Das Pedelec Diamant 365 besteht aus einem in Deutschland gefertigten Rahmen. Es ist top verarbeitet, bietet aber nur eine begrenzte Reichweite. Ob man damit leben kann, zeigt unser Testbericht.
Urban Bikes oder Lifestyle-Räder wie das Accolmile E-Road (Testbericht), das Urtopia Carbon 1 (Testbericht) oder das Fiido C21 (Testbericht) sind gewichtsoptimierte Pedelecs für kurze Strecken. Sie kommen meist ohne Gepäckträger, teilweise sogar ohne Schutzbleche aus und wiegen in der Regel unter 20 kg. Das Diamant 365 ist ein solches Urban Bike und wird nicht in China gefertigt, sondern in der Nähe von Chemnitz von den dort ansässigen Diamantwerken hergestellt. Das Traditionsunternehmen existiert bereits seit 1885 und zählt zu den ältesten deutschen Fahrradherstellern. Bereits 2003 wurde das sächsische Unternehmen vom US-Hersteller Trek übernommen. Am Standort bei Chemnitz produzieren 500 Mitarbeitern täglich über 1200 Räder.
Eines davon ist das Diamant 365 mit einem Gewicht von nur 17 kg. Das Rad bietet zwar Schutzbleche, aber keinen Gepäckträger. Wer letzteren bevorzugt, kann zum fast baugleichen, aber etwas schwereren Modell Diamant 365 Deluxe greifen. Mit drei Rahmengrößen sind die Urban Bikes aus Sachsen für Personen mit einer Größe zwischen 164 cm und 197 cm geeignet. Wie gut das Diamant 365 in der Praxis funktioniert, zeigt unser Testbericht.
Im Unterschied zu vielen E-Bikes aus China wird das Diamant 365 nahezu komplett montiert zum Kunden geliefert. Man muss also nicht mehr viel schrauben. Wir montieren lediglich die Pedale und die vier Reflektoren und ziehen die Schrauben von Lenker und Gabel fest. Die dafür nötigen Werkzeuge sind auf der Verpackung aufgedruckt (siehe Bildergalerie), zählen aber nicht zum Lieferumfang. Außerdem justieren wir noch Gangschaltung und Klingel am Lenker, sodass wir sie bequem bedienen können. Das Vorderlicht richten wir für eine optimale Ausleuchtung aus.
Insgesamt dauert die Montage inklusive Nachziehen aller Schrauben sowie dem Aufpumpen der Reifen nur etwa 15 Minuten. Weitere 15 Minuten gehen zuvor für das Entpacken drauf, da viele Bauteile des Rads mit Schaumstoff gepolstert und mit Kabelbindern verbunden sowie mit Klebestreifen zum Schutz vor Kratzern überzogen sind.
Die Verarbeitung hinterlässt einen hochwertigen Eindruck. Die Schweißnähte sind im oberen Bereich an Gabel und unterhalb der Sattelstütze geschliffen, sodass man sie auch dank der schwarzen Lackierung kaum erkennt. Lediglich im unteren Bereich sind sie wie bei E-Bikes aus China unbehandelt. Der stabile Rahmen aus Aluminium trägt Personen bis maximal 119 kg bei einem zulässigen Gesamtgewicht von 136 kg. Die Schutzbleche bestehen aus Metall und die Pedale aus Plastik. Beim Fahren wackelt oder klappert nichts.
Gegenüber einem günstigen E-Bike aus China ist das Kabelmanagement beim Diamant 365 vorbildlich. Die vorderen Kabel und Bremszüge der hydraulischen Bremse verschwinden in der Gabel und im Rahmen. Die Verkabelung für das Rücklicht verläuft unsichtbar in der Innenseite des hinteren Schutzblechs.
Der Rahmen des Diamant 365 ist in Schwarz lackiert. Fast sämtliche anderen Bauteile, selbst die Sattelstütze und die Speichen, sind in dieser Farbe gehalten. Lediglich die Speichenschutzscheibe am Hinterrad besteht aus transparentem Kunststoff.
Der Lenker wirkt angenehm aufgeräumt. Das liegt auch daran, dass das Diamant 365 kein Display bietet. Wer auf die im Computer gespeicherten Daten wie gefahrene Kilometer zugreifen möchte, muss das Rad mit der App Hyena Rider Assistant (HRA) des Motorenherstellers koppeln. Für die Nutzung der App muss man sich registrieren.
