Bereits im zarten Alter von fünf Jahren hatte Jonas seinen ersten PC und hat glücklicherweise noch die Zeit von Kassetten, CDs und Disketten miterlebt. Seitdem hat ihn Technik und der Spaß an Gadgets nicht mehr losgelassen. Angefangen hat er 2023 als Volontär bei TechStage, das 2024 in heise bestenlisten übergegangen ist. Seit 2025 ist er dort nun fest als Redakteur im Team tätig und allen voran Experte für Mini-PCs. Weiterhin testet er für allerlei PC-Zubehör, Saugroboter, Ladegeräte und Powerbanks. Privat ist er Vielleser, Bahn-Nerd und Musikliebhaber, wobei sein Musikgeschmack so vielfältig ist wie er selbst.
Ein Mini-PC mit Webcam & Fingerabdrucksensor: Der Atomman X7 Ti aus dem Hause Minisforum bietet echte Premium-Funktionen und mit dem Intel Core Ultra 9 185H eine leistungsfähige CPU mit neuer Arc-GPU. Ob er damit gegenüber der starken AMD-Konkurrenz mithalten kann, zeigt unser Test.
Der Hersteller Minisforum ruft beim neuen X7 Ti eine ganz neue Markenreihe ins Leben, die den seltsamen Namen Atomman trägt. An Bord geht ein neuer Intel Core Ultra 9 185H seiner Arbeit nach, gemeinsam mit 32 GB Arbeitsspeicher (RAM) und einer 1 TB großen und flotten M.2-SSD. So weit, so unauffällig. Wirklich außergewöhnlich für einen Mini-PC sind der Fingerabdrucksensor im Powerknopf für Windows Hello, die integrierte Webcam mit Privacy-Switch (ebenfalls Windows Hello) und das 4 Zoll große Statusdisplay sowie die senkrechte Aufstellposition. Und auch sonst verbaut Minisforum das Who-is-Who der Ausstattungswelt. Ob der Atomman wirklich atomare Superpower entfalten kann und wo seine Schwächen liegen, zeigt dieser Test. Der Minisforum Atomman X7 Ti für 959 Euro gehört preislich zur Premiumklasse der Mini-PCs. Das Testgerät hat uns Minisforum zur Verfügung gestellt.
Minisforum verwendet im Atomman X7 Ti den neuesten Spitzenchip von Intel – den Intel Core Ultra 9 185H. Dieser bietet ganze 16 physische CPU-Kerne, wobei acht davon auf Effizienz getrimmt sind (maximal 3,8 GHz). Zwei Stück wiederum sind Low-Power Effizienz-Kerne mit maximal 2,5 GHz – und nur die sechs Performance-Kerne sind wirklich in der Lage, die Spitzenfrequenz von 5,1 GHz zu erreichen. Den Grundtakt dieser gibt Intel mit 2,3 GHz an. Im Atomman X7 Ti ist die TDP (Thermische Verlustleistung) der CPU auf 65 Watt ausgelegt.
Dem Top-Prozessor aus dem Hause Intel stehen ganze 32 GB DDR5-RAM in zwei 5600-MHz-SODIMM-Modulen zur Seite. Dadurch ist eine Aufrüstbarkeit gegeben, Minisforum spricht von maximal möglichen 64 GB RAM. Auch den SSD-Speicher kann man aufrüsten, wobei standardmäßig eine 1 TB NVMe-SSD im Formfaktor M.2-2280 vorhanden ist. Diese schreibt ausweislich Crystaldiskmark mit 4834 MB/s und liest mit 5216 MB/s im Test ausgesprochen flott. Zusätzlich steht ein weiterer Slot im kleineren Formfaktor M.2-2230 bereit, insgesamt sind laut Hersteller so 4 TB möglich. Weiterhin gibt es einen Einschubslot für eine SD-Karte.
Bei den Anschlüssen verfügt der Mini-PC über die absolute Crème de la Crème, angefangen bei zweimal USB-C-4.0 über die neuesten Bildschirmschnittstellen HDMI 2.1 und Displayport 2.0 bis zum Oculink-Port für externe Grafikkarten. Letzteres ist zwar theoretisch auch über USB-4.0 möglich, Oculink aber als PCIe-angebundener Anschluss gezielt dafür vorgesehen. Dank der brandneuen Bildschirmanschlüsse unterstützt der Rechner höhere Bildwiederholraten in hohen Displayauflösungen, wie 4K bei 120 Hertz per HDMI. Insgesamt lassen sich mit HDMI, Displayport und den beiden USB-C-4.0-Ports vier Monitore ansteuern. Die beiden LAN-Schnittstellen sind mit je 5 Gbit/s bemerkenswert modern und schnell angebunden. Sie ermöglichen so den Einsatz des PCs als Firewall-Appliance. Auf der rechten Seite ist neben USB-C und USB-A auch noch ein versenkter Button für den CMOS-Reset – falls dies einmal nötig sein sollte.
