Anne arbeitet hauptberuflich in einem Berliner Entwicklerstudio als Game Design Director. Zuvor machte sie ihren Game Design Bachelor, bei der sich die Begeisterung für Videospiele, auch in eine Begeisterung für die Spielentwicklung verwandelte. Nebenbei schreibt sie als freie Journalistin gerne…
Meisterdetektiv Pikachu kehrt zurück führt die Geschichte des Detektiv-Duos Tim Goodman und Pikachu fort. Gemeinsam begeben wir uns nach Ryme City, besuchen das Hi-Hat Café und gehen mysteriösen Fällen auf die Spur.
Alles fing an im Jahr 2016, als Entwicklerstudio Creatures, Inc. dem allseits beliebten Pokémon Pikachu eine Mütze aufsetzte und ihn als neuen Meisterdetektiv einschwor. 2018 erblickte der Detektiv auch außerhalb Japans auf dem Nintendo 3DS das Licht der Welt und bildete seine eigene kleine Fangemeinde, sodass im darauffolgenden Jahr mit Pokémon Meisterdetektiv Pikachu sogar eine Realverfilmung in den Kinos erschien. Nachdem auch die Verfilmung der Abenteuer von Tim Goodman und Detektiv Pikachu Erfolg bei den Fans verzeichnen konnte, folgte im vergangenen Oktober mit Meisterdetektiv Pikachu kehrt zurück ein Nachfolger für den erfolgreichen 3DS-Titel.
Und so geht es erneut auf nach Ryme City, der Metropole, in der Mensch und Pokémon Seite an Seite leben, um neue spannende Fälle aufzudecken und Detektiv Pikachus nie endender Kaffee-Sucht im örtlichen Café zu befriedigen. Als Partner an seiner Seite nehmen Spieler die Rolle von Tim Goodman ein, Sohn des verschollenen Harry Goodman und ursprünglicher Partner von Detektiv Pikachu.
Abseits von Harry ist Tim der Einzige, der das sprechende Pokémon verstehen kann und so gehen die beiden eine Partnerschaft ein, um sowohl Mensch als auch Pokémon zu befragen und gemeinsam Ryme Citys Mysterien zu lösen. Wer den ersten Teil auf dem 3DS verpasst hat, der wird dank einer kurzen Zusammenfassung zu Beginn des Spiels auf dem Laufenden gehalten. Ebenso wie im Film dreht sich der Vorgänger rund um das Auftauchen einer mysteriösen Substanz namens R, die Pokémon in wütende Monster verwandelt.
Letztlich können Detektiv Pikachu und Tim den Fall gemeinsam lösen, doch der Aufenthaltsort von Harry Goodman bleibt ein Rätsel. Auch die Realverfilmung wird namentlich in der Zusammenfassung erwähnt und als Fiktion beschrieben, sodass sich die Videospiel-Titel klar von den Geschehnissen innerhalb der Realverfilmung abkapseln. Wie sich das neueste Abenteuer des Detektiv-Duos auf der Nintendo Switch schlägt und welche Abenteuer dieses Mal in Ryme City auf die Spieler warten, verraten wir in unserem Test.
Die zehn besten Spiele zeigen wir in unserer regelmäßig aktualisierten Bestenliste Top 10: Die besten Spiele für Nintendo Switch.
Wie es sich für einen guten Detektiv-Titel gehört, dreht sich alles um die Befragung von Zeugen, die Begutachtung der Tatorte sowie das korrekte Ziehen von Schlussfolgerungen, um letztlich den Tathergang abzuleiten. Im Laufe der insgesamt sechs Kapitel gehen Spieler den verschiedensten Fällen auf die Spur. Ein Juwelendieb in einer Villa oder auch eine uralte Ruine, die sich seltsamerweise in eine Eislandschaft verwandelt hat – jeder Fall wird in seinem eigenen Kapitel aufgearbeitet und präsentiert eine weitere Facette von Ryme City. Allmählich offenbart sich jedoch ein übergeordnetes Muster, welches alle Fälle in Verbindung miteinander bringt und schon gehen die beiden einer großen Verschwörung auf die Schliche. Immer wieder kehren ominöse Personen einer geheimen Organisation auf, Pokémon werden durch würfelförmige Geräte aggressiv und auch Mewtu ist wieder einmal in die Geschehnisse verstrickt.
Die Geschichte rund um die Verschwörung wird überraschend gut innerhalb der Dialoge und Zwischensequenzen aufgearbeitet und sorgt immer wieder für gelungene Unterhaltung im Laufe des Spiels. Auch der Humor, den der Pokémon-Detektiv mit sich bringt, zeigt sich als große Stärke des Adventure-Titels. Abseits der Hauptgeschichte wird das alltägliche Leben in der Metropole durch Nebenmissionen, sogenannte Anliegen, immer wieder zwischendurch beleuchtet. In einem Park suchen Spieler einen passenden Pokémon-Partner für einen kleinen Fußball-Fan, an anderer Stelle wird dem lokalen Kinoso-Chor dabei geholfen, sich in der Stadt zu versammeln.
Ein Anliegen ist innerhalb weniger Minuten erledigt und macht somit einen geringen Anteil des Gameplays aus, eine nette Ergänzung sind diese dennoch. Das eigentliche Gameplay von Meisterdetektiv Pikachu kehrt zurück beginnt ab dem Moment, in dem Tim und Detektiv Pikachu die Fährte eines neuen Falls aufnehmen und sich gemeinsam mit der örtlichen Polizei an den Tatort begeben.
