Lukasz beschäftigt sich seit über 15 Jahren als Redakteur mit Smartphones, Apps, Gadgets und Content-Marketing. Seit 2021 arbeitet er für Heise Medien und ist derzeit leitender Redakteur bei Heise Bestenlisten. Der studierte Historiker aus Tübingen begeistert sich sonst für Fitness, Fußball, Fotografie sowie basslastige Musik.
Das neue Flagship von Huawei verspricht die vielleicht beste aktuelle Kamera. Ob das zutrifft und wie sich das P60 Pro in der Praxis schlägt, zeigt unser Test.
Trotz Sanktionen wird Huawei nicht müde, neue Smartphones auf den Markt zu bringen. Das neueste Top-Modell der Chinesen ist das Huawei P60 Pro. Der Fokus liegt hier neben starker Hardware vor allem auf der Kamera. Mit dem Huawei Mate 50 Pro (Testbericht) präsentierte der Smartphone-Hersteller letztes Jahr ein Gerät mit variabler Blende bei der Hauptkamera. Diese Funktion findet sich nun auch im Huawei P60 Pro. Zusätzlich verspricht der Hersteller hochwertige Fotoaufnahmen bei allen Lichtverhältnissen – insbesondere Dunkelheit.
Wie gut sich das Flagship aus China schlägt und ob uns die Kamera überzeugen kann, zeigt dieser Test. Weitere hochwertige Smartphones zeigen wir in der Top 10: Die besten Smartphones 2023.
Mit einem eleganten und schlanken Design hinterlässt das Huawei P60 Pro gleich nach dem Auspacken einen hervorragenden Eindruck. Das Display ist an allen Seiten leicht gebogen, die Rückseite aus Glas ebenfalls. So schmiegt sich das P60 Pro angenehm in die Hand. Fürs einhändige Bedienen ist das Smartphone schon etwas zu groß geraten (Abmessungen: 161 × 74,5 × 8,3 mm, Gewicht: 200 g).
Die Gestaltung der Glasrückseite gefällt uns sehr gut. Bei unserem Testgerät handelt es sich um das schwarze Modell. Dieses bietet hinten eine Oberfläche in einer rauen Optik, die an Sandstein erinnert. Das erhöht den Grip, Fingerabdrücke sind darauf nicht zu erkennen. Es gibt zudem eine weiße Variante in Marmor-Optik (Rococo Pearl). Dabei weist jedes Handy eine einmalige Maserung auf.
Das Hauptthema des Huawei P60 Pro ist die Kamera – was sich auch am Design zeigt. So erinnert das matte schwarz schon an eine klassische Systemkamera. Die drei Linsen auf der Rückseite sind zudem in einem hervorstehenden Element angeordnet, sodass sie an eine Fotokamera erinnern. Die Hauptlinse ist besonders groß und mittig angeordnet. Sie symbolisiert das Objektiv bei einem echten Fotoapparat. Links und rechts davon befindet sich die kleineren Tele- und Weitwinkellinsen.
Die Verarbeitung ist tadellos und hochwertig. Spaltmaße gibt es keine, sämtliche Tasten bieten einen festen Druckpunkt. Lediglich die aufgeklebte Displayschutzfolie wirkt etwas deplatziert, wenn man mit den Fingern über die Vorderseite des Geräts fährt. Nach einigen Tagen in der Sonne waren kleinere Blasen darunter zu sehen. Sollte sich diese zu sehr abnutzen, kann man sie abziehen und bei Bedarf durch eine andere Schutzfolie ersetzen.
Eine Schutzhülle aus Silikon liegt bei. Wir raten dazu, diese zu nutzen, denn das Gerät wirkt nicht so widerstandsfähig, auch wenn der Bildschirm von der neuesten Variante von Kunlun Glass geschützt wird – die chinesische Antwort auf Gorilla Glass. Diese soll das Display zusätzlich vor einem Bruch schützen. Wir haben es aber nicht über das Herz gebracht, das schicke Smartphone auf den Boden fallen zu lassen. Wie es sich für Flagships gehört, besitzt das P60 Pro eine IP68-Zertifizierung und ist somit hinreichend vor Süßwasser bis in eine Tiefe von einem Meter geschützt.
