Stefan schrieb bereits während des Studiums Spieletests für ein Printmagazin im Ruhrgebiet. Durch einen glücklichen Zufall landete er in Berlin und arbeitete fast 15 Jahre bei Areamobile, zuletzt als leitender Testredakteur. Für Heise Bestenlisten testet er Smartphones, Saug- und Mähroboter, Lautsprecher, Modellflugzeuge und andere Technik-Gadgets.
Inzwischen gibt es einige Mähroboter ohne Begrenzungskabel, einige sind ziemlich gut. Der Luba AWD soll der Beste sein – aber stimmt das auch? Das zeigt der Test.
Mähroboter ohne Begrenzungsdraht beseitigen das typische Problem des Kabel-Verlegens und sollen so das Leben erleichtern. Dabei werden Probleme, die drahtgebundene Rasenroboter nicht haben, gerne mal verschwiegen. Gemeint sind fehlende Software-Features wie die Anpassbarkeit der Mähkarte oder Probleme bei GPS-Empfang und Randschnitt. Das zeigen unsere Tests der Mähroboter Ecovacs Goat G1 (Testbericht), Ecoflow Blade (Testbericht), Marotronics Alfred (Testbericht) und Worx Landroid Vision (Testbericht).
Der neue Mammotion Luba AWD 3000 soll alles besser machen, da sind sich diverse Internet-Foren einig und Youtuber schwärmen geradezu von dem chinesischen Mähroboter. Nur die Fähigkeit, dank Vierradantrieb auf der Hochachse zu wenden, sehen manche hier kritisch. Wir wollten wissen, was davon wirklich stimmt und haben den Mähroboter im Design eines Rennwagens ausführlich getestet.
Ein kurzes Wort zu Mammotion. Informationen zum chinesischen Unternehmen sind schwer zu finden. Das Unternehmen wurde erst Anfang 2022 gegründet und besteht nach Angaben des Herstellers aus über 150 Mitarbeitern, die zuvor bei anderen großen Robotik- und UAV-Unternehmen gearbeitet haben sollen. Mammotion scheint ein Nachfolgeunternehmen von Agilex Robotics zu sein, das sich sieben Jahre lang auf Roboter-basierte Chassis-Hardware und Selbstfahr-Algorithmen spezialisiert hatte. Mammotion hält nach eigenen Angaben über 240 Patente auf diesem Gebiet.
Design eines Rennwagens? Tatsächlich sieht nach dem Ecoflow Blade (Testbericht), der eher an einen Mond-Buggy aus einem Sci-Fi-Film erinnert, auch der Mammotion Luba AWD 3000 nicht wie ein typischer Rasenmäher-Roboter aus. Mit etwas Fantasie erinnert er an ein komplett weißes Formel-Fahrzeug – wenn auch an ein etwas pummeliges. Der vordere Bumper ist dabei der Frontspoiler, die Räder vorn und hinten sind freiliegend, im Gegensatz zum Ecoflow Blade ist das Chassis des Wagens aber zwischen den Achsen wie bei einem Auto wieder breit gezogen. An den Vorderrädern sieht man zudem die Federbeine, mit denen der Luba versucht, die Räder möglichst gut auf den Boden zu bekommen – auch in schwierigem Gelände. Dabei handelt es sich aber nicht wie zuerst gedacht um eine Einzelradaufhängung, sondern die Vorderräder hängen an einer starren Achse.
Einen Heckspoiler gibt es nicht, stattdessen findet man einen kleinen Bürzel hinter dem großen, roten Stopp-Button vor, der zentral auf der Oberseite angebracht ist. Darunter verbergen sich geschützt USB-Anschluss, Einsteckplatz für den Betriebsschlüssel, IR-Sensor und die Ladekontakte. Der USB-Port ist dabei nicht für Updates, sondern Fehlersuche und Debugging seitens des Herstellers gedacht. Der IR-Sensor dient zum „Einparken“ in die Ladestation. In der Nähe des Stopp-Buttons gibt es noch einige Bedientasten zum Starten und die Rückkehr zur Ladestation. Die hintere Achse ist nicht gefedert.
