Das Lenovo Tab P12 bietet mit 12,7 Zoll viel Bildschirmfläche bei einem vergleichsweise schlanken Preis. Ob das Android-Tablet auch überzeugt, zeigt unser Test.
Die Zeit, in der man ausschließlich Apple-Tablets als Geräte für Unterhaltung oder Arbeit empfehlen konnte, ist vorbei. Lenovo ist mit seinem Tab P12 zwar nicht der erste Hersteller, der das beweist, aber das Gerät gehört definitiv zu den Android-Tablets, die man nicht unterschätzen sollte.
Mit seinen Maßen von 12,7 Zoll gehört das P12 zu den großen Android-Tablets. Das mag Nachteile haben bei der Mobilität, bietet aber deutlich mehr Display-Fläche beim Streaming auf der Couch. Welche Stärken und Schwächen das neue große Android-Tablet von Lenovo zum erschwinglichen Preis bietet, zeigt unser Testbericht.
Das Design des Lenovo Tab P12 erinnert sehr deutlich an sein Vorgängermodell. Unser Testgerät kommt in der Farbe Grau und verfügt über ein Unibody-Gehäuse – das bedeutet, dass die Rückseite fließend in die Seiten übergeht. Dadurch wirkt das Tablet wesentlich teurer, als es tatsächlich ist. Etwas Variation bringt das gläserne Kamera-Modul auf der Rückseite sowie die glänzend geschliffene, untere Hälfte der Rückseite. Neben der Kamera befindet sich ein Magnet, an den der Eingabestift andocken kann.
Das Tablet liegt trotz seiner Größe und seines Gewichts gut in der Hand, die Displayränder sind angenehm dünn. Die Verarbeitung ist spitzenmäßig, das Gerät lässt sich nur minimal unter Erzeugung markanter Protestgeräusche verbiegen. Einen Wasser- oder Staubschutz gibt es nicht.
Das im Lenovo Tab P12 verbaute Display ist ein 12,7 Zoll großes IPS-Panel, das das Gerät zu einem wahren Flächenmonster macht. Die Auflösung steigt im Vergleich zum Vorgänger um beinahe die Hälfte auf 2944 × 1840 Pixel, was einer 3K-Auflösung entspricht und eine Pixeldichte von rund 273 ppi ergibt. Dieses Upgrade macht sich schon auf den ersten Blick bemerkbar: Das erzeugte Bild ist schön scharf, der Text selbst beim genauen Hinsehen nicht verschwommen.
Ansonsten überzeugen die kräftigen, brillanten, aber natürlichen Farben. Die Weißanzeige scheint keinen Farbstich zu haben, was bei Mittelklasse-Tablets oft ein Problem ist – das finden wir gut. Schade hingegen ist, dass eine Bildwiederholrate von mehr als 60 Hertz nicht unterstützt wird, da sind manch andere Modelle besser aufgestellt. Auch bei der Helligkeit ist der Bildschirm leider kein Spitzenreiter: Im Test kommen wir auf eine Höchsthelligkeit von 430 cd/m². Das ist hell genug, um in Innenräumen problemlos arbeiten zu können, aber etwas zu dunkel, um bei Sonnenschein draußen alles erkennen zu können. Trotz dieser zwei kleineren Einschränkungen halten wir den Bildschirm angesichts des Gerätepreises für gelungen.
Ein Mittelklasse-Tablet, das den Fokus auf die Kamera-Qualität legt? Es ist uns ehrlicherweise bisher nicht begegnet. Zu dieser Kategorie gehört das Lenovo Tab P12 ganz offensichtlich nicht. Verbaut ist deshalb auf der Rückseite eine einzige Hauptkamera mit einer Auflösung von 8 Megapixel. Die entstehenden Aufnahmen sind mittelmäßig bis schlecht. Für Schnappschüsse reicht es, etwa eine Folie aus einer Präsentation beim Meeting abzufotografieren oder ein Dokument zu scannen. Für Letzteres gibt es sogar ein spezielles Feature in der Kamera-App. Instagram-reife Aufnahmen macht man damit aber nicht – bei geringem Lichtmangel sind Aufnahmen verwaschen, selbst bei perfektem Licht lassen die Farben zu wünschen übrig.
Videos können in 1080p bei 30 Bildern pro Sekunde aufgenommen werden. Die Frontkamera löst mit 13 Megapixeln auf und nimmt mit 4K bei 30 FPS (Bildern pro Sekunde) oder 1080p mit 60 FPS auf – das ist mehr als ausreichend, um durch eine Videokonferenz zu kommen, mehr aber auch nicht.
War im Vorgängermodell Tab P11 noch ein Einsteiger-Snapdragon 622 verbaut, kommt das neue Lenovo Tab P12 mit einem leistungsstarken MediaTek Dimensity 7050 daher. Der Achtkerner läuft mit bis zu 2,6 Gigahertz und sorgt insgesamt für eine überraschend gute Gesamtleistung.
