Trotz ihrer im wahrsten Sinne des Wortes klassischen Ausbildung (Studium Geschichte/Latein) ist Sara (Jahrgang 1987) seit früher Jugend begeisterte und technikaffine Gamerin. Gleichzeitig liebt sie die Natur und verbringt viel Zeit mit Crossfit und Laufen in allen möglichen Varianten. Das Schreiben aber ist ihre größte Leidenschaft, weshalb sie bei Heise Bestenlisten begeistert ihr Hobby zum Beruf macht.
Mit der Huawei Watch Fit SE bringt der chinesische Hersteller eine Neuauflage der beliebten Budget-Smartwatch auf den Markt. Aber bedeutet neu auch besser? Diese Frage klären wir im Test.
Huawei hat mit der Watch Fit Special Edition (kurz: SE) einen neuen Smartwatch-Fitness-Tracker-Hybriden vorgestellt, der dem Portfolio von Fitbit und Co. Konkurrenz machen soll. Aber Moment mal, hatte Huawei nicht schon vor einiger Zeit die Watch Fit 2 vorgestellt? Ist die neue Watch Fit jetzt also die Watch Fit 3? Jein. Stattdessen handelt es sich bei der Watch Fit SE um eine Art Sonderedition (Special Edition), die die Brücke zwischen dem Huawei Band und der Watch Fit schlagen soll.
Um die Verwirrung mit dieser Special Edition aufzudröseln und zu klären, was die Watch Fit SE auf dem Kasten hat, haben wir das Gerät einer ausgiebigen Prüfung unterzogen.
Zuerst das Offensichtliche: Rein vom Design her gibt es zwischen der Huawei Watch Fit SE und dem ersten Modell des Trackers aus dem Jahr 2021 keinerlei Unterschied. Das Design der Uhr erinnert ein wenig an die Apple Watch und kombiniert einen 1,64 Zoll großen AMOLED-Bildschirm im gebürsteten Kunststoffgehäuse mit einem klassischen Silikonarmband. Huawei verkauft die Uhr in den Farben Schwarz, Pink und Grün. Dabei liegt die Watch Fit angenehm am Handgelenk an und stört auch beim Schlafen nicht. Das Gehäuse ist mit 10,7 mm zwar relativ dick, aber das macht die Uhr mit dem geringen Gewicht von 21 g wieder wett.
Auch die Taste an der Gehäuseseite ist gleich geblieben, während die Bedienung ansonsten über das integrierte Touch-Display funktioniert. Letzteres machte im Test einen guten Eindruck: Unsere Eingaben wurden stets gut erkannt und die Ablesbarkeit war auch bei hoher Sonneneinstrahlung gegeben.
Die Einrichtung der Watch Fit funktioniert nach dem gewohnten Huawei-Prinzip: Beim ersten Hochfahren zeigt das Display einen QR-Code an, den wir mit dem Smartphone scannen können. Dadurch laden wir dann die zugehörige Huawei-App auf unser Smartphone, legen ein Nutzerkonto an und verknüpfen beide Geräte anschließend via Bluetooth-Kopplung. Wer schon einmal ein Huawei-Produkt besessen hat, findet sich hier schnell zurecht. Aber auch für alle anderen Nutzer funktioniert die Einrichtung innerhalb weniger Minuten absolut intuitiv und problemlos.
Wegen der anhaltenden Auseinandersetzung zwischen Huawei und Google ist die Huawei-App für die Watch Fit SE nicht im Play Store zu finden. Ein Download funktioniert also nur manuell oder über den erwähnten QR-Code direkt bei Huawei. Hierzu muss man den Browser beim Download der App über den Link als vertrauenswürdige Quelle für Apps festlegen. Eine Ausnahme sind Smartphone von Samsung, wo sich die Health App von Huawei alternativ im Galaxy Store befindet sowie das iPhone, wo die Anwendung weiterhin im Apple App Store verfügbar ist.