Wirklich erstklassig – wenn auch kaum überraschend – ist das OLED-Display mit einer Diagonale von 6,67 Zoll. Die Auflösung von bis zu 2700 × 1220 Pixel sorgt für ein knackscharfes Bild mit 444 ppi (Pixel pro Zoll), das aus nahezu allen Winkeln ein gleichmäßiges Bild bietet. Farben und Kontraste sind stark ausgeprägt und liefern eine Top-Bildqualität. Die Bildwiederholrate variiert je nach Bedarf automatisch zwischen 1 und 120 Hertz. Das Panel ist zudem strahlend hell, selbst bei Sonnenschein konnten wir den Bildschirm gut ablesen. Laut unseren Messungen kamen wir dabei auf knapp unter 1000 cd/m² – was ein starker Wert ist. Noch heller strahlt das Samsung Galaxy S23 Ultra (Testbericht).
Der ganze Stolz der Macher hinter dem Huawei P60 Pro ist erneut die Kamera. Schon seit vielen Jahren macht sich Huawei hier einen guten Namen. Laut DXOMARK ist das Huawei P60 Pro sogar der aktuelle Spitzenreiter der Smartphone-Kameras. Mit einer endgültigen Einschätzung im Vergleich zur Konkurrenz tun wir uns schwer, da wir nicht zeitgleich bei exakten Lichtbedingungen die Geräte parat hatten.
Die Hauptlinse mit 48 Megapixel und optischem Bildstabilisator bietet eine variable Blendenöffnung in zehn Stufen von f/1.4 bis f/4.0. Im Pro-Modus können Fotografen dies manuell auswählen, ansonsten übernimmt es die Software automatisch. Standardmäßig fasst die Linse vier Bildpunkte zu einem größeren zusammen. Das sorgt für mehr Details bei schwierigen Lichtverhältnissen. Bei Bedarf kann man händisch auch die vollen 48 Megapixel abrufen. Ebenfalls 48 Megapixel bietet das Periskop-Teleobjektiv, dieses kommt auch beim Makromodus zum Einsatz statt der Weitwinkellinse wie bei vielen anderen Herstellern. Als dritte Linse kommt ein Weitwinkelobjektiv mit 13 Megapixel zum Einsatz. Für Selfies dient ein Objektiv mit ebenfalls 13 Megapixeln.
Die Kamera ist exzellent. Bei Tag gelingen gestochen scharfe Aufnahmen mit starkem Dynamikumfang und üppigen Bilddetails. Das Gleiche gilt für Bilder der Telelinse, die bei 3,5-facher Vergrößerung keinerlei Schwächen zeigen und auch bei zehnfachem Hybrid-Zoom noch klasse aussehen. Weitwinkelaufnahmen fügen sich nahtlos ein und überzeugen. Die Telelinse übernimmt eine Sonderrolle beim P60 Pro. Sie ist auch für Makroaufnahmen zuständig. Das erlaubt detaillierte Fotos aus einer sehr nahen Perspektive, ohne dass man sehr nah an ein Objekt heranmuss. In den meisten Fällen klappt das gut, mitunter stellt sich der Fokus nicht immer gleich auf Anhieb wie gewünscht ein.
Das Huawei P60 Pro schießt auch bei Dunkelheit gute Bilder. Perfekt sind die Ergebnisse unserer Erfahrung nach aber nicht. Der Nachtmodus hellt Aufnahmen effektiv auf, führt aber zu sichtbarem Bildrauschen, wenn nur noch wenig Umgebungslicht vorhanden ist. Setzt man die Weitwinkellinse oder das Teleobjektiv ein, kann man dann nur mit mäßig scharfen Aufnahmen rechnen.
