.

Die größte Neuerung betrifft die Software: Das Matepad 11 setzt bereits das neue Betriebssystem Harmony OS in Version 2.0 ein. Dabei handelt es sich nicht um eine völlige Neu- und Eigenentwicklung, sondern einen Android-Fork. Das Betriebssystem weiß aber zu überzeugen, läuft sehr flüssig und bietet eine intuitive Gestensteuerung. Der Sicherheitspatch stammt vom 1. Juli und ist somit aktuell.

Weiterhin können Nutzer apk-Dateien aus anderen Quellen nutzen. Hierzu unterstützt die Suchmaschine Petal der Nutzer bei der Suche nach Apps, die es nicht im eigenen Appstore gibt. Sie durchforstet das Netz nach apk-Dateien von anderen Webseiten, die man auf dem Tablet installieren kann. Zuvor prüft der Virenscanner die Datei nach Malware und bittet um eine Erlaubnis, die App über Petal oder den Browser einzuspielen. Das ist auch nötig, denn im Angebot der Huawei Appgallery fehlen nahezu alle wichtigen Apps von US-Anbietern, seien das Facebook, Netflix, Disney+ oder YouTube.

Apps aus dem Sideloading beziehen allerdings keine automatischen Updates, hier muss sich der Nutzer um alles selbst kümmern. Zudem besteht die Gefahr, sich so Malware einzufangen, auch wenn das System die apk-Dateien vor der Installation prüft. Dafür finden sich europäische Streaming-Dienste wie Sky Ticket oder Joyn und beliebte Spiele wie Angry Birds oder Asphalt 9. Banking-Apps sind hingegen Mangelware, nur die Sparda- und Targobank sind mit einer eigenen App vertreten. Wer auf YouTube nicht verzichten will, muss den Browser nutzen. Dann funktioniert allerdings nicht die Anmeldung mit dem Google-Konto. Netflix über den Browser funktioniert ebenfalls nicht. Wenigstens in der Mail-App von Huawei ist eine Anbindung an Gmail möglich. Als Maps-Alternative kommt Petal Maps zum Einsatz und macht einen guten Eindruck.

Akku

Der Lithium-Polymer-Akku verfügt über eine Kapazität von 7250mAh. Im Battery Test von PCmark kamen wir auf eine Laufzeit von knapp über 11 Stunden. Das ist ein guter Wert, wenn man bedenkt, dass das Display mit 120 Hz arbeitet. Das beigelegte Netzteil bietet eine maximale Leistung von 22,5 Watt. Damit ist das Tablet in knapp 2 Stunden wieder aufgeladen. Kabelloses Laden des Tablets über Qi ist nicht möglich.

Preis und Zubehör

Das Huawei Matepad 11 gibt es in den drei Farben Matte Grey (Dunkelbau), Isle Blue (Hellblau) und Olive Green (Grün). Das Tablet mit 64 GByte Speicher hat eine UVP von knapp 400 Euro. Für die Variante mit 128 GByte Speicher sind 500 Euro fällig. Wer sich als Huawei Store Member registriert, erhält derzeit 50 Euro Rabatt auf das Matepad 11 mit 128 GByte direkt bei Huawei.

Als Zubehör für das Matepad 11 gibt es mit dem M-Pencil einen Stylus sowie mit dem Smart Magnetic Keyboard eine Schutzhülle mit integrierter Tastatur. Wer derzeit das Matepad 11 bei Huawei kauft, bekommt sowohl den Stylus als auch die Tastatur kostenlos dazu. Normalerweise kostet das Zubehör jeweils 100 Euro.

Das Smart Magnetic Keyboard haftet magnetisch am Matepad 11 und verbindet sich automatisch mit dem Tablet. Zusammengeklappt dient die Tastatur als Schutzhülle. Die Stromversorgung der Tastatur erfolgt schnurlos. Die Tasten sind klein und etwas laut im Anschlag. Das Tippen von Notizen oder einer E-Mail funktioniert damit aber gut. Der M-Pencil erlaubt Zeichnungen und handschriftliche Notizen sowie die Bedienung des Tablets. Dieser haftet ebenfalls magnetisch am rechten oberen Rand des Gehäuses, wo der Stylus kabellos aufgeladen wird. Unterwegs sollte man ihn aber woanders sicher verstauen.

Fazit

Das Huawei Matepad 11 muss sich in Sachen Design, Verarbeitung und Leistung nicht hinter Top-Tablets von Samsung verstecken. Der Snapdragon 865 sorgt für Leistung auf Oberklasse-Niveau und macht das Tablet fit für Spiele. Das helle Display hinterlässt einen guten Eindruck und liefert dank 120 Hz ein flüssiges Bild. Der Sound ist ebenfalls überzeugend. Harmony OS erweist sich als überzeugende Verbesserung von Android. Für einen Preis ab 400 Euro bekommt man sonst nirgends ein so leistungsstarkes Tablet.

Wäre nicht das Problem mit dem US-Bann, würden wir dem Matepad 11 glatte 5 Sterne geben. So reicht es aber nur für 4 Sterne. Da liegt einfach am stark eingeschränkten App-Angebot ohne US-amerikanische Zugpferde wie Google, Microsoft, Netflix oder Disney. Zwar erlaubt das Betriebssystem die Installation von Apps aus anderen Quellen, dieses Vorgehen bleibt aber immer mit einem Restrisiko behaftet, an Malware zu gelangen oder wichtige Updates für die Anwendungen nicht zu bekommen. Denn um die muss man sich selbst kümmern. Wer ohnehin kein Fan von Google-Diensten ist, kann hier zugreifen.

Noch leistungsstärker unter den Android-Tablets ist das Samsung Galaxy Tab S7+ (Testbericht) mit 12-Zoll-Display – kostet aber nahezu doppelt so viel. Eine dünne und leichte Alternative mit hervorragender Ausstattung ist das Samsung Galaxy Tab S6 (Testbericht). Wer nicht so viel Leistung braucht, aber dennoch ein 11-Zoll-Display nutzen will, sollte einen Blick auf das deutlich günstigere Lenovo Tab P11 (Testbericht) werfen. Weitere Alternativen finden sich in unserer Kaufberatung Tablet: Was darf ein gutes Tablet kosten?