Stefan schrieb bereits während des Studiums Spieletests für ein Printmagazin im Ruhrgebiet. Durch einen glücklichen Zufall landete er in Berlin und arbeitete fast 15 Jahre bei Areamobile, zuletzt als leitender Testredakteur. Für Heise Bestenlisten testet er Smartphones, Saug- und Mähroboter, Lautsprecher, Modellflugzeuge und andere Technik-Gadgets.
Mit dem Saugroboter RCV 5 kann man jetzt auch seine Wohnung „durchkärchern“ – und das in einigen Bereichen sogar richtig gut. Wir zeigen im Test, welche das sind.
„Kärchern“ ist ein Synonym für „etwas mit einem Hochdruckstrahler abspritzen“ – und kommt wenig verwunderlich durch die Produkte der Firma Kärcher. Aber Kärcher kann noch viel mehr als Hochdruckstrahler, darunter etwas, womit wohl nur die wenigsten gerechnet hätten: Saugroboter. Der RCV 5 ist das aktuelle Spitzenmodell des Unternehmens und zeigt bei uns im Test, dass Kärcher auch hier für Qualität steht.
Beim Design gibt es wenig Überraschungen, gleiches gilt für die Verarbeitung – beides ist schlichtweg gut. Der Kunststoff des Gehäuses wirkt insgesamt vergleichsweise massiv und stabil. Kärcher erfindet das Rad nicht neu und setzt auf ein rundes Chassis für seinen Saugroboter. Das weiße Gehäuse ist mit vereinzelten gelben Akzenten versehen, der Farbe des Unternehmens, etwa auf dem nach vorn versetzen Laserturm, um die beiden Hardware-Tasten herum oder auf dem Wischtuch des Roboters. Vorn in den Bumper installiert Kärcher eine KI-gesteuerte Kamera samt Kreuzlaser, mit deren Hilfe vor dem Roboter liegende Objekte wie Schuhe oder Kabel erkannt werden sollen.
Der Rest ist Standard mit einer einzelnen Seitenbürste, einer schwimmend gelagerten Hauptbürste mit Gummilamellen und Borsten sowie Wand- und Absturzsensor(en). Der Wassertank wird hinten aus dem Bot entnommen und die Aufnahme für das beiliegende Wischtuch daran befestigt. Auffällig: Am Boden gibt es zwei verschlossene Klappen, die auf eine (ursprünglich geplante?) Absaugstation hinweisen. Die mitgelieferte Ladestation hingegen ist einfachster Art, sie bietet nicht einmal Kabelmanagement, sondern ein seitlich zu befestigendes Stromkabel. Sehr positiv: Der Lieferkarton kommt weitestmöglich ohne Plastikmüll aus, stattdessen setzt Kärcher wo immer möglich auf Papier.
Eigentlich klappt die Verbindungsaufnahme mit der Hersteller-App heutzutage immer problemlos, der Kärcher RCV 5 bildet da eine unrühmliche Ausnahme. Wir benötigten vier oder fünf Anläufe, dann verband sich der Roboter endlich mit der neuen App des Herstellers namens „Kärcher Home Robots“. Hier wird die Herstellerfarbe Gelb nicht als Akzent verwendet, sondern ist vorherrschend. Wer mit dieser „Gelbsucht“ leben kann, dürfte auch sonst wenig zu meckern haben. Denn die App bietet ein sehr klares und logisches Design und zudem alles, was die Konkurrenz auch zu bieten hat.
Highlights sind hier die in der Reinigungskarte angezeigten Teppiche, das können nicht alle Wettbewerber. Die Übersetzung ist insgesamt gut, typische Übersetzungsfehler wie bei einigen chinesischen Konkurrenten gibt es nicht. Etwas seltsam spezifisch muten hingegen einige Punkte auf der Liste der von der 3D-Objekterkennung identifizierbaren Hindernisse: Neben Schuhen, Socken und Kabeln sind das Stühle und Waagen. Zumindest beim letzten Punkt wäre vermutlich so etwas wie „Sockel“ sinnvoller gewesen. In der App werden erkannte Hindernisse als Symbole angezeigt. Echte Fotos davon gibt es hingegen nicht.
Die Navigation im Raum ist einwandfrei. Der Kärcher RCV 5 fährt wie die meisten Modelle seiner Art zuerst die Ränder ab, anschließend überlappende Bahnen auf freier Fläche. Dabei bleibt der Sauger dicht an Möbeln, ohne sie jedoch anzurempeln. Ausnahme waren hier lediglich Schwingstühle, über deren Metallfüße er etliche Male sehr ausdauernd drüber rumpelte. Festgefahren hat er sich dabei aber nicht – Respekt! Allerdings wäre es schön, wenn auch hier die KI-Erkennung derart ruppigen Umgang mit den Metallschwingen der Stühle vermeiden würde.
