Stefan schrieb bereits während des Studiums Spieletests für ein Printmagazin im Ruhrgebiet. Durch einen glücklichen Zufall landete er in Berlin und arbeitete fast 15 Jahre bei Areamobile, zuletzt als leitender Testredakteur. Für Heise Bestenlisten testet er Smartphones, Saug- und Mähroboter, Lautsprecher, Modellflugzeuge und andere Technik-Gadgets.
Der Marotronics Alfred ist ein Mähroboter, der ohne Begrenzungsdraht zentimetergenau mäht und dem Nutzer viele Eingriffsmöglichkeiten bietet – selbst auf die Programmierung. Klingt super, aber ist es das auch?
Alfred ist – so die Intention von Hersteller und Entwickler Marotronics – der perfekte Name. Und zwar im doppelten Sinne. Denn einerseits beginnt er mit dem ersten Buchstaben des Alphabets und erlaubt so eine ziemlich lange Liste an potenziellen Nachfolgern – ähnlich wie bei Googles Android-Versionen. Außerdem ist Alfred einfach DER stereotype Name für einen Butler, also einen fleißigen Haushaltshelfer und Bediensteten. Selbst Batman verlässt sich auf die Dienste von Alfred, der in den Comics und Serien deutlich mehr als ein einfacher Angestellter ist und auch schon mal ordentlich zulangen kann.
Ähnlich ist es mit dem Alfred von Marotronics, der bei Bedienfehlern schon mal kräftig durchs Blumenbeet pflügt und auch sonst nicht zimperlich ist. Dass sich davon auch kabelgebundene Mähroboter nicht aufhalten lassen, hat allerdings zuletzt der Aldi-Bot Yardforce Ris400 (Testbericht) gezeigt. Grundsätzlich ist der Alfred von Marotronics um Welten schlauer als der Ris400 – fast schon wie Batmans Alfred. Allerdings besitzt der Fledermausmann Milliarden, um seinem Alfred die finanzielle Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, die er benötigt. Hinter dem Alfred von Marotronics steht nur ein kleines Vier-Mann-Team, das sich um Entwicklung, Programmierung, Vertrieb und Marketing kümmert – da ist es klar, dass noch nicht alles ganz rund läuft. Damit hält die – nett gemeint – Garagenfirma auch nicht hinter dem Berg und weist auf seiner Website darauf hin, dass es sich bei den derzeit bestellbaren Alfred-Modellen um Vorseriengeräte zu einem vergünstigten Preis handelt.
Außerdem hat sich das Vertriebsmodell für den Alfred geändert. Ursprünglich war die schlaue GPS-Technik aus dem Vorgänger Ardumower bereits in einen fabrikneuen kommerziellen Mäher von Fuxtec eingebaut, wenn der zum Kunden kam. So ein Modell haben wir für diesen Testbericht ausführlich auf Herz und Nieren – oder auf Platine und Schaltkreise – geprüft. Das Gerät im typischen Rasenmäher-Design erweckte den Eindruck, als bekäme der Käufer ein fertiges Produkt und er müsse den Roboter nur noch auspacken und alles läuft dann quasi von allein.
Inzwischen müssen Interessenten den Fuxtec-Mäher separat (oder über die Internet-Seite des Alfred) erwerben und bekommen die vormals direkt eingebaute GPS-Technik separat dazu. Anschließend will die dann in den gekauften Mäher eingebaut werden. Marotronics verspricht dabei, dass man im Gegensatz zum Ardumower ohne Löten auskommt. Letztendlich sollen nur Schrauben gelöst und neu festgezogen und Stromdiebe an den richtigen Stellen angesetzt werden – fertig. Das sollen auch Menschen ohne Elektrotechnik problemlos hinbekommen, verspricht das Entwicklerteam. Helfen soll dabei eine Anleitung sowie ein Video.
Fertig ist der Alfred auch dann noch lange nicht – auch wenn der Käufer seine Arbeit eigentlich erledigt hat. Denn der schlaue Roboter hat den Entwicklungsprozess noch längst nicht abgeschlossen, auch wenn Ardumower schon seit drei Jahren erfolgreich seine Bahnen zieht. Doch dieser fließende Entwicklungsprozess und auch die geringe Größe der Firma hat – neben diversen Nachteilen – durchaus auch Vorteile. Wir erklären im Test, welche das sind.
Wer Alfred will, muss Fuxtec kaufen – genaugenommen einen Fuxtec FX-RB224. Dieser mäht – so verrät die technische Beschreibung – klassisch per Begrenzungsdraht. Der Mäher ist dann je nach Version grau-orange oder – in der Pro-Version für größere Mähflächen – schwarz-orange. Insgesamt ist er mit 80 x 56 x 32 Zentimeter und etwas über 16 Kilogramm Gewicht ein echter Brummer und deutlich größer (und schwerer) als Modelle für kleine Gärten. Ursprünglich ist er vom Hersteller für bis zu 1000 Quadratmeter ausgelegt.
