Lukasz beschäftigt sich seit über 15 Jahren als Redakteur mit Smartphones, Apps, Gadgets und Content-Marketing. Seit 2021 arbeitet er für Heise Medien und ist derzeit leitender Redakteur bei Heise Bestenlisten. Der studierte Historiker aus Tübingen begeistert sich sonst für Fitness, Fußball, Fotografie sowie basslastige Musik.
Die Huawei Watch D2 erinnert an eine übergroße Apple Watch, hat aber ein Alleinstellungsmerkmal: Blutdruckmessung per Manschette. Ein EKG erstellt sie auch.
Als Huawei uns 2022 die Watch D erstmals präsentierte, waren wir ganz schön verblüfft: Eine Smartwatch, die Blutdruck messen kann wie eine Manschette – samt 1-Kanal-EKG und weiteren üblichen Features einer Smartwatch. Zwar können auch die Samsung Galaxy Watch 7 und Watch 8 sowie Watch Ultra in Verbindung mit einem Samsung-Handy und einer Manschette zur Kalibrierung annähernd bestimmen, aber die Lösung von Huawei verspricht eine echte und genauere Messung.
Mit der Huawei Watch D2 steht ein Nachfolger bereit. Das wuchtige Design wirkt jetzt weniger klobig, erinnert aber verdächtig an den Smartwatch-Pionier aus Cupertino. Wir haben die Gesundheitsuhr getestet.
Erstmalig haben wir die Watch D2 Ende September 2024 getestet. Mit der 2025er-Variante haben wir Anfang November 2025 auch das Modell mit neuem Armband in Blau unter die Lupe genommen. Technisch ist die Smartwatch identisch mit den anderen D2-Varianten, bekommt aber neben dem neuen Band neue Software-Features, die die älteren Modelle erst per Update erhalten.
So genial die Watch D ist – einen Schönheitswettbewerb würde sie nicht unbedingt gewinnen. Die Smartwatch ist alles andere als filigran, wirkt aber beim Design dennoch deutlich filigraner. Wie so viele in der Branche bedient man sich am Standard-Design von Apple: Rechteckiges Gehäuse, Krone im oberen Bereich und ein weiterer Button. Schutz vor Wasser hat man nach IP68. Zum Schwimmen oder Tauchen sollte man die Uhr eher nicht tragen.
Die Watch D2 sieht verglichen mit dem klobigen Vorgänger dennoch ansehnlicher aus. Die Abmessungen sind mit 48 × 38 × 13,3 mm bei einem Gewicht von 40 g sehr ausgeprägt. Eine Besonderheit bringt die Schließe mit sich. Vorab misst man den Umfang des Handgelenks mit einem Messstreifen, der im Lieferumfang enthalten ist. Anschließend wählt man dazu das passende Loch aus.
Für unseren Geschmack sitzt die Uhr damit etwas eng am Handgelenk, zumindest beim 2025er-Modell. Bei der Variante aus dem Jahr 2024 wirkte der Sitz etwas luftiger. Man muss sich also erst an die Uhr gewöhnen. Weil sich die Manschette aufpumpt, um den Blutdruck zu messen, muss die Uhr gut und fest sitzen.
Das OLED-Display ist mit 1,82 Zoll gegenüber dem Vorgänger mit 1,64 Zoll abermals größer geworden. Die Anzeige ist gestochen scharf bei einer Auflösung von 408 × 480 Pixel und einer Pixeldichte von 347 PPI. Eine automatische Helligkeitsanpassung ist vorhanden, die laut Huawei bis 1500 Nits erreicht. Im Freien bleibt die Uhr so stets ablesbar.
Aufgrund der US-Sanktionen gegen das chinesische Unternehmen muss man die Health App per Sideload aus anderen Quellen installieren. Alternativ gibt es die Anwendung im Galaxy Store von Samsung oder App Market von Honor. Im Apple App Store ist die App hingegen zu finden.
Das Betriebssystem Harmony OS ähnelt beim Interface anderen Smartwatches von Huawei wie der Watch GT 5 und GT 6. Die Uhr funktioniert mit Android-Smartphones und iPhones, bietet aber selbst kaum Apps. Neben Petal Maps gibt es eine Stoppuhr, Timer, Wecker und Taschenlampe. Zudem kann man eingehende Benachrichtigungen lesen, Antworten sind nur über vorgefertigte Kurztexte möglich.
