Bereits im zarten Alter von fünf Jahren hatte Jonas seinen ersten PC und hat glücklicherweise noch die Zeit von Kassetten, CDs und Disketten miterlebt. Seitdem hat ihn Technik und der Spaß an Gadgets nicht mehr losgelassen. Angefangen hat er 2023 als Volontär bei TechStage, das 2024 in heise bestenlisten übergegangen ist. Seit 2025 ist er dort nun fest als Redakteur im Team tätig und allen voran Experte für Mini-PCs. Weiterhin testet er für allerlei PC-Zubehör, Saugroboter, Ladegeräte und Powerbanks. Privat ist er Vielleser, Bahn-Nerd und Musikliebhaber, wobei sein Musikgeschmack so vielfältig ist wie er selbst.
Der Minisforum AI X1 Pro ist ein hervorragender Premium-Mini-PC, der neben der Anschlussausstattung auch mit KI-Power, etwa für lokale Sprachsteuerung mit Home Assistant überzeugt. Wir haben ihn getestet.
An jeder Ecke wird die große Werbetrommel für KI gerührt, alles hat heutzutage KI – und auch der Minisforum AI X1 Pro scheint in dieses Lied einzustimmen. AI (Artificial Intelligence) im Prozessornamen, AI im Produktnamen – und doch hier ist weit mehr dahinter. Denn der verwendete Ryzen AI 9 HX 370 setzt auf eine starke NPU (Neural Processing Unit), die die lokale Verwendung großer Sprachmodelle (LLAMs) sowie lokale Sprachsteuerung, etwa in Home Assistant erlaubt. Darüber hinaus bietet das System echte Premium-Ausstattung mit 32 GB Arbeitsspeicher (RAM) und 1 TB SSD in der Basisversion für 1186 Euro, was aber beim Hersteller auch auf bis zu 96 GB RAM und 2 TB SSD angehoben werden kann. Dazu gesellen sich modernste Anschlüsse, Wi-Fi 7, ein internes Netzteil und ein Fingerabdrucksensor. Doch genug der Datenschlacht, wir zeigen im Test, ob das System die Versprechungen der Hardware einhält.
Das Testgerät haben wir von Minisforum zur Verfügung gestellt bekommen.
Update (05. März 2025): Infolge der Kostenexplosion bei DDR5-Speicher haben viele Mini-PC-Hersteller die Preise ihrer Produkte deutlich erhöht. Auch den Minisforum AI X1 Pro hat es getroffen und sein Preis steigt von 999 Euro auf 1186 Euro.
Der Minisforum AI X1 Pro setzt wie bereits angesprochen auf den noch kein Jahr alten Ryzen AI 9 HX 370, der 12 Prozessorkerne bei 24 Threads bietet und zwischen 2,0 und 5,1 GHz takten kann. Dabei setzt der Chip auf einen Aufbau nach dem Vorbild von Intels bigLittle-Architektur bestehend aus sparsamen und stärkeren Kernen. Beim HX 370 kommen so vier leistungsstarke Zen-5-Kerne zum Einsatz, die die vollen 5,1 GHz ausschöpfen dürfen, sowie acht sparsame Zen-5c-Kerne, die bei 3,3 GHz Schluss machen.
Namensgebender Vorteil ist aber die sogenannte NPU für KI-Anwendungen, die gerade im Smart Home oder bei großen Sprachmodellen zum Einsatz kommt. Während die Overall-TOPS (Billionen Rechenoperationen pro Sekunde) bei 80 TOPS liegen, hat die NPU 50 TOPS. Der Konkurrenz-Chip Intel Ultra 9 185H hat hingegen in der kombinierten Overall-Berechnung aus CPU, iGPU und NPU schon nur 34 TOPS.
Apropos iGPU: Hier treffen wir auf die leistungsstarke AMD Radeon 890M. Mit 16 Grafikkernen und einem Takt von 2900 MHz lässt sie auf abermals mehr Leistung gegenüber der bereits begeisternden 780M hoffen – doch dazu später mehr. Die gesamte CPU hat eine Standard-TDP von 28 Watt, die zwischen 15 und 54 Watt konfigurierbar ist.
Kommen wir zum Speicher, wo von der CPU 16 PCIe-Lanes der Version 4.0 bereitstehen sowie DDR5-RAM mit bis zu 8000 MT/s verwendet werden kann – vorausgesetzt es handelt sich um verlöteten LPDDR5X-RAM. Hier kommt jedoch zur Freude aller Nachrüster klassischer SODIMM-RAM mit Steckmodulen von Crucial zum Einsatz, die mit 5600 MT/s arbeiten – dem Maximum. Konfigurierbar ist das System bis zu 96 GB, die CPU könnte sogar bis zu 256 GB, wir haben die Basisversion mit 32 GB bekommen.