Die Spezifikationen des Herstellers spielen letztendlich aber gar keine große Rolle, denn dank der Technik von Marotronics werden die grundlegend geändert. Sehen kann man davon nach dem Einbau auf den ersten Blick nichts. Einen Fingerzeig auf das neue Innenleben bekommt man erst, wenn man die hintere, halbtransparent-schwarze Abdeckung anhebt. Denn hier steckt nicht mehr das in orangefarbenen Kunststoff eingefasste Mini-Display samt vier Tasten plus Power-Button, sondern eine passgenaue, sorgsam verschraubte Alu-Dibond-Platte mit drei LEDs, dem originalen Power-Knopf, dem Alfred-Logo und Beschriftung für die LEDs. Das wirkt stilistisch klar und hochwertig und hätte so auch vom Band des ungleich größeren Herstellers Fuxtec laufen können. Wie erwähnt, muss der Nutzer selbst für eine entsprechend gute Einpassung sowie den Einbau der kompletten GPS-Technik sorgen.
Das Kunststoff-Chassis des Mähers wirkt ausreichend gefällig, bietet oben eine große Not-Stopp-Taste, Einstellmöglichkeiten für die Mähhöhe, vorn zwei Ladekontakte, unten eine Mähscheibe mit drei Klingen und zwei großen Stollenrädern hinten. Vorn gibt es zwei nicht angetriebene Stützräder. Da das Chassis an den Rändern weit heruntergezogen ist, ist die Gefahr, Gegenstände zu überfahren oder Personen und Tiere zu verletzen, vergleichsweise gering. Das bringt gelegentlich an anderer Stelle Probleme mit sich, denn das gesamte Chassis dient als Bumper – aber dazu später mehr.
Weiterhin im Lieferumfang von Roboter und Marotronics-Technikpaket: Die Ladestation, die wegen der Größe des Mähroboters ebenfalls recht ausladend ist und je nach Version des Mähers mit oder ohne kleines Dach zum Kunden kommt. Den Abschluss bildet eine GPS-Antenne, die fest an einem beliebigen Ort in Nähe zur beabsichtigten Mähfläche mit freier „Sicht“ in den Himmel und Stromanschluss aufgestellt werden muss.
Das fest installierte USB-Kabel mit drei Metern Länge war für unsere Zwecke zu kurz und wir haben es kurzerhand mittels USB-Verlängerung erweitert. Die Steckkontakte haben wir dabei mit Schrumpfschlauch vor Feuchtigkeit geschützt. Um eventueller Verwirrung vorzubeugen: Marotronics nennt die Antenne „GPS RTK Basis Station“ – nicht zu verwechseln mit der (eindeutig benannten) Ladestation. Das Original-Handbuch des Fuxtec-Mähroboters, Erdnägel zum Befestigen der Ladestation und ein Ladegerät gehören ebenfalls zum Lieferumfang. Ein Blick auf die Internet-Seite des Alfred verrät außerdem den Link, unter dem das digitale Handbuch des GPS-Mähers zu finden ist – und das braucht man zur Inbetriebnahme auch.
Gesteuert wird Alfred über eine Handy-App, später geht das auch am PC. Dafür benötigt man nicht etwa die „Alfred-App“ oder die „Marotronics-App“, sondern den „Evothings Viewer“ – ohne entsprechende Anleitung würde darauf wohl niemand kommen.
Damit nicht genug: Nutzer loggen sich anschließend nicht über die Marotronics- oder Alfred-Website ein, sondern über http://grauonline.de/am. Der Grund ist einfach: Die Software ist federführend von einem der vier Mitarbeiter entwickelt worden. Dieser heißt A. Grau von der Grau GmbH. Ursprünglich war das für den Ardumower (daher das „am“ in der URL) gedacht, der sich ausschließlich an Hobby-Programmierer, -Elektroniker und Tüftler aller Couleur richtete. Beim zwischenzeitlich komplett fertig kaufbaren Alfred fanden wir das befremdlich, der mittlerweile wieder zur halben DIY-Bastelarbeit mutierte Alfred zieht wegen anderem Zielpublikum deutlich weniger Schelte wegen dieser etwas unprofessionellen Lösung auf sich. Wirklich „sauber“ ist das aber trotzdem nicht.
Das gilt leider auch für die Software an sich – zumindest aus Anwendersicht. Denn die präsentiert sich als wenig intuitiv, ist nur bedingt an die Bedienung per Touchscreen angepasst und steckt voller beim Alfred nicht nutzbarer Überbleibsel aus Ardumower-Zeiten. Allein die Optik erinnert eine Entwicklerlösung und könnte wegen des Kachel-Designs von einem Microsoft-Projekt aus den 2000er-Jahren stammen.
