Ihr kennt uns vor allem für Video-Reviews, heute möchten wir mit Euch eine neue Kategorie testen – sollte sie Euch gefallen, könnte es zukünftig mehr davon geben. In der Rubrik „Kurz-Review“ gibt es einen relativ kurzen – schriftlichen – Test, der auch Geräte in Augenschein nehmen soll, die es sonst nicht bis zum Video schaffen. Heute geht es los mit dem Nokia 700.
Vor etwa einem Jahr gab Nokia bekannt zukünftig mit Windows Phone arbeiten zu wollen, Symbian sollte dafür mittelfristig in Rente geschickt werden. Trotzdem versprach Nokia weiter fleißig an Symbian OS zu arbeiten. Das erste Update hörte auf den Namen Symbian Anna, das zweite, welches für die meisten Geräte noch aussteht – auf Symbian Belle. Anders beim Nokia 700 und 701, denn die kommen schon von Haus aus mit Symbian Belle. Das Nokia 700 haben wir uns nun etwas genauer angesehen...
Nokia wirbt damit, dass das Nokia 700 das bisher kleinste Smartphone, aus dem Haus des finnischen Herstellers, sei. Vor fehlenden Features braucht man sich jedoch trotzdem (fast) nicht zu fürchten. Technisch gesehen bringt Nokia nämlich im Nokia 700, welches gerade mal etwa 10 mm dick, 50 mm breit und 110 mm hoch ist, eine ganze Menge unter. So gehört zur Ausstattung ein 1GHz flotter Prozessor , 512MB RAM , n-WLAN , HSDPA mit 14,4 MBit , Bluetooth 3.0 , NFC , „USB on the go“, ein 3,5mm Klinken-Anschluss und ein 1080mAh Akku. Auch GPS und ein Kompass sind an Bord. Natürlich gibt es auch eine Kamera, hier mit 5,0 MegaPixel Kamera, die aber „eine Krankheit“ ist. Das Nokia 700 bringt trotzdem nicht mal ganz 100g auf die Wage.
In der Hand wirkt es schon fast ein wenig verloren, weil es so klein ist. Es lässt sich aber wirklich angenehm mit einer Hand bedienen und auch hat man nie das Gefühl es unsicher in der Hand zu halten, wie es bei 4-Zoll und noch größeren Geräten ab und zu der Fall ist. Die „Kante“ unten, in der ein Lautsprecher verbaut ist, ist etwas merkwürdig und gefällt sicher nicht jedem, der gebotene Sound ist jedoch wirklich gut und steckt in der Hinsicht manches HighEnd Produkt in die Tasche.
Ebenfalls richtig ordentlich ist das Display, denn hier hat sich Nokia für ein 3,2-Zoll AMOLED Screen inklusive Nokias ClearBlack- Technik entschieden. Ein fantastisches Schwarz, tolle Farben und wirklich ausgezeichnete Kontraste erfreuen dabei Euer Auge. Auch die 640x360 Pixel, wirken auch auf den 3,2-Zoll recht gut, bringen sie es doch auf 229PPI. Damit das Display möglichst schick bleibt, wird es von Corning® Gorilla® Glas geschützt. Wirklich negativ hat sich im Test jedoch die geringe Größe erwiesen, denn 3,2-Zoll sind ziemlich klein, besonders bemerkbar macht sich dieser Umstand, wenn man im Porträt Modus tippen will – dann heißt es volle Konzentration. Während des Laufens oder blind kommt jedenfalls nur Blödsinn auf den Schirm. Ansonsten arbeitet der Touchscreen aber sehr gut und vor allem genau.
Eine weitere Schlappe leistet sich Nokia mit der 5-Megapixel Kamera, die Qualität der Bilder mag zwar noch in Ordnung gehen – zumindest mit ausreichend Licht, allerdings handelt es sich um eine EDoF-Kamera . Das heißt erst ab einem gebührlichen Abstand ist das Bild scharf, einen AutoFocus gibt es schlicht nicht. Gerade wenn man kleine Sachen aus der Nähe fotografieren möchte bekommt man ausschließlich einen unscharfen Pixelbrei. Aber sogar einen Zettel in der Hand, ein Blatt auf dem Tisch oder ein Straßenschild kann schon schwierig werden - geschuldet sein dürfte dies der wenige Millimeter messenden Bauweise. Auf der anderen Seite kann die Kamera mit 720p Video-Aufnahme wieder Punkte gut machen, das ganze sogar mit 30 Bildern/Sekunde - also auch flüssig. Schade ist jedoch, dass der SD-Karten-Slot durch den Akku verdeckt ist. Das heißt also, jedes mal Gerät aus, Akku raus, SD-Karte raus und das ganze in umgekehrter Reihenfolge wieder zusammenbauen. Denn die 2GB interner Speicher dürften gerade in Verbindung mit HD-Videos kaum lange ausreichen.
