Trotz ihrer im wahrsten Sinne des Wortes klassischen Ausbildung (Studium Geschichte/Latein) ist Sara (Jahrgang 1987) seit früher Jugend begeisterte und technikaffine Gamerin. Gleichzeitig liebt sie die Natur und verbringt viel Zeit mit Crossfit und Laufen in allen möglichen Varianten. Das Schreiben aber ist ihre größte Leidenschaft, weshalb sie bei Heise Bestenlisten begeistert ihr Hobby zum Beruf macht.
Die Ticwatch Pro 5 will mit guter Akkulaufzeit und vielen smarten Funktionen punkten. Wir klären im Test, ob die Uhr gegen die Smartwatch-Konkurrenz bestehen kann.
Mit der Ticwatch Pro 5 will der chinesische Hersteller den Smartwatch-Markt aufmischen und der Konkurrenz von Google und Samsung die Stirn bieten. Möglich macht das unter anderem die „unübertroffene Leistung“ der Uhr, die sich unter anderem geringe Latenz, eine lange Akkulaufzeit und umfangreiche Gesundheits- sowie Trainingsfeatures ergibt. Ob das Gesamtkonzept aufgeht und die Uhr ihren Preis wirklich wert ist, klären wir in unserem Test.
Beim ersten Hands-on mit der Ticwatch Pro 5 fällt direkt auf, dass es sich hierbei nicht um billige Chinaware, sondern um ein Premium-Produkt handelt. Die Uhr ist relativ groß, wirkt dabei aber nicht klobig, sondern angenehm dezent und schlank. Das breite Silikonarmband ergänzt sich gut mit dem schwarzen, teils gebürsteten Metallgehäuse und dem Bedienrädchen an der Seite.
Optisch erinnert die Ticwatch Pro 5 damit sehr an die Konkurrenz von Samsung und Co. Der positive Gesamteindruck wird allerdings durch die Schnalle des Armbands etwas getrübt. Diese besteht aus Kunststoff – eine Metallschließe hätte das ansonsten wertig wirkende Äußere der Uhr besser unterstrichen.
Da Mobvoi die Ticwatch Pro 5 auch explizit für Outdoor-Sportler vorsieht, besitzt die Uhr eine gewisse Widerstandsfähigkeit gegen äußere Einflüsse. Die Hardware ist nach militärischem Standard zertifiziert und bis 5ATM wasserdicht. Außerdem verfügt sie über ein bruchsicheres Display aus Corning Gorilla Glass mit Anti–Fingerabdruck-Beschichtung.
Die Bedienung der Uhr erfolgt mithilfe eines drehbaren Buttons an der Gehäuseseite sowie des integrierten Touchdisplays. Beim ersten Start der Uhr wird uns die Bedienung dann auf dem Display einmal kurz erklärt, was wir als sehr hilfreich empfanden. Wer sich aber mit Smartwatches auskennt, wird sich ohnehin schnell zurechtfinden.
Bei der Einrichtung der Ticwatch Pro 5 verflog dann kurzzeitig aber der gute Ersteindruck. Denn nachdem wir ein kostenloses Benutzerkonto für die Mobvoi Health App eingerichtet hatten, kam es zu Problemen bei der Verknüpfung von Uhr und Smartphone. Zwar zeigte die App die Uhr korrekt als Gerät an, das für die Verknüpfung zur Verfügung stand, als wir dann aber die Ticwatch Pro 5 für die Kopplung anwählten, fror die App ein.
Nach mehreren Versuchen funktionierte das Koppeln der Uhr dann aber doch, nachdem wir eine Weile gewartet und eine Freigabe für die Google Play Dienste erteilt hatten. Die weitere Einrichtung der Uhr lief dann problemlos weiter, auch wenn sie wegen der Einbindung von Google Wear OS ein wenig länger dauert – aber dazu später mehr.
Als App kommt bei der Ticwatch Pro 5 die Mobvoi Health App zum Einsatz, die ein wenig an eine abgespeckte Version von Huawei Health erinnert. Um alle Funktionen der App nutzen zu können, ist ein kostenloses Nutzerkonto erforderlich, das wir beim ersten Start der Software in wenigen Minuten direkt anlegen können. Über den Reiter „Gerät“ können wir dann verknüpfte Uhren wie eben die Ticwatch Pro 5 verwalten, verschiedene Einstellungen (Display, Benachrichtigungen etc.) vornehmen sowie die Watchfaces ändern. Für letztere gibt es in der App einen eigenen Shop, in dem wir neben diversen kostenlosen Watchfaces auch Designs für echtes Geld und zu Preisen zwischen wenigen US-Cent und 4 US-Dollar kaufen können. Die Auswahl ist allerdings noch recht begrenzt.