Die Startseite zeigt auf einem Smartphone im Hochformat oben die Grundstückskarte, darunter einen virtuellen Steuerbutton, rechts daneben angeordnet Informationen zur GPS-Verbindung und darunter einige Bedienelemente. Die Karte oben lässt sich zwar mit dem Finger verschieben, nicht aber mit der typischen Pinch-to-Zoom-Geste vergrößern oder verkleinern. Dafür gibt es rechts daneben Extra-Symbole. Das hat durchaus seine Daseinsberechtigung, schließlich können Nutzer sich nicht nur über das Smartphone, sondern nach Einrichtung der WLAN-Verbindung auch direkt im Browser über die oben genannte URL am Rechner einloggen. Dort sind die Buttons hilfreich und mehr oder weniger nötig, auch wenn es andere Mittel zur Vergrößerung (Stichwort Alt + Mausrad) gäbe. Auf dem Smartphone wirkt diese Lösung ungelenk.
Wenig intuitiv ist auch die App, weil sie viel mehr Möglichkeiten als bei herkömmlichen Mähern bietet und daher zwei unterschiedliche Modi braucht: einen zum Steuern des Mähers und einen für alle Belange der Mäh-Karte. Dazwischen muss hin- und hergeschaltet werden. Immerhin hat die App während unserer bewusst langen Testphase des Alfred reichlich Updates erhalten, die neue Funktionen für den Roboter brachten oder bestehende verbesserten. So tauchte auf Wunsch aus der Community plötzlich eine neue Sortiermöglichkeit auf, die etliche der kachelförmigen Bedienelemente dank nun zuschaltbarem Expert-Mode „verschwinden“ ließ. Das kommt der Übersicht zugute.
Standardmäßig sichtbar blieben hingegen in erster Linie die regelmäßig benötigten Buttons, auch wenn man sich bei manchen verbliebenen Elementen wie etwa dem Button für die Lizenz der Software streiten kann. Zu den elementaren Bedien-Buttons gehören etwa Start und Stopp beim Mähen oder Karten-Berechnung und Karten-Upload in der Map-Sektion. Geblieben sind allerdings weiterhin Bedienelemente, die vom Ardumower stammten und beim Alfred funktionslos sind – nur eben versteckt. Darunter fallen etwa Buttons zum Aktivieren und Deaktivieren der beim Alfred nicht vorhandenen Kamera oder entsprechenden Sonar-Sensoren.
Zu mäßig intuitiver Gestaltung der App, nicht nutzbaren Features und ständigen Verbindungsabbrüchen (mehr dazu später) gesellten sich dann auch noch fehlende Grundfunktionen des Alfred. Das größte Manko ist dabei sicherlich die mangelnde Diebstahlsicherung, die schnell zu einem teuren Totalverlust führen kann.
Es gibt schlichtweg keine Funktion, die verhindert, dass jemand den gut 3000 Euro teuren Mäher aus dem Garten klaut und bei sich weiterbetreibt, sofern er nur etwas technisches Know-how und entsprechende Technik wie eine passende GPS-Antenne besitzt. Es gibt nicht mal eine einfache Sicherung per PIN-Code! Das ist schlichtweg eine Katastrophe und unserer Meinung nach auch nicht mit – wie auf der Seite des Alfred beschrieben – Vorserie ausreichend begründet.
Und es geht weiter. Alfred könnte seinen Diebstahl nicht mal an den eigentlichen Besitzern melden, denn so etwas wie Push-Nachrichten gibt es nicht – nicht bei Festfahren des Mähers oder anderen Problemen, aber eben auch im Falle eines Diebstahls nicht. Außerhalb des eignen WLANs wäre das aktuell ohnehin nicht möglich, denn eine Cloud-Verbindung oder sonstige Möglichkeiten, den Alfred auch von unterwegs aus zu steuern, gibt es nicht. Zur Integration ins eigene Smart Home stehen daher aktuell auch nur Umwege über Lösungen wie MQTT zur Verfügung – Bastler und Programmierern geht dabei das Herz auf, allen anderen wird beim Gedanken daran schlecht.
Eine Möglichkeit zur Erstellung von zeitbasierten Mähplänen fehlt ebenfalls, stattdessen muss Alfred jeden Tag händisch per Knopfdruck in der App zur Arbeit motiviert werden. Anschließend fährt er nach erfolgreichem Zwischenladen erneut los und versucht, seine Arbeit zu beenden – leider auch bei Dunkelheit. Abbringen lässt er sich davon nur, wenn er vorher durch menschlichen Eingriff zum Dock zurückbeordert wird.
