Die IN-9420 2K+ bietet ein schwenk- und neigbares Objektiv mit fünffachem optischen Zoom, hohe Auflösung, Onvif-Support, Dual-WLAN, Personen- und Geräuscherkennung sowie eine Ethernet-Schnittstelle mit PoE. Wie gut die PTZ-Überwachungskamera des deutschen Herstellers Instar in der Praxis funktioniert, zeigt unser Test.
Instar bietet mit der aktuell für 260 Euro erhältlichen IN-9420 2K+ eine PTZ-Überwachungskamera für den Außenbereich, die über einen 1/2.8 Zoll großen Sony-Starlight-Sensor verfügt und Videos mit bis zu 2560 × 1440 Pixel sowie einer Bildrate von maximal 30 FPS aufzeichnet. Das Objektiv bietet einen fünffachen optischen Zoom mit Brennweiten zwischen 2,8 und 12 mm und ein diagonales Sichtfeld von 30° bis 120°.
Als Videocodec unterstützt die IN-9420 2K+ unter anderem die besonders effiziente Variante H.265 alias HEVC. Farbige Nachtaufnahmen bietet sie dank sechs weißen LEDs ebenfalls. Für Schwarz-Weiß-Aufnahmen stehen bei Dunkelheit auch Infrarot-LEDs zur Verfügung.
An Bord ist auch eine Bewegungserkennung, die Objekte nach Personen, Tieren und Fahrzeugen differenziert. Zusätzliche Sicherheit bietet die integrierte Geräuscherkennung und mit der eingebauten Gegensprechfunktion kann man die IN-9420 2K+ auch zur Kommunikation verwenden. Zudem können Anwender einen externen Lautsprecher an die Kamera anschließen. Als zusätzliche Schnittstelle bietet sie außerdem einen Ausgang für Alarmanlagen.
Neben der für Smartphones und Tablets optimierten App, mit der Anwender die Kamera bedienen, können sie auch per Browser auf die Überwachungskamera zugreifen. Und das ist klar der beste Weg, um sie zu konfigurieren, da nur unter der modernen und übersichtlichen Web-UI sämtliche Konfigurationsparameter zur Verfügung stehen.
Kaum eine Überwachungskamera integriert so viele Netzwerkschnittstellen wie die IN-9420 2K+: Sie bietet Unterstützung für 2,4- oder 5-GHz-WLAN inklusive der besonders sicheren WPA3-Verschlüsselung. Und per Ethernetkabel kann sie ebenfalls Kontakt zum Router aufnehmen. Letzteres funktioniert auch dann noch, wenn etwa Einbrecher mit einem WLAN-Störsender den überwachten Bereich betreten und damit sämtliche WLAN-Geräte wie Überwachungskameras ausfallen. Der bis zu 100 MBit/s schnelle RJ45-Port unterstützt zudem PoE, sodass eine besonders einfache Verkabelung ohne störendes Netzteil möglich ist.
Anwender, denen Datenschutz und Privatsphäre wichtig sind, dürfen sich bei der Inbetriebnahme der Instar-Kamera darüber freuen, dass sie sich weder für die Nutzung der App, noch für ein Cloud-Konto registrieren müssen. Letzteres ist allerdings nötig, wenn man die Überwachungskamera mit den Diensten Amazon Alexa, Google Assistant oder IFTTT koppeln möchte. Dann muss man sich beim kostenlosen Cloud-Dienst des Herstellers anmelden.
Diesen kann man um ein kostenpflichtiges Abo erweitern, sodass man ab einer Jahresgebühr von 30 Euro auch einen 10 GByte großen Online-Speicher erhält. Doch der ist grundsätzlich nicht nötig, da die IN-9420 2K+ über einen microSD-Card-Slot verfügt, der bereits mit einer 32 GByte großen Speicherkarte standardmäßig ausgestattet ist.
Dank Onvif-Support lässt sich die Instar-Überwachungskamera aber auch mit Dritthersteller-Lösungen wie Synology Surveillance Station (Testbericht) oder Smart-Home-Zentralen (Bestenliste) wie Homey Pro (Testbericht) und Home Assistant (Testbericht) ansteuern. Mit letzterem und dem Add-on Frigate können Anwender sogar einen Netzwerkvideorekorder (Testbericht) realisieren. Zu Homekit ist das Modell ebenfalls kompatibel. Wie gut die Instar in der Praxis funktioniert, zeigt unser Test.