Eingeschaltet wird das Rad über das Bedienpanel auf der linken Seite am Lenker, das insgesamt drei Tasten bietet. Ein langes Drücken der Einschalttaste aktiviert das Rad. Im Panel leuchten dann zwei unterschiedliche LED-Anzeigen: Eine zeigt den aktuellen Batterieladestatus (grün), während die andere die gewählte Unterstützungsstufe (rot) signalisiert. Mit der Plus- und Minus-Taste kann man letztere anpassen. Nach dem Einschalten des Rads leuchten Vorder- und Rücklicht. Mit einem langen Drücken der Plus-Taste kann man das Licht aus- und wieder einschalten.
Auf der rechten Seite des Lenkers sitzen die Schalthebel (Shimano Altus M2010), die die 9-Gang-Schaltung Shimano Altus M2000 mit Schaltkassette HG200 und der Übersetzung 11 - 36 bedienen. Das Zusammenspiel der Shimano-Schaltung funktioniert auf Anhieb gut, die Gangwechsel erfolgen problem- und nahezu geräuschlos. Schon im achten Gang lässt sich das Rad bei höchster Unterstützungsstufe auf über 25 km/h im Flachen beschleunigen. Noch mehr Tempo kann man mit dem höchsten Gang erzielen. Dann aber ohne Unterstützung des Motors, der das Rad nur bis zu der hierzulande gültigen Höchstgeschwindigkeit von 25 km/h beschleunigt.
Die Handgriffe fühlen sich gut an und bieten genügend Grip. An den seitlichen Enden bieten sie eine breitere Auflagefläche für die Handballen.
Der Winkel und die Höhe des Vorbaus lassen sich über ein Gelenk anpassen, das ist hervorragend. Zusammen mit dem ausreichend höhenverstellbaren Sattel bietet das Diamant 365 damit eine gute Ergonomie. Jedenfalls fühlt sich unser 186 cm großer und 90 kg schwerer Fahrer sehr wohl auf dem Diamant 365 mit XL-Rahmen.
Wir haben das Rad mit hohem Rahmen getestet. Zur Auswahl steht aber auch noch eine Variante mit Trapez-Rahmen, der einen deutlich niedrigeren Zustieg bietet, fast wie bei einem echten Tiefeinsteiger. Letzteren werden vermutlich vor allem Rock-tragende Frauen sowie ältere Menschen oder Personen mit körperlicher Beinträchtigung zu schätzen wissen, die Schwierigkeiten haben, ihr Bein zum Aufsteigen über das Rad zu schwingen.
Aufgrund der starren Gabel spürt man Unebenheiten auf der Fahrbahn deutlicher als bei Rädern mit einem gefederten Vorderrad. Anderseits vermittelt das Diamant 365 mit seinen 28 Zoll großen und 40 mm breiten Reifen einen direkten Straßenkontakt und lässt sich in jeder Situation sicher fahren. Es ist natürlich nicht ganz so flexibel wie ein Rad mit kleineren Rädern, ist dafür aber spurtreu und bleibt auch in Kurven sicher beherrschbar. Im Zusammenspiel mit dem großen und gut gepolsterten Selle-Royal-Vivo-Sattel bietet es trotz starrer Gabel noch einen guten Fahrkomfort. So ist es etwa kein Problem, mit dem Pedelec auch mal abseits der Straße durch den Park auf Schotterwegen zu fahren.
Die hydraulischen Scheibenbremsen vorn und hinten lassen sich gut dosieren und greifen perfekt. Die Schutzbleche sehen nicht nur brauchbar aus, sie sind es auch. Bei der Fahrt durch Pfützen erfüllen sie ihre Pflicht und halten den Fahrer trocken.
Den 250-Watt-Motor mit seinen 40 Nm haben Diamant und Trek zusammen dem taiwanischen Hersteller Hyena entwickelt. Er beschleunigt angenehm flott bis zur gewählten Höchstgeschwindigkeit und bleibt dabei sehr leise. Auch moderate Steigungen sind kein Problem. Den Ausflug auf den doch recht steilen Olympiaberg in München hat das Diamant 365 ebenfalls mit Bravour gemeistert. Klar ist aber auch: Für solche Einsätze ist das Diamant 365 nicht gemacht. Wer gerne Berge auf- und abfährt, ist mit einem E-Mountainbike (Bestenliste) besser bedient.