Eine Funktion wie Pin to go zum Mähen eines bestimmten Bereiches fehlt und in unterschiedliche Sektoren aufteilen lässt sich die Karte des Rasens ebenfalls nicht. Wer also heute nur vor dem Haus, morgen dahinter und am dritten Tag nur seitlich mähen will, muss als Workaround aktuell drei verschiedene Karten anlegen. Das funktioniert durchaus, ist aus Anwendersicht aber extrem umständlich – wer einen halbwegs aktuellen Saugroboter besitzt, schlägt die Hände über dem Kopf zusammen. Saugroboter versuchen auch nicht, „mit dem Kopf durch die Wand“ zu fahren, um ein früher mal passierbares, jetzt aber geschlossenes Tor zu brechen, sondern fahren einfach mit ihrer restlichen Arbeit fort.
Einen Regensensor hat der Fuxtec-Alfred zwar, konfigurieren lässt er sich allerdings nicht. Seltsam ist auch der Umstand, dass die Fahrtgeschwindigkeit des Roboters sich ausschließlich auf reine Geradeausfahrten bezieht. Fährt der Roboter also eine langgezogene Kurve, kriecht er unter Umständen schneckengleich dahin, während er bei zwischenzeitlichen Geradeausfahrten ruckartig auf bis zu 60 Zentimeter pro Sekunde (rechnerisch 2,16 Km/h, tatsächlich wirkt das schneller) beschleunigt.
Auch der Weg zu neuen Mähbereichen, etwa nach erfolgreichem Zwischenladen – war anfangs suboptimal gelöst. Inzwischen hat aber ein Update für Abhilfe gesorgt. Musste sich Alfred zu Beginn unserer Testphase immer direkt an der Perimeterlinie entlanghangeln, was oft zu Problemen wie Festfahren führte, sucht er jetzt seinen Zielort in einer Art Pingpong-Kurs. Dabei fährt er immer wieder eine Perimeterlinie an, wechselt die Richtung und setzt ihn bis zur nächsten Perimeterlinie fort. Dieser Zickzackkurs wirkt zwar nicht sonderlich intelligent, erfüllt aber seinen Zweck.
Auf Dauer nervig: Will man den Mäher von verschiedenen Geräten aus steuern, müssen die Mähkarten mangels Cloud-Funktion auf dem Ausgangsgerät exportiert und auf den neuen Geräten importiert werden. Jedes Mal, wenn eine Änderung vorgenommen wurde. Außerdem muss jede Änderung an der Karte in der App neu berechnet (was sehr schnell geht) und dann auf den Roboter übertragen werden (was je nach Verbindungsart und Komplexität der Karten einige Minuten dauern kann).
Der Im- und Export gelingt zwar mit nur einem Klick über die hinterlegte Mailadresse des Nutzers, nervt aber dennoch. Insgesamt ist die Software die größte Baustelle beim Alfred – das nervt einerseits, andererseits gibt es die berechtigte Hoffnung, dass die angepasst werden kann und dann auch tatsächlich irgendwann alles ordentlich funktioniert.
Manche Probleme haben nicht einmal was mit der Technik von Marotronics, sondern mit dem Fuxtec-Mäher zu tun. Denn der ist recht laut für einen Mähroboter, die Elektromotoren hört man in ruhiger Umgebung auch noch in etlichen Meter Entfernung. Außerdem sind wir von der Mähleistung in der Grundeinstellung in der App nur mäßig überzeugt, was bei regelmäßiger Fahrt allerdings nicht ins Gewicht fällt.
Der Alfred hat zwar ausreichend Leistung, um sich selbst durch hohes Gras zu kämpfen – auch wenn er dafür natürlich nicht gedacht ist. Ist er allerdings mal eine Woche nicht gefahren, senst er scheinbar längst nicht alle Grashalme in seinem Weg ab – selbst, wenn man unter die ohnehin recht langsamen empfohlenen 20 Zentimeter pro Sekunde als Fahrtgeschwindigkeit geht (möglich sind 1 bis 60 Zentimeter pro Sekunde). Abhilfe scheint hier eine Verringerung der Mähbreite bzw. eine engere Überlappung der Mähbahnen in der App zu schaffen – oder eben regelmäßiges Mähen. Immerhin werden die gemähten Halme bei scharfen Klingen nicht wie bei anderen, meist billigen Mähern, eher abgerissen, sondern tatsächlich geschnitten – Braunfärbung der Schnitte konnten wir nicht verzeichnen.
