Stefan schrieb bereits während des Studiums Spieletests für ein Printmagazin im Ruhrgebiet. Durch einen glücklichen Zufall landete er in Berlin und arbeitete fast 15 Jahre bei Areamobile, zuletzt als leitender Testredakteur. Für Heise Bestenlisten testet er Smartphones, Saug- und Mähroboter, Lautsprecher, Modellflugzeuge und andere Technik-Gadgets.
Nach seinen Profi-Mährobotern bietet Marktführer Husqvarna seit einiger Zeit nun auch Mähroboter ohne Begrenzungsdraht für Privatkunden. Das neueste Exemplar ist der Automower 410XE Nera mit Epos-System, den wir hier getestet haben.
Husqvarna ist Marktführer bei Mährobotern. Da ist die Erwartung groß, wenn ein neues Gerät auf den Markt kommt, und so eine Erwartung macht es oft fast unmöglich, sie in der Realität zu erfüllen. So erging es uns etwas, als wir den Husqvarna Automower 410XE Nera mit Epos auf unseren Testrasen losließen. Denn schon bei der eigentlich einfachen Installation fielen uns Kleinigkeiten negativ auf, die die Konkurrenz besser macht und auch im Alltag konnte uns das neue Modell nicht immer zufriedenstellen. Das ist schade, denn in einigen Bereichen ist der Mähroboter mit und ohne Begrenzungsdraht richtig gut. Welche das sind, verraten wir im Test.
Der Husqvarna Automower 410XE Nera ist zum Testzeitpunkt ab 2139 Euro zu bekommen. Hinzu kommen 249 Euro für das Plug-in-Kit und 399 Euro für die Referenzstation RS1.
Husqvarna entscheidet sich beim Automower 410XE Nera mit Epos für ein Design mit vorn liegenden Antriebsrädern, hinten gibt es wie beim Segway Navimow i105E/i108E (Testbericht) nur zwei Stützräder. Das lässt den Automower zwar sehr agil erscheinen, allerdings schwenkt das Heck bei Kurven seitlich aus, sodass der Mäher in Ecken schon frühzeitig in sanfter Kurve Abstand zu seitlichen Hindernissen gewinnen muss. Dadurch bleiben Ecken weitestgehend unbeschnitten.
Die zweite Besonderheit des Husqvarna Automower 410XE Nera mit Epos ist, dass er grundsätzlich gar nicht mit Epos, also dem Satellitennavigationssystem des Herstellers, zum Kunden kommt. Entsprechend fehlt dann der Epos-Zusatz im Namen. Stattdessen kaufen Kunden immer einen Schleifenmäher, bei dem wie bei herkömmlichen Mährobotern vor Gebrauch aufwendig ein Kabel im Garten verlegt werden muss. Nur, wer noch einmal rund 650 Euro für das in den Roboter einzubauende Epos-Kit und die „kleine“ RTK-Antenne mit rund 500 Meter Reichweite ausgibt (es gibt auch eine mit mehreren Kilometern Reichweite für 999 Euro in der UVP), kann auf den Draht verzichten.
Besonders ist auch die Anordnung der Schneidewerke unten am Husqvarna Automower 410XE Nera mit Epos. So verfügt das Modell recht mittig unter dem Chassis den Hauptmähteller mit drei Klinken, weit hinten am Chassis installiert der Hersteller zudem einen kleineren Mähteller mit ebenfalls drei Klingen. Damit soll der 410XE randlos mähen können.
Die vierte „Besonderheit“ ist die Beleuchtung vorn. Denn wie ein Auto etwa verfügt der dunkelgraue Automower 410XE Nera mit oder ohne Epos über zwei „Scheinwerfer“ vorn. Auch wenn die nicht übermäßig hell sind und der Mähroboter sie zum Mähen auch gar nicht benötigt, sieht das schon schick aus. Allerdings könnten sie Nutzer dazu verleiten, den Roboter auch nachts fahren zu lassen – davon raten wir zum Schutz von dämmerungs- und nachtaktiven Tieren aber dringend ab!
Das restliche Design mit seinen ausgestellten „Kotflügeln“ lässt den Automower breit, tief und bullig wirken. Zur Bedienung am Gerät selbst verfügt der Husqvarna Automower 410XE Nera oben neben der obligatorischen Notstopp-Taste ein kleines Farbdisplay mit angrenzendem Jogdial (Drehrad mit Druckfunktion) sowie eine Start-Taste. Alle Buttons inklusive des Drehrades fühlen sich dabei hochwertig und präzise an.
