Der LR 401 bietet einen innovativen Luftauslass und überzeugt dank LED-Licht und Textilüberzug auch optisch. Die App sollte der Hersteller aber überarbeiten.
Der Luftreiniger LR 401 des mittelständischen Familienunternehmen Beurer mit Hauptsitz in Ulm bietet eine Reinigungsleistung von 266 m³/h CADR (Clean Air Delivery Rate). Das Gerät verfügt ferner über einen integrierten Feinstaubsensor und misst Partikel mit einer Größe von PM 2.5. Anhand dieser Messwerte steuert der Automatikmodus je nach Luftqualität die Reinigungsleistung. Eine farbige LED signalisiert dabei die Luftqualität. Im Nachtmodus, den Anwender manuell aktivieren können, wird die LED zur Anzeige der Luftqualität wie auch die Beleuchtung des Bedienpanels auf der Oberseite ausgeschaltet. Neben der manuellen Bedienung kann man den Luftreiniger mit der App Fresh Home auch fernsteuern. Wie gut der Luftreiniger Beurer LR 401 in der Praxis funktioniert, zeigt unser Testbericht.
Anders als das Philips-Modell AC2889/10 mit einer eher breiten Gehäuseform gleicht der LR 401 von Beurer wie die Modelle Philips AC3033/10 und Smartmi Luftreiniger 2 einem Zylinder. Mit einem Durchmesser von 21,7 cm und einer Höhe von 50,8 cm fällt er im Vergleich zum AC3033/10 mit einem Durchmesser von 29 cm und einer Höhe von knapp 65 cm sehr kompakt aus. Kein Wunder, so bietet der Philips mit 520 m³/h auch fast eine doppelte so große Reinigungsleistung. Durch die kompakten Abmessungen bringt der LR 401 mit 5,5 kg auch weniger Gewicht auf die Waage als der Philips mit 6,7 kg.
Mit dem AC3033/10 gibt es aber auch eine Gemeinsamkeit und die betrifft das Design. Im unteren Teil besteht das Gehäuse aus Plastik, das wie beim AC3033/10 rundherum über kleine runde Öffnungen verfügt, über die der LR 401 Luft ansaugt, die dann mit dem dahinterliegenden, dreischichtigen Filter (Vorfilter, Hepa 13 und Aktivkohle) die Luft von Staub, Feinstaub und Gerüchen befreit. Laut des unabhängigen Prüflabors Airmid Healthgroup holt der LR 401 wie andere Luftreiniger mit Hepa-13-Filter nicht nur zu 99,95 Prozent Schadstoffe in einer Größe von 0,3 Mikrometern aus der Luft, sondern reduziert auch den Anteil von Bakterien und Viren.
Der obere Gehäuseteil ist wie beim AC3033/10 mit einer grauen Textiloberfläche verziert. An der Oberseite befindet sich das runde Bedienpanel mit, das wie eine Untertasse über dem darunterliegenden Luftauslass thront. Dieser wird über ein im Bedienpanel nach unten strahlenden LED-Band rundherum beleuchtet. Insgesamt verleiht dies dem LR 401 ein stylishes Aussehen. Zudem ist das über dem Luftauslass „schwebende“ Bedienpanel auch noch nützlich, denn dadurch wird die gereinigte Luft nicht einfach nach oben ausgeführt, sondern wird in alle Richtungen gleichmäßig im Raum verteilt. Und so erkennt man, dass bei der Entwicklung des LR 401 der Designgrundsatz „form follows function“ beachtet wurde.
Das Gerät kann man über das Bedienpanel nicht nur ein- und ausschalten, sondern komplett steuern. Anwender können unterschiedliche Lüfterstufen einstellen, das UV-C-Licht zur Desinfektion von Keimen, sowie den Nacht- und Automatikmodus aktivieren und Timer (2, 4 und 8 Stunden) konfigurieren. Auch die im Gerät integrierte WLAN-Funktion lässt sich darüber ausstellen. Das Ein- und Ausschalten wird durch einen Dreiklang akustisch untermalt, der auffällig dem der Philips-Luftreiniger gleicht. In der App kann man das akustische Signal deaktivieren.
Ein Display mit der Anzeige von Feinstaubbelastung oder TVOCs, wie sie die Modelle von Smartmi, Philips und Xiaomi bieten, gibt es beim LR 401 nicht. Auch eine Temperatur- oder Luftfeuchtigkeitsanzeige bietet der Beurer-Luftreiniger nicht.