Allerdings gibt es noch den recht hohen Radstand zwischen der angetriebenen Hinterachse und den zu kleinen Rädern vorn. In Kombination sorgt das dafür, dass sich der Alfred bei sehr unebenem Rasen in seltenen Fällen sogar festfahren kann, woraufhin er sich dann wieder eingräbt und den Rasen weiter malträtiert. Außerdem wäre da noch das tief heruntergezogene Chassis. Es dient dem Alfred theoretisch als Bumper in alle Richtungen, mit dessen Hilfe er erkennt, ob er vor ein Hindernis gestoßen ist. Nutzer werden aber schnell feststellen, dass Alfred vor allem seitliche Kollision gar nicht erst mitbekommt. Zudem kam es ein oder zweimal im Test vor, dass die tiefen Schürzen auf unebenem Rasen auf dem Boden aufsetzen, was zu unnötigen Ausweichbewegungen führt. Immerhin ist das halb so schlimm und der weit runtergezogene Kunststoff ist theoretisch ein guter Schutz vor Verletzungen von Tier oder Mensch.
Die erste Verbindung des Mähers mit dem Smartphone wird in der Nähe des Alfred per Bluetooth aufgebaut, anschließend lässt sich eine WLAN-Verbindung einrichten. Zu Nutzung muss anschließend zuerst eine Karte des Rasens erstellt werden. Das funktioniert theoretisch einfach und intuitiv, wenn man sich an ein paar Spielregeln hält.
Dazu muss der Karten-Erstell-Modus aktiviert werden und anschließend kann man den Alfred theoretisch mit dem eingangs erwähnten virtuellen Joystick wie ein Spielzeugauto am Rasenrand entlangsteuern. Währenddessen setzt man immer wieder GPS-Punkte, die nach und nach die Perimeterlinie einer Mähfläche ergeben. Ähnlich lassen sich später (ebenfalls während des Testzeitraums auf Anfrage innerhalb weniger Stunden(!) hinzugekommen) Flächen erweitern, das klappt insgesamt abgesehen von der wenig präzisen Steuerung und der etwas fummeligen Kartenbedienung ziemlich gut und fehlerfrei.
Als einfacher stellte es sich heraus, den Roboter immer wieder von einem Punkt zum nächsten zu tragen. Denn die Steuerung über den virtuellen Joystick auf dem Touchscreen eines Smartphones stellte sich schnell als viel zu ungenau für die exakte Positionierung des Mähers heraus. Wer sich vor Augen führt, dass je nach Rasengröße auch gerne mal einige hundert Punkte angelegt werden müssen, sollte nicht nur einiges an Zeit einplanen – die braucht man zum Verlegen von Begrenzungsdraht bei anderen Modellen schließlich auch. Zusätzlich sollte man auch schon mal nach einem guten Physiotherapeuten Ausschau halten – bei den nicht gerade federleichten 16 Kilogramm des Rasenmähers und dem ständigen Bücken …
Bei der Erstellung der äußeren Perimeter sollte man immer etwas Sicherheitsabstand lassen, denn der Alfred kann zwar auf 2 Zentimeter genau per GPS navigieren, doch das funktioniert nicht immer wie vorgesehen. Dabei geht es nicht generell um GPS-Ungenauigkeit – die wird durch einen ständigen Abgleich vom GPS-Modul im Roboter und dem der eigenen Antenne rechnerisch minimiert.
Stattdessen hatten wir im Test den Eindruck, dass die Software des Alfred immer noch mit den kleinen und kompakten Maßen des Ardumower rechnet oder dass die zumindest nicht ausreichend angepasst sind. Der Ardumower hat zusätzlich zu geringeren Ausmaßen die Antriebsachse vorn, beim Alfred/Fuxtec sitzt sie hinten. Daraus resultiert ein gänzlich anderes Kurven- und Drehverhalten, wenn die angetriebenen Räder etwa gegenläufig angetrieben werden, damit der Bot auf der Stelle wendet. Das sieht man schön, wenn der Alfred auf ein unvorhergesehenes Hindernis stößt.
Dann umfährt er das in einem kleinen Quadrat von 1 oder 1,5 Metern – so weit, so gut. Was auf freier Fläche auch ordentlich funktioniert, sorgt am Rand der Mähfläche für ein Problem. Denn dann kann es passieren, dass der Alfred im rechten Winkel auf die äußere Parameter-Linie zufährt und sich mit den vorderen Stützrädern etliche Zentimeter über sie hinausschiebt – schließlich ist das mehr oder weniger mittig platzierte GPS-Modul nach wie vor innerhalb der Rasenbegrenzung.
Beim Ardumower dürfte das kaum zu Problemen geführt haben, denn der hat nach vorn quasi keinen Überhang. Ist das Beet hinter dem Rasenstein tiefer als der Rasen, bleibt der Alfred anschließend beim Drehversuch hängen, rutscht mit einer Seite der Hinterachse ebenfalls ins Beet ab und fährt sich fest. Er merkt dann zwar, dass er sich trotz Fahrversuchen nicht von der Stelle rührt und bricht den Versuch ab – startete ihn aber etliche Male wieder. Resultat sind tiefe, längliche Löcher in Rasen und Beet, wo sich die Stollenräder eingegraben haben. Blumen direkt am Randstein werden darüber hinaus schnell zu ramponierten, rasierten Rabatten, was den WAF (Woman Acceptance Factor) schnell in den negativen Bereich katapultiert.