Die Steuerung der Smartwatch erfolgt wie bei allen Huawei-Uhren gewohnt intuitiv. Das vorinstallierte Watchface zeigt neben der Uhrzeit und dem Datum auch den Puls sowie die letzten Blutdruckmessungen an. Durch Wischen nach rechts gelangt man zu den maximal sechs Karten. Das sind Widgets mit einer Übersicht der Funktionen der Uhr, etwa der Blutdruckmessung, einer 24-Stunden-Herzfrequenzübersicht, der Blutsauerstoffmessung, der Schlafanalyse und der Wettervorhersage. Anpassungen der Karten sind möglich, auch alternative Watchfaces stehen zur Auswahl.
Die untere Taste ruft standardmäßig die Blutdruckmessung auf, kann aber auch mit anderen Funktionen belegt werden, während die „Home“-Taste in der Krone die App-Übersicht oder wieder den Startbildschirm aufruft. Doppeltes Drücken der Krone ruft alle offenen Anwendungen auf. Die Watch D2 reagiert zügig, das Betriebssystem läuft flüssig und Apps öffnen sich schnell. Der Bildschirm setzt Touch-Eingaben und Wischgesten prompt und ohne Verzögerung um.
Die Huawei Watch D2 bietet über 70 Sportmodi, darunter Gehen, Radfahren, Rudern und Seilspringen. Verglichen mit einem Pulsbrustgurt von Polar wich der Herzschlag bei der D2 höchstens um zwei Schläge ab – selbst bei intensivem Training mit vielen Belastungswechseln.
Im Test überzeugte die Smartwatch durch präzise Schritterfassung. Dank integriertem GPS lassen sich Radtouren und Laufstrecken genau erfassen und anschließend kartografisch darstellen. Eine automatische Trainingserkennung für Laufen, Gehen, Rudern und Crosstrainer ist möglich: Die Watch D2 fragt dann von selbst, ob die Aktivität aufgezeichnet werden soll.
Für Läufer stehen mehr als ein Dutzend Trainingskurse mit unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen zur Verfügung. Nutzer können individuelle Ziele festlegen, etwa eine bestimmte Kilometerzahl oder den Kalorienverbrauch. Während des Trainings zeigt die Uhr die wichtigsten Parameter an, während die Huawei Health-App detailliertere Analysen bietet, etwa zur Belastung des Körpers und zur empfohlenen Regenerationszeit. Sie bietet auch Atemübungen, um den Stress zu reduzieren.
Das Alleinstellungsmerkmal der Huawei Watch D2 ist wie beim Vorgänger die Blutdruckmessung, die nicht über optische Sensoren erfolgt, sondern mit einer aufpumpbaren Manschette. Daten zu Größe, Gewicht oder Alter müssen nicht hinterlegt werden, sodass die Messung direkt nach dem Anlegen der Uhr gestartet werden kann. Die Dauer der Messung entspricht in etwa der eines herkömmlichen Blutdruckmessgeräts, und Huawei gibt eine maximale Abweichung von drei Millimetern Quecksilbersäule an.
Wichtig ist, dass man das Armband abhängig vom Handgelenkumfang anpasst. Unsere Tests im Vergleich mit einem professionellen Messgerät beim Hausarzt zeigten nur minimale Abweichungen, was die Watch D2 für präzise Blutdruckmessungen geeignet macht. Bei auffälligen Werten sollte dennoch ein Arzt konsultiert werden.
Ein Zertifikat des TÜV Rheinland sowie eine medizinische Zertifizierung sind für die Blutdruckmessung vorhanden. Huawei verweist auf lobende Stimmen von Ärzten zur Erkennung von kardiovaskulären Erkrankungen mit der Watch D2.
Eine farbige Skala auf dem Display zeigt an, ob die Werte im unbedenklichen (grün), leicht erhöhten (orange) oder kritischen (rot) Bereich liegen. Die Messergebnisse lassen sich in der Huawei Health-App protokollieren und analysieren, wobei auch zusätzliche Informationen wie Aktivitäten ergänzt werden können.
Zusätzlich überwacht sie die Atemfrequenz im Schlaf und kann auf Wunsch für die ambulante Blutdruckmessung (ABMP) den Blutdruck nachts automatisch alle 30, 45 oder 60 Minuten messen. Nachts übernimmt die Uhr dies automatisch, tagsüber erinnert sie den Träger daran, eine Messung durchzuführen.