Im Lieferumfang der knapp 2 kg schweren Instar IN-9420 2K+ sind Netzteil, Handbuch, zwei Halterungen für Decke und Wand samt Schrauben und Dübeln inklusive Werkzeug enthalten. Mit ihren Abmessungen von 23 × 15 × 15 cm fällt die gut verarbeitete PTZ-Kamera relativ groß aus. Laut Instar ist die IN-9420 2K+ wetterfest nach IP66 und im Temperaturbereich zwischen -20 °C und 55 °C einsetzbar.
Dank einer innovativen Kabelführung lässt sich die PTZ-Kamera so montieren, dass die von den für die Montage infrage kommenden Kabeln (Strom, Ethernet, Alarm) unsichtbar hinter einer Wand verschwinden. Dafür muss man die hintere Abdeckung der Kamera abschrauben und die nötigen Kabel durch die Halterung verlegen. Je nachdem, wie viele Kabel zum Einsatz kommen, verwendet man dafür eine der mitgelieferten Dichtungen mit passenden Durchführungen für die unterschiedlichen Kabel. Das hört sich erst einmal kompliziert an, ist aber in der Praxis dank der hervorragenden Dokumentation relativ einfach und nach wenigen Minuten erledigt. Mehr Informationen zur Montage zeigen wir in der Bildergalerie.
Am einfachsten gelingt die Inbetriebnahme der Instar-Überwachungskamera, wenn sie per Ethernet mit einem Router oder einem Switch verbunden wird. Dann kann man sie bequem per Browser einrichten. Das geht zwar prinzipiell auch mit der App Instar Vision, doch bietet diese nicht sämtliche Konfigurationsoptionen.
Die IP der Überwachungskamera verrät das Instar Kamera Tool, das für Linux, macOS und Windows vorliegt. Achtung: Wer ein VPN aktiviert hat, muss dieses deaktivieren, sonst findet das Tool die Kamera nicht. IP-Scanner wie Angry IP (Heise-Download) findet die Kamera ebenfalls.
Alternativ ist auch die Inbetriebnahme über WLAN und WPS möglich. Auch dann ist die Einrichtung per Browser machbar. Doch nicht jeder Router bietet WPS. Weitere Details zur Einrichtung zeigt die Bildergalerie. Hilfestellungen bei der Installation bietet Instar auch online über die Adresse https://install.instar.com/.
Anwender können die mobile Anwendung Instar Vision, die für Mobiltelefone und Tablets für Android und iOS vorliegt, zur Konfiguration der grundlegenden Funktionen der Kamera verwenden. Weitergehende Konfigurationsoptionen wie Onvif und MQTT stehen aber nur über die moderne Web-UI parat. Generell bieten sowohl die App als auch die Web-UI für die zahlreichen Konfigurationsoptionen detaillierte Erklärungen, sodass das Set-up der Kamera auch für wenig erfahrene Anwender kein Problem sein sollte.
Die Bewegungserkennung kann zwischen Personen, Tieren und Fahrzeugen differenzieren. Dementsprechend lassen sich auch Alarme einstellen. Damit werden Fehlalarme durch andere, sich bewegende Objekte reduziert. Sollte es trotz aktivierter Personenerkennung zu Fehlalarmen kommen, können Anwender unter Alarmbereiche die Empfindlichkeit der Bewegungserkennung für vier Zonen justieren.
Für einen DSGVO-konformen Betrieb erlaubt die Web-UI unter Einstellungen – Multimedia – Privatsphäre die Konfiguration von bis zu acht Bildbereichen, die bei der Aufnahme automatisch geschwärzt werden. Das ist etwa erforderlich, wenn die Überwachungskamera auf ein fremdes Grundstück oder öffentlichen Bereich ausgerichtet ist.
Benachrichtigungen erfolgen nahezu verzögerungsfrei per Push auf Smartphone oder Tablet. Überdies verschickt die Kamera auf Wunsch Alarmmeldungen auch per E-Mail inklusive Bilder und unterstützt den Upload auf einen FTP-Server, inklusive einer verschlüsselten Übertragung über FTPS oder SFTP.
Die Gegensprechfunktion und die Geräuscherkennung haben im Test einwandfrei funktioniert. Die Sprache ist auf beiden Seiten gut verständlich.