Was man am Nokia 700 allerdings sehr schnell zu schätzen lernt, ist die wirklich hervorragende Verarbeitung. Das gesamte Gehäuse ist wertig, fühlt sich völlig stabil und richtig gut verarbeitet an und nirgendwo wackelt oder knackt irgendwas. So dürfte das 700 auch mal ein Sturz oder eine grobe Behandlung überleben. Der Akku-Deckel ist zum Beispiel aus Metall und dürfte sich selbst bei häufigem SD-Karten „rein-raus“ nicht abnutzen. Außerdem habt Ihr die Wahl – das Nokia 700 kann sowohl über USB, als auch mit Nokias bekanntem 2mm Anschluss geladen werden - gut falls man noch altes (Auto-)Zubehör nutzen möchte. In der Packung liegt allerdings auch ein altes Ladegerät - etwas fragwürdig, wenn doch microUSB de facto Standard ist.
Eine ganz neue Technik die Nokia nun verstärkt einsetzen will, stellt der NFC-Chip dar. Mit diesem können zwischen NFC-fähigen Geräten Daten getauscht, oder Bluetooth Geräte verbunden werden. Der Clou – es braucht nur eine Berührung dafür, um den Rest kümmern sich die Geräte selbst. Testen konnte ich die Daten-Übertragung zwischen Nokia 700 und N9 - dort ging es völlig problemlos und schnell. Auch Nokias eigene 360 Boxen ließen sich so aktivieren. Wer möchte kann aber auch ein Nokia Headsets beziehen, welche die NFC Technik beherrschen. Zumindest in den USA soll man bald auch mit NFC bezahlen können. Wie sich die Sache in Deutschland entwickeln wird, kann man noch nicht so klar sagen, allzu schnell wird es solche Möglichkeiten bei uns aber wohl nicht geben.
Erhältlich ist das Nokia 700 in fünf verschiedenen Farben, nämlich: Cool Grey, Coral Red, Peacook Blue, Purple und Silver white - also eigentlich für jeden was dabei.
Eines der großen und wichtigen Features des Nokia 700 und 701 ist das neue Symbian Belle, mittlerweile verzichtet Nokia aber auf das Symbian im Namen und spricht, z.B. auf der Webseite nur noch von "Nokia Belle". Wundert euch also nicht. Alle Änderungen an Symbian bzw. Nokia Belle aufzuzählen würde wohl den Rahmen sprengen. Neu ist nämlich eine ganze Menge, vor allem die Homescreens können nun frei gestaltet werden, mit Apps, Widgets, Kontakten usw. ganz wie in Android. Vor allem aber geht das wesentlich freier als noch Symbian^3 oder Symbian Anna. Ebenfalls neu ist die Nachrichten-Leiste, die man einfach von oben herunter ziehen kann - auch dort hat man sich ordentlich von Android inspirieren lassen.Was noch auffällig ist, ist das dominierende schwarz in den Hintergründen, Menüs, Leisten und so weiter, stellenweise wirkt es an Windows Phone 7 angelehnt, gibt der Oberfläche aber ein edles Erscheinungsbild.
Das Hauptmenü ist nun eine einzige lange App-Liste, wer möchte darf Ordner anlegen, benennen und die Apps sortieren wie er mag. Auch in den Einstellungen und Menüs der Standard-Software geht es nun deutlich übersichtlicher zu, hier wiederum hat man ganz klar beim N9 und dessen MeeGo OS gespickt. Da vor allem in den neuen (schicken) in Qt/QML geschrieben Apps die gleiche Menü-Führung zum tragen kommt. Die ist aber zum einen noch nicht überall zu finden und zum anderen wird es verwirrend, wenn man plötzlich ein altes Symbian Menü vor der Nase hat.