An andere Probleme zur Vermeidung von Unfällen haben die Macher durchaus gedacht. In der App dürfen Nutzer etwa selbst festlegen, wie lange der Mäher ohne genaue GPS-Informationen weiterfährt. Was bei zu hohen Werten zum Massaker im Blumenbeet führen kann, sorgt bei richtiger Einstellung dafür, dass der Mäher umgehend stehenbleibt und auf bessere Verbindung wartet.
Probleme mit GPS sind nicht dem Alfred an sich anzulasten, sondern der GPS-Technik im Allgemeinen. Und das kann im Alltag zu weiterem Unheil führen. Denn bisweilen werden GPS-Signale bei Fahrt an einer Hauswand zu stark reflektiert und der Alfred bekommt keine ausreichend genauen Positions-Informationen mehr. Oder bei schlechtem Wetter mit dichter Wolkendecke bleibt der Mähroboter in seltenen Fällen selbst auf freier Wiese, gern aber unter Büschen oder Bäumen einfach für Minuten oder sogar Stunden stehen.
Wenn der Akku plötzlich leer ist, muss der Nutzer den Alfred wieder händisch zurück zur Ladestation schleppen. Einen leeren Akku hatten wir bis vor dem letzten Update im Test auch so etliche Male kurz vor Erreichen der rettenden Ladestation. Grund war schlichtweg eine in der Software zu gering bemessene Restkapazität des Akkus, mit der Alfred aus weit entfernten Gebieten des Testrasens nicht mehr zurückfand, bevor ihm der Saft ausging.
Andere Auffälligkeiten sind eher Geschmackssache. So sieht man zwangsläufig die mehr oder weniger schnurgeraden Bahnen, mit denen der Roboter seine Arbeit verrichtet. Das gefällt nicht allen Nutzern, da sich so kein einheitlicher „grüner Teppich“ ergibt, andere finden es gerade toll, weil das Grün immer wie frisch gemäht aussieht.
Fest eingefahrene Spuren im Rasen, die auf Dauer sogar schädlich wären, konnten wir im Test nicht verzeichnen. Einerseits fuhr der Mäher aus den bislang beschriebenen Gründen alles andere als täglich, im Zweifel dürfte aber auch die Ausrichtung der Mählinien in einzelnen Winkelschritten frei bestimmt werden. So kann etwa die Mähausrichtung der Form der Mähfläche angepasst werden, um unnötig viele Wendemanöver zu unterbinden. Leider gilt das dann immer für die ganze Karte und ist nicht für (nicht existierende) Teilbereiche bestimmbar. Zudem besteht die Wahl zwischen Linien wie bei einem Saugroboter und Spirallinien, was aber gerade bei unregelmäßigen Grundstücken eher chaotisch wirkt.
Was vielleicht auf den ersten Blick wie Spielerei aussieht und an anderer Stelle im Detail sogar noch viel mehr Eingriffe des Nutzers erlaubt, bietet Nutzern im Gegenzug ungeahnte Möglichkeiten. Denn im Gegensatz zu anderen geplanten oder bereits verfügbaren Mähern ohne Begrenzungsdraht darf der Nutzer etwa bei Änderungen im Garten oder einfach zuvor unsauber erstellter Rasenkarte jeden einzeln gesetzten oder berechneten Punkt der Karte später manuell anpassen. Das geht vom Entfernen über das Verschieben bis hin zum Hinzufügen – mehr Individualität geht kaum. Dass das wegen der App bisweilen sehr fummelig ist und darüber hinaus sehr aufwändig sein kann, dürfte klar sein.
Als größtes Problem empfanden wir die ständigen Verbindungsprobleme des Alfred, die sich im Testzeitraum zwar leicht gebessert zu haben schienen, aber weit von „zufriedenstellend“ entfernt sind. Manche Nutzer im Forum des Alfred berichteten davon, dass sie mit der Neuausrichtung der diversen Antennen im Inneren des Roboters nach Aus- und erneutem Einbau der Technik deutlich bessere Resultate erzielt hätten. In den Eingeweiden des komplett von Marotronics zusammengebauten Alfred wollten wir allerdings nicht herumpfuschen.
