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Mini-Drohne Eachine UK/US65 im Test: 1s brushless für drinnen

Mini-Drohne Eachine UK/US65 im Test: 1s brushless für drinnen
VORTEILE
  • Kraftvolle Brushless-Motoren
  • gute Flugeigenschaften
  • alle Ersatzteile erhältlich
NACHTEILE
  • zusätzlicher Sender erforderlich
  • ohne Netzteil für Ladegerät
  • zusätzliche FPV-Brille nötig

Die neue Generation der Mini-Multicopter („Tiny Whoop“) bietet dank Brushless-Antrieb und Leichtbauweise richtig viel Power. Wir haben den US65 im Wohnzimmer ausprobiert und sind begeistert.

Die Mini-Drohne Eachine UK/US65 steht exemplarisch für eine ganze Klasse an kleinen Race-Drohnen, sogenannte Tiny Whoops. Der Vorteil gegenüber anderen Mini-Drohnen wie dem Inductrix FPV (Testbericht) ist der verwendete Brushless-Motor. Diese Motoren sind im Vergleich zu Bürstenmotoren deutlich kräftiger und arbeiten quasi verschleißfrei.

Die etwa handtellergroßen Racer unterscheiden sich deutlich von Kameradrohnen wie der Mavic-Serie von DJI (Kaufberatung) . Sie verzichten auf viele Komfortfunktionen und haben nur eine Aufgabe: schnelles, präzises Fliegen, damit der Pilot eine kurzweilige Zeit hat. Dazu braucht es neben dem Copter noch eine Fernsteuerung und idealerweise eine Videobrille mit integriertem Empfangsmodul. Eine Übersicht zur notwendigen Ausrüstung haben wir in der Kaufberatung FPV-Racer zusammengestellt.

Neben dem von uns getesteten US65 sind zahlreiche nahezu identische Modelle unter verschiedenen Bezeichnungen erhältlich. Dazu gehören beispielsweise die Modellbezeichnungen wie Betafpv 65 Pro oder Snappy 6. Diese sind größtenteils baugleich, unterschiedlich sind lediglich der Rahmen (Frame), das Kunststoff-Chassis und die mitgelieferten Propeller.

Die kleinen Racer setzen auf die gleiche Technik wie die großen Rennmaschinen, sind allerdings etwas langsamer.

Lieferumfang und notwendiges Zubehör

Unser Testmodell, der Eachine US65, wird in einem Set mit drei Akkus, einem kleinen Ladegerät und einem Satz Ersatzpropeller geliefert. Es fehlt allerdings noch einiges an Ausrüstung, um losfliegen zu können.

So fehlt dem mitgelieferten Ladegerät ein integriertes Netzteil. Um es mit Strom zu versorgen, wird entweder ein Drei-Zellen-Modellbauakku mit XT60-Stecker oder ein 12-Volt-Netzteil benötigt. Wer bereits passende Akkus zu Hause hat, muss nichts extra investieren. Für Neueinsteiger empfehlen wir ein Standard-Netzteil mit mehreren Anschlusstypen.

Der Lieferumfang des US65.

Zum Fliegen wird außerdem eine Fernsteuerung benötigt, die je nach verwendetem Copter das Frsky- oder das Flysky-Protokoll unterstützt. Unser Testgerät haben wir mit Flysky-Modul bestellt, dazu passt beispielsweise die „Funke“ Turnigy Evolution . Für die Version mit Frsky-Empfänger eignen sich Sender aus der Taranis-Serie, die aktuell in der Community sehr beliebt sind – auch aufgrund ihrer Open-Source-Software (Open TX ).

