Stefan schrieb bereits während des Studiums Spieletests für ein Printmagazin im Ruhrgebiet. Durch einen glücklichen Zufall landete er in Berlin und arbeitete fast 15 Jahre bei Areamobile, zuletzt als leitender Testredakteur. Für Heise Bestenlisten testet er Smartphones, Saug- und Mähroboter, Lautsprecher, Modellflugzeuge und andere Technik-Gadgets.
Der Mähroboter ohne Begrenzungskabel Ecovacs Goat G1 überzeugte im Jahr 2023 mit verlässlicher Technik, hatte aber noch Nachholbedarf bei der Software. Der G1 2000 schafft jetzt noch mehr Fläche – und was sonst noch?
Mit dem Goat G1 gelang Ecovacs 2023 ein voller Erfolg. Der vor allem von Saugrobotern bekannte Hersteller brachte seinen ersten Mähroboter in den Handel, den Ecovacs Goat G1 (Testbericht). Mit Kamerasystem inklusive Objekterkennung, Ladestation mit Reinigungsfunktion für eben jenes und vor allem dem Verzicht auf Begrenzungskabel entwickelte sich das Modell zu einem Top-Seller. Allerdings fehlte es der Software noch an Feinschliff, wir vermissten vorrangig die Möglichkeit, einmal angelegte Mähflächen nachträglich anpassen zu dürfen. Das hat sich leider auch beim neuen Ecovacs Goat G1 800 (Testbericht) aus 2024 nicht geändert, der für kleinere Flächen ausgelegt und daher etwas günstiger ist.
War das beim Erstlingswerk noch akzeptabel, so ist das beim aktuellen Modell deutlich mehr zu kritisieren. Denn inzwischen bekommt Ecovacs von allen Seiten zunehmend Konkurrenz. Modelle wie Dreame A1 (Testbericht), Mammotion Luba 2 (Testbericht), Stiga A1500 (Testbericht), Segway Navimow i150E/i108E (Testbericht) und mehr vielversprechende Alternativen beherrschen das nämlich längst und selbst im Vorjahr konnten das schon Mähroboter ohne Begrenzungsdraht wie der erste Luba (Testbericht) oder die H-Serie von Segway Navimow (Testbericht).
Wir haben uns im Test daher den größten und neuesten Goat, den Goat G1-2000, angeschaut und überprüft, was der besser als seine Geschwistermodelle macht.
Der Ecovacs Goat G1-2000 kostet in der UVP des Herstellers knapp 2000 Euro. Inzwischen ist der Preis für das 2024er-Modell auf knapp 1300 Euro gesunken.
Optisch unterscheidet sich der Goat G1-2000 kaum vom G1. Allerdings kommt das Modell nun nicht mehr in Weiß, sondern ist Silber-Schwarz zum Kunden. Das gefällt uns gut und ist nicht ganz so schmutzanfällig wie die weiße Variante. Unten nur eine Änderung: Der Hersteller hat das Profil der Hinterräder überarbeitet. So soll das Gerät jetzt besser mit unwegsamem Gelände klarkommen und souveräner über abgesetzte Rasenkantensteine fahren können.
Der Goat G1-2000 wird inklusive Ladestation und Garage geliefert. Der Unterstellschutz verfügt über ein großes Dach aus Metall, die Seitenwände bestehen aus geriffeltem Kunststoff und setzen auf Holzoptik Marke „Eiche brutal“. Die Mähergarage könnte auch aus dem Ikea-Katalog stammen, dürfte aber wohl nicht jedermanns Geschmack treffen. An der ordentlichen Stabilität und dem Nutzen ändert das aber nichts, der Mäher ist so nicht ständig Wind und Wetter ausgesetzt. Bei uns ließen sich allerdings nicht alle Schrauben versenken, zwei gingen nur halb ins Metall des Rahmens und wollten dann weder vor noch zurück.
Auch der G1 2000 ist zur Navigation neben seinen Kameras wieder auf Navigationshilfen in Form der schon von den anderen G1-Modellen bekannten Beacons angewiesen. Da der Garage zwei weitere Signal-Baken beiliegen, bekommen Käufer des G1 2000 nun insgesamt vier dieser Signalfackeln. Das vergrößert die Fläche, die Nutzer damit abstecken können. Unserer Erfahrung mit dem Ur-G1 nach, der nur 2 Navigationsbaken mitbringt, reichen aber auch die vier Beacons nur bei sehr einfachen und offenen Grundstücken.