Drahtlos ist der Atomman X7 Ti ebenfalls auf dem aktuellsten Stand und setzt als einer von wenigen Mini-PCs auf die neueste WLAN-Schnittstelle Wi-Fi 7. Voraussetzung ist ein entsprechend fähiger Router wie die Fritzbox 7690 (Testbericht, heise+). Bluetooth kommt in Version 5.4 ebenfalls mit den jüngsten Verbesserungen daher.
Ein zunächst sonderbares Zusatzfeature ist das integrierte 4-Zoll-Display im Gehäuse. Dieses kann allerdings keine Programme anzeigen. Stattdessen dient es als Statusdisplay für die aktuellen Systemwerte, wie Taktfrequenz und Temperatur von CPU und iGPU sowie Auslastung von RAM & SSD. Weiterhin gibt es Informationen zur aktuellen Internetgeschwindigkeit und der Lüfterdrehzahl. Ferner wird das aktuelle Datum, die Uhrzeit und das Wetter angezeigt. Spannend ist noch der in drei Stufen anpassbare Leistungsmodus, welcher das CPU-Limit verändert und so mehr Tempo zulasten der Lautstärke zulässt – oder umgekehrt weniger Leistung für geringere Lautstärke bei sparsamem Betrieb bietet. Angepasst werden alle Optionen oder die Aufteilung der Statusanzeigen per Finger, denn es handelt sich um ein Touch-Display mit 480p.
Es geht aber noch weiter: Der Mini-PC besitzt ein integriertes Dual-Mikrofon, einen Fingerabdrucksensor im Powerknopf für Windows Hello sowie eine 1080p-Webcam über dem Display, ebenfalls mit Windows-Hello-Unterstützung. Damit gelingt eine besonders schnelle, unkomplizierte Entsperrung von Windows und für Meetings benötigt man keine zusätzliche Kamera. Die Auflösung ist aber nur mäßig, aber dennoch ausreichend. Die Mikrofone gaben in unserem Test im MS-Teams-Meeting unsere Stimme gut verständlich wieder. Und die Kamera lässt sich dank physischem Privacy-Switch einfach abdecken bei Nichtgebrauch. Um eine passende Ausrichtung zu ermöglichen, kommt der Mini-PC mit einem angewinkelten Standfuß, der sich kippen lässt.
Doch kommen wir nun zum entscheidenden Feld, in dem sich die neue Intel-CPU beweisen muss. Lange waren Intel-Chips, gerade im mobilen Bereich, seit den Ryzen-Prozessoren gegenüber AMD abgeschlagen. Während bei der reinen CPU-Leistung Intel noch den einen oder anderen Blumentopf gewann, war es bei der Grafik jahrelang aussichtslos: AMD war erst mit Vega-Mobile, jetzt mit Radeon 780M meilenweit voraus.
Im Minisforum Atomman X7 Ti dreht sich das Blatt erstmals vollständig – zumindest im Benchmark. Bei 3Dmark Time Spy erreicht das System starke 3790 Punkte, was der Bestwert unserer bisherigen Tests ist (Stand 15. August 2024). Die reine CPU-Leistung ist mit 11523 dabei nicht das Herausstechende, es ist die Grafikperformance. In diesem Segment erreicht der Intel Ultra 9 185H indessen bemerkenswerte 3389 Punkte und erzielt einen etwa 10 Prozent höheren Wert als ein Ryzen 9 im Geekom A8 (Testbericht).
Nutzen wir mit PCmark einen anderen Benchmark mit anderem Schwerpunkt, bekommen wir ein anderes Ergebnis. Dort liegt der Intel-Chip wiederum hinter der AMD-Konkurrenz, erreicht „nur“ durchschnittlich 7472 Punkte, in der Spitze 7603 Punkte. Der Awow HA7 (Testbericht) ist hier mit 7830 Punkten weiter unser Spitzenreiter. Der plattformübergreifende Benchmark Geekbench attestiert dem Atomman X7 Ti im Single-Core etwa 2353 Punkte und satte 13400 Punkte im Multi-Core.
Dass Benchmarkergebnisse nichts heißen müssen, zeigt sich wieder einmal im Praxistest anhand von Spielen. Während die AMD-Chips mit solch hohen Time-Spy-Grafikpunkten Cities Skylines 2 mit über 30 FPS ein gut spielbares Erlebnis in Full-HD-Auflösung (mittlere Einstellungen) bieten, krebst der Intel-Chip mit seiner integrierten Intel-Arc-Grafik selbst bei niedrigen Einstellungen bei maximal 17 FPS herum. Auch das weniger anspruchsvolle Anno 1800 ist bei etwa 20 FPS auf mittleren Einstellungen zu viel der Zumutung. Selbst beim klassischen Toaster-Test mit Counter Strike müht sich das System, wir müssen auch hier die Einstellungen reduzieren, um zwischen 35 und 60 FPS zu erhalten.