Beim Fliegen sieht man die Strecke dank einer frontal montierten Kamera aus Sicht der Drohne (First-Person View, FPV). Die integrierte Kamera des US65 samt Sender liefert ein annähernd verzögerungsfreies Live-Bild. Für Film- und Fotoaufnahmen ist sie nicht gedacht, der Schwerpunkt liegt auf der annähernd latenzfreien Übertragung. Um das Videosignal empfangen zu können, braucht der Pilot eine FPV-Brille oder einen Monitor mit integriertem 5,8-GHz-Empfänger. Diese liegen dem Copter nicht bei. Günstige Einsteiger-Modelle kosten etwa 70 bis 90 Euro. Eine Qualitätsklasse höher sind Profibrillen wie die Skyzone Sky03 oder die Fatshark-Modelle. Sie sind deutlich teurer, bieten aber besseren Empfang und sind im direkten Vergleich viel kompakter.

Bildqualität

Die Bildqualität ist zum Fliegen ausreichend – mehr aber auch nicht. Wer will, kann das Livebild trotzdem mit einem Video-Empfänger aufzeichnen. Die Qualität ist nicht zuletzt wegen Störungen bei der Videoübertragung nicht besonders ansehnlich und kann nicht ansatzweise mit der von Video-Drohnen mithalten.

Das Umschalten des Videokanals erfolgt direkt über einen Taster am Multicopter oder per Befehl durch den Handsender. Zwar ist der Kamerawinkel beim US65 einstellbar, wir hätten uns allerdings einen steileren Maximalwinkel gewünscht. Bei anderen Varianten, wie dem Betafpv 65 Pro, ist die Kamera starr verbaut.

Technische Ausstattung

Ein großer Pluspunkt des Copters ist seine Flugsteuerung. Statt einer proprietären Eigenentwicklung setzt der Hersteller auf einen F3-Flightcontroller. Dieser ist beispielsweise auch beim FPV-Racer Torrent 110 (Testbericht) verbaut und nutzt die bewährte Open-Source-Software Betaflight.

Der US65 ist zwar bereits vorkonfiguriert, wer möchte, kann die Einstellungen nach seinen eigenen Vorstellungen anpassen. Mehr Informationen dazu gibt es im Wiki von Betaflight .

Vor dem ersten Flug müssen Sender (Fernsteuerung) und Empfänger (im Copter) gekoppelt werden. Dazu braucht man keine große Modellbauerfahrung, vor dem ersten Mal sollte man sich aber einlesen. Eine sehr gute Anlaufstelle mit zahlreichen Informationen für Anfänger und erfahrene Piloten ist der Blog von Philipp Seidel .

Im Flug wird die Akku-Spannung per Telemetrie an die Fernsteuerung geschickt. Unterschreitet die Spannung die eingestellte Warnschwelle, piept der Sender und erinnert den Piloten an die Landung. Insbesondere bei mehrzelligen Lipo-Akkus ist dies extrem wichtig, um sie vor Beschädigungen durch Tiefenentladung zu schützen. Im Falle des US65 ist dies nicht so wichtig. Die mitgelieferten Akkus haben einen Hardwareschutz. Beim Flug mit Videobrille bekommt der Pilot außerdem wichtige Daten im Sichtfeld eingeblendet. Welche Informationen auf dem OSD (On-Screen-Display) zu sehen sind, entscheidet der Nutzer über die Konfiguration in Betaflight.

Insgesamt erfordert der US65 mehr Vorarbeit als ein einfacher Multicopter wie beispielsweise der Inductrix FPV (Testbericht) oder der Eachine 013 (Testbericht) . Dafür bekommt der Nutzer einen echten FPV-Racer im Miniformat und nicht nur ein Spielzeug.

Flugmodi

Der US65 hat nur eine Lageerkennung. Andere Hilfsfunktionen wie Höhenmesser, GPS oder optische Positionierungssysteme gibt es nicht. Das bedeutet, dass der Quadcopter nur seine Fluglage stabilisiert. Der Nachteil: Sobald die Drohne einen Luftzug abbekommt, beginnt sie abzudriften. Außerdem muss man die Kraft der Motoren sehr genau dosieren, um die Höhe zu halten, und permanent gegensteuern. Wer also eine Drohne erwartet, die wie die DJI Mavic als „Siemens Lufthaken“ im Himmel steht, wird enttäuscht sein. In der Klasse der Race-Drohnen ist das aber ganz normales und gewolltes Verhalten, schließlich möchte man früher oder später ja auch Rennkurse abfliegen und Manöver wie Powerloops durchführen. Diese Einschränkung bei der Unterstützung gilt sowohl für die schwächeren Modellen mit Bürsten-Motoren als auch für größere Racer wie den Torrent 110 (Testbericht) .