Die Verbindungsprobleme waren und sind allgegenwärtig. Teilweise stand man zu Beginn des Testzeitraums neben dem Mähroboter und fand erst im zweiten oder dritten Anlauf eine Verbindung per Bluetooth, inzwischen ist immerhin das behoben. Die WLAN-Verbindung verliert der Roboter aber nach wie vor auch dort, wo ein Smartphone noch eine WLAN-Stärke aufweist, die für zweistellige Down- und Upload-Geschwindigkeiten reicht. Damit könnte man dann UHD-Filme streamen – aber nicht den Rasenroboter steuern. Das nervt nicht zuletzt aus dem Grund, dass man dann an der Stelle, an dem der Roboter sich wiederholt festgefahren hat, die Karte dann oft wieder nicht anpassen kann – denn das klappt natürlich nur bei aktiver Verbindung vernünftig.
Hinzu kamen zuletzt Kidnapped-Fehler, mit denen der Roboter dem Nutzer eigentlich mitteilen will, dass er sich außerhalb seines Mähbereiches aufhält. Was grundsätzlich eine wertvolle Information ist (sofern man die wegen der schlechten Verbindung denn sehen kann), ergibt in der Ladestation stehend und ladend natürlich überhaupt keinen Sinn. Hier sollte der Roboter schlichtweg genau wissen, wo er sich gerade befindet. Erneut erfordert das dann jedes Mal manuelles Eingreifen des Nutzers, indem Alfred auf eine für ihn klar erkennbare Position innerhalb der Mähfläche gestellt wird.
Ein ähnliches und indirekt vermutlich damit zusammenhängendes Problem wurde während des Testzeitraums hingegen bereits gelöst. Wer den Alfred mit einer Roboter-Garage schützen wollte oder eine Positionierung der Ladestation unter einer Überdachung wählte, konnte den Roboter anfangs nicht zum Mähen bewegen – immerhin hatte der keine fixe GPS-Verbindung und verweigerte folgerichtig den Dienst. Inzwischen ist das kein Problem mehr und der GPS-Mäher merkt sich offenbar den eigens angelegten Pfad von der Mähfläche zur Ladestation. Anschließend setzt er auch ohne zuverlässiges GPS-Signal aus der Station rückwärts bis zur Mähfläche zurück, um dort seine Arbeit zu beginnen.
Apropos Ladestation: Die kann sich auch deutlich außerhalb der Mähfläche befinden – ein großer Vorteil bei der Wahl der Positionierung. Außerdem kann Alfred auch problemlos über einen Weg oder eine Brücke von einer Mähfläche zur nächsten fahren, solange das physisch für ihn machbar ist - auch das ist ein nicht zu unterschätzender Vorteil im Vergleich zu den meisten Mähern mit Begrenzungsdraht.
Jetzt haben wir uns lang und breit über die Nachteile eines so großen Projektes bei so kleinem Team ausgelassen und die sind für einen wenig technikbegabten Interessenten durchaus gravierend. Doch es gibt auch Vorteile. So haben wir bislang keinen anderen Hersteller erlebt, der so schnell auf individuelle Nutzeranfragen reagiert und teils schon nach wenigen Stunden (!) Lösungen präsentiert hätte. Glaubt man anderen Nutzern aus dem Forum oder eigenen Skype-Channel, ist das kein Einzelfall und hat auch nichts mit Sonderbehandlung wegen Pressestatus zu tun.
Tatsächlich sind die Entwickler sehr aufgeschlossen für Verbesserungsvorschläge und nehmen auch weitergehende Hilfe, etwa durch Programmier-Unterstützung, gern an. Möglich macht das die kostenlose Bereitstellung des Sourcecodes für den Alfred, sodass jeder Interessent daran herumfeilen und angepassten Code auf seinen eigenen Alfred hochladen und testen kann. Dass nicht alle Lösungsansätze zeitnah in die offizielle Firmware übernommen werden, liegt vor allem daran, dass der neue Code eingehend geprüft werden muss – schließlich sollen nicht plötzlich Hunderte Alfreds wegen eines kleinen Fehlers stillstehen oder schlimmeres.
Diese freie Verfügbarkeit des Codes ist zudem eine Absicherung für Käufer: Sollte Marotronics doch einmal pleitegehen, gibt es vermutlich genügend freie Hobby-Programmierer, die das Projekt Alfred schon im eigenen Interesse weiterführen würden. Dann wäre immerhin auch ohne den eigentlichen Hersteller der Weiterbetrieb und sogar Weiterentwicklung möglich – das ist nicht nur beruhigend, sondern auch nachhaltig. Andere Hersteller verkaufen Hardware und dazu passende Dienste, nach deren Einstellung der Nutzer mangels freigegebener Sourcecodes nur noch einen Haufen Elektroschrott in den Händen hält – Stichwort Smartfrog oder jüngst Samsung Smart Things.