Das Herzstück der App bildet aber das Statistik-Menü, in dem wir alle von der Uhr aufgezeichneten Daten auf einen Blick sehen. Neben einer Übersicht der wöchentlichen Aktivitätsminuten zeigt uns die App unter anderem zurückgelegte Schritte, Schlafdaten, Herzfrequenz, Aktivitätsdaten und Schritte an. Wer möchte, kann selbst festlegen, welche der verschiedenen Datenkacheln im Startbildschirm der App auftauchen. Ein Klick auf die jeweilige Kachel führt dann in ein Untermenü, das uns weitere Details zu den gemessenen Daten und Werten übersichtlich aufbereitet.
Insgesamt haben wir an der App nicht viel auszusetzen, allerdings sollten Nutzer hier keine Höhensprünge erwarten. Mobvoi Health beschränkt sich auf wesentliche Funktionen und kommt ohne große Alleinstellungsmerkmale oder ungewöhnliche Features aus. Zudem sind uns teilweise einige seltsame Übersetzungen aufgefallen – etwa lautet die Überschrift der Kachel mit den zurückgelegten Schritten „Entdeckungsaktivität“. Diese kleineren Ungenauigkeiten stören bei der Bedienung der App aber nicht weiter.
Ein Blick auf das Datenblatt der Ticwatch Pro 5 zeigt: Die Smartwatch orientiert sich stark am Standard vergleichbarer Geräte. Ein Schrittzähler ist ebenso mit an Bord wie eine Messung der Herzfrequenz und des Blutsauerstoffs. Kommt es zu ungewöhnlichen Ausschlägen wie Arrhythmie, Vorhofflimmern (AFib) oder ähnlichen Problemen, informiert die Uhr den Nutzer in Echtzeit über potenzielle Herzleiden. Ein EKG kann man aber nicht erstellen. Auch ein Tracking für Stresslevel und Atmung sind mit an Bord, wobei diese beiden Werte maximal eine grobe Orientierung über den allgemeinen Gesundheitszustand geben können.
Ein besonderes Extra der Ticwatch Pro 5 ist aber das integrierte GPS-Tracking. Die Uhr unterstützt GPS, GLONASS, Galileo, QZSS und Beidou, was für ein Gerät dieser Preisklasse respektabel ist. Außerdem verfügt die Smartwatch über ein Barometer, einen Höhenmesser und einen integrierten Kompass. Nutzer können zudem auf eine integrierte Navigation zugreifen und sich eine Karte der eigenen Umgebung auf dem Display der Uhr anzeigen lassen – ein Feature, was wir sonst vor allem von den hochpreisigen Garmin-Uhren kennen. Das GPS-Tracking funktionierte in unserem Test übrigens sehr gut und zuverlässig. Eine Navigation nur mit der Uhr ist also ohne Probleme möglich.
Was uns hingegen weniger überzeugt hat, war die Trainingsaufzeichnung der Ticwatch Pro 5. Zwar verfügt die Uhr über umfangreiche Funktionen zur Messung der Trainingsbelastung, des VO2-Maximums sowie der Herzfrequenz und bietet über 100 verschiedene Trainingsprofile, allerdings kämpft das Gerät in der Praxis doch mit einigen Problemen. Erstens funktionierte die Messung der Herzfrequenz beim Training in unserem Test teilweise nur sehr ungenau. Insbesondere mit stark schwankendem Puls kam die Uhr nicht gut zurecht. Während einer Crossfit-Einheit, bei der unsere tatsächliche Herzfrequenz bei durchschnittlich 150 bis 160 BPM lag, zeigte die Ticwatch Pro 5 lediglich Werte im Bereich um die 100 BPM an. Bei einer GA1-Laufheinheit funktionierte die Pulsmessung besser, blieb in Teilen aber trotzdem ungenau.
Ein weiteres Manko der Ticwatch Pro 5 beim Training ist die Bedienbarkeit. Denn während sich das Flüssigkristalldisplay mit Hintergrundbeleuchtung und die drehbare Krone am Rand des Gehäuses im Alltagsgebrauch als nützlich erweisen, sind sie beim Training eher ein Ärgernis. Erstens schaltet die Uhr beim Training automatisch nach einiger Zeit auf das schwach beleuchtete Flüssigkristalldisplay. Das spart zwar Akku, sorgt aber dafür, dass wir die Anzeige teilweise nur schlecht ablesen können. Ferner kam es im Test häufiger vor, dass wir bei Bewegungen unseres Handgelenks, etwa bei Liegestütz oder Übungen mit der Langhantel, die Krone betätigt haben und die Uhr dann von der Trainingsanzeige ins Hauptmenü wechselte. Dadurch mussten wir jedes Mal wieder umständlich durch die Menüs navigieren, um zur Trainingsanzeige zurückzugelangen.