Bei der ersten Installation sind wir überraschend auf einige kleinere Fallstricke gestoßen, mit denen wir beim Marktführer nicht gerechnet haben. Einige sind darauf zurückzuführen, dass der Automower 410XE eben kein reiner RTK-Mäher, sondern ein Hybridmodell ist, das mit zusätzlichem Plug-in-Kit erst zu einem kabellosen Mähroboter aufgewertet werden will. Allerdings hätte man das wohl im Detail auch besser lösen können.
So fiel als Erstes auf, dass neben Kabel, Befestigungsmaterial und Epos-Kit sowie Antenne zwar (bis auf Schrauben) alles dabei ist, um die Montage zu beginnen. Allerdings wird im umfangreichen, in zahllosen Sprachen ausgeführten Anleitungsbuch zwar davon gesprochen, dass die Antenne an einem Zaun oder einem Mast installiert werden kann, letzterer liegt aber nicht bei. Das macht die Konkurrenz anders, weshalb wir kurzerhand den nur rund 1 Meter langen Metallstab des Segway Navimow i105E & i108E (Testbericht) zweckentfremdeten.
Dabei kam die nächste Überraschung: Husqvarna setzt zum Befestigen der RTK-Antenne an einer Stange auf einfache Schraubschellen, die zwar ihren Zweck absolut erfüllen, aber fummelig sind und etwas billig wirken. In Anbetracht des hohen Preises des Husqvarna Automower 410XE Nera mit Epos finden wir das unangemessen.
Eine kleine Unachtsamkeit ist zudem im eigens dem Epos-Kit beiliegende Handbuch zu finden. Dort wird zwar Schritt für Schritt erklärt, wie man was verkabeln muss, um anschließend das Epos-System nutzen zu können. Wer allerdings einen Hinweis sucht, wo oder wie das Plug-in-Kit installiert wird, findet nur den Verweis auf die Anleitung, die er gerade liest – das ist mäßig hilfreich, um es nett auszudrücken. Letztlich ist das aber kein Hexenwerk: einfach die obere Abdeckung des Roboters entfernen, die nur aufgesteckt ist. Dann die beiden Sternschrauben lösen, die mittig eine Abdeckplatte in Position halten, den Blindstopfen des aus dem Roboter bereitliegenden Kabels entfernen, das Kit daran anschließen und mit den gleichen Schrauben wieder befestigen. Die frühere Abdeckplatte sollten Nutzer aufbewahren, sofern sie später vielleicht doch zum Mähen per Kabel zurückkehren wollen.
Sind alle Ladestation und RTK-Antenne an den Strom angeschlossen, kann es endlich mit der Kontaktaufnahme zwischen Smartphone und Mähroboter losgehen. Benötigt wird dafür die Automower-Connect-App, die es kostenlos im Android Playstore oder im Marketplace für iOS gibt. Anschließend will der Mäher erst einmal mit dem vorgegebenen PIN-Code 1234 entsperrt werden, anschließend ein neuer ersonnen und danach RTK-Antenne und Ladestation mit dem Roboter gekoppelt werden. Wer den Mäher von unterwegs aus steuern möchte, muss sich zudem mit der Husqvarna-Cloud verbinden. Bei der Konkurrenz klappt das alles automatisch. Anschließend wollte unser Testgerät zwingend ein Firmware-Update over the Air einspielen, was mit einer Zeitspanne von bis zu 15 Minuten veranschlagt wurde. Bei uns dauerte das deutlich länger. Zu allem Überfluss gibt es keine Fortschrittsanzeige, sodass der Nutzer nicht erkennen kann, wie lange das wohl noch geht oder ob überhaupt etwas passiert. Das geht besser.
Der Rest der App ist nicht übermäßig, aber ausreichend übersichtlich, zumindest meistens. Das liegt auch daran, dass es schlichtweg nicht großartig viel einzustellen gibt. Auf der Hauptseite erwartet den Nutzer ein Bild des Mähers mit einigen Grundangaben wie der Tätigkeit (etwa Mähen oder Pausieren). Außerdem gibt es hier Buttons für die Rückkehr zur Ladestation oder zum Starten. Am unteren Displayrand gibt es zudem weitere Reiter wie Karte, Shop, Erkunden und mehr. Über die Karte lernt der Nutzer den Roboter an und bringt ihm die Grenzen seiner zukünftigen Arbeitsstätte bei. Das geschieht grundsätzlich wie bei der Konkurrenz – mit dem großen Unterschied, dass der Besitzer jeden GPS-Punkt durch Drücken der großen Plustaste unten rechts selbst festlegen muss. Bei allen anderen von uns bislang getesteten Modelle, bei denen der Nutzer die Grenzen händisch anlernen muss, geschieht das automatisch.
