Mit Abmessungen von 400 x 400 x 400 mm bietet der Magician Pro ausreichend Platz für große 3D-Drucke. Im Test muss auch der zweite Drucker von Mingda zeigen, ob sich die Anschaffung lohnt.
Der Hersteller Mingda, noch weitgehend unbekannt in Deutschland, produziert schon seit 2012 Großraumdrucker für den chinesischen Markt. Momentan bietet Mingda auf Aliexpress 3D-Drucker mit unfassbar großem Bauraum bis zu 1000 × 1000 × 1000 mm. Seit letztem Jahr bemüht sich die Firma, den europäischen Markt zu erobern. Wir hatten schon unzählige mediokre China-Drucker auf unserer Testbank, doch der Mingda Magician X (Testbericht) überzeugte von Anfang an.
Jetzt muss der große Bruder Magician Pro mit einem Bauraum von 400 × 400 × 400 mm zeigen, ob er ebenso gut im Test abschneidet. In der oberen Liga gehören automatische Druckbett-Vermessung und doppelt geführte, synchronisierte Z-Spindel-Führung zur Grundausstattung. Zudem sind hohes Eigengewicht, stabiler Aufbau und reibungslose Mechanik essenziell für gute, fehlerfreie 3D-Drucke. Interessant an dem Newcomer von Mingda sind innovative Lösungen in Aufbau und Umsetzung der Mechanik. Ob sich diese innovative Herangehensweise in Bezug auf Qualität durchgesetzt hat, zeigt TechStage in diesem Test aus unserer Themenwelt 3D-Drucker.
Der Magician Pro gehört mit einem Bauraum von 400 x 400 x 400 mm zu den Druckern mit überdurchschnittlich großem Bauraum. Das macht sich auch bei den Geräteabmessungen von rund 65 x 59 x 68 cm und dem Gewicht von 14,5 kg bemerkbar. Statt eines Bowdenschlauchs kommt hier ein Driect-Drive-Extruder mit Dual-Gear-Antrieb zum Einsatz. Die Drucktemperatur beträgt 260 Grad. Das Heizbett erreicht bis zu 110 Grad.
Zur Steuerung kommt ein farbiger 3,5-Zoll-Touchscreen zum Einsatz. Die Druckdaten gelangen per SD-Karte oder per USB-C auf den Magician Pro.
Der Mingda Magician Pro wird noch oldschool in Styropor verpackt, was beim Auspacken jeden umweltliebenden Menschen einen Stich in Herz beschert. Dennoch kam der kompakte Bausatz auch so sicher bei uns an. Dieser besteht aus nur zwei vormontierten großen Modulen plus ein paar Einzelkomponenten. Neben Stabilisatoren und Rollenhaltern gehört noch eine Tüte mit Kleinteilen und Werkzeug zum Lieferumfang.
Im Gegensatz zu den meisten 3D-Druckern ist der Aufbau des Pro einfacher, da der obere Rahmen direkt auf die untere Plattform montiert werden kann. Ist dies erledigt, fehlen noch die Stabilisatoren, Rollenhalter und schon kann der Drucker hochgefahren werden. Nachdem der Drucker steht, wird der er einmalig via Auto-Bed-Leveling (ABL) kalibriert und ist dann einsatzbereit.
Mingda hat softwaretechnisch einiges richtig gemacht, so ist etwa das Menü am Druckerdisplay sehr übersichtlich aufgebaut und alle wichtigen Arbeitseinstellungen sind schnell erreicht.
3D-Modelle werden in dem sogenannten Slicer für den Druck vorbereitet. Hier bietet Mingda die kostenlose Software Cura an und liefert auch passende Druckerprofile auf der beigelegten Speicherkarte. Entweder fällt die Wahl auf das in Cura implementierte Mingda Pro-Druckerprofil, oder ein eigenes Druckerprofil wird angelegt und mit den SD-Karten-Profilen gefüttert.
Vorsicht: Die mitgelieferten Druckerprofile können nicht in den schon bestehenden Mingda-Pro-Profil integriert werden. Hier erhält der Nutzer die Fehlermeldung „Profil inkompatibel mit Mingda Base“.
Generell funktioniert die Drucker-Firmware gut. Doch der Touchscreen reagiert nach unserem Geschmack etwas zu träge und in den Tiefen des Druckermenüs verbirgt sich noch der eine oder andere kleine Bug. Zum Beispiel bei den Daten des ABL. Diese können anscheinend manuell nachjustiert werden – die dafür benötigte Tastenbelegung ist allerdings verwirrend oder gar nicht vorhanden.