Neben dem Frontbumper gibt es an den Seiten vermeintlich je einen weiteren Stoßfänger, damit der Roboter beim Drehen (was er voreingestellt maximal wie hinterradgetriebene Roboter um die hintere Achse macht) nicht seitliche Hindernisse umrempelt. Klingt logisch, im Test stellte sich aber heraus, dass diese Sensoren offenbar nicht verwendet werden. Hinten gibt es keine Sensoren, wohl aber oben. Denn dort befinden sich noch zwei nach vorn gerichtete Ultraschallsensoren, jeweils einer davon ist seitlich nach schräg vorne ausgerichtet. Die Sensoren sollen dem Luba dazu verhelfen, Hindernisse in seinem Fahrtweg auch ohne Berührung frühzeitig zu erkennen. Kurz vor den Hinterrädern gibt es zudem auf beiden Seiten je ein rotes LED-Licht, das normalerweise aus ist, auf Wunsch durchgehend leuchtet und bei eingeschränkter GPS-Empfang blinkt, wenn der Empfang zu schwach zum Weitermähen ist.
Die Hinterräder der deutschen Version bestehen aus Gummi und weisen ein breites Stollenprofil auf, das sich quer zur Fahrtrichtung erstreckt. Die ebenfalls angetriebenen Vorderräder (AWD – All Wheel Drive – Vierradantrieb) der drei Luba-Modelle AWD 1000, AWD 3000 und AWD 5000 haben vorn stattdessen omnidirektionale Räder aus Kunststoff. Sie bestehen ähnlich wie beim Ecoflow Blade (Testbericht) im Prinzip aus dicken, zu einem Rad geformten Drähten, auf die kleine geriffelte, frei drehbare Rohrstückchen aufgezogen sind. Damit rollen diese Räder beim Geradeausfahren sowohl in Fahrtrichtung als auch beim Drehen um die Hinterachse in eine 90 Grad dazu versetze Richtung – omnidirektional eben.
Kurven fährt der Mammotion Luba AWD 3000 – obwohl er wie ein Auto aussieht – nicht durch Einlenken der Vorderachse, sondern dadurch, dass er wie ein Panzer die Räder einer Seite langsamer als die der anderen Seite bewegt. Wer möchte, kann den Luba über die App so einstellen, dass er beim manuellen Steuern sogar im Stand eine Seite nach vorn und die andere genauso schnell nach hinten antreibt – dann wendet er auf der Stelle oder wie bereits erwähnt um die Hochachse. Voreingestellt dreht er aber im manuellen Betrieb so, dass die Hinterachse gedacht das Zentrum eines Kreises ist und die Vorderräder die Außenlinie eines von oben betrachteten Kreises bilden – so wie zweiradangetriebene Roboter. Im Automatik-Betrieb selbst dreht er tatsächlich gar nicht auf der Stelle, sondern durch wiederholtes vor- und zurücksetzen. Für England gibt es übrigens noch eine Version mit vier Gummirädern. Die weisen dann vorn ein um 45 Grad nach innen gedrehtes Profil auf, hinten ein nach außen gedrehtes im gleichen Winkel. Das soll vermutlich Beschädigung des Rasens bei Hochachswendungen minimieren.
Spannend ist noch ein Blick unter den Luba. Denn hier erwarten den Käufer nicht ein, sondern gleich zwei nebeneinander liegende Mähteller. Die verhelfen den Lubas zu stolzen 40 Zentimeter Schnittbreite – fast doppelt so viel wie bei den meisten Konkurrenten. Damit verspricht der Hersteller eine gemähte Fläche von bis zu 350 m² (500 m² beim AWD 5000) pro Stunde – schneller ist auf dem Papier kein von uns getesteten Mähroboter ohne Begrenzungsdraht. Ebenfalls klasse: Die Schnitthöhe lässt sich sogar von 30 bis 70 Millimeter einstellen. Bei fast allen Konkurrenzprodukten sind nur 30 bis 60 Millimeter möglich. Das geschieht elektronisch in der App und erlaubt dem Rasen im Sommer dank höherer Halmhöhe mehr Wasser zu speichern. Besser ist hier nur der Ecoflow Blade (Testbericht), auf dem Papier kann er sogar eine Maximalhöhe von 80 Millimeter schneiden. Im Test zeigte sich aber schnell, dass die angegebenen 80 Millimeter eher 60 bei der Konkurrenz entsprechen. Dank Vierradantrieb mähen die Lubas auch Hänge bis zu 65 Prozent (33 Grad) Steigung, das 5000er-Modell laut Hersteller sogar bis 75 Prozent oder 37 Grad.