Die SSD von Kingston im Formfaktor M.2-2280 ist bei unserem Testgerät 1 TB groß und schreibt ausweislich des Speicher-Benchmarks Crystaldiskmark mit 3844 MB/s und liest mit 4699 MB/s. Das sind gute, aber nicht herausragende Werte im Premium-Segment. Von Steigerungen der Geschwindigkeit ist abgesehen von der Übertragung großer Dateimengen im Alltag aber ohnehin kaum etwas zu bemerken. Insgesamt gibt es drei M.2-Slots im AI X1 Pro, die alle auf einen Steckplatz mit M-Key setzen. Maximal kann man 12 TB einsetzen, was enorm ist.
Anschlussseitig bietet der AI X1 Pro das Beste vom Besten. Neben Oculink für externe Grafikkarten (eGPUs), zweimal USB-C 4.0 mit DP-Alt-Mode gibt es zwei Ethernet-Ports mit 2,5-G-Anbindung sowie je einmal HDMI 2.1 und Displayport 2.0. Das sind die aktuellst-möglichen Standards, was ausgesprochen lobenswert ist – nachdem die Konkurrenz teilweise selbst bei vergleichbar bepreisten Systemen veraltete Schnittstellen verwendet. Nur bei den USB-A-Buchsen gibt es leichte Kritik, da drei Stück sehr wenig sind und einer zudem nur auf USB 2.0 setzt – für einen Premium-PC etwas unwürdig.
Weiterhin verfügt das System über einen SD-Kartenslot und einen auf der Oberseite integrierten Fingerabdrucksensor. Das finden wir für den alltäglichen Login ausgesprochen praktisch, leider handelt es sich dabei um eine absolute Seltenheit unter den Mini-PCs.
Ungewöhnlich ist bei diesem Mini-PC zudem das im Gehäuse integrierte 135-Watt-Netzteil. Man steckt also nur ein Zweipol-AC-Kabel an, der außerhalb herumliegende Ladeziegel entfällt. Das ist praktisch, allerdings kann man so bei Problemen mit der Stromzufuhr nicht einfach das Netzteil am Kabel austauschen, sondern muss das ganze interne Bauteil ersetzen. Dies könnte wiederum Nachteile für die langfristige Nutzung und Haltbarkeit haben.
Weiterhin selten sind die im Gehäuse eingelassenen Mikrofone sowie die integrierten Lautsprecher, die allerdings einen sehr dünnen Klang bieten. Für mehr als Systemsounds sind sie fast nicht zu gebrauchen, selbst das Zuhören bei einem Gespräch fällt schwer – zumindest wenn man den zur Unterseite gerichteten Speakern abgewandt sitzt.
Drahtlos spricht der Minisforum AI X1 Pro ebenfalls über die neuesten Standards, die gerade verfügbar sind: Wi-Fi 7 und Bluetooth 5.4. Gerade ersteres ist ungemein selten bei Mini-PCs und bisher, wenn nur bei Systemen mit Intel-CPUs vertreten. Das liegt daran, dass der Wi-Fi-7-Chipsatz von Intel bisher nur mit Intel-Chips funktioniert und es sonst nur einen von Mediatek gibt, der kaum zu bekommen ist. Hier kommt er nun zum Einsatz bei einem AMD-System – der Mediatek MT7925.
Die Performance des Minisforum AI X1 Pro ist so beeindruckend wie erwartbar. Bei PCmark 10 gibt es durchweg mehr als 7300 Punkte, um genau zu sein durchschnittlich 7728 Punkte. Ausreißer gibt es Richtung 7901 Punkte und 7374 Punkte, wobei nach einem neuen Windows-Update alle danach erzielten Ergebnisse bei über 7850 Punkten lagen. Der Benchmark Time Spy von 3Dmark fördert ein Ergebnis von 3622 Punkten bei 3236 Grafik-Punkten sowie 11187 CPU-Punkten zutage. Das gehört zu den Spitzenergebnissen unter den Mini-PCs und lässt sich im Alltag und bei Spielen merken – zu letzterem gleich mehr. Bei Cinebench 2024 gibt es im Single-Core-Durchlauf 120 Punkte und im 1242 Punkte im Multi Core.