Zum schwammigen Fahrverhalten während der manuellen Steuerung kommt dann also auch noch das sekündliche Drücken einer virtuellen Taste hinzu, was noch dazu jedes Mal von einem Klingelgeräusch untermalt wird. Da ist die Konkurrenz schon deutlich weiter. Immerhin funktioniert diese Vorgehensweise – sowohl für Mähzonen, No-Go-Zonen und Pfade, die Zonen verbinden. In der Kartenansicht sieht man übrigens auch die bereits gefahrenen Mähwege – oder zumindest die letzten. Mangels geordneter Bahnenfahrt lässt sich das aber nicht zweifelsfrei sagen, offenbar wird nur eine bestimmte Anzahl dargestellt und dann wieder überschrieben.
Im Shop lassen sich natürlich Wartungs- und Ersatzteile sowie Zubehör erwerben, der Menüpunkt Erkunden verbirgt einige Tipps und Hinweise sowie etwas Werbung für Produkte des Herstellers. Unter Mehr gelangten Interessenten in die eigentlichen Einstellungen. Hier dürfen sie Dinge wie einen Ecomodus einstellen, der etwa die GPS-Antenne deaktiviert, wenn der Roboter lädt. Außerdem dürfen hier Dinge wie die Objektvermeidung oder Edgecut aktiviert werden.
Im Detail wirken viele Menüpunkte und Features etwas willkürlich verteilt, sodass wichtige Funktionen untergehen. Die Funktion zum Einstellen der elektronischen Höhenverstellung (eigentlich 20 bis 55 mm) für das Schneidwerk etwa haben wir anfangs komplett vergeblich gesucht. Nervig sind zudem die teils langen Wartezeiten, etwa wenn Einstellungen gespeichert werden. Das dauerte bei uns im Test gerne auch mal 20 bis 30 Sekunden und dürfte an einem nicht perfekten WLAN gelegen haben. Im 4G-Betrieb gab es das deutlich weniger.
Im Alltag schlägt sich der 410X grundsätzlich ordentlich. Zumindest, nachdem man den ersten Schock verdaut hat. Denn obwohl der Roboter nicht viel unter 3000 Euro kostet und dabei „nur“ für rund 1000 m² ausgelegt ist, mäht er nicht strukturiert in Bahnen, sondern wie die meisten Schleifenmäher nach dem Chaosprinzip. Das bedeutet: Er fährt in gerader Linie, bis er entweder auf ein Hindernis oder die Begrenzung stößt, macht dann in zufälligem Winkel kehrt und fährt genauso weiter.
Im Alltag bedeutet das vor allem eines: Der Husqvarna Automower 410XE Nera ist mit oder ohne Epos wesentlich langsamer als seine strukturierten Wettbewerber. Im Test ist das kaum genau nachzustellen, da aus der App nicht zuverlässig erkennbar ist, wo der Roboter bereits war. Allerdings schätzen wir, dass der Husqvarna-Mäher gut fünf bis zehnmal länger als etwa der Mammotion Luba 2 (Testbericht) für die gleiche Fläche benötigt.
Da der Bot selbst nicht genau weiß, wo er bereits war, beendet er auch nicht den Mähvorgang mit dem Hinweis, dass er seine Aufgabe beendet hat. Stattdessen fährt er immer in vom Nutzer festgelegten Zeitintervallen und „hofft“, eines Tages tatsächlich jeden Winkel des Rasens abgefahren zu haben. Einen Vorteil hat das Chaos-Prinzip aber immerhin: Bahnen sieht man somit nicht auf dem Grün, daran sollen sich ja manche Interessenten stören.
Ansonsten macht der Mäher auf dem Gras einen ziemlich ordentlichen Eindruck. Er ist angenehm leise, am lautesten ist da fast schon das Absäbeln der Grasspitzen. Außerdem hat der Automower 410XE einen nicht zu verachtenden Vorteil: Er mäht nah an den Rand. Das schafft er dank seines zweiten Mähtellers am Heck. Im Betrieb fährt er nah an die zuvor abgesteckte Grenze, setzt dann leicht zurück und dreht sich. Dabei schwenkt das Heck aus und der Bot mäht mit dem hinteren kleinen Schneidwerk den Rand. Das klappt auch nah an höheren Hindernissen wie Mauern oder Zäunen. Bei genügend Zeit klappt das mit dem Husqvarna-Modell vielleicht sogar am besten aller bislang getesteten Modelle. Bei gleich hohen Hindernissen wie Terrassen- oder Randsteinen kann der Automower hingegen wie andere GPS-Mäher einfach leicht auf die Steine fahren, um möglichst viel Rand zu mähen.