Übrigens: Wem das Weiß des Luba zu schnöde ist, darf auf Aufkleber des Herstellers für schlappe 45 Euro zurückgreifen und so den Racer-Look noch intensivieren. Alternativen bietet unser Artikel Praktisch & kurios: Zubehör für Mähroboter von Rallystreifen bis Roboter-Garage.
Im Lieferumfang des Mammotion Luba sind die typischen Zutaten enthalten – Roboter, Ladestation, ein zusammenschraubbarer Stab mit Erdspießen zum Befestigen der GPS-Antenne sowie die Antenne selbst. Mit einigen Erdnägeln aus Kunststoff soll die Ladestation am Boden befestigt werden und es gibt sogar Befestigungsmaterial wie Schrauben und Dübel, falls die Antenne nicht wie normalerweise angedacht auf dem Stab direkt an der Ladestation befestigt werden soll, sondern an einer Wand. Dafür legt Mammotion sogar ein eigenes Netzteil samt 10 Meter Verlängerungskabel bei, einen entsprechenden Haken müssen sich Nutzer aber mit dazubestellen. Die anderen bislang von uns getesteten Modelle mit Ausnahme des Marotronics Ardumower (Testbericht) verlangen zwingend eine Installation der RTK-Antenne (Real Time Kinematic) in direkter Nähe zur Ladestation. Beim Luba ist nur auf freien „Blick“ der Antenne in den Himmel zu achten, außerdem darf sie nicht mehr als 120 Meter entfernt vom geplanten Einsatzort des Mähers installiert werden.
Die Ladestation benötigt laut Hersteller 2 Meter freien Platz vor und neben sich, um einen störungsfreien Betrieb zu ermöglichen. Im Test stellte sich aber in erster Linie der freie Platz vor der Station als wichtig heraus. Im Gegensatz zu den anderen von uns getesteten Mährobotern ohne Begrenzungsdraht verlangt der Luba einen hinten eingesteckten Schlüssel, der grob an eine große Sicherung erinnert. Er verbleibt im Roboter, ein Ersatzschlüssel ist im Lieferumfang enthalten.
Die Mammotion-App ist ziemlich gut. Die Verbindung des Mähroboters mit dem Smartphone verläuft nach Erstellung des kostenfreien Accounts selbsterklärend und so, wie man es von einem Saugroboter gewohnt ist. Dabei unterstützt die App mit hilfreichen Bildchen bei der richtigen Installation von GPS-Antenne und Ladestation und schon nach kurzer Zeit kann es losgehen.
Der Nutzer landet bei jedem Neustart der App nach kurzem Ladebildschirm auf der Übersichtsseite, auf der der Nutzer im Hochformat alle gekoppelten Lubas und den nächsten zum Gerät gehörigen Mähauftrag findet. Das ist klasse und übersichtlich. Zudem sieht der Nutzer auf einen Blick den Namen des Gerätes samt passender Grafik, den Verbindungsstatus, hat Schnellzugriff auf einige Optionen und kann schnell und einfach verfügbare Updates anstoßen.
Für mehr Optionen und Steuerungsmöglichkeiten muss der Nutzer direkt auf das Gerät zugreifen, was nach dem ersten Einrichten der Mähzonen über den großen Button „Karte öffnen“ geschieht. Dann wechselt die App in den Quermodus und es dauert ein paar Augenblicke, in denen die App Karte und Interface lädt. Anschließend wird mittig die Mähkarte gezeigt, am oberen Rand gibt es wieder Hinweise zur Verbindung, ein Klick darauf erlaubt tiefere Einblicke in die Signalstärken von Bluetooth und GPS für Mäher und Antenne.