Unser Eindruck ist, dass die Intel-Grafik zwar im Benchmark gut abschneidet, für Spiele aber (noch) nicht gut optimiert ist. AMD hat hier jahrelangen Vorlauf und entsprechend sind bei Team Rot die Ergebnisse besser. Zusammenfassend ist der Intel Core Ultra 9 185H zum Testzeitpunkt keine Gaming-fähige CPU, auch wenn Intel nicht mehr viel fehlt. Die Aufholjagd zeigt insofern langsam Früchte, muss aber noch eine Generation oder einige Treiber-Updates weitergehen.
Das vorinstallierte Windows 11 Home zwingt uns beim Atomman X7 Ti bei der Einrichtung nicht zur Verwendung eines Microsoft-Accounts, wir können das System einfach mit lokalem Benutzerkonto einrichten. Vorinstalliert sind neben der üblichen Bloatware von Windows keine weiteren Tools – außer dem Grafiktreiber-Tool von Intel. Unser vollständiger Virentest mit Windows Defender endet ohne Virenfund. Der Verbrauch des gesamten Systems liegt im Test zwischen 20 Watt (Idle) und 55 Watt (volle Grafikauslastung in Spielen).
Der Atomman X7 Ti ist mit einer guten Kühlung ausgestattet, das System überhitzt im Betrieb keineswegs. Hilfreich dabei ist auch die Verwendung des Mini-PCs auf dem Standfuß, durch die die Luftzufuhr deutlich besser ist. Im Test lag die Gehäusetemperatur nie über 45 °C, die Lautstärke nicht über 36 dB. Im Idle ist das System deutlich kühler und bleibt unter 40 °C – selbst bei sommerlichen Außentemperaturen von über 30 °C. Auch die SSD bleibt meist bei 30 °C und bietet auch unter Last ihre hohe Geschwindigkeit. Gut gemacht!
Zur Luftzufuhr gibt es beim Atomman X7 Ti drei Gehäuseöffnungen: Auf der Unterseite in Form einer runden Aussparung mit dreiecksförmigen Löchern, vorn sowie rückseitig, wo man einige Kühl-Finnen sieht.
Der Minisforum Atomman X7 Ti kommt fast vollständig in einem Kleid aus Aluminium oder Glas, lediglich die unterseitige Lüfteröffnung besteht aus Kunststoff. Das ist ausgesprochen edel. Das Gehäuse ist mit 145 × 145 × 48,6 Millimeter schon größer für einen Mini-PC und damit im oberen Durchschnitt der Mini-PCs. Die Oberseite mit dem Display und der darüberliegenden Webcam ist etwas anfällig für Fingerabdrücke.
Das Gehäuseinnere lässt sich einfach von der Unterseite erreichen, nachdem man die Schrauben unter den Gummifüßen gelöst hat. Dort lassen sich RAM und SSD gut tauschen. Um das Ablösen der Bodenplatte zu erleichtern, gibt es auch eine kleine Aussparung. So kann man das Gehäuse leichter aufhebeln. In unserem Fall kam der Mini-PC mit losem Deckel, sodass wir auch von dort Zugang zur Platine hatten. Dort befindet sich aber nur die WLAN-Karte im Steckkartenformat. Der Deckel hatte dabei kleine, mit einem Plastikstreifen geschützte Klebepads, womit er einfach festgeklebt wird.
In unserer Testausstattung mit 32/1000 GB kostet der Minisforum Atomman X7 Ti aktuell 959 Euro im Shop des Herstellers. Für 759 Euro gibt es dort auch eine Barebone-Variante, das heißt ohne RAM, SSD und Windows.
Mit dem Intel Core Ultra 9 185H hat Intel es wirklich geschafft, AMD zu übertreffen – zumindest im Benchmark. In der Praxis bleibt davon jedoch deutlich weniger übrig, denn die Grafikleistung ist bei Spielen schwächer als bei AMD. Hier fehlt es vermutlich noch an Softwareoptimierung, zum Stand dieses Tests aber ist der Chip für Gaming ungeeignet.
Der restliche Auftritt des Minisforum Atomman X7 Ti im Ganzen ist aber deutlich bemerkenswerter und eindrücklicher. Denn dieser Mini-PC bietet Funktionen, die wir bei den kleinen Rechnern nie gedacht hätten: Webcam bis Fingerabdrucksensor. Das integrierte Display ist nett, scheint uns aber im Vergleich dazu mehr Spielerei als wirklicher Mehrwert im Alltag. Die Verarbeitung des Rechners ist tadellos und hochwertig. Das Anschlussportfolio ist auf dem allerneuesten Stand und bietet so über viele Jahre Freude und ein zeitgemäßes Erlebnis.
Gleiches gilt für die Aufrüstbarkeit, die bei RAM und SSD wieder einmal gegeben ist. Das alles lässt sich Minisforum mit fast 1000 Euro aber auch richtig teuer bezahlen.
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