Die schwedische Firma Blueair bietet mit dem Blue 3410 einen Luftreiniger ohne App, der mit einem innovativen Filter die Luft effizient reinigen soll. Wie gut der Blue 3410 in der Praxis funktioniert, zeigt unser Test.
Der schwedische Hersteller Blueair bietet mit dem Blue 3410 einen Luftreiniger, der vier Betriebsarten und einen waschbaren Vorfilter bietet und ohne App auskommt. Mit einer Clean Air Delivery Rate (CADR) von 425 m³/h empfiehlt ihn der Hersteller für Raumgrößen von bis zu 86 m².
Wie gut der aktuell nur 139 Euro teure Blueair Blue 3410 in der Praxis funktioniert, haben wir überprüft.
Gegenüber dem Philips-Luftreiniger Philips AC3033/10 kann der Blueair Blue 3410 nicht mithalten. Während der AC3033 eine Clean Air Delivery Rate (CADR) von 520 m³/h bietet, schafft der Blue 3410 nur eine CADR von 425 m³/h. Daher wird er laut Hersteller auch nur für eine Raumgröße von bis zu 86 m² empfohlen, während der AC3033 für Räume bis 135 m² geeignet ist. Allerdings sind die empfohlenen Raumgrößen der Hersteller lediglich ein grober Anhaltspunkt. Interessenten sollten sich daher an der Reinigungsleistung, gemessen in CADR, orientieren. Aber auch diese muss man relativieren: Denn sie wird mit maximaler Lüfterstufe der Geräte getestet, die wegen ihrer großen Lautstärke bei den meisten Anwendern nur im Notfall gewählt wird. Wesentlich häufiger kommen der Automatik- und der Nachtmodus zum Einsatz.
Obwohl sich der Luftreiniger des schwedischen Herstellers hinsichtlich der inneren Werte von der aktuellen Nummer 1 unserer Bestenliste, dem Philips AC3033/10, unterscheidet, ähneln sich die Geräte im Hinblick auf Form und Design: Beide setzen auf ein rundes, turmförmiges Gehäuse aus Plastik. Während der Philips einen Durchmesser von 29 cm und eine Höhe von 64,5 cm aufweist, fällt der Blue 3410 mit 26 cm und 52 cm etwas kompakter aus.
Beide Gehäuse bestehen aus Plastik und sind teilweise von einem dunkelgrauen Textilstoff umgeben. Beim Philips ist etwa 1⁄3 des oberen Gehäuses mit diesem umgeben, beim Blue 4310 sind es hingegen 2⁄3 des unteren Gehäuses. Doch während beim Philips die Textilummantelung lediglich ästhetischen Zwecken dient, erfüllt sie beim schwedischen Luftreiniger noch eine andere Aufgabe. Denn sie fungiert als Vorfilter, der die Luft von groben Verunreinigungen wie Staub befreit.
Wem die standardmäßig ausgelieferte dunkelgrau Variante nicht mag, kann den Vorfilter auch in einer anderen Farbe für 26 Euro (Preisvergleich) ordern.
Hinter dem Vorfilter sitzt im Gehäuseinneren der Hepa-Filter, den Blueair mit Hepa Silent bezeichnet. Dahinter verbirgt sich ein Filterdesign, das traditionelle mechanische Filterung mit elektrostatischer Aufladung von Partikel kombiniert. Doch auch der Blueair filtert aus der Luft „nur“ die für H13-Hepa-Filter typischen 99,97 Prozent der in der Luft befindlichen Partikel bis zu einer Größe von 0,1 Mikrometer. Aber dafür soll die Luftreinigung schneller und leiser erfolgen (dazu später mehr).
Auf der Oberseite des Luftreinigers befindet sich der Luftauslass. In dessen Mitte gibt es eine berührungsempfindliche Bedienfläche mit einem Durchmesser von etwa 6 cm. Dort sind drei wenige Zentimeter lange, gebogene LEDs eingelassen, die die unterschiedlichen Betriebsarten signalisieren. Allerdings leuchten diese nur kurz auf und stören somit nicht, wenn das Gerät im Schlafzimmer zum Einsatz kommt. Über das Panel wird der Luftreiniger ein- und ausgeschaltet, sowie die unterschiedlichen Betriebsmodi aktiviert. Tippt man zweimal auf das Panel, wird der Nachtmodus aktiviert. Dann erlischt auch die Betriebs-LED an der Vorderseite, die ansonsten den Status der Luftqualität anzeigt (rot=verschmutzt, orange=moderat, blau=gut). Weitere Gesten erklärt das mehrsprachige Handbuch auch auf Deutsch.