Ansonsten ist die Bedienung der Instar IN-9420 2K+ mit der App und der Web-UI dank übersichtlicher Menüs einfach. Verbesserungspotenzial bietet allerdings die Alarmierung in Kombination mit der Wiedergabefunktion. Erhält man etwa eine Push-Nachricht, öffnet sich nach einem Klick darauf die Live-Ansicht der Kamera. Sinnvoller wäre es aber, wenn man direkt zum aufgenommenen Video im Wiedergabemenü gelangen würde. Zudem wäre es wünschenswert, wenn man aufgenommene Videos nach Alarmart (Person, Fahrzeug, Tier, Geräusch) filtern könnte. An einer entsprechenden Funktionserweiterung arbeitet Instar bereits. Sie soll noch in diesem Sommer ausgerollt werden.
Die Steuerung der Schwenk- und Neigefunktion ist äußerst vielfältig. Instar informiert darüber ausführlich in seinem Online-Wiki. Insgesamt können Anwender bis zu acht Positionen speichern, die per Klick oder automatisch angefahren werden. Für ein automatisches Anfahren von Positionen müssen diese natürlich definiert sein. Dann kann man in der Web-UI eine Zeit für die jeweilige Position einstellen, wie lange die Kamera auf dieser verweilen soll, möglich sind Werte zwischen 1 Minute bis zu 12 Stunden. Anschließend stellt man noch die Anzahl der Wiederholungsfahrten ein, hier sind maximal bis zu 50 möglich. Nun fährt die Kamera automatisch die zuvor gespeicherten Positionen ab.
Ansonsten gelingt das Schwenken und Neigen der Kamera in der App sehr intuitiv. Einfache Touch-Gesten reichen hierfür aus. Zudem gibt es noch die klassische PTZ-Steuerung mit Pfeil-Tasten und P für das Anfahren respektive Speichern von Positionen (siehe auch Bildergalerie).
Eine automatische Bewegungsverfolgung hat die Instar IN-9420 2K+ allerdings nicht zu bieten.
Dank der Unterstützung von Wide Dynamic Range (WDR) und der Möglichkeit, diese Funktion an die jeweilige Umgebung anpassen zu können, gibt es an der Bildqualität bei schwierigen Lichtverhältnissen, etwa Gegenlicht, nichts auszusetzen. Im Gegenteil: Die Aufnahmen bei Tag sind wie schon bei der IN-9408 2K+ (Testbericht) sehr detailreich. Bei Dunkelheit überzeugen auch die Schwarz-Weiß-Aufnahmen auf Basis der Infrarot-LEDs mit einer hervorragenden Bildqualität (siehe auch Bildergalerie). Und auch die farbigen Nachtaufnahmen unter Zuhilfenahme der sechs weißen LED-Strahler überzeugen mit einer guten Bildqualität.
Genau wie das Modell mit starrem Objektiv, die IN-9408 2K+ (Testbericht), unterstützt auch die PTZ-Variante IN-9420 2K+ jede Menge andere Plattformen. So lässt sie sich unter Apple Homekit, Amazon Alexa und Google Assistant einbinden. Und auch die Ausgabe des Livestreams auf ein smartes Display (Ratgeber), wie Echo Show funktioniert. Allerdings vergehen wie bei anderen Instar-Kameras einige Sekunden, bis der Livestream erscheint. Außerdem hat er einen Versatz von bis zu 10 Sekunden. Das schaffen andere Modelle wie die Foscam CM5 (Testbericht) deutlich besser.
Dank Onvif-Unterstützung können Anwender die PTZ-Überwachungskamera Instar IN-9420 2K+ auch unter kompatiblen Smart-Home-Zentralen (Bestenliste) wie Home Assistant (Testbericht) oder Homey Pro (Testbericht) ohne Umwege über die Cloud lokal einbinden. Und auch die Steuerung mit Dritthersteller-Lösungen wie Synology Surveillance Station (Ratgeber) funktioniert im Test dank für den Hersteller vorliegenden Kamera-Profilen inklusive PTZ-Steuerung einwandfrei. Mehr Informationen über Onvif bietet der Beitrag Überwachungskameras ohne Cloud: Keine monatlichen Kosten & mehr Datenschutz.
Die Integration unter Home Assistant (Testbericht) bietet auch Zugriff auf den Livestream und den Bewegungssensor der Kamera. Damit können Anwender die Instar IN-9420 2K+ für Automatisierungen, etwa zum Aufbau einer umfassenden Alarmanlage, verwenden. Oder sie verwenden den PIR-Sensor der Kamera zum Einschalten eines Leuchtmittels.
Mithilfe von MQTT können Anwender auf nahezu sämtliche Funktionen der Kamera zugreifen. Allerdings erfordert die Umsetzung einigen Aufwand. Begrüßenswert wäre eine Integration, wie sie etwa für Reolink-Kameras vorliegt und die sämtliche Funktionen integriert, ohne dass man dafür mühevoll Yaml-Dateien editieren muss.