Im Benchmark PCmark Work 3.0 erreicht das Tablet einen Wert von 11300 Punkten – das kann sich sehen lassen. Beim grafikintensiven 3Dmark Wild Life kommt das Tablet auf 2150 Punkte, was ebenfalls sehr solide ist. Diese Werte übertragen sich auf die Alltagsrealität mit dem Tablet: Jegliche Aufgaben, die zum Standardrepertoire gehören – also Surfen im Internet, Schauen von Videos, Chatten oder Dokumente schreiben – erledigt es mit links. Und auch bei anspruchsvolleren Aufgaben knickt das Gerät kaum ein. Multitasking ist dank der Software und des Arbeitsspeichers problemlos möglich, und nicht nur einfache, sondern auch anspruchsvollere Games sind mit dem Tab P12 möglich. Über die 60 FPS kommt man aufgrund der begrenzten Bildwiederholrate der Anzeige aber nicht.
Ansonsten finden wir beim Tab P12 die Standard-Ausstattung. Es gibt Wi-Fi 6 (IEEE 802.11an – bei einem Gerät aus dem Jahr 2023 sollte das eigentlich Standard sein), Bluetooth 5.1 mit Unterstützung für Bluetooth LE sowie GPS. Lediglich Mobilfunk-Konnektivität fehlt, was die Möglichkeiten, mit dem Gerät auch unterwegs produktiv zu sein, um einiges einschränkt. Lobenswert sind der gut funktionierende Fingerabdruck-Scanner in der Power-Taste sowie die Möglichkeit zur Gesichtsentsperrung. Auch gefallen haben uns die Lautsprecher im Tablet – davon gibt es vier. Sie werden im Vergleich zu teureren Geräten zwar nicht ganz so laut, aber sie kommen mit einem angenehmen, basshaltigen Klang. Im Vergleich zu einem iPad-Lautsprecher gibt es hier dennoch abermals einen großen Unterschied.
Um auch über das Zubehör ein oder zwei Worte zu verlieren: Im Lieferumfang des Lenovo Tab P12 enthalten ist ein Stylus – der Lenovo Tab Pen Plus. Dieser ist druck- und neigungsempfindlich und haftet magnetisch an der Rückseite des Tablets. Das Schreiben und Zeichen mit dem Stift klappt einwandfrei, er fühlt sich sehr responsiv an.
Des Weiteren kann man für einen Aufpreis ein Tastatur-Set inklusive Ständer-Hülle dazukaufen. Die Tastatur wird per Magnet und Pogo-Pin an der Unterseite des Tablets befestigt, die Hülle hält mechanisch. Das Tippgefühl selbst erinnert stark an die Tastaturen, die in vielen Lenovo-Laptops verbaut sind. Es ist angenehm, der Druckpunkt sitzt gut und die Tasten wackeln nicht hin und her. Eingaben werden auch bei Eckenanschlag erkannt. Etwas enttäuschender war das Touchpad, das uns etwas „labbrig“ vorkam. Dennoch macht das Zubehör aus dem Lenovo Tab P12 ein Gerät, das zumindest annähernd einen Laptop ersetzen kann.
Lenovo verbaut im Tab P12 einen 10200 mAh großen Akku, der im PCmark Battery Test einen Wert von 8,5 Stunden Wiedergabezeit liefert. Für ein Tablet mit beinahe 13 Zoll Displaygröße ist das ordentlich. Zum Vergleich: Das gleich große Samsung Galaxy Tab S8+ (Testbericht) kam auf nur rund 6 Stunden. Im Alltag ist dieser Wert natürlich nicht ganz so hoch – hier sind eher an die 5 bis 6 Stunden Nutzungszeit realistisch. Für den täglichen Gebrauch ist das aber mehr als ausreichend. Dank des Schnellladen mit 30 Watt ist das Tablet in rund 2,5 Stunden von 0 auf 100 Prozent wieder aufgeladen.
Das Lenovo Tab P12 hat eine UVP von 399 Euro. Bei Drittanbietern kostet es in der 8/128-GB-Version aktuell rund 295 Euro. Mit 256 GB kostet es 371 Euro.
Das Lenovo Tab P12 ist eine klare Weiterentwicklung. Der größere Bildschirm, die längere Akkulaufzeit und viel Leistung sprechen dafür, dass Lenovo Wert drauflegte, ein Gerät mit großartigem Preis-Leistungs-Verhältnis anbieten zu können. Der Test zeigt, dass das Vorhaben gelungen ist.
Dank des umfangreichen und hochwertigen Zubehörs kann sich das Gerät neben seinen offensichtlichen Unterhaltungsfähigkeiten in unseren Augen auch als Arbeitsgerät behaupten – davon zeugt auch die Software, die mit einer Vielzahl an Features für Multitasking und Co. kommt. Für knapp unter 400 Euro ist das Tablet eine preiswerte Alternative, mit dem man eigentlich nichts falsch machen kann – es sei denn, man möchte es regelmäßig draußen in der Sonne benutzen oder legt Wert auf eine hohe Kameraqualität.
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