Nachhaltigkeit ist aber nicht nur durch die frei zugängliche Software des Marotronics Alfred gegeben, sondern auch durch die modulare Bauweise des Mähers. Denn einerseits kann der Fuxtec-Rasenroboter problemlos wieder auf die ursprüngliche Schleifen-Mähweise zurückgerüstet werden. Andererseits setzt Marotronics auf Hardware, die zukunftsorientiert und einfach zu reparieren ist. Zukunftssicherheit bieten etwa zahlreiche Erweiterungsmöglichkeiten der Hauptplatine, sodass auch künftige Add-ons mit der dann „alten“ Hardware funktionieren sollen. Das war schon beim Ardumower so. Andererseits können technisch versierte Nutzer dank großer Community und frei verfügbarer Schaltpläne mögliche Defekte kostengünstig beheben. Marotronics verspricht, dass durch die modulare Bauweise niemand eine teure Hauptplatine für 400 Euro ersetzen muss, weil ein Widerstand für 10 Cent defekt ist. Das bietet in dieser Form kein anderer Hersteller.
Zu guter Letzt spricht auch der Underdog-Status für das kleine Unternehmen. Denn während andere Unternehmen auf hunderte oder gar tausende Mitarbeiter und schier unendliche Ressourcen zugreifen können, bastelt mit Marotronics hier ein kleines Team in Deutschland seit Jahren an einer Lösung, an die sich bis vor kurzem kein noch so großer Anbieter herangewagt hatte: Mähen per GPS für Endkunden. Und was ist befriedigender, als wenn David gegen Goliath triumphiert?
Der Marotronics Alfred ist ausschließlich über die Internet-Seite des Herstellers direkt zu beziehen. Zum RTK-Kit für 2199 Euro für den Einbau in den Rasenroboter braucht man auch den Fuxtec FX-RB224 selbst. Alternativ bietet Marotronics aktuell eine Miete von 1 bis 4 Wochen für 239 bis 536 Euro an.
Der Marotronics Alfred ist kein Produkt für unbedarfte Endanwender, daher die niedrige Wertung. Er richtet sich durch den kürzlichen Wechsel der Marketingstrategie hin zum Teil-DIY-Projekt wieder deutlich besser erkennbar an Anwender, die möglichst viele Eingriffsmöglichkeiten bei einem Rasenroboter haben wollen. Wer programmieren kann, darf sich hier in jeder Hinsicht austoben. Außerdem bietet der Alfred dank seines modularen inneren Aufbaus so viel Zukunftssicherheit und Nachhaltigkeit wie kein anderer Mäher auf dem Markt. Das setzt allerdings voraus, dass Interessenten zumindest über einfaches technisches Fachwissen, Grundlagen in Programmierung sowie die Bereitschaft verfügen, selbst Hand anzulegen. Für echte Macher dürfte die Wertung daher deutlich höher ausfallen.
Ein fertiges Produkt darf hier niemand erwarten, auch wenn Alfred durchaus funktioniert. Wir haben zumindest im ganzen Sommer 2022 nicht ein einziges Mal den Handrasenmäher bemühen müssen. Andererseits verging auch kaum ein Mähtag, an dem kein Eingreifen nötig geworden wäre. Wer lernen oder sich weiterbilden will, dürfte mit dem Alfred ebenfalls eine perfekte Basis finden. Ein paar Winterabende bekommt man mit dem Zusammenbau und Test des Alfreds sicherlich gut herum und im Frühling darf man dann (hoffentlich) die Früchte seiner Arbeit ernten. Wer außer gesundem Menschenverstand weder Befähigung in Elektrotechnik oder (noch wichtiger) in Programmierung aufweist, kann zwar trotzdem mit dem Alfred glücklich werden, das setzt dann aber eine gewisse Leidensfähigkeit in Form von Warten auf weitere Updates voraus.
Für den typischen Endanwender, der ein fertiges, perfekt funktionierendes Endprodukt erwartet, ist Alfred zum jetzigen Zeitpunkt hingegen einfach noch nicht das richtige Produkt. Der ist aber auch schlichtweg nicht die Zielgruppe. Stattdessen sollte ein Käufer, der keinen Extra-Aufwand, sondern ausschließlich Arbeitserleichterung erwartet, lieber auf 2023 warten. Denn für das kommende Jahr kündigen sich immer mehr Mähroboter an, die ohne Begrenzungsdraht auskommen sollen – ob die dann kompletter und gar besser als der Alfred von Marotronics sind, bleibt allerdings abzuwarten.
Update: Inzwischen haben wir mehrere Modelle ohne Begrenzungsdraht getestet und in unserer Top 5 der besten Mähroboter ohne Begrenzungsdraht zusammengefasst.
Anmerkung: Da wir das Alfred-Projekt nach wie vor grundsätzlich klasse finden, werden wir im kommenden Jahr versuchen, ein Update des Tests zu veröffentlichen. Wir sind gespannt, welche Fortschritte es dann zu verzeichnen gibt.
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