Davon abgesehen funktioniert die 3D-Objekterkennung hervorragend, die genannten Hindernisse inklusive Kabel werden erstaunlich zuverlässig erkannt und umgangen. Dabei legt der Saugroboter trotz der Kamera-Erkennung ein hohes Arbeitstempo an den Tag, das bei uns nur durch die bereits erwähnten Schwingstühle spürbar reduziert wurde. Eine kleine Einschränkung bringt die Objekterkennung dann doch mit: Im Gegensatz zu vielen Konkurrenzmodellen recht dem RCV 5 keine Durchfahrtsbreite, die kaum über der eigenen Chassis-Breite liegt, sondern er verlangt einige Zentimeter mehr. Das ist aber kein Beinbruch und schränkt den Sauger kaum ein.
Der Rest ist vorbildlich. Auf Teppich wird umgehend die Saugkraft erhöht, sodass der Kärcher-Sauger sowohl auf Hart- als auch auf Teppichboden gute Saugleistung erreicht. Die Lautstärke geht dabei nicht über das übliche Maß hinaus, insgesamt ist die Reinigungsleistung ausgezeichnet. Das gilt auch für Tierhaare, die gut von Teppich aufgenommen werden. Allerdings müssen Tierbesitzer regelmäßig die Borsten der Hauptbürste von Haaren befreien; wie immer bei dieser Art von Hauptbürste. Ein Reinigungswerkzeug liegt dem Lieferumfang bei.
Wischen kann der RCV 5 ebenfalls, leider verpasst der Hersteller seinem derzeitigen Spitzenmodell eine etwas veraltete Wischtechnik. So lässt sich zwar der Wasserzufluss in der App regeln und der Wischer fährt auf Wunsch Y-förmige Wischbewegungen, das Wischtuch vibriert aber nicht und kann auch nicht zum Befahren von Teppich angehoben werden. Ist das Tuch angelegt, meidet der Saugroboter stattdessen Teppich. Mit der gegebenen Technik ist das immerhin ein guter Kompromiss – deutlich besser als beim Proscenic M9 (Testbericht), wo Nutzer Teppich manuell in der App ausgrenzen müssen. Dafür kommt der M9 immerhin mit Absaugstation – für deutlich weniger Geld.
Zum Testzeitpunkt kostete der Kärcher RCV 5 satte 535 Euro, zuvor lag er lange Zeit bei rund 400 Euro und teilweise darunter.
Der Kärcher RCV 5 hat vor allem ein Problem: seinen hohen Preis. Zwar gehört die 3D-Objekterkennung zum Besten, was Saugroboter derzeit bieten können und der Rest ist auch nicht schlecht. Aber es ist zu wenig, denn von der KI-Kamera abgesehen hat das Modell keine echten Highlights parat. So kommt der RCV 5 nicht mit einer Absaugstation und eine Reinigungsstation für das Wischtuch gibt es erst recht nicht. Selbst eine fortschrittliche Wischfunktion mit beweglicher Wischplatte fehlt – das macht die Konkurrenz (ohne KI-Kamera) für teilweise deutlich unter der Hälfte des Preises eines Kärcher RCV 5.
Was bleibt ist die Erkenntnis, dass Kärcher nicht einfach nur „schnell schnell“ einen beliebigen Saugroboter gekauft und mit seinem Namen gelabelt, sondern wirklich Mühe in das Produkt gesteckt hat. Bleibt der Hersteller am Ball, könnte das früher oder später wirklich gut werden, denn das Unternehmen ist mit dem RCV 5 auf dem richtigen Weg. Allerdings gehört zu dieser Erkenntnis auch, dass Kärcher offenbar seinen Namen auf dem Saugroboter-Markt überschätzt. Für über 500 Euro reicht der Name Kärcher allein als Prädikat zumindest nicht aus, um Käufer anzulocken. Hier bieten andere deutlich mehr fürs Geld.
Wer Tests zu anderen Saug- und Wischrobotern sucht, wird in unserer Themenwelt Saugroboter fündig. Neben Tests geben wir hier zudem Tipps, was man beim Kauf eines Saugroboters beachten sollte (Ratgeber) und zeigen die 10 besten Saugroboter (Topliste).
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