Die Spieleleistung des Systems ist bei Full-HD-Auflösung hervorragend, die iGPU Radeon 890M bietet viel Power. In Anno 1800 können wir selbst mit ultrahohen Einstellungen etwa 20 FPS erzielen, mit aktiviertem FSR (Fidelity FX Super Resolution) sind es bis zu 40 FPS. Dabei blicken wir auf eine knapp 15.000 Einwohner große Stadt und können die volle Pracht und Detailtiefe des Spiels genießen. Auch Cities Skylines 2 läuft mit immerhin mittleren Einstellungen bei 25 FPS flüssig, wobei wir eine ausgebaute Stadt mit viel Gewusel haben.
Zum Test KI-Fähigkeiten haben wir uns das Large-Language-Model Deepseek R1. Dabei handelt es sich zwar in unserem Fall nur um ein kleineres Paket mit entsprechenden Schwächen und Halluzinationen. So erklärt unsere Deepseek-Instanz etwa, dass Olaf Scholz insbesondere als Youtuber und Streamer bekannt sei. Um die Fallstudie zu machen, dass es grundsätzlich technisch funktioniert, genügt aber auch dieses ulkige Ergebnis.
Ein anderer Einsatzzweck der KI-Fähigkeiten wäre als Sprachsteuerung im Smart Home. Wir haben hier die Voice-Preview-Edition von Home Assistant getestet, die jedoch als Basis für eine lokale Sprachverarbeitung einen leistungsstarken Rechner, wie ebendiesen Mini-PC benötigt. Je schwächer dessen Hardware, desto langwieriger ist die Verarbeitung von Spracheingaben, und die gewünschte Reaktion lässt auf sich warten. Daher empfiehlt sich die Verwendung eines Prozessors mit starker NPU. Für weitere Anwendungen ist die NPU aber bisher nicht zu gebrauchen und insofern eher als Wette auf die Zukunft zu verstehen.
Die Lautstärke der beiden Lüfter im Minisforum AI X1 Pro lässt sich nicht als leise, aber als moderat bezeichnen. Bei ruhendem Desktop schalten sie sich gänzlich ab, beim Browsen im Internet erreichen sie bei Messung direkt am Gehäuse subtile 27 dB(A). Starten wir aber einen Stresstest mit Aida64 und lasten den PC voll aus, steigt die Lautstärke auf 35 dB(A) am Gehäuse. Aus einem Meter sind davon nur noch knapp 20 bis 23 dB(A) zu messen.
Die Leistungsaufnahme beträgt im Idle etwa 15 bis 22 Watt. Bei höherer Auslastung sind es 35 bis 45 Watt, bei Vollauslastung schnellt der Wert auf bis zu 96 Watt. Die Temperaturen von CPU und restlicher Hardware sind allesamt im normalen Bereich und unauffällig – trotz des Umstandes, dass das Netzteil als Abwärme-produzierendes Bauteil nun mit im Gehäuse sitzt. Dennoch erreicht der Ryzen AI 9 HX 370 nie höhere Temperaturwerte als 70 Grad bei absoluter Vollauslastung. Das ist schon beachtlich, wenn man die Leistungsfähigkeit und die moderate Lüfterlautstärke im Kopf behält. Im BIOS sind außerdem vier Optionen für die Lüftergeschwindigkeit verfügbar (Auto, Quiet, Balance, Performance), wobei standardmäßig Auto eingestellt ist.
Auf dem AI X1 Pro kommt Windows 11 Pro zum Einsatz. Stellt man bei der Einrichtung keine Internetverbindung her, lässt sich der PC mit lokalem Konto verwenden. Andernfalls ist die etwas langwierige Registrierung oder Einrichtung mittels Microsoft-Account vonnöten. Windows kommt mit den üblichen Applikationen vorinstalliert, Viren findet unser vollständiger Systemscan mit Windows Defender aber nicht. Auch die Nutzung von Linux ist möglich, wobei man zum Aufrufen des BIOS-Setups entweder über die Windows-Wiederherstellungsoptionen oder die Tabulator-Taste vorgehen muss. Die klassischen F-Tasten zeigten im Test keine Wirkung. Da es beim Start von unserem Testsystem Tuxedo OS (auf Basis von Ubuntu) Probleme gab, haben wir zudem Secure Boot deaktiviert. Alsdann gelang der Betrieb von Linux und alle USB-Geräte sowie Wi-Fi, Bluetooth und Audio funktionierten auf Anhieb problemfrei.