Der Mini-Copter im Größenvergleich mit dem iPhone 6s.

Der F3-Flugcontroller ist der Quasi-Standard in der Klasse der kleinen Racecopter. Er ermöglicht stabilisiertes, halb-stabilisiertes und freies Fliegen. Im Stabilitätsmodus richtet sich der US65 automatisch gerade aus, sobald er keine Steuerungs-Befehle vom Sender erhält. Der maximale Neigungswinkel während des Fliegens – und damit die maximale Geschwindigkeit – ist in diesem Modus begrenzt.

Im halb-stabilisierten Modus verhält sich der Copter ähnlich. Bei vollen Steuerausschlägen ist er allerdings in der Lage, Loopings und Rollen zu fliegen. Im Unterschied zu den schwachen Modellen mit Bürstenmotoren schaffen es die kraftvollen bürstenlosen Motoren, den Quadcopter nach solchen Manövern abzufangen.

Im unstabilisierten Modus muss der Pilot den Racer immer selbst ausrichten, was für Anfänger nicht ganz einfach ist. Dafür sind in diesem Modus keinerlei Beschränkungen vorhanden. Geübte Piloten nutzen diesen sogenannten Acro-Mode, um maximale Agilität zu erreichen. Dann sind faszinierende Flugmanöver in fast atemraubender Geschwindigkeit möglich. Wer sich an diesen Modus langsam rantasten will, dem empfehlen wir das Üben an einem Simulator wie Freerider oder Velocidrone . Einige Handsender, wie der von uns genutzte Turnigy Evolution, haben einen USB-Ausgang und eignen sich für die Verwendung als Joystick am PC oder Mac. Wer einen Sender benutzt, der dies nicht unterstützt, kann auf einen USB-Sender speziell für Simulatoren zurückgreifen.

Wer sich weiter mit den Feinheiten seines Copters auseinander setzen möchte, installiert den Betaflight Configurator . Hier lassen sich alle Einstellungen zu Steuerung und Flugverhalten einsehen und anpassen. Wir nutzen im Testbetrieb die Standardeinstellungen und sind damit überraschend zufrieden.

Flugverhalten der Drohne

Bereits mit den Voreinstellungen reagiert der kleine Racer im stabilisierten Modus sportlich. Wer das volle Potential ausschöpfen möchte, kann die maximale Drehrate in der Software noch erhöhen und im manuellen Modus fliegen. Diese Einstellung legt fest, um wie viel Grad sich der Copter pro Sekunde bei Vollausschlag dreht. Während Anfänger schon mit 360 Grad an ihre Grenzen kommen, fliegen Profis mit 1200 Grad pro Sekunde oder mehr.

Verglichen mit der Leistung von Bürstenmotor-Drohnen hat der US65 ausreichende Kraftreserven. Das Abfangen nach Sturzflügen, Salti und Rollen klappt erfreulich gut. Enge Kurven, und Rennen durch Tore und zwischen Tischbeinen sind mit dem Mini-Racer ein Riesenspaß. Diese Power kostet allerdings Strom, und und so bekommen wir bereits kurz nach dem Start die Meldung Jetzt Landen im Videobild angezeigt. Sobald der US65 wieder auf dem Boden steht, erholt sich der Akku wieder. Dank des Tiefenentladungsschutzes in den Akkus fliegen wir den US65 im Test solange, bis er spürbar an Leistung verliert. Dies ist nach etwa 3 bis 5 Minuten der Fall. Das Nachladen mit dem beigelegten Ladegerät dauert, je nach verwendetem Netzteil, etwa 25 bis 35 Minuten.