An der App selbst hat sich gegenüber unseren vergangenen Tests von Huawei-Trackern wie dem Huawei Band 8 (Testbericht) nichts getan. Deshalb beschränken wir uns an dieser Stelle auf eine kurze Zusammenfassung unserer Testergebnisse in Bezug auf die App: Die Software sammelt alle Informationen, die der Tracker aufzeichnet, und bereitet sie in übersichtlichen Diagrammen auf. Die Startseite zeigt alle nützlichen Informationen auf einen Blick, während ein Tippen auf einzelne Kacheln uns zu Detailseiten navigiert. Huawei bietet hier gewohnt gute Standardkost mit einem hohen Maß an Übersichtlichkeit.
Das Aufzeichnen von Aktivitäten gehört bei Fitness-Trackern von Huawei zu den Paradedisziplinen und auch die Watch Fit SE macht da keine Ausnahme: Auf Basis des Betriebssystems Harmony OS 2.1 stehen uns verschiedene Funktionen zur Verfügung, um unsere täglichen Schritte, den Kalorienverbrauch, die Herzfrequenz und die Blutsauerstoffsättigung zu messen. Wer möchte, kann auch vom integrierten Zyklus-Tracking für Frauen Gebrauch machen, das sich aber auf die Symptom- und Perioden-Aufzeichnung beschränkt. Zusätzliche Informationen (wie Körpertemperatur), die man etwa bei der NFP-Methode benötigt, können wir nicht eintragen.
Der persönliche Gesundheitsassistent Huawei Truseen 5.0 überwacht durchgängig unsere Herzfrequenz und informiert uns über eventuell auftretende Ungenauigkeiten. Sinkt oder steigt unser Puls in bedenkliche Bereiche, alarmiert uns die Watch Fit SE entsprechend. Dasselbe funktioniert auch für die Blutsauerstoffsättigung, auch wenn diese Werte in Hinblick auf die Genauigkeit der Messung nicht mit professionellen Geräten mithalten können.
Die Aufzeichnung der Schritte und der sonstigen Aktivität funktioniert wie von Huawei mittlerweile gewohnt absolut einwandfrei. Was wir aber vermisst haben, ist eine integrierte Bewegungserinnerung.
Wer beim Huawei Band 8 ein integriertes GPS vermisst, sollte sich die Watch Fit SE anschauen. Denn anders als die günstigeren Fitness-Tracker des chinesischen Herstellers verfügt die Watch Fit SE über ein integriertes GPS-Modul. Wir benötigen also kein Smartphone, um unsere Laufgeschwindigkeit und zurückgelegte Distanzen genau aufzeichnen zu können. Im Praxistest funktionierte das GPS abgesehen von minimalen Abweichungen zufriedenstellend.
Das GPS fungiert aber nicht nur für die reine Aufzeichnung unserer Laufstrecken, sondern auch als Basis für Huawei Trusport, eine Art Trainingsalgorithmus. Letzterer berechnet basierend auf unserer Herzfrequenz, unserem Lauftempo, der Distanz und unserer Trainingsfrequenz den sogenannten Running Ability Index. Dieser wiederum gibt uns einen Überblick über unsere aktuelle Laufleistung und ist in etwa mit ähnlichen Features von Garmin und Polar vergleichbar. Die Watch Fit SE zeichnet zudem Daten wie unsere Trainingsbelastung auf, um unser VO2Max und unsere Erholungsdauer zu berechnen. Wie bei anderen Geräten, die ihre Berechnungen vor allem auf Basis von GPS-Daten und Herzfrequenz (gemessen per optischem Sensor) anstellen, sollte man die Ergebnisse aber nur als grobe Richtlinie ansehen. Eine professionelle Leistungsdiagnostik kann und will Huawei Trusport nämlich nicht ersetzen.
Ein weiteres Feature, mit dem die Watch Fit SE derweil aufwarten kann, ist die automatische Trainingserkennung. Dabei registriert die Uhr automatisch, wenn wir im Freien laufen oder gehen, ein Indoor-Laufband oder einen Elipsentrainer nutzen sowie auf dem Rudergerät trainieren. Die Trainingserkennung funktionierte in unserem Test recht zuverlässig, ist in Anbetracht der beschränkten Auswahl an Sportarten aber kaum mehr als ein nettes Gimmick. Dafür können wir beim manuellen Tracking aber aus über 100 Trainingsprofilen wählen, was die Aufzeichnung unterschiedlichster Sportarten ermöglicht.