Ebenfalls relativ gut gefallen hat und die Hinderniserkennung auf Radarbasis. Damit erkennt er kleinere und größere Objekte auf dem Grün und umfährt sie normalerweise. Wir haben das mit unserer Igel-Attrappe probiert. Sofern der Roboter direkt mittig darauf zufährt, hat er die kleine Statue immer als Hindernis erkannt und abgedreht. Lag sie hingegen eher im Randbereich, wurde sie vom Automower auch an- und fast überfahren. Hier zeigt sich einmal mehr, dass Mähroboter nicht in der Dämmerung oder gar bei Nacht fahren sollten!
Die Signalstärke des Husqvarna Automower 410XE Nera ist ebenfalls tadellos und liegt in etwa auf dem Niveau des Stiga A1500 (Testbericht). Damit gehört er zu den stabilsten RTK-Mähern, so schnell verliert das Modell seine GPS-Positionierung nicht. Allerdings kommt auch dieses System an seine Grenzen. Wer etwa besonders enge, von Büschen, Bäumen oder Hauswänden abgeschirmte Bereiche mähen will, muss etwas mehr Ungenauigkeit in Kauf nehmen. Kombisysteme mit GPS und Kamera wie beim Mammotion Luba 2 (Testbericht) sind hier derzeit das Maß der Dinge.
Gegen Diebstahl helfen beim Marktführer PIN, diverse Sensoren und ein Geofence-Bereich, bei dessen Verlassen der Mäher Alarm schlägt. Außerdem ist er dann per App ortbar. Ein Kletterkünstler ist der 410XE hingegen nicht, der Hersteller spricht von maximal 30 Prozent Steigfähigkeit – ausreichend. Zu Integration ins eigene Smart Home stehen die Dienste Amazon Alexa, Google Home und IFTTT zur Verfügung. Der Akku des Husqvarna Automower 410XE Nera mit Epos reicht aus, um etwa 1,5 Stunden am Stück zu mähen. Anschließend lädt er für etwa die gleiche Zeit und setzt dann seine Arbeit fort, sofern der Nutzer nichts anderes eingestellt hat.
Die UVP des Husqvarna Automower 410XE Nera als Schleifenmäher liegt bei stolzen 2699 Euro. Wer kabellos mähen möchte, muss noch Plug-in-Kit und RTK-Antenne dazukaufen. Der Husqvarna Automower 410XE Nera ist zum Testzeitpunkt ab 2139 Euro zu bekommen. Hinzu kommen 249 Euro für das Plug-in-Kit und 399 Euro für die Referenzstation RS1.
Bessere Alternativen sind in unseren Augen der deutlich günstigere Segway Navimow i108E (Testbericht) oder der ältere, aber immer noch gute Segway Navimow der H-Serie (Testbericht), etwa in der Ausführung als H1500. Beide Modelle bieten mehr Features und eine bessere App. Noch besser hat uns der Luba 2 von Mammotion (Testbericht) gefallen, der zum fast gleichen Preis wie der 410XE die dreifache Fläche mähen kann und dank GPS und Kamera noch stabiler navigiert. Die beste Hardware hatte in unseren Tests bislang der Stiga A1500 (Testbericht). Wer es hingegen noch einfacher haben will, darf einen Blick auf den Worx Vision (Testbericht) werfen. Er kann zwar noch etwas weniger, ist aber auch günstiger als das Modell vom Marktführer.
Sagen wir, wie es ist: Der Husqvarna Automower 410XE Nera mit Epos enttäuscht uns. Nicht unbedingt, weil er ein schlechter Mähroboter ohne Begrenzungskabel wäre, sondern weil er zu einem höheren Preis als bei der Konkurrenz meist weniger bietet – und das vom Marktführer! Positiv hervorzuheben ist das ordentliche und halbwegs leichte Chassis (12,5 kg), mit dem sich der Roboter nie festfuhr und selten durchdrehende Räder zeigte. Zudem ist der Mäher angenehm leise. Außerdem funktioniert die Edgecut-Funktion mit dem zweiten Mähteller hinten recht gut.
Leider wird das zunichtegemacht durch die Fahrt nach dem Chaos-Prinzip, weshalb der Bot wesentlich länger benötigt, als strukturierte Bahnenzieher. Zudem hat uns die App nicht wirklich überzeugen können, hier wirkt alles etwas zusammengewürfelt. In Anbetracht des hohen Preises ist das einfach zu wenig.
Gute Alternativen für Arbeiten im un am Haus sind:
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