Wir haben nach dem Zusammenbau wie gewohnt wild drauflos gedruckt. Erste Versuche mit PLA und PLA+ haben noch gut funktioniert, spätestens bei PETG hatten wir aber mit starkem Stringing (Fäden ziehen) zu kämpfen, welches dann auch bei allen anderen Filament-Typen auftrat.
Auch der Druckbett-Leveling-Test fiel leider nur mit mittelmäßigem Ergebnis aus. Auf der linken Seite war die Druckdüse zu nah am Druckbett, rechts zu weit weg. Gemerkt haben wir dies, als ein Test des Auto-Bett-Levelings (ABLs) keine gleichmäßige erste Schicht ergab. Dies war der erste Stand der Dinge und so ging es an die Suche der Fehlerquelle(n). Da das Druckbett keine Schrauben zur manuellen Nivellierung besitzt, konnte die Ursache nur beim Druckkopf oder dessen Z-Führung zu finden sein.
Das Problem der automatischen Druckbett-Vermessung führten wir auf die synchronisierten Z-Spindeln zurück. Der Mingda Magicians Pro ist in der Einfachheit seines Aufbaus kaum zu übertreffen, doch die beim Zusammenbau gesparte Zeit floss nach den ersten Problemen gleich in die Feinjustierung. Die Z-Spindeln waren unterschiedlich hoch synchronisiert und verwirrten so das ABL. Die Spindeln wurden bedauerlicherweise bei der Montage nicht exakt parallel ausgerichtet, bevor der Zahnriemen oben verbunden wurde. Nachdem der Fehler von uns behoben wurde, konnten wir uns um das starke Stringing kümmern, auch hier war die Lösung (zumindest für einige Filament-Typen) recht einfach. Erst mussten wir die Versatzmuttern der Nylonlaufrollen der X-Schiene nachziehen und anschließend das Druckbett mit zusätzlichen Klammern fixieren. Im Ergebnis hatten wir nun eine präzise Führung aller bewegten Teile und konnten endlich vernünftig Drucken.
Schade, bei einer vernünftigen Qualitätskontrolle hätten solche Dinge auffallen müssen. Wenn ein Gerät schon vormontiert ankommt, sollte man sich auf die Vorarbeit des Herstellers verlassen können.
Da der Hotend-Aufbau des Magicians Pro zu starkem Stringing neigt, orientierten wir uns bei allen Filamenten am unteren Ende des Temperaturbereichs. Eine geringere Drucktemperatur verringert das Stringing-Verhalten, erzeugt aber auch mehr Bewegungsdruck auf das Modell. Wir erzielten letztlich mittelmäßig gute Druckergebnisse mit PLA, PLA+, TPU und kleinen Modellen aus ABS.
Mit PETG und PCTG haben wir bis zuletzt keine schönen Ergebnisse erzielt. Egal, mit welchen Temperaturen, Retractspeed und -distanz wir hier gearbeitet haben, es entstand immer sehr starkes Stringing.
Der Mingda Magician Pro ist für rund 549 Euro etwa bei 3D-Jake erhältlich. Auf der Herstellerseite kostet der Magicians Pro umgerechnet 539 Euro.
Angesichts der Ausstattung wäre der Preis in Ordnung – wären da nur nicht die Probleme mit dem Stringing und die unbefriedigende Verarbeitungsqualität der vormontierten Komponenten.
Im Gegensatz zu vielen anderen Newcomer 3D-Druck-Herstellern sticht Mingda positiv heraus. In der Tat zeichnet sich der Pro durch einen sehr stabilen Rahmen, hochwertige elektronische Bauteile und leichten Aufbau aus. Die Probleme mit der versetzt laufenden Z-Spindel und fehlenden Druckbettklammern sind leider der Nachlässigkeit in der Endmontage geschuldet und hätten vermieden werden können.
Im Prinzip bietet der Mingda Magicians Pro eine gute Basis für zuverlässige 3D-Druck-Arbeiten. Allerdings kostet der Mingda Magicians Pro mit 540 Euro deutlich mehr als seine direkte Konkurrenz von Creality CR-6 Max (Testbericht) für rund 510 Euro, der Elegoo Neptune 3 Max (Testbericht) für 500 Euro oder der Anycubic Kobra Max (Testbericht) für nur 480 Euro. Mingda ist gerade dabei, ihre Druckerserien mit einem X2-Facelift aufzufrischen, so könnte der Mingda Magicians Pro als Clearance-Sale zu deutlich moderaten Preis angeboten werden. Eine Kaufempfehlung für Pro geben wir für den Fall, dass der Preis deutlich unter 450 Euro fällt.
Weitere Einzeltests, Filament-Vergleiche und Ratgeber zeigen wir in unserer Themenwelt 3D-Drucker.
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