Selfies wiederum überzeugen mit scharfen und farbenfrohen Aufnahmen, die unterschiedlich stark ausgeprägte Weitwinkel erlauben. Videos sind mit der Hauptkamera in 4K mit 60 fps (Frames pro Sekunde) möglich und wirken sehr stabil und scharf. Mit der Frontkamera ist 4K mit 30 fps möglich, 60 fps sind hier nur bei Full-HD drin.
Die Kamera ist wirklich exzellent, aber bei Dunkelheit nicht unfehlbar. Sie kann unserer Meinung nach definitiv mit starken Konkurrenten wie dem Google Pixel 7 Pro (Testbericht), Samsung Galaxy S23 Ultra (Testbericht) oder Honor Magic 5 Pro (Testbericht) mithalten. Neue Maßstäbe setzt sie höchstens im Detail.
Spätestens beim Blick unter die Haube des P60 Pro merkt man wieder die Folgen der US-Sanktionen gegen das Unternehmen. Als CPU kommt eine angepasste Variante des Snapdragon 8 Plus Gen 1 zum Einsatz – aber ohne 5G. Diese Netztechnologie steht aufgrund des Banns Huawei nicht zur Verfügung, ebenso wenig die neuste Generation der Qualcomm-Chips.
Im Alltag macht sich das nicht groß bemerkbar. Aber bei dem Preis des Geräts bleibt doch ein negatives Gefühl, nicht die neuste Technologie zu bekommen. Bei der Software zeigt sich das noch drastischer, aber dazu später mehr. Der Prozessor ist verdammt schnell, was das Huawei P60 Pro zum vollwertigen Gaming-Smartphone macht. Das zeigen 11000 Punkte bei PCmark sowie 2800 Punkte aus „Wild Life Extreme“ von 3Dmark. Schneller ist hier nur der neue Snapdragon 8 Gen 2 – aber die Unterschiede dürften sich noch an Benchmarks zeigen. Das P60 Pro ein Gerät, das weder zögert noch ruckelt.
Als Arbeitsspeicher kommen 8 GByte RAM sowie ein interner Speicher mit 256 GByte zum Einsatz, es gibt zudem eine Ausführung mit 12/512 GByte. Eine Erweiterung auf zusätzlich 256 GByte ist möglich, allerdings nur mit dem eigenen Standard NM-Card – microSD geht hier nicht. Die runde Ausstattung komplettieren ein flotter Fingerabdrucksensor im Display, USB-C 3.1, Wifi 6, Bluetooth 5.2, NFC, ein Infrarot-Port etwa für Huawei-Fernseher. Sogar ein Barometer ist an Bord. Zur Ortung nutzt das Handy A-GPS, Glonass, Beidou, Galileo, QZSS und Navic. Die Telefonqualität ist tadellos, die Stereolautsprecher bieten zudem einen ordentlichen Klang.
In Europa läuft das Huawei P60 Pro nicht mit Harmony OS, sondern einer stark angepassten Android-Version mit der hauseigenen Bedienoberfläche EMUI. Zum Testzeitpunkt stammte der Patch von März, hier sollte schnellstens ein Update folgen.
Die Achillesverse sind nach wie vor die fehlenden Google-Dienste. Apps von US-Unternehmen wie Netflix, Youtube oder Facebook gibt es in der Huawei App Gallery gar nicht. Das Gleiche gilt für viele Banking-Apps aus Deutschland. Die Petal-Suche durchforstet das Netz allerdings nach alternativen Download-Quellen für APK-Dateien. Hier muss man dann aber eigenständig entscheiden, ob man diese für vertrauenswürdig hält und einer Installation zulassen will.