Die Uhr kann ein 1-Kanal-EKG aufzeichnen, indem man den Finger seitlich auf die untere Taste legt. Außerdem misst sie den Sauerstoffgehalt im Blut und die Hauttemperatur. In Kombination mit der Temperaturmessung bietet sie ein Zyklus-Tracking für Frauen, inklusive einer Vorhersage des nächsten Eisprungs. Zusätzlich stehen Atemübungen zur Stressreduktion bereit.
Die Huawei Watch D2 bietet eine Schlafanalyse, die in der Health-App die Schlafphasen in leicht, tief und wach unterteilt. Die Ergebnisse sind weitgehend plausibel, allerdings erkennt die D2 Wachphasen nachts nicht immer zuverlässig und weicht hier stärker von einem Smart Ring ab – ein Verhalten, das wir auch bei früheren Huawei-Uhren im Test beobachtet haben.
Mit der 2025er-Version erhält die Watch D2 mehrere neue Funktionen. Bei der Ausführung mit blauem Armband sind diese Software-Features bereits ab Werk enthalten. Frühere Modelle bekommen sie per Software-Update nachgeliefert.
Der Gesundheitsüberblick („Health Overview“) zeigt jetzt mehr Details und liefert neue Health Insights. Eine CE-zertifizierte Pulswellen-Arrhythmie-Analyse erkennt jetzt Herzrhythmusstörungen noch genauer. Neu ist auch die Schlaf-HRV-Messung, die die Herzratenvariabilität im Schlaf erfasst und so den Erholungszustand besser bewertet. Die Erinnerungsfunktion hilft, Blutdruckmessungen individuell zu planen – bis zu zehn am Tag. Obendrein gibt es neue Watchfaces, mit denen sich das Design der Uhr anpassen lässt.
Die Huawei Watch D2 bietet neben Blutdruckmanschette, Pulsmessung, optischem Sensor und EKG-Funktion auch GPS, NFC und Bluetooth. Zudem sind Sensoren für Beschleunigung, Gyroskop, Herzfrequenz, Umgebungslicht, Temperatur und Differenzialdruck verbaut. Eine hierzulande verfügbare Bezahlfunktion gibt es allerdings nicht.
Die Watch D2 besitzt einen internen Musikspeicher, auf den sich Titel über die Health App übertragen und anschließend ohne Smartphone per Bluetooth-Kopfhörer abspielen lassen. Eine Anbindung an Spotify ist aber nicht möglich.
Huawei nennt eine Akkulaufzeit von rund sechs Tagen. Das hängt davon ab, wie oft Blutdruck- und EKG-Messungen erfolgen, ob das Always-on-Display aktiv ist und wie häufig das GPS beim Training genutzt wird. Im Test hielten wir knapp sechs Tage ohne Always-on-Display durch – inklusive nächtlichem Tragen und etwa drei Blutdruckmessungen pro Tag. Mit jeder zusätzlichen Messung sinkt die Laufzeit entsprechend.
Die UVP für die Huawei Watch D2 liegt bei 399 Euro. Erhältlich ist das Modell von 2024 in Gold mit weißem Lederarmband ab 349 Euro sowie in Dunkelgrau mit schwarzem Armband für 344 Euro. Die neue D2 von 2025 mit blauem Band kostet 380 Euro – ist aber nur schwer lieferbar.
Die Huawei Watch D2 bietet eine beeindruckende Kombination aus Blutdruckmessung per Manschette, EKG und einer breiten Palette an Fitness- und Gesundheitsfunktionen. Besonders die präzise Blutdruckmessung hebt sie von anderen Smartwatches ab, auch wenn das klobige Design und die fehlenden Apps einige Abstriche bedeuten. Im Alltag überzeugt sie durch ihre reibungslose Bedienung, die genaue Erfassung von Sportaktivitäten und die nützlichen Gesundheitsfeatures wie Schlaf- und Zyklus-Tracking.
Mit einer Akkulaufzeit von etwa fünf bis sechs Tagen und einem scharfen OLED-Display punktet die Watch D2 auch technisch. Trotz der hohen UVP ist sie eine sinnvolle Wahl für Gesundheitsbewusste, die den Blutdruck regelmäßig überwachen wollen. Wer hingegen auf erweiterte Smartwatch-Funktionen setzt, wird sich eventuell nach Alternativen umsehen müssen.
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