Aufbau und Inbetriebnahme des Goat G1 2000 dauern in etwa so lang wie bei den anderen G1-Modellen, hinzu kommt die Garage. Die Garage muss mit einigen Schrauben zusammengebaut und die Navigationsbaken zusammengesetzt sowie mit Batterien bestückt werden. Da die Ladestation mangels RTK (Real Time Kinematics) keine direkte Sicht in den freien Himmel benötigt, darf ihr Aufstellort sehr frei bestimmt werden. Anschließend erfolgt die Einbindung in die Ecovacs-App. Hier müssen Nutzer neben dem Roboter auch die Navigationsbaken registrieren. Pro-Tipp: Die Beacons sollten entsprechend nicht schon vorher auf dem Grundstück aufgestellt werden.
Apropos Navigationsbaken: 2023, als die ersten Mähroboter ohne Begrenzungsdraht auf den Massenmarkt für Endverbraucher kamen, waren diese Beacons ein probates Mittel, auch ohne störanfälligen GPS-Empfang verlässlich mähen zu können. Inzwischen zeigen Rasenroboter wie Segway Navimow i105E/i108E (Testbericht), Mammotion Luba 2 (Testbericht) und Dreame A1 (Testbericht) aber, dass das entweder mittels Kombination aus GPS und Kamera oder mit Lidar auch ohne solche Hilfsmittel geht. Damit sparen sich Nutzer nicht nur die mehr oder weniger auffälligen Baken, sondern auch die drei großen D-Batterien, die jedes Beacon jährlich benötigt. Zudem stellte sich schnell heraus, dass die Beacons am besten freie Sicht untereinander benötigen, um eine stabile Verbindung zu halten. In altgewachsenen Gärten mit dichtem Bewuchs reichen entsprechend auch die maximal 10 nutzbaren Signalfackeln nicht mehr aus. Hier hätten wir von Ecovacs deutliche Nachbesserung erwartet, die bleibt beim G1 2000 wie schon beim G1 800 (Testbericht) leider aus.
Der Mähroboter lässt sich neben dem WLAN-Betrieb auch per Mobilfunk anbinden. Das Modul ist beim G1-2000 Standard und die Nutzung für drei Jahre kostenlos. Bei anderen Modellen muss es separat erworben werden, Stiga hingegen bietet unter anderem bei seinem Modell A1500 (Testbericht) lebenslang kostenlose 4G-Nutzung an. Wer keinen WLAN-Empfang im Garten hat, sollte auf diese Möglichkeit zurückgreifen, wenn das Gerät per App und auch aus der Ferne gesteuert werden soll.
Die Einbindung von Beacons und Mähroboter klappt dank der perfekt illustrierten App problemlos. Dann geht es ans Kartieren der Mähzonen. Das klappt genauso wie beim Ecovacs G1 (Testbericht), weshalb wir an dieser Stelle nicht näher darauf eingehen. Die Bluetooth-Verbindung blieb während des Vorgangs stabil. Der Rasen sollte vor dem ersten Mähen kürzer als 10 Zentimeter sein. Im Gegensatz zu Modellen wie den Lubas würden wir das beim G1 200 auch empfehlen, da er im Betrieb weniger kraftvoll als diese Ausnahmetalente wirkt – für hohes Gras ist der G1 einfach nicht gemacht. Nach der Erstkartierung fährt das Gerät eigenständig die Fläche ab und prägt sie sich ein. Das kann bei größeren Rasenflächen schon mal gut und gerne 30 bis 60 Minuten dauern. Eventuell anzulegende No-Go-Zonen wie Beete sollten nicht vergessen und zwingend vor der ersten Erkundungsfahrt eingerichtet werden.
Bedienung und App gleichen dem Modell aus dem vergangenen Jahr – und das ist gleichzeitig gut und das größte Problem des Ecovacs Goat G1 2000. Denn einerseits ist die App übersichtlich und gut aufbereitet. Andererseits fehlt die bereits angedeutete Möglichkeit, angelernte Mähzonen später noch einmal anzupassen, weiterhin. Hinzu kommt, dass die Schnitthöhe ausschließlich manuell am Gerät selbst über ein Drehrad verstellt werden kann.
Auch am Kamerasystem hat sich nichts geändert. Zur Hindernis- oder Objekterkennung reicht es und der Roboter macht seinen Job gar nicht schlecht. Als Überwachungssystem ist es allerdings schlichtweg ungeeignet, da die Qualität deutlich unter der einer Überwachungskamera (Übersicht) liegt. Was genau man mit der Überwachungsfunktion des Goat G1 2000 anfangen kann, haben wir bereits im Test des Goat G1 (Testbericht) beschrieben.
Im Alltag macht der Ecovavs Goat G1 2000 insgesamt dennoch einen guten Job – sofern es die Beschaffenheit des Gartens zulässt. Das Gerät mähte die knapp 600 Quadratmeter vor, neben und hinter dem Haus anstandslos und in überlappenden Bahnen. Das Kamerasystem erkennt dabei zuverlässig Objekte oder Hindernisse – auch Personen – und ändert seine Route. Zudem können auf Wunsch dabei auch die Messer gestoppt werden, was für zusätzliche Sicherheit sorgt. Auch unseren Test mit einer Igel-Attrappe bestand der G1 2000, dennoch betonen wir an dieser Stelle erneut, dass Mähroboter weder in den frühen noch in den späten Dämmerungsstunden oder gar nachts fahren sollten – dämmerungs- und nachtaktiven Tieren zuliebe. Innerhalb der App bietet der Hersteller dafür eine Tierschutzzeit, die standardmäßig schon aktiviert ist.