Zusätzlich zum Ladezustand des Mähers platziert Mammotion ganz oben rechts einen virtuellen Schaltknopf, über den Nutzer in weitere Einstellungen von Roboter und App gelangen. Darunter gibt es einen Button, um die Kartendarstellung auf den Mäher zu zentrieren und am unteren Display-Rand die großen Buttons zum Mähstart und Bearbeiten der Karte. Links gibt es dann noch zwei virtuelle Knöpfe, über die Benachrichtigungen und absolvierte Mähaufgaben eingesehen werden können. Zudem platziert der Hersteller im linken und rechten Display-Bereich noch zwei ausgegraute virtuelle Buttons, über die der Mähroboter manuell gesteuert werden kann. Obwohl sie ausgegraut erscheinen, sind sie immer aktiv und erlauben die manuelle Steuerung des Luba. Das gilt auch dann, wenn der Roboter gerade einen Mähauftrag absolviert oder man beim Vergrößern der Karte mit der Pinch-to-Zoom-Geste aus Versehen auf einen der beiden Joysticks kommt. Das ist nicht ganz optimal gelöst.
Der Button ganz oben rechts erlaubt Einstellungen für App und Roboter. Hier bestimmt der Nutzer etwa, ob er auch später noch Hinweise zur Bedienung erhalten will. Außerdem kann er die Geschwindigkeit des Roboters während der manuellen Steuerung anpassen. Voreingestellt ist hier ein Wert von nicht so langsamen 0,8 Metern pro Sekunde, über einen Schieberegler darf sie in 0,1-Meter-Schritten angepasst werden. Maximal sind 1,2 Meter pro Sekunde möglich (das sind 4,3 Kilometer pro Stunde). Das hat dann fast schon RC-Buggy-Qualitäten, zumindest fährt der Luba dann schneller, als ein Mensch normal geht.
Weitere Anpassungsmöglichkeiten: Die Maßeinheiten dürfen Nutzer von metrisch auf imperial umstellen und die Sprache der App anpassen. Wir haben Deutsch ausgewählt, bis auf wenige englische Worte und einige Hinweistexte ist alles weitgehend ordentlich übersetzt. In den Geräteeinstellungen darf der Besitzer bestimmen, ob der Mäher bei Regen fahren soll, die Karte löschen, die Wendeart des Roboters von „Zero turn“ auf „Multi-point-turn“ bei jedem Bahnende wechseln und die beiden Seitenlampen an- oder ausschalten. Außerdem wählt der Nutzer hier aus, ob der Luba bei der Rückkehr zur Ladestation einen direkten Weg nimmt oder sich an der Grenze der Mähfläche entlanghangelt.
Den Funktionsumfang der App finden wir klasse, wir haben keine Funktionen vermisst. Einmal angelegte Mähflächen lassen sich nicht nur löschen oder neu anlegen, sondern auch anpassen. Das klappt wie bei Segway: Einfach im Edit-Modus an die Stelle fahren, an der die Grenze angepasst werden soll, die neue Grenze abfahren und speichern – fertig. Konkurrenten wie Ecovacs und Ecoflow können das bei Veröffentlichung dieses Tests immer noch nicht. Perfekt ist aber nicht alles gelöst. So finden wir die Struktur der App etwas ungeordnet und nicht unbedingt intuitiv. Wer etwa automatische Mähpläne erstellen will, sucht einen entsprechenden Menüpunkt vergeblich. Stattdessen muss der Nutzer zuerst auf den großen Mähen-Button klicken. Dann erscheint ein neues Fenster auf der rechten Seite, in dem wir den Arbeitsmodus einstellen dürfen (mehr dazu im nächsten Kapitel) und das Angaben zur Rasengröße und geschätzten Mähzeit parat hält. Hier dürfen wir dann tatsächlich auch einen Zeitplan erstellen. Das klappt schön detailliert, Nutzer dürfen die Mähhöhe, Tage, Uhrzeit und einiges mehr bestimmen. Aber das Verstecken der Funktion hinter dem Mähen-Button erscheint uns unpraktisch.