Die Verarbeitungsqualität des Minisforum AI X1 Pro kann sich mehr als sehen lassen. Das Gehäuse aus hellgrauem Aluminium ist makellos hochwertig, wie wir es von einem Premium-Mini-PC auch erwarten. Die Antennenstreifen sind innenliegend am schwarz gefärbten Kunststoffbereich rund um die rückseitigen Anschlüsse angeklebt, um trotz Metallgehäuse einen guten Empfang zu ermöglichen. Neben dem bereits erwähnten, in der Oberseite eingelassenen Fingerabdrucksensor finden sich vorderseitig links noch der Ein-/Aus-Knopf sowie rechts der Button zum Aufrufen des Copilot-Assistenten unter Windows. Neben diesen beiden Buttons liegen die kleinen Öffnungen für die Mikrofone im System.
Für eine ästhetischere Platzierung auf dem Tisch sowie zur besseren Luftzufuhr legt Minisforum einen farblich passenden Standfuß mit gummierter Standfläche bei, in den man den AI X1 Pro einfach einsteckt. Dabei hält sie diesen sogar fest genug, um beim Anheben nicht direkt herunterzufallen. Mit Maßen von 195 x 195 x 47,5 mm ist der Mini-PC im Vergleich enorm groß, aber nicht so hoch. Das ist insbesondere dem integrierten Netzteil sowie der Kühllösung mit zwei Lüftern geschuldet. Das Gewicht von 1,5 kg ist ebenfalls gewaltig, aber auf die gleichen Begründungen wie die Ausmaße zurückzuführen.
Die Gehäuseöffnung erfordert etwas Geduld und viel Schrauberei. Zwar kommt man gut an alle Schrauben, aber es sind enorm viele, die es zu lösen gilt. Zudem sind die Schrauben im Unterboden zwar nicht unter den Gummifüßen verborgen, eine einzelne, aber unter einer kleinen Gummiabdeckung, die wir zunächst übersehen haben. Außerdem muss man vor angeklebten Kabeln Acht geben, um nichts abzureißen – von denen es beim AI X1 Pro innen einige gibt. Überdies muss man das Netzteil und dessen Lüfter ausbauen, um endlich an RAM, SSD und WLAN-Karte zu gelangen.
Der Minisforum AI X1 Pro ist ein absoluter Premium-Mini-PC, was man nicht nur der Ausstattung, sondern auch dem Preis anmerkt. In der Basisausstattung mit 32 GB RAM und 1 TB SSD schlägt das System bereits mit 1186 Euro bei Amazon oder 1199 Euro beim Hersteller zu Buche. Weitere Konfigurationen gibt es in Form unserer Testausstattung mit 64/1000 GB sowie 96/2000 GB, die jedoch beide ausverkauft sind. Weiterhin ist eine günstigere Barebone-Variante (ohne RAM und SSD) für 769 Euro erhältlich.
Der Minisforum AI X1 Pro ist ein absolutes Flaggschiff im Sortiment des Herstellers, abgesehen von den Modellen mit dedizierter Grafik, die dann aber noch einmal beträchtlich teurer sind. Im Falle des vorliegenden PCs lohnt sich der hohe Preis von über 1100 Euro, denn die Ausstattung ist auf absolutem Top-Niveau. Nicht nur bekommt man hier Wi-Fi 7 auf einer AMD-Plattform, sondern auch noch luxuriöse Annehmlichkeiten, wie einen Fingerabdrucksensor, integrierte Lautsprecher und ein internes Netzteil.
Neben der KI-Fähigkeiten dank einer starken NPU bietet das System auch für Gaming – wie von AMD gewohnt – viel Leistung. In Full-HD laufen viele aktuelle Titel mit mittleren bis hohen Einstellungen. Dabei bleibt der Minisforum AI X1 Pro bei moderater Lüfterlautstärke, und die CPU wird kaum wärmer als 70 Grad. Insgesamt ein hervorragendes Gesamtpaket, das hauptsächlich beim Preis nachdenklich macht.
Wer bei einem chinesischen Händler kauft, bezahlt in vielen Fällen weniger. Allerdings besteht im Gewährleistungs- oder Garantiefall die Gefahr eines schlechteren Service. Außerdem ist das Einfordern von Verbraucherrechten (Rückgabe, Gewährleistung) mit Hürden versehen oder nicht möglich. Wir verlinken hier Händler, mit denen wir im Allgemeinen gute Erfahrungen gemacht haben.
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