Wie schon beim Huawei Band 8 hat der Hersteller auch bei der Watch Fit SE wieder das neue Trusleep 3.0 System integriert. Huawei verspricht dabei eine gegenüber Trusleep 2.0 um zehn Prozent genauere Aufzeichnung der Schlafdaten. Zwar können wir nicht im Detail bestätigen, dass Trusleep 3.0 wirklich genau um diesen Wert besser funktioniert als der Vorgänger, im Großen und Ganzen machte das Schlaf-Tracking der Watch Fit SE aber einen zufriedenstellenden Eindruck.
Einschlaf- und Aufwach-Zeitpunkt konnte die Watch Fit SE sowohl bei nachmittäglichen Powernaps als auch beim Nachtschlaf realistisch abbilden. Die Anzeige der Schlafphasen bietet derweil lediglich eine grobe Orientierung und ist – wie bei den meisten anderen Fitness-Trackern auch – nicht mit der Genauigkeit eines echten Schlaflabors zu vergleichen. Langfristige Tendenzen und Unregelmäßigkeiten beim eigenen Schlaf kann man aber mit der Watch Fit SE aufdecken. Besonders praktisch: Der integrierte „Nicht stören“-Modus schaltet die Uhr während der Nacht auf stumm, sodass wir nicht von eingehenden Benachrichtigungen geweckt werden.
Weil die Huawei Watch Fit SE wie andere Fitness-Tracker von Huawei auf das hauseigene, aber recht beschränkte Betriebssystem Harmony OS 2.1 setzen, ist der Funktionsumfang des Fitness-Trackers jenseits von Aktivitäts- und Trainingsaufzeichnung recht begrenzt. Es gibt keine Möglichkeit, zusätzliche Apps auf der Uhr zu installieren, wie es teilweise bei der Konkurrenz von Amazfit oder auch Garmin möglich ist.
Immerhin gibt es Standard-Features wie eine Wetteranzeige, eine Musiksteuerung, eine Stoppuhr und einen Timer, eine Taschenlampe, eine Handy-Suche, einen Wecker sowie einen Fernauslöser für die Smartphone-Kamera. Auch die klassische Benachrichtigungsfunktion ist wieder mit an Bord, beschränkt sich aber auf die Anzeige von Nachrichten oder entgangenen Telefonanrufen. Die Möglichkeit, Telefonate direkt über die Watch Fit SE anzunehmen und mit dem Gerät am Handgelenk zu telefonieren, gibt es in Ermangelung eines integrierten Mikrofons nicht.
Die Akkulaufzeit der Watch Fit liegt laut Huawei bei typischer Nutzungsdauer im Bereich von rund neun Tagen. Der Hersteller definiert die typische Nutzung mit aktiviertem Schlaf-Tracking, Herzfrequenzmessung und 30 Minuten Workout pro Woche bei 200-maligem Einschalten des Displays und 50 Benachrichtigungen, sechs Anrufen sowie drei Alarmen innerhalb von 24 Stunden. Diese Angaben konnten wir im Test größtenteils bestätigen: Bei wöchentlich drei Sporteinheiten mit einer Dauer von einer Stunde hielt der Akku acht Tage lang durch. Die Ladedauer fällt mit einer Stunde angenehm kurz aus.
Die unverbindliche Preisempfehlung für die Huawei Watch Fit in der Special Edition bei 100 Euro. Bei einschlägigen Händlern ist der Tracker bereits ab 59 Euro zu haben. Damit liegt die Watch Fit in der Special Edition preislich zwischen dem Huawei Band 8 und der Watch Fit 2.
Die Watch Fit SE hätte es zwar nicht unbedingt gebraucht, aber das macht sie nicht gleich zu einem schlechten Gerät. Zwar lässt sie ein paar Funktionen wie eine Sprachsteuerung oder die Telefonie vermissen, dafür punktet sie aber mit einem guten GPS und einer brauchbaren Trainingsaufzeichnung mit hilfreichen Zusatzfunktionen.
Wer über den Kauf der Watch Fit SE nachdenkt, sollte sich im Klaren darüber sein, dass dieser Fitness-Tracker die Brücke zwischen dem Huawei Band 8 und der Watch Fit 2 schlägt. Möchte man also ein Huawei Band mit integriertem GPS, will aber nicht den Preis der Watch Fit 2 investieren, ist man mit der Watch Fit SE gut beraten.
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