Positiv ist die gute Abstimmung zwischen Drehmomentsensor und Motorsteuerung. Während man bei anderen E-Bikes mit Hinterrad-Nabenmotor oft mehrmals treten muss, damit der Motor seine Kraft entfaltet, greift die Motorunterstützung beim Diamant 365 sofort. Auch während der Fahrt bleibt die Motorunterstützung konstant und setzt sofort ein, wenn die Höchstgeschwindigkeit von 25 km/h unterschritten wird. Ein ähnlich gutes Fahrverhalten haben wir auch beim Accolmile E-Road (Testbericht), beim Fafrees F26 Pro (Testbericht) und beim Himiway Escape Pro (Testbericht), sowie Pedelecs mit Mittelmotor wie dem Magmove CEH55M beobachtet.
Der Akku sitzt schick integriert im Rahmen, kann zum Laden aber nicht entnommen werden. Das ist, wenn es ums Aufladen geht, unpraktisch, da nicht jeder Stadtbewohner über eine leicht zugängliche Garage mit Stromanschluss verfügt. Wir mussten das leichte E-Bike etwa in den Keller zum Aufladen tragen. Das ist bei einem Gewicht von gut 17 Kg zwar nicht allzu schwer, es nervt aber auf Dauer trotzdem.
Ein entsprechendes Netzteil liegt bei. Laut Hersteller kann man mit dem Diamant 365 bis zu 60 km fahren, bevor der Akku wieder aufgeladen werden muss. Dieser Wert ist jedoch unter unrealistischen Vorgaben entstanden. So ist unter anderem der Fahrer leicht, die Höchstgeschwindigkeit gering, das Wetter warm, die Strecke eben, glatt und unterbrechungsfrei. Im Test mit einem 90 kg schweren Fahrer stellt der Akku nach knapp 37 km den Betrieb ein. Bei unserer täglichen Pendelstrecke von 19 km einfach, mussten wir daher auf dem letzten Kilometer auf die Motorunterstützung verzichten. Gut, dass das Rad mit gut 17 kg relativ wenig wiegt. Insofern war es kein großes Problem, die letzten Meter nur mit Muskelkraft zu bewerkstelligen. So wie früher, als es noch keine E-Bikes gab.
Angenehmer ist es natürlich mit Motorunterstützung, besonders, wenn es wie im Testzeitraum mehr als 30 °C im Schatten hat. Immerhin bietet Diamant einen Zusatzakku für etwa 550 Euro, der wie der eingebaute 250 Wh bietet und somit die Reichweite verdoppelt. Andererseits dürften aber in einer Stadt die wenigsten eine tägliche Pendelstrecke von 38 km zurücklegen, sodass das Akku-Limit in der Praxis für viele weniger relevant ist.
Das Diamant 365 mit einem per Handarbeit in Deutschland hergestellten Rahmen kostet 1540 Euro.
Wer ein E-Bike für die Stadt sucht, ist mit dem Diamant 365 bestens bedient. Es zeichnet sich durch eine hohe Verarbeitungsqualität aus, die man an geschliffenen Schweißnähten und an dem erstklassigen Kabelmanagement erkennt. Das Fahrverhalten vermittelt zu jeder Zeit Sicherheit, die auch durch die ausgezeichneten hydraulischen Bremsen unterstützt wird. Der Motor ist perfekt abgestimmt und beginnt unmittelbar mit der Unterstützung, sobald man in die Pedale tritt. Dabei bleibt er sehr leise und dank des im Rahmen versteckten Akkus sieht das Diamant 365 fast wie ein normales Fahrrad aus.
Der Akku ist mit 250 Wattstunden allerdings nicht für die Langstrecke konzipiert. Im Test mussten wir nach etwa 37 Kilometer allein in die Pedale treten, um vorwärtszukommen, was aber bei einem relativ niedrigen Gewicht von rund 17 kg noch verschmerzbar war. Wer größere Pendelstrecken zurücklegt, kann dieses Manko mit dem Erwerb eines Zusatzakkus beseitigen. Ein Display ist für das Fahren eines Rads zwar nicht nötig, wir hätten uns aber trotzdem eines gewünscht, um Geschwindigkeit, Stärke der Motorunterstützung sowie zurückgelegte Kilometer während der Fahrt zu verfolgen. Das ist zwar auch mit der App möglich, doch dafür müssten wir eine Smartphone-Halterung (Bestenliste) auf den Lenker montieren. Last but not least überzeugt auch die äußere Erscheinung des Diamant 365: Fast alle Bauteile, sogar Sattelstütze und Speichen, sind in Schwarz gehalten. Wer mehr Kontrast wünscht, kann auch zum Modell in Rot greifen.
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