Außerdem gab es im Test einige Probleme mit der Darstellung zeitgesteuerter Aufträge: Sie verschwanden vereinzelt, wurden dann aber zur geplanten Uhrzeit doch ausgeführt und waren dann plötzlich auch wieder sichtbar. Zudem fehlte uns im Laufe des Tests immer wieder ein Heimkehr-Knopf – dachten wir. Den gibt es normalerweise unten am Display-Rand, wenn der Mäher automatisch mäht, nicht aber, wenn man den Luba manuell steuert. Wer also einfach mal das Kind im Manne (oder der Frau) herauslassen und aus Spaß mit der erstaunlich hohen Geschwindigkeit des Luba rumcruisen will oder gerade Änderungen an der Mähkarte vorgenommen hat, muss den weißen Flitzer entweder gleich ganz manuell einparken oder die Knöpfe auf dem Roboter benutzen. Erst später sahen wir, dass der Button für die Rückkehr zur Ladestation bei Bedarf auf der rechten Display-Seite eingeblendet wird – das halten wir für inkonsistent und nicht intuitiv. So etwas sind aber eher Kleinigkeiten, die schnell per Firmware-Update behoben werden könnten. Mehr gestört hat uns eine andere Sache, die sich negativ auf die Mähqualität auswirkt – sie betrifft Sperrflächen und ist ebenfalls eine Sache der Software. Mehr dazu im nächsten Abschnitt.
Die Einrichtung von Mähzonen funktioniert wie bei nahezu allen Konkurrenten ganz einfach: Die App erlaubt das Erstellen von Grenzen, Ausgrenzungen (etwa Beete innerhalb einer Rasenfläche) und Korridoren zum Verbinden von mehreren Mähzonen. Von letzteren versteht sich der AWD3000 im Test auf sechs, der kleinere AWD1000 auf drei und der AWD5000 auf zehn. Um Grenzen und Ausgrenzungen zu erstellen, muss der Nutzer mit dem Luba und dem Smartphone als Fernsteuerung die Grenzen abfahren – fertig. Wichtig ist hierbei wie bei der Konkurrenz und auch schon bei der GPS-Antenne eine gute Verbindung zu den GPS-Satelliten. Schlechte Verbindung zeigt der Luba durch blinkende Positionslampen links und rechts auf dem Chassis an, dann lohnt eine kurze Pause, bis die Verbindung wieder stabil ist. Ansonsten fährt der Mähroboter später ungenau und nicht so, wie der Nutzer es sich vorgestellt hat.
Wurde alles richtig eingerichtet, fährt der Luba AWD3000 nahezu perfekt seine Mähflächen ab. Nach dem Anwählen der zu mähenden Zonen durch einfaches Antippen öffnet sich wieder das zuvor bereits erwähnte Fenster mit Informationen zur Mähfläche und der angedachten Mähzeit. Unter anderem hat der Nutzer hier die Wahl zwischen vier Vorgaben, wie genau der Mäher vorgehen soll. Die Vorgaben heißen „Hohes Gras“, „Konventionell“, „Fein“ und „Anpassen“, sie unterscheiden sich in Bahnenüberlappung, Fahrgeschwindigkeit, der Bypass-Strategie, dem Navigationsmodus, Randmähen und Bahnenwinkel. „Anpassen“ erlaubt dem Nutzer dabei manuellen Zugriff auf all diese Punkte. Wer sich einmal mit den einzelnen Optionen im „Anpassen“-Modus beschäftigt hat, wird die anderen Modi selbsterklärend finden. So senkt „Hohes Gras“ etwa die Fahrgeschwindigkeit, sorgt für mehr Überlappung und deaktiviert die Ultraschallsensoren. „Konventionell“ hingegen setzt auf hohe Geschwindigkeit, einfaches Bahnenziehen und aktive Ultraschallsensoren, während „Fein“ etwa doppeltes Mähen der Fläche längs und quer beinhaltet.