Die Ticwatch Pro 5 macht mit ihren Trainingsprofilen, der Anzeige des VO2-Max, der Trainingsbelastung und den vielen Daten, die während einer Trainingseinheit angezeigt werden, einiges richtig. Die unzuverlässige Pulsmessung und die hakelige Bedienung der Smartwatch zumindest für Sportler brechen der Uhr aber das Genick. Wir können die Uhr deshalb für Hobby-Athleten nur bedingt empfehlen – als normaler Fitness-Tracker, für die Navigation beim Wandern oder vergleichbaren Outdoor-Aktivitäten, eignet sich die Uhr aber generell schon.
Beim Schlaf-Tracking bietet die Ticwatch Pro 5 alle Funktionen, die man von einer modernen Smartwatch erwarten würde. Sie misst Einschlaf- und Aufwachzeitpunkt (und das auch mit einer akzeptablen Genauigkeit), gibt die Dauer der einzelnen Schlafphasen an und zeichnet Blutsauerstoff, Atmung und Hauttemperatur auf. Die gemessenen Werte wirken nachvollziehbar und halbwegs realistisch, auch wenn die Ergebnisse selbstverständlich nicht mit einer Analyse in einem Schlaflabor mithalten können. Für eine grobe Orientierung und die Identifizierung langfristiger Trends reichen die Angaben allerdings gut aus.
Allerdings fiel uns ein Feature dann doch negativ auf, und das ist die Weckfunktion. Die Vibration der Uhr empfanden wir als zu schwach, weshalb wir mehrfach bei aktiviertem Alarm und trotz leichtem Schlaf nicht aufwachten. Nutzer sollten deshalb vorher unbedingt einen Probelauf machen, bevor sie sich auf den Wecker der Ticwatch Pro 5 verlassen.
Wie es sich für eine Smartwatch gehört, besitzt die Ticwatch Pro 5 allerhand zusätzliche Features, die wir sonst vor allem von Smartphones kennen. Weil die Ticwatch Pro 5 mit Wear OS von Google arbeitet, können wir neben Google Maps auch Google Wallet und Google Pay nutzen. Beides funktionierte in unserem Test einwandfrei. Youtube-Music wird ebenso unterstützt wie die Musiksteuerung auf dem Smartphone.
Wer möchte, kann auf der Uhr diverse zusätzliche Apps installieren, die für Wear OS zur Verfügung stehen. Die entsprechende Software können wir dann über das Scroll-Menü der Uhr anwählen und zum Schnellstart hinzufügen. Ein kleiner Wermutstropfen betrifft aber die Benachrichtigungsfunktion: Zwar kann die Uhr sowohl Anrufe empfangen und beantworten als auch Benachrichtigungen anzeigen, allerdings gibt es eine Antwortmöglichkeit nur für Nutzer, die die Sprache der Uhr auf Englisch eingestellt haben.
Mobvoi hat in der Ticwatch Pro 5 einen Akku mit 628mAh Kapazität verbaut und verspricht eine Laufzeit von bis zu 80 Stunden (3,3 Tage). Je nachdem, von welcher Perspektive man ausgeht, ist das ordentlich – oder ziemlich wenig. Fest steht: Für eine Smartwatch kann sich die Akkulaufzeit sehen lassen. Dedizierte Sportuhren halten aber deutlich länger durch.
In unserem Test hielt die Ticwatch Pro 5 bei sämtlichen aktivierten Features und zwei Sporteinheiten im Testzeitraum fast 4 Tage durch. Das ist für eine Smartwatch mit Wear OS ein starker Wert, der allerdings mit Sportuhren von Garmin und Co. oder Fitness-Trackern von Huawei nicht mithalten kann.
Die Ticwatch Pro 5 ging zum Marktstart beim Hersteller mit einer UVP von 350 Euro über die Ladentheke. Damit gehört die Uhr zu den teureren Smartwatches auf dem Markt, was durch die gute Verarbeitung und die umfangreiche Ausstattung unserer Meinung nach aber gerechtfertigt ist. Mittlerweile ist das Modell schon ab 200 Euro zu haben.
Wer über den Kauf der Ticwatch Pro 5 nachdenkt, sollte sich darüber im Klaren sein, was die Uhr ist und kann – und was nicht. Denn während das Gerät mit vielen smarten Features glänzen und bei klassischen Smartwatch-Funktionen ihre Stärken voll ausspielen kann, lässt sie in Sachen Fitness- und Sport-Tracking gehörig Federn.
Die Akkulaufzeit ist für Wear OS ziemlich gut, kann aber mit proprietären Systemen von Huawei, Honor oder Garmin nicht mithalten. Wer eine gute Smartwatch zu einem fairen Preis sucht, die mit Wear OS eine vielseitige Software-Basis besitzt, kann zugreifen. Für Sportler und Nutzer, die eine Uhr für Outdoor-Aktivitäten suchen, können wir die Ticwatch Pro 5 aber nicht empfehlen.
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