Allgemein wirken die Neuerungen aber alle sinnvoll, bieten Komfort und bringen Symbian ein ganzes Stück an Android heran, lassen aber auch noch Platz nach oben und vor allem für echte (eigene) Ideen und Innovationen. Die neuen Qt-Apps die es mehr und mehr in den Store schaffen, sehen schick aus und laufen völlig flüssig. Auch ansonsten macht Symbian Belle wirklich eine gute Figur was die Performance angeht. Einziger Nachteil: Wer wirklich mehrere und/oder anspruchsvolle Apps, vor allem Spiele im Hintergrund laufen lässt, darf sich sehr schnell eine Steckdose suchen. Da Symbian jedoch alles in der Hintergrund wirft, statt richtig zu schließen vergisst man schnell, was man da so mitlaufen hat. Das erwachen kommt dann beim Blick auf den Akkustand.
Ansonsten macht der Akku eine recht gute Figur, wer aber intensiv die Features nutzt, braucht öfter Strom. An Ende des Tages muss es dann aber auf jeden Fall ans Netz, außer es war im StandBy. So gesehen eben ein typisches Smartphone.
Apropos Apps, der Nokia Store gehört zu den neuen in Qt/QML geschrieben Apps, ist schick und lässt sich angenehm und schnell bedienen. Die App-Auswahl ist natürlich begrenzt, dürfte aber zumindest das wichtigste bieten. Für Facebook und Twitter finden sich Alternative Clienten, WhatsApp gibts genauso wie Angry Birds. Wer also mit einer guten Standard Auswahl Leben kann, sollte mit Symbian zufrieden sein. Aber das kleine 3,2-Zoll Display macht sich hier abermals negativ bemerkbar, vor allem bei Spielen die mit Touchbedienung gesteuert werden wollen.
Eine Sache, die Ihr wirklich sofort aus dem Nokia Store laden solltet, ist ein alternativer Browser, zwar ist der Symbian-Browser im Vergleich zu früher deutlich aufgebessert worden und arbeitet auch schneller, aber schneller heißt hier immer noch langsam und das trotz 1GHz und n-WLAN/HSDPA. Nokia will hier zwar auch in Zukunft noch mehr nachbessern, aber der Browser ist und bleibt in Symbian eine Baustelle. Opera dürfte aber gute Dienste leisten.
Ein echter Vorteil hingegen ist die kostenlose und vor allem erstklassige Navigation, die euch Nokia mitliefert. Ihr könnt sogar das Kartenmaterial und Sprachausgabe herunterladen, dann braucht Ihr keine Datenflat, oder spart wertvolle MBs wenn ihr auf Achse seid. Die Navigation funktionierte sehr gut und bot meist sehr sinnvolle Strecken an. Das Display könnte aber nerven und Strom kostet die Navigation auch nicht wenig. Ein Auto-Ladegerät sollte auf langen Strecken unbedingt mit.
Die Standard Software die euch Nokia bietet, ist ansonsten gut und solide umgesetzt. Sie ist schlicht, einfach, schnell, funktional, auch wenn einige Apps aus dem Store den einen oder anderen Job besser machen.
Das Fazit zum Nokia 700 fällt etwas schwierig aus. Auf der einen Seite ist es toll was man auf so kleinem Raum geboten bekommt. Auf der anderen Seite ergeben sich dadurch auch Nerv-Faktoren wie der kleine Screen, oder die Kamera mit ihrer EDoF Technik. Das Betriebssystem ist solide, flüssig, nervt aber auch hier und da mit Halbfertigkeiten. Und den Eindruck alles schon mal gesehen zu haben wird man auch nicht so recht los. Wer viele Apps will/braucht, der bekommt für einen ähnlichen Preis (200-250€) schon ein paar gute Androiden oder Windows Phone 7 Geräte. Auch sieht die Zukunft von Symbian nicht soo rosig aus, steht doch das Ende schon fest. Versproch wurde Support aber trotzdem bis 2016. Die nächste Qt-Version 5.0 wird wohl aber nicht mehr auf Symbian zu erleben sein - ein erstes Zeichen des Sterbens, wenn auch eher für Entwickler wichtig als User.
Wer schon immer Nokia/Symbian war, oder auf Apps verzichten kann, oder sowieso ein kleines Gerät sucht, auf keinen Fall Mainstream sein möchte, oder einfach nur ein wertiges, toll verarbeitetes Gerät sucht, mit dem man viele Möglichkeiten hat, die man aber wohl nur selten nutzen wird und über einige kleine Nervigkeiten hinwegsehen kann, könnte durchaus glücklich werden.
An sich würde ich objektiv wohl 7,0/10 Punkten vergeben, für alle die sich im vorletzten Absatz wiederfinden, könnte es aber auch 7,5 sein.
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