Die spannendsten Punkte sind Randmähen und Bypass-Strategie. Beim Randmähen dürfen Besitzer des Mammotion Luba AWD3000 festlegen, ob und wie oft der Mähroboter vor oder nach dem Mähen der Fläche den Rand mit zunehmendem Abstand zur virtuellen Grenze abfahren soll. Die Konkurrenz fährt grundsätzlich einmal die Grenzen ab. Die Bypass-Strategie erlaubt Einflussnahme darauf, wie vorsichtig der Luba navigiert. Ist sie auf null gesetzt, verlässt sich der Luba ausschließlich auf seinen vorderen Bumper. Entsprechend fährt er mit voller Geschwindigkeit vor Hindernisse und umfährt sie erst dann. Auf Eins nutzt der Mäher seine Ultraschallsensoren, um bei erkannten Hindernissen die Geschwindigkeit zu reduzieren und dann langsam bis zur Bumper-Auslösung oder zur virtuellen Grenze vorzufahren. Das ist hilfreich, wenn etwa Büsche und andere Pflanzen vom Rand aus in die Mähfläche ragen. Der Luba erkennt das zwar, fährt dann aber trotzdem mit verlangsamtem Tempo weiter und mäht so auch unter solchem Überhang. Modus Zwei hingegen sorgt dafür, dass der Rasenroboter überhängende Pflanzen als festes Hindernis ansieht und ohne Berührung umfährt. Solch eine Auswahl fehlt Konkurrenten wie dem Ecovacs Goat G1 (Testbericht), der daher unter in die Mähfläche ragendem Bewuchs nicht mäht.
Und wie verhält sich der Mammotion AWD 3000 nun im Alltag? Perfekt wäre übertrieben, denn auch der weiße Flitzer aus Fernost kann die typischen Probleme von RTK-Mähern nicht ganz eliminieren. So verliert auch er irgendwann eine ausreichende Verbindung zu den Satelliten und wird dann ungenau, wenn er unter dichtem Blattwerk oder an Engstellen zwischen Haus und Büschen mähen soll. Dann hält er inne, bis das Signal wieder hergestellt ist. Das dauert meist kürzer als bei der Konkurrenz. Zuvor toleriert er allerdings ebenfalls eine gewisse Ungenauigkeit. Das kann dann wie bei den Wettbewerbern zu ungewollten Ausflügen mit einem oder zwei Rädern ins Beet führen, obwohl er eigentlich auf den Randsteinen fahren sollte. Aber er macht das noch etwas seltener als unsere bisherige Nummer Eins, der Segway Navimow (Testbericht). Und wegen des Vierradantriebs kann er sich anschließend auch wesentlich häufiger als alle Zweirad-Kontrahenten wieder freifahren. Dabei ramponiert er normalerweise auch weder Rasen noch Beet – auch das ist etwas, was die Wettbewerber nicht von sich behaupten können. Innerhalb der Mähfläche sehen wir ebenfalls das geringste Beschädigungspotenzial des Rasens. Denn dank der vier angetriebenen Räder gibt es selbst bei feuchtem Gras selten durchdrehende Räder – und wenn, dann immer nur sehr kurz. Und wer Angst vor den Wendemanövern des Luba hat, darf beruhigt sein. Der Roboter kann zwar theoretisch auf der Hochachse wenden, tut das aber im Betrieb nicht. Stattdessen setzt er bei jeder engeren Drehung mehrfach vor und zurück – ähnlich wie eine Mehrpunktwendung beim Auto.
Die Navigation ist also nahezu optimal, der Luba fährt schnurgerade, sich überlappende Bahnen, deren Ausrichtung noch dazu in 10-Grad-Schritten bestimmt werden dürfen. Dabei mäht der Luba AWD 3000 mit enorm kräftigem Motor, der weder bei dichtem Gras noch anderem Bewuchs nennenswert an Kraft verliert. Das kann auch ein Verdienst des 10-Ah-Akkus sein, den AWD5000 und AWD3000 haben, der AWD1000 bietet nur einen Kraftspender mit 4,5 Ah. Das anschließende Schnittbild ist klasse, Rasenhalme werden sauber und gleichmäßig geschnitten und nicht gerupft. Auch am Rand bleibt wenig stehen. Ganz randlos mäht zwar auch der Luba nicht, etwa 5 Zentimeter fehlen im Schnitt bis ganz nach außen. Das schafft aber derzeit kein Mähroboter ohne Begrenzungsdraht. Stark ist dafür das Manövrieren am Hang selbst bei feuchtem Gras. Dank des Vierradantriebs rutscht der Luba AWD 3000 nicht unkontrolliert herum und hat fast immer Grip. Das macht derzeit niemand in dieser Preisklasse besser.