Die Reichweite der Drohne liegt bei mehreren hundert Metern. Wer weiter weg fliegt, bekommt zunächst Probleme mit dem Videosignal und sieht irgendwann nichts mehr. Softwareseitig gibt es keinerlei Höhen- oder Reichweitenbeschränkung. Bricht das Funksignal zwischen Fernsteuerung und Empfänger ab, schalten sich die Motoren aus und der US65 fällt zu Boden. Abstürze übersteht kleine Copter normalerweise unbeschadet. Bei sehr harten Einschlägen kann es allerdings passieren, dass der Rahmen um die Propeller bricht. Ein Tropfen Sekundenkleber reicht für eine temporäre Reparatur aus, Ersatz ist problemlos zu bekommen. Das gilt auch für die verbauten Motoren, für die Elektronik und alles weitere Zubehör.

Der US65 vor und nach dem Umbau mit einem kompatiblen Rahmen.

Dank des niedrigen Abflug-Gewichts von deutlich unter 250 Gramm ist für den Betrieb keine Namensplakette notwendig. Der US65 wiegt inklusive Akku gerade einmal 29 Gramm – soviel wie eine Scheibe Toastbrot. Eine Modellflugversicherung ist für den legalen Einsatz im Freien trotzdem zwingend erforderlich. Mehr Infos zur Drohnen-Verordnung finden sich hier .

Zubehör

In Sachen Zubehör gibt es beim US65 eine reichliche Auswahl. Es sind alle Einzelteile wie Rahmen, Chassis, Motoren, Flugcontroller oder Propeller erhältlich. Wer möchte, kann auch Komponenten von anderen Herstellern verwenden. So hat unser US65 zwar bisher alle Crashes unbeschadet überstanden, trotzdem haben wir uns bereits einen Ersatzrahmen besorgt. Als Alternative eignet sich beispielsweise der Betafpv-65-Pro-Rahmen, welcher zwar nicht bunt, dafür aber umso stabiler ist.

Vielflieger sollten sich am besten gleich einen Stapel zusätzlicher Akkus kaufen. Da der Akku über einen Standard-Anschluss mit Jst-Ph-2-Stecker verfügt, sind zahlreiche vergleichbare Batterien von Drittherstellern kompatibel. Die Originalakkus und die des Herstellers Betafpv haben im Test gut und zuverlässig funktioniert.

Zusätzlich empfehlen wir den Kauf von Ersatzpropellern. Aus Foren und eigener Erfahrung wissen wir, dass auch die Propeller des Modells Eachine E013 (Testbericht) mit Bürstenmotoren passen. Sie sind etwas leiser und bieten etwas mehr Auftrieb als die beigepackten Propeller.

Der von uns getestete US65 ist derzeit nur per China-Import beim Anbieter Banggood erhältlich. Es gibt aber baugleiche Produkte, die von deutschen Verkäufern angeboten werden. Im Rahmen der Recherce fanden wir heraus, dass die Copter Betafpv 65 Pro, Snapper 6 und Snapper 7 die gleichen Komponenten nutzen und sich lediglich beim Rahmen und Zubehör unterscheiden.

Fazit

Sehr gute Flugeigenschaften, ausreichend Kraftreserven, der Einsatz von Open-Source-Software und Standardkomponenten: Das macht den US65 zu einem echten FPV-Racer im Mini-Format. Dank der überschaubaren Kosten eignet sich der Multicopter sowohl für Einsteiger als auch für erfahrene Piloten, die einen kleine Rennmaschine für Drinnen suchen.

Wer einen deutlich zahmeren Brushed-FPV-Racer für Flüge im Wohnzimmer sucht, kann sich die Modelle Inductrix FPV (Testbericht) oder Eachine 013 (Testbericht) ansehen.

Wenn das Thema Foto und Video wichtig ist, ist der US65 nicht das richtige Produkt. Wer sich für Foto- und Video-Drohnen interessiert, sollte sich die DJI Spark (Testbericht) oder die DJI Mavic-Serie (Testbericht) näher ansehen.