Die Objekterkennung hat wie immer ihre Nachteile: „Ins Gebüsch“ schlägt sich der G1 2000 nicht. Wer am Rasenrand also Büsche stehen hat, wir mit einem ungemähten Streifen daneben leben müssen. Denn die sieht der Roboter als Hindernis an und hält dazu Abstand.
Andererseits kamen wir mit den mitgelieferten 4 Beacons nicht weit. Selbst mit Signalfackeln anderer G1-Modelle konnten wir nicht den kompletten Rasen auf allen Seiten des Hauses abdecken. Denn der dichte Bewuchs mit großen Rhododendron- und Lorbeer-Büschen störte die Kommunikation der Baken untereinander. Bei dem G1 800 finden wir das noch halbwegs in Ordnung, schließlich ist der „nur“ für 800 m², also eher kleinere Gärten, ausgelegt. Bei einem Mäher, der für 2000 m² ausgelegt ist (1000 m² pro Tag) halten wir es schlichtweg für unrealistisch, ordentlichen Empfang per Beacons zu gewährleisten.
Immerhin benötigen Interessenten für den Einsatz keinen Golfrasen. Dank der im Vergleich zu den anderen G1-Modellen gröberen Stollenreifen kommt der Bot selbst mit einem unebenen Grundstück gut zurecht, obwohl die Steigfähigkeit des 2000er mit 45 % gleich geblieben ist. Der G1-2000 besitzt zudem von allen Modellen den größten Akku, damit er nicht ständig zurück zur Station muss. Mit einer Akkuladung mäht er in etwa 300 bis 400 m² am Stück, dann lädt er einige Stunden nach.
Der Ecovacs Goat G1-2000 kostet in der UVP des Herstellers knapp 2000 Euro. Inzwischen ist der Preis für das 2024er-Modell auf knapp 1300 Euro gesunken. Jede Navigationsbake kostet zusätzlich 99 Euro. Die Anzahl der benötigten Beacons lässt sich mit einem Online-Tool des Herstellers berechnen, allerdings ist das Ergebnis in unseren Augen bestenfalls für spärlich bepflanzte Gärten zutreffend.
Wer eine Alternative zum Ecovacs Goat G1 2000 sucht, sollte sich einmal den Mammotion Luba 2 (Testbericht) ansehen. Das Gerät gibt es in diesem Jahr in zweiter Generation mit zusätzlichem Kamerasystem, wodurch sich die ohnehin gute Navigation deutlich verbessert hat. Es bietet gleich zwei Messerteller und somit eine deutlich breitere Schnittfläche, hinzu kommt Allradantrieb. Navigationsbaken gibt es nicht.
Ebenfalls einen Blick wert ist der Dreame A1 (Testbericht), der ebenfalls recht neu im Handel ist. Das Gerät verzichtet auch auf Baken und benötigt zudem keine Station mit GPS. Stattdessen kommt wie bei moderne Saugroboter ein LiDAR-System zum Einsatz, mit dem sich der Mähroboter in seiner Umgebung zurechtfindet.
Für kleinere Gärten empfehlen wir ansonsten die Modelle Segway Navimow i105E und i108E (Testbericht). Sie bieten für erstaunlich wenig Geld dank GPS und Kamera eine der besten Navigationen im Vergleichsfeld, außerdem überzeugen Schnittbild und App.
Die Goat-Reihe von Ecovacs überzeugt generell mit ihrer Zuverlässigkeit und Einfachheit, allerdings kommt das System mit den Navigationsbaken bei starkem Bewuchs eines Gartens schnell an seine Grenzen. Während wir das beim G1 800 und entsprechend kleinerem Garten nicht so schlimm finden, halten wir den G1 2000 nur für große Gärten mit weiten Flächen und wenig Bewuchs für sinnvoll.
Dann erwerben Interessenten einen Mähroboter ohne Begrenzungskabel, der sich selten festfährt und zuverlässig seinen Job erledigt. Die Hinterräder mit mehr Profil sorgen in schwierigeren Umgebungen für einen verbesserten Bodenkontakt im Vergleich zu den anderen G1-Modellen, die Steigfähigkeit ist allerdings gleichgeblieben. Positiv ist die beim großen Modell mitgelieferte Garage, das ist ein nettes Gimmick. Ansonsten hat sich einfach zu wenig im Vergleich zum Ecovacs Goat G1 (Testbericht) aus 2023 getan.
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