Einen kleinen Preis müssen Besitzer des Mammotion-Mähroboters aber für die hohe Schnittbreite dank zweier Mähteller und den kräftigen Motor bezahlen: Der Luba AWD 3000 ist zwar nicht laut, aber durchaus vernehmbar. Er produziert dabei ein Geräusch wie ein elektrischer Handmäher – als ein konstantes Rauschen, nur eben leiser. Mammotion spricht von bis zu 60 Dezibel, wir haben auf Rasen rund 53 Dezibel in einem Meter Abstand gemessen. Tatsächlich steigt der Geräuschpegel auf hartem Untergrund – etwa, wenn der Luba zwischen zwei Zonen einen Steinweg befährt – hörbar an. Modelle wie Segway Navimow (Testbericht) und Worx Landroid Vision (Testbericht) sind hier klar leiser. Wie die genannten Modelle piepst der Luba übrigens nur, um sich zu verständigen. Sprachausgabe gibt es nicht.
Die größte Fehlstelle der aktuellen Software (und es kamen im Test gleich zwei Updates herein) ist jedoch das Abfahren von Rändern bei Ausgrenzungen. Denn das macht der Luba schlicht und ergreifend nicht. Stattdessen hält er mit den Mähbahnen den gleichen Abstand wie bei Außengrenzen, die er dort aber zuvor abgefahren ist. Als Resultat bleibt bei Abgrenzungen innerhalb einer Mähfläche immer deutlich zu viel Rasen stehen, hier sollte Mammotion schnellstens nachbessern! Ebenfalls Luft nach oben hat der Luba beim Ausweichen von Hindernissen, wenn der Bumper ausgelöst wurde. Er folgt anschließend immer dem gleichen Muster und umfährt das scheinbare Hindernis mit rund einem Meter Abstand im Quadrat – selbst, wenn er einfach nur einen Zentimeter zu weit an eine Wand herangefahren ist. Und eine andere Sache stört uns und die betrifft leider Hard- und nicht leicht anpassbare Software: Im Laufe des Betriebs setzt sich feiner Grünschnitt zwischen Mähteller und Klingen, sodass die nicht mehr abklappen, sobald sie auf etwas Hartes treffen, sondern starr nach außen gerichtet verbleiben. Das lässt sich derzeit nur durch regelmäßige Reinigung beheben, hier ist die Konkurrenz weniger wartungsintensiv. das Schnittbild hat das aber nicht beeinflusst.
Toll ist wiederum die Mähgeschwindigkeit und Flächenleistung pro Stunde. Für den AWD 3000 gibt Mammotion 350 m² pro Stunde an, beim AWD5000 sind es angeblich sogar 500 m². So schnell ist keiner der von uns bislang getesteten Mähroboter ohne Begrenzungsdraht. Ein Teil des Geheimnisses dürfte die hohe Schnittbreite sein. Mit diesem Speed schaffte der Luba beim uns im Test bei einer Rasenfläche von rund 450 m² verteilt auf fünf Zonen in etwa 1,5 Stunden bei einfachen Bahnen. Unter drei Stunden waren es bei einem Schachbrettmuster. Dabei nutzt der Luba auch nahezu seine komplette Akkukapazität aus und fährt dann mit 20 Prozent Restleistung zurück zur Ladestation. Dort lädt er dann rund zwei Stunden und würde anschließend bei 85 Prozent Akkuleistung wieder selbstständig losfahren, wenn noch mehr zu mähen wäre.
Zum Thema Sicherheit gilt das Gleiche, was auch für andere Mähroboter gilt: Eigentlich nicht unbeaufsichtigt fahren lassen, schon gar nicht nachts oder in der Dämmerung. Denn natürlich stoppt der Luba, wenn er angehoben wird. Allerdings setzt er den Betrieb fort, sobald man ihn wieder absetzt. Bei Auslösung des Bumpers stoppt er ebenfalls und weicht aus. Bei Igel, Schlange, Kröte oder gar einem Kinderarm, der unter den Mäher gerät, kann das aber unter Umständen nicht reichen! Gegen Diebstahl soll eine Echtzeit-Diebstahlüberwachung per GPS zum Einsatz kommen und den Nutzer per App warnen, wenn der Roboter aus dem Bereich der Mähflächen entfernt wird. Im Test hat das allerdings nicht funktioniert und es ist uns auch schleierhaft, wie das ohne GSM-Modul klappen soll. Wir konnten den Roboter aus dem laufenden Betrieb per Stopp-Taste in den Kofferraum unseres Autos laden und einfach wegfahren. Eine Benachrichtigung beim ersten Verlassen der Mähzone oder später eine Diebstahl-Message bekamen wir nicht.