Bequemer als über das Bedienpanel können Anwender den Beurer-Luftreiniger mit der App Fresh Home einstellen. Sie übernimmt bei der Ersteinrichtung die Koppelung des Geräts mit dem heimischen WLAN. Für die Nutzung der App muss man sich allerdings registrieren. Und das gelang im Test nicht problemlos. Denn anders als in der App angegeben, muss das Passwort zwölf und nicht wie von der App gefordert acht Stellen umfassen. Beurer hatte im Backend bereits die höheren Anforderungen aktiviert, bevor die App aktualisiert wurde. Ist die Registrierung abgeschlossen, kann die Einrichtung des LR 401 beginnen. Diese ist nach wenigen Minuten abgeschlossen.
Als Betriebsmodi stehen Auto- und Nachtmodus sowie vier manuelle Lüfterstufen zur Auswahl. Im Automatikmodus reguliert das Gerät die Lüfterdrehzahl anhand der über den Feinstaubsensor gemessenen Werte. Wie hoch diese ausfallen, zeigt das Gerät anhand eines LED-Streifen unter dem Bedienpanel an, der den Luftauslass beleuchtet. So erkennt man, wie gut oder schlecht die Raumluftqualität bezüglich der Feinstaubkonzentration ist: Blau steht für gut, Gelb für akzeptabel, Orange für alarmierend und Rot für schlecht.
Mit der Standardeinstellung leuchtet die LED wie folgt: <12 μg/m³ Feinstaub = blau, 12,1 bis 35,4 μg/m³ = gelb, 35,5 bis 55,4 μg/m³ = orange und mehr als 55,5 μg/m³ = rot. In den Einstellungen können Anwender diese Grenzwerte mit zwei vorgegebenen Profilen ändern. Mit der Option Moderat wird die Luft bis 35,5 μg/m³ als gut (blau) und mit mehr als 115 μg/m³ als schlecht (rot) eingestuft. Mit der Einstellung Sensitiv gilt die Luft als gut, wenn weniger als 10 μg/m³ Feinstaub registriert wird und als schlecht, wenn die Feinstaubkonzentration mehr als 25 μg/m³ beträgt. Zum Vergleich: Die WHO hat in der Vergangenheit für PM2.5 einen Grenzwert von 10 µg/m³ empfohlen, den sie 2021 auf 5 µg/m³ gesenkt hat, während der Grenzwert der EU noch bei 25 µg/m³ liegt. Die Einstellung Sensitiv orientiert sich also an dem ehemaligen WHO-Grenzwert. Grundsätzlich hält die WHO jede Konzentration von Feinstaub für gesundheitsgefährdend.
Andere Optionen wie smarte Routinen, die etwa der Xiaomi Smart Air Purifier 4 bietet, stehen in der Beurer-App nicht zur Verfügung. Während man für den Xiaomi damit anhand der aktualisierten WHO-Grenzwerte eine selbst definierte Lüftersteuerung programmieren kann, steht diese Option beim Beurer nicht zur Verfügung. Auch andere Luftreiniger wie der Philips AC3033/10 bieten keine smarten Routinen. Dafür kann man den Philips in leistungsfähige Smart-Home-Zentralen wie Homey Pro (Testbericht) oder Home Assistant (Test) einbinden. Anhand von Sensordaten des Geräts oder Messwerten von Luftgütesensoren wie Air Q, Airthings View Plus und Awair Element (Bestenliste) ist es dann möglich, die Lüftersteuerung neu zu programmieren. Das beherrscht der Luftreiniger von Beurer leider nicht. Auch unterstützt er keine Sprachsteuerung per Alexa, Apple Siri oder Google Assistant.
Die App reagiert ansonsten zügig auf Nutzereingaben, verliert aber häufiger Kontakt zum Luftreiniger, der oft erst nach einem Neustart wieder zustande kommt. Nicht so gut gelungen ist außerdem die Ansicht der Verlaufsdaten, die nur Daten anzeigt, die zur vollen Stunde erfasst wurden. So bleiben dazwischenliegende Ausschläge unsichtbar.
Der Sensor des Beurer-Luftreinigers reagiert sehr träge im Vergleich zu den in den Luftreinigern von Philips, Xiaomi und Smartmi verbauten Varianten. Im Test mit dem Meross-Zerstäuber (Ratgeber), den wir mit einem ätherischen Öl befüllt haben und der die Feinstaubbelastung innerhalb von fünf Minuten in unserm neun Quadratmeter großen Testraum von 2 bis 3 µg/m³ PM 2.5 auf über 50 µg/m³ steigen lässt. Während die Luftreiniger von Philips, Smartmi und Xiaomi diesen Anstieg sofort anzeigen, dauert es bei LR 401 etwa eine Minute, bis er ähnlich hohe Werte anzeigt. Die Feinstaubkonzentration haben wir zusätzlich mit den Luftgütesensoren Air Q, Airthings View Plus und Awair Element (Bestenliste) verifiziert.