Während sich die Spieler in der Rolle von Tim um die Befragung der menschlichen Verdächtigen und Zeugen widmen, kümmert sich Pikachu um die Befragung der Pokémon. Als Dialog-lastiges Spiel verbringen Spieler viel Zeit mit der Befragung, um mehr über den Fall zu erfahren. Sämtliche gesammelte Hinweise und Informationen wandern im Anschluss in Tims Notizbuch, welches besonders für die späteren Schlussfolgerungen essenziell ist.
Abseits der Gespräche mit Zeugen und der Spurensicherung macht sich auch der Meisterdetektiv höchstpersönlich ans Werk. Neben der Fähigkeit, die Pokémon verstehen und sie somit befragen zu können, nutzt Pikachu immer mal wieder die Hilfe seiner Pokémon-Freunde, um den Fall voranzubringen. Im sogenannten Pika-Pilot-Modus steuern Spieler Detektiv Pikachu und seine Freunde in kurzen Gameplay-Sequenzen durch die Spielwelt. So wird auf dem Rücken von Fukano Gerüchen hinterher geschnüffelt, eingenistet auf dem Kopf des kolossalen Pokémon Flampivian wiederum brechen die beiden durch die Wände einer Ruine hindurch. Die Pika-Pilot-Sequenzen sind von kurzer Dauer, sind mit ihren je nach Pokémon unterschiedlichen Gameplay-Einlagen jedoch eine willkommene Abwechslung abseits der Detektiv-Arbeit.
Sobald der letzte Zeuge befragt und alle Spuren gesammelt wurden, geht es in die Schlussfolgerungs-Phase. Hierbei nimmt Tim sein Notizbuch mit all den wichtigen Informationen zur Hilfe und stellt einige Thesen auf, wie sich der Fall abgespielt haben könnte. Als Spieler gilt es, die korrekte These zu wählen, um den Fall letztlich erfolgreich nachzustellen.
Einen überdurchschnittlichen Detektiv Sinn brauchen Spieler nicht, denn der Schwierigkeitsgrad des Spiels ist eher auf Unterhaltung als auf zermürbende Rätsel aus. Wer eine falsche Schlussfolgerung trifft, wird von Detektiv Pikachu eines Besseren belehrt, doch eine Falschaussage bringt keine spielerischen Auswirkungen mit sich. Der Reiz nach der Suche der Wahrheit wird somit ein wenig gedämpft, da sich Spieler ohne Konsequenzen durch alle potenziellen Thesen durchprobieren können.
Befragungen, Spurensicherung, dramatische Schlussfolgerungen und ein Hauch von Action – Meisterdetektiv Pikachu kehrt zurück fehlt es bezüglich Detektiv-Mechaniken an nichts. Auch wenn sich der Schwierigkeitsgrad eher an jüngere Spieler richtet und seinen Fokus auf Unterhaltung statt Fälle à la Sherlock Holmes legt, präsentiert sich Meisterdetektiv Pikachu kehrt zurück als ein gelungener Detektiv-Titel mit ebenso gelungenen Detektiv-Mechaniken.
Ein größerer Kritikpunkt stellt die grafische Umsetzung des Titels dar. Trotz des Konsolen-Sprungs vom Nintendo 3DS auf die wesentlich leistungsstärkere Nintendo Switch, scheint sich bezüglich der Grafik kaum etwas seit der Erstveröffentlichung des Originals im Jahr 2016 getan zu haben. Während Detektiv Pikachu’s Charakter in den Zwischensequenzen dank vieler lebhafter Animationen klasse rüberkommt, so wirken die menschlichen Charaktere durch den stark stilisierten Cartoon-Look und die hölzernen Gesichtsanimationen eher ernüchternd.
Je nach Sequenz schwankt die Sättigung und Belichtung der spielerischen Kulissen, auch der Detailgrad einiger Hintergründe lässt manchmal zu wünschen übrig. Tims Wohnung birgt viele charmante Details und wirkt mit Bedacht gestaltet. Andere Kulissen hingegen, wie eine von Eis umschlossene Ruine, wirken mit repetitiven Objekten und karger Kulisse eher lieblos gestaltet.
Während die grafische und gestalterische Umsetzung an einigen Stellen zu wünschen lässt, gibt es auf technischer Ebene nichts an Meisterdetektiv Pikachu kehrt zurück auszusetzen. Sowohl im TV- als auch Handheld-Modus konnten wir im Laufe unserer Spielzeit keinerlei Framerate-Einbrüche oder sonstige technische Makel feststellen.
Meisterdetektiv Pikachu kehrt zurück ist seit seinem Erscheinen deutlich im Preis gefallen. Kostete es zu Beginn noch knapp 50 Euro, war es zwischenzeitlich gar für unter 25 Euro zu haben. Aktuell kostet es etwa 30 Euro.
Auch wenn sich Meisterdetektiv Pikachu bezüglich des Schwierigkeitsgrads eher an jüngere Pokémon-Fans richtet, so ist es auch für Größere ein Spaß, die Zeugen zu befragen, Hinweise zu sammeln und im Pika-Pilot-Modus die Stadt unsicher zu machen. Die finale Schlussfolgerung eines Falls wird ebenso wie viele andere Aspekte des Titels in liebevollen Zwischensequenzen und Animationen dargestellt, wodurch es schwerfällt, den vorlauten, koffeinsüchtigen Detektiv Pikachu nicht ins Herz zu schließen.
Weniger liebevoll gestaltet sich die grafische Umsetzung, die im Jahr 2024 auf der Nintendo Switch neben Titeln wie The Legend of Zelda: Tears of the Kingdom (Testbericht) veraltet wirkt. Ein ausgeprägter Sinn für Humor, reizender Charme, eine ausgeklügelte Spielmechanik und eine spannende Geschichte machen den Titel trotz einiger Schwächen zu einem empfehlenswerten kleinen Adventure-Titel für zwischendurch, der sowohl große als auch kleine Fans gut unterhält.
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