Huawei arbeitet unermüdlich daran, das Angebot der App Gallery zu erweitern oder eigene Dienste anzubieten wie Petal Maps. So gibt es etwa Tinder auch für Huawei und Käufer des Smartphones bekommen sogar für 6 Monate ein Premium-Abo umsonst dazu (wie passend, dass Selfies gut aussehen). Am Ende wird es aber oft dazu kommen, dass ein beliebter Dienst nicht oder nur über Umwege den Weg aufs Handy findet. Wer ohnehin Google-Dienste meidet, wird sich daran nicht stören. Aber verglichen mit Android oder iOS werden Nutzern schon ein paar Steine in den Weg gelegt.
Wirklich gut ist die Akkulaufzeit. Hier macht sich der Snapdragon 8 Plus Gen 1 bemerkbar. Trotz schlankem Gehäuse packt Huawei einen Akku mit 4815 mAh ins P60 Pro. Beim Battery Test von PCmark erreichen wir Werte um die 13,5 Stunden. Das ist top und kann mit dem Samsung Galaxy S23 Ultra (Testbericht).
Geladen wird das Handy mit 88 Watt. Das ist viel im Vergleich zu Apple, Google oder Samsung, aber mittlerweile wenig, wenn man an Motorola, Xiaomi oder Honor denkt. So lädt das Xiaomi 13 Pro (Testbericht) mit brachialen 120 Watt in weniger als 30 Minuten auf. Allerdings benötigt das Huawei P60 Pro nur unwesentlich länger, von 20 auf 100 Prozent vergehen knapp 35 Minuten. Wirklich stark sind die 50 Watt beim kabellosen Laden, die das Gerät beherrscht.
Huawei betont, dass großartige Produkte einen angemessenen Preis benötigen. 1200 Euro für ein Smartphone, das wegen Sanktionen nicht in allen Bereichen Spitzentechnologie nutzen darf und ohne Google auskommen muss, sind dann eine Menge Geld. Hier muss man schon ein Fanboy sein. Für die Variante mit 512 GByte kommen nochmals 200 Euro dazu. Erhältlich ist das P60 Pro in Schwarz sowie Weiß (Rococo Pearl) mit Marmoreffekt.
Wer das Gerät bei Ebay kauft, bezahlt mit dem Gutscheincode POWEREBAY4 derzeit 1151 Euro. Direkt im Store von Huawei bekommen Käufer eine Huawei Watch GT 3 (Testbericht) kostenlos dazu.
Ohne Zweifel, das Huawei P60 Pro ist ein tolles Smartphone mit einer exzellenten Kamera. Allerdings muss man schon ein großer Fan sein oder Google wirklich nicht mögen, um zum P60 Pro zu greifen. Aufgrund der Sanktionen müssen Käufer einige Abstriche machen – Google-Dienste, viele US-Apps sowie 4G statt 5G oder Snapdragon 8 Plus Gen 1 statt Snapdragon 8 Gen 2. Das alles zum stolzen Preis von mindestens 1200 Euro. Dafür hätten wir von der hervorragenden Kamera doch mehr erwartet, um die anderen Nachteile wettzumachen.
Wer ohnehin keine Google-Dienste nutzt und liebend gerne Fotos mit dem Handy schießt, bekommt hier ein gewohnt starkes Produkt aus Shenzhen. Wer Google nicht verzichten will, bekommt ebenfalls richtig starke Flagships mit Android. Zu nennen wären hier das Honor Magic 5 Pro (Testbericht), Google Pixel 7 Pro (Testbericht), Xiaomi 13 Pro (Testbericht) sowie Xiaomi 13 (Testbericht). „Fast ein Schnäppchen“ ist im Vergleich das Motorola Edge 40 Pro (Testbericht).
Weitere Premium-Geräte zeigt unsere Top 10: Die besten Smartphones 2023. Günstige Möglichkeiten für Fotoliebhaber präsentieren wir in der Top 10: Diese Smartphones bis 400 Euro haben die beste Handykamera.
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