Der Automatikmodus reagiert unmittelbar mit Erhöhung der Lüfterdrehzahl, sobald durchs Zubereiten von Speisen die Feinstaubbelastung oder der Anteil flüchtiger organischen Verbindungen (VOC, Volatile Organic Compounds) steigt. Allerdings ist der im Blue 3410 verbaute Partikelsensor im Vergleich zu Varianten in anderen Luftreinigern wie dem Xiaomi Purifier 4 relativ träge. Im Test haben wir die Feinstaubkonzentration von etwa 5 μg/m³ mittels eines Diffusors und einem ätherischen Öl auf über 100 μg/m³ erhöht. Der Xiaomi registriert die Erhöhung deutlich schneller als der Blue 4310 und erhöht die Lüfterdrehzahl für eine verbesserte Luftreinigung. Der Blue 3410 reagiert etwa 1 bis 2 Minuten später.
An der Reinigungsleistung gibt es indes nichts auszusetzen. Nach fünf Minuten bei höchster Lüfterstufe hat der Blue 3410 den Feinstaubanteil in einem knapp 11 m² großen Raum von über 100 μg/m³ auf 5 μg/m³ abgesenkt. Ohne den Einsatz des Luftreinigers beträgt der Feinstaubanteil nach fünf Minuten noch über 70 μg/m³. Die Werte haben wir mit dem Raumluftsensor Awair Element (Bestenliste) ermittelt.
Im Nachtmodus ist der Blue 3410 kaum zu hören. Doch ganz so leise wie der Philips AC3033 oder der Xiaomi Air Purifier 4 geht er nicht zu Werke. Bei mittlerer Lüfterdrehzahl (Alltagsmodus) ist er hingegen wahrnehmbar, aber wenig störend. Das ändert sich aber mit höchster Drehzahl (Boost-Modus). Dann empfinden unsere Testpersonen die Lautstärke für ein konzentriertes Arbeiten als zu laut. Doch auch andere Luftreiniger liefern bei höchster Lüfterdrehzahl kein wesentlich besseres Ergebnis. Nach Angaben des Herstellers pendelt die Lärmbelästigung je nach gewählter Betriebsart zwischen 23 und 53 dB(A).
Die Leistungsaufnahme des Blue 3410 beträgt bei maximaler Lüfterdrehzahl knapp 31 Watt, mit mittlerer Drehzahl sind es knapp 6 Watt und im Nachtmodus knapp 3 Watt. Und im Standby-Modus misst die smarte Steckdose Fritz Dect 210 noch 0,3 Watt. In puncto Stromverbrauch kommt das Gerät mit den unterschiedlichen Betriebsarten ungefähr auf die guten Verbrauchswerte, die auch andere Luftreiniger erzielen. Der Standby-Verbrauch fällt hingegen niedriger aus. Allerdings fehlt dem Blue 3410 aber auch eine WLAN-Schnittstelle, die andere Luftreiniger bieten.
Für Smart-Home-Anwender ist der Blueair Blue 3410 weniger gut geeignet. Der Luftreiniger kommt ohne App und WLAN und lässt sich daher auch nicht mit dem heimischen Router koppeln. Entsprechend gibt es keine direkte Möglichkeit, das Gerät mit Smart-Home-Zentrale (Bestenliste) wie Homey Pro (Testbericht) oder Home Assistant (Testbericht) zu koppeln und für Automatisierungen zu nutzen, etwa in Kombination mit Raumluftsensoren (Bestenliste) wie Air Q Pro, Awair Element oder Airthings View Plus.
Immerhin kann man den Blue 3410 mit einer smarten Steckdose (Bestenliste) ein- und ausschalten, da er nach einer Stromtrennung automatisch mit dem zuletzt genutzten Modus wieder in Betrieb geht.
Der Blueair Blue 3410 kostet zum Testzeitpunkt Mitte 2024 mindestens 270 Euro. Im Allgemeinen schwanken die Preise für Luftreiniger allerdings stark. Das ist auch beim Blue 3410 so: Letztes Jahr war das Modell laut Preisvergleich zwischen Ende Juli und Mitte Oktober für knapp 160 Euro erhältlich. Und aktuell gibt es ihn zum Tiefstpreis für 139 Euro. Für einen Ersatzfilter, der nach 6 bis 12 Monaten fällig wird, muss man knapp 60 Euro ausgeben. Vorfilter in einer anderen Farbe gibt es für 26 Euro (Preisvergleich).
Der Blueair Blue 3410 bietet eine ordentliche Reinigungsleistung, die das Niveau anderer Luftreiniger mit ähnlichen CADR-Werten erreicht. Das Design mit den in unterschiedlichen Farben erhältlichen Vorfiltern wirkt modern – das Gerät weiß also zu gefallen. Und dank des leisen Nachtmodus ist er auch für den Einsatz im Schlafzimmer gut geeignet.
Die Bedienung ist einfach, doch eine Anbindung an Smart-Home-Zentralen oder eine Sprachsteuerung bietet das Gerät mangels WLAN und App nicht. Außerdem reagiert der Partikelsensor relativ träge.
Wer sich an den genannten Einschränkungen nicht stört, kann zum aktuellen Preis von 139 Euro gerne zugreifen.
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