Instar verkauft die IN-9420 2K+, die es in Schwarz und in Weiß gibt, regulär für 299 Euro. Aktuell ist sie für 249 Euro erhältlich. Das ist vergleichsweise viel Geld für eine PTZ-Kamera mit Onvif-Support und fünffachem optischen Zoom. Denn eine solche gibt es schon für deutlich weniger. Als Alternative käme etwa die Reolink Trackmix PoE (Testbericht) für knapp 153 Euro infrage.
Doch den Reolink-Kameras fehlt WDR-Support, sie unterstützen außerdem WLAN und Ethernet nicht gleichzeitig. Und auch eine verschlüsselte Übertragung auf einen FTP-Server beherrschen die Modelle nicht. Die Konfiguration der IN-9420 2K+ abzuspeichern und gegebenenfalls wiederherzustellen sind Funktionen, die sie für den professionellen Einsatz qualifizieren.
Obendrein bietet Instar nicht nur ein sehr detailliertes Handbuch, sondern auch ein Forum sowie viele Online-Wikis, die Anwendern hilfreich zur Seite stehen respektive sämtliche Funktionen der Kamera ausführlich dokumentieren. Vom ausgezeichneten telefonischen Support wissen auch bisherige Instar-Kunden zu berichten. Und bei einem deutschen Hersteller gibt es in puncto Support auch keine Sprachbarriere.
Weitere Alternativen zur Überwachung von Außenräumen aus unserer Bestenliste zeigen wir in folgender Tabelle.
Wie schon das mit einem starren Objektiv ausgestattete Schwestermodell IN-9408 2K+ hinterlässt auch die PTZ-Variante Instar IN-9420 2K+ im Test einen hervorragenden Eindruck. Sie bietet mit 2560 × 1440 Pixel zwar nicht die höchste Auflösung, überzeugt dafür aber mit einer exzellenten Bildqualität, die auch in schwierigen Situationen wie Gegenlicht oder bei Nacht nicht nachlässt. Über Alarme informiert sie nicht nur per Push, sondern optional auch per E-Mail, inklusive Bilder oder Videos, sowie per Upload auf einen FTP-Server, der auch verschlüsselt erfolgen kann.
Der Livestream steht in der App oder Browser zügig parat, wenn die Kamera per Ethernet mit dem Router verbunden ist. Über WLAN muss man unter Android einige Sekunden warten, während die iOS-App ihn etwas zügiger anzeigt. Fehlalarme sind dank Personen-, Fahrzeug- und Tiererkennung praktisch ausgeschlossen. Im Test haben wir jedenfalls keine registriert.
Positiv ist auch, dass Anwender die Instar IN-9420 2K+ dank Onvif-Support mit Dritthersteller-Lösungen wie Synology Surveillance Station lokal ansteuern und in Smart-Home-Zentralen wie Home Assistant einbinden können. Auch zu Homekit ist die Kamera kompatibel. Insgesamt sind die Integrationsmöglichkeiten hervorragend. Auf der Habenseite stehen auch die flexiblen Montageoptionen. Und dank einer innovativen Kabelführung ist bei optimaler Montage nichts von diesen zu sehen.
Insgesamt ist die Instar IN-9420 2K+ nicht nur für Privatanwender, sondern dank ihrer vielen Sicherheitsfunktionen, dem Benutzermanagement und dem exzellenten Online-Support auch für Unternehmen sehr empfehlenswert. Vor allem dann, wenn Anwender Wert auf Datenschutz und Privatsphäre legen. Denn anders als viele Überwachungskameras lässt sich die Instar komplett ohne Hersteller-App und Cloudanbindung lokal steuern.
Verbesserungspotenzial gibt es aber ebenfalls. So hat etwa die Integration in Home Assistant noch einige Luft nach oben. Dank MQTT-Support können Anwender zwar prinzipiell auf sämtliche Funktionen der Instar zugreifen, doch die dafür nötige Konfigurationsarbeit ist mit dem Editieren von YAML-Dateien sehr aufwendig. Ein Blick auf die Reolink-Integration zeigt, dass dies auch einfacher geht. Begrüßenswert wäre ebenfalls eine automatische Bewegungsverfolgung.
Die Ausgabe des Livestreams auf einem smarten Display wie Amazon Echo Show funktioniert zwar, doch der zeitliche Versatz ist mit bis zu zehn Sekunden relativ groß. Hier besteht ebenfalls Verbesserungsbedarf.
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