Mammotion bietet die Luba-Modelle seit Neuestem auch bei Amazon an und hat inzwischen bereits die Modelle für 2025 vorgestellt, die man an einem x in der Produktbezeichnung erkennt. Tests der neuen Reihe folgen in Kürze. Das von uns getestete 2024er-Modell Luba AWD 3000 gibt es nun reduziert zum Preis von 2200 Euro.
Im Shop des Herstellers sind nur noch die 2025er-Modelle zu folgenden Preisen verfügbar:
Ein Problem könnte es allerdings im Garantiefall (Mammotion bietet zwei Jahre) geben, andere Medien berichten sogar, dass Nutzer für eventuelle Schadensfälle durch ihren Luba persönlich haftbar gemacht werden könnten. Grund ist das Vertriebsmodell von Mammotion. Denn während alle anderen von uns bislang getesteten Hersteller ihre Geräte offiziell in Deutschland verkaufen oder – wie im Falle von Segway – einen Generalimporteur haben, der dann als Inverkehrbringer fungiert, ist das bei Mammotion anders. Denn auch wenn die Website des Herstellers groß mit „Mammotion Germany“ überschrieben und auf Deutsch ist, findet sich dort kein Impressum. Zwar sehen wir hier kein Haftungsproblem im Sach- oder Personenschadensfall, aber für Kontaktanfragen und Problemlösungen sind dort nur eine chinesische Telefonnummer und mehrere E-Mail-Adressen zu finden. Das sollten Kaufinteressenten im Hinterkopf behalten. Sie sind hier auf den Goodwill des chinesischen Herstellers angewiesen, rechtlich bleibt europäischen Nutzern keinerlei Handhabe.
Update: Seit dem Verkauf durch Amazon sehen wir kein großes Problem mehr.
Update 2: Auf Anfrage einer aufmerksamen Leserin teilte Amazon mit, dass Amazon nur als Verkaufsplattform auftritt und Verkäufer weiterhin Mammotion ist. Zwar ist hier in den ersten 30 Tagen dank Unterstützung seitens Amazon bei Nichtgefallen oder sonstigen Problemen mit dem Mäher nicht mit Schwierigkeiten bei der (Rück)abwicklung zu rechnen. Danach bleibt aber weiterhin nur Hersteller Mammotion direkt in China bei Defekt oder anderen Problemen.
Der Mammotion Luba AWD 3000 gehört zweifellos zu den besten Mährobotern ohne Begrenzungsdraht. Das liegt am tollen Gesamtpaket, den die Modelle bei angemessenem Preis bieten. Zwar kann der weiße Flitzer die typischen RTK-Probleme nicht ganz beseitigen, löst sie aber etwas insgesamt besser als die Konkurrenz – kein anderes Modell hat so starken GPS-Empfang. Hinzu kommt tolle Hardware mit hoher Schnittbreite und kraftvollem Mähantrieb, starkem Vierradantrieb und toller Software. Die benötigt zwar noch etwas Feinschliff bei der Benutzerführung und derzeit fehlt ein gezielter Randschnitt bei Ausgrenzungen, der Rest funktioniert aber schon jetzt richtig gut.
Ein echter Leisetreter ist der Luba aber nicht und auch eine Benachrichtigung bei Diebstahl haben wir nicht bekommen. Zudem bleibt das Problem, dass der Hersteller ausschließlich in China sitzt. Davon abgesehen sind die Lubas aber ein beeindruckendes Stück Technik. In unserer Themenwelt Mähroboter haben wir neben kabelgebundenen Geräten zuletzt auch viele Modelle ohne Begrenzungsdraht getestet. Größter Konkurrent für die Lubas ist unserer Meinung nach aktuell der Segway Navimov (Testbericht). Das spiegelt sich auch in unserer Topliste zu Mährobotern ohne Begrenzungsdraht wider. Was solche Modelle generell können sollte und welche es noch gibt, verrät unser Ratgeber Husqvarna, Ecovacs & Co.: Das können Mähroboter ohne Begrenzungsdraht.
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