Wegen der verzögerten Messwerte erhöht der LR 401 auch die Lüfterdrehzahl im Automatikmodus später als die anderen Modelle. Die Reinigungsleistung geht hingegen in Ordnung. Nach circa fünf Minuten hat der Beurer-Luftreiniger die Feinstaubkonzentration wieder auf 4 bis 7 µg/m³ PM 2.5 reduziert. Mit dem Philips AC3033/10 sinkt die Feinstaubkonzentration auf diese Werte aufgrund seiner höheren Reinigungsleistung bereits nach etwa drei Minuten. Wie der Mitbewerb tut sich aber auch der LR 401 bei der Beseitigung von flüchtigen organischen Verbindungen (VOC) schwer. Hier dauert es teilweise sehr lange, bis ein Effekt beobachtet werden kann. Ganz ohne Lüften kommt man halt auch mit einem Luftreiniger nicht aus.
Im Stand-by beträgt die Leistungsaufnahme des LR 401 0,7 Watt und ist damit deutlich niedriger als bei den Modellen von Philips, Smartmi und Xiaomi, die mehr als 1 Watt verbrauchen. Im Schlafmodus, also auf niedrigster Stufe und ohne LED-Beleuchtung, benötigt der Beurer-Luftreiniger mit 1,7 Watt wiederum weniger Energie als der Mitbewerb, der auf eine Leistungsaufnahme von bis zu 3,9 Watt kommt. Mit eingeschalteter LED steigt die Leistungsaufnahme mit der niedrigsten Lüfterstufe auf 2,4 Watt und mit aktivierter UV-C-Lampe sind es knapp 6 Watt. Ähnlich hohe Werte haben wir auch beim Smartmi Luftreiniger 2 gemessen, der ebenfalls eine UV-C-Leuchte bietet. Mit der höchsten Lüfterstufe kommt der LR 401 auf eine Leistungsaufnahme von knapp 38 Watt, womit er ungefähr so viel Energie benötigt wie der Smartmi Luftreiniger 2, aber etwa 10 Watt unterhalb des leistungsstärkeren Philips AC 3033/10 bleibt.
Der Beurer LR 401 kostete zum Marktstart im April 2023 etwa 375 Euro. Inzwischen wird er bereits für 100 Euro weniger verkauft. Seinen bislang tiefsten Preis erreichte er mit 255 Euro im Juli. Ersatzfilter, die laut Hersteller nach 432 Tagen fällig sind, also nach etwa 1,5 Jahren bei einem Betrieb von täglich acht Stunden, sind mit knapp 40 Euro relativ günstig.
Der Beurer-Luftreiniger LR 401 kann im Test nicht restlos überzeugen. Zweifellos weiß er dank des fast schwebend wirkenden Bedienpanels und der indirekten LED-Beleuchtung, die den Schadstoffgehalt der Luft signalisiert, durchaus zu gefallen. Und auch die durchdachte Konstruktion, mit der die gereinigte Luft gut im Raum verteilt wird, steht auf der Habenseite. Mit der im Nachtmodus abgeschalteten Beleuchtung ist er auch für den Einsatz im Schlafzimmer geeignet, auch wenn er etwas lauter als der Philips AC 3033/10 agiert.
In puncto Reinigungsleistung erzielt der LR 401 zwar nicht ganz so gute Werte wie der Philips AC 3033/10, aber das war angesichts der deutlich niedrigeren Clean Air Delivery Rate (CADR) auch nicht zu erwarten.
Weniger gut ist die App, die häufiger Kontakt zum Gerät verliert. Doch das ist nicht der einzige Mangel: Die Anzeige der Verlaufsdaten ist ebenfalls verbesserungswürdig. Zu bemängeln ist außerdem, dass die App keine smarten Routinen unterstützt, mit der man die Lüftersteuerung persönlichen Bedürfnissen anpassen kann. Zudem kommt, dass auch keine Anbindung an Smart-Home-Zentralen möglich ist, mit denen man diesen Mangel hätte ausgleichen können. Eine Sprachsteuerung per Alexa, Siri und Google Assistant ist ebenfalls nicht möglich. Und auch die verzögerte Reaktion des PM-2.5-Sensors spricht nicht gerade für den LR 401.
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