Stefan schrieb bereits während des Studiums Spieletests für ein Printmagazin im Ruhrgebiet. Durch einen glücklichen Zufall landete er in Berlin und arbeitete fast 15 Jahre bei Areamobile, zuletzt als leitender Testredakteur. Für Heise Bestenlisten testet er Smartphones, Saug- und Mähroboter, Lautsprecher, Modellflugzeuge und andere Technik-Gadgets.
Motorolas Edge-40-Reihe kann nicht nur teuer, mit dem Edge 40 ohne Pro-Zusatz geht es unter die 600-Euro-Grenze. Ist das Smartphone nur günstiger oder auch gut?
Im Vergleich zum Motorola Edge 40 Pro (Testbericht) ist das Edge 40 nicht nur günstiger, sondern auch deutlich flacher. Gerade 7,6 Millimeter Bautiefe und vergleichsweise leichte 171 Gramm Gewicht machen das insgesamt schicke und hochwertige Modell erstaunlich handlich. Erstaunlich, weil das Gerät mit seinem 6,55 Zoll großen Display nun auch nicht gerade klein ist. Aber im Zusammenspiel mit der beinahe weichen, etwas gummiartigen Kunststoffoberfläche auf der Rückseite liegt das Smartphone einfach gut in der Hand. Die Übergänge von der Rückseite zum Metallrahmen sind kaum zu spüren, gleiches gilt für das Glas auf der Front zum Metallrahmen. Schick ist zudem die leicht erhabene Kameraeinheit auf der Rückseite gelungen, die minimal und sanft übergehend eingepasst wurde. Die beiden großen Linsen der Kamera stehen dann allerdings noch einmal deutlich aus dem Gehäuse hervor, sodass das Smartphone auf dem Tisch liegend recht stark wackelt, wenn man es bedienen möchte. Tolle Verarbeitung samt IP68-Zertifizierung zum Schutz gegen Wasser und Staub und die angenehme Handlichkeit machen das Motorola Edge 40 beinahe schon zu einem filigranen Smartphone.
Das wie bereits erwähnt 6,55 Zoll große Display verwendet OLED-Technik und bietet eine Auflösung von 2400 × 1080 Pixel. Damit kommt es auf eine angenehme Bildschärfe von 402 Pixel pro Zoll (ppi) und wirkt dank toller Kontraste, hervorragendem Schwarzwert sowie auf Wunsch angenehm lebendigen Farben ein insgesamt tolles Bild. Bewegte Inhalte wirken dank einer Bildwiederholungsfrequenz von bis zu 144 Hertz im Zusammenspiel mit der starken restlichen Hardware des Smartphones absolut flüssig. Die Helligkeit liegt nur unwesentlich unter der des Pro-Modells, 875 cd/m² sorgen selbst im Sommer bei direkter Sonneneinstrahlung aufs Panel für ordentliche Ablesbarkeit. Etwas schade ist der Umstand, dass Motorola kein vollwertiges Always-on-Display einbaut, sondern nur bei Berührung des Screens oder bei Bewegung des Smartphones kurz entsprechende Informationen einblendet. Das ist auch beim Pro-Modell so.
Die Kameras des Motorola Edge 40 erinnern auf den ersten Blick an die des Pro-Modells, auch wenn eine Telelinse fehlt. Tatsächlich bietet die Hauptkamera mit ihren ebenfalls 50 Megapixel aber sogar ein echtes Highlight: Mit einem optischen Bildstabilisator (OIS) schießt sie dank einer extrem lichtstarken Blende von f/1.4 auch bei wenig Licht erstaunlich gute Fotos. Insgesamt sehen Aufnahmen damit bei Tag schön scharf und knackig aus, allerdings werden Grüntöne etwas überbetont. Bildrauschen ist nicht zu finden und die Bilddynamik ziemlich gut. Erstaunlich ist der Umstand, dass auch bei Nachtaufnahmen Bildrauschen schwach ausgeprägt ist. Das Zusammenspiel von OIS und extremer Blende macht sich hier positiv bemerkbar.
Der Weitwinkel kann hier nicht ganz mithalten, bezüglich der Bildschärfe hat er klar das Nachsehen. Für gelegentliche Aufnahmen im Alltag reicht der aber allemal. Schade, dass ein Teleobjektiv fehlt, der Digitalzoom kann beim Edge 40 nämlich spätestens bei Vergrößerungen über Faktor Zwei nicht mehr überzeugen. Gut gefallen hat uns die Frontkamera mit ihren 32 Megapixel. Sie erlaubt nicht nur herkömmliche Selfies, sondern auch Groufies mit etwas mehr Weitwinkel. Videos sehen zwar eigentlich ganz ordentlich aus, allerdings beherrscht das Edge 40 nur 4K/30 oder FHD/60 – und das trotz des recht potenten Chipsatzes. Das ist nicht ganz nachvollziehbar. Für die Preisklasse bis 600 Euro macht das Smartphone aber beim Thema Kamera – vor allem bei der Hauptlinse – insgesamt eine ganz ordentliche Figur.
Im Gegensatz zum Pro-Modell steckt im Edge 40 kein Snapdragon 8 Gen 2 von Qualcomm, sondern ein Dimensity 8020 von Mediatek. Der ist insgesamt nicht so leistungsstark wie der Spitzenchipsatz des Konkurrenten, er richtet sich aber auch nicht an Highend-Smartphones. Auch beim Speicher hat das „normale“ Edge 40 leicht das Nachsehen, statt 12 gibt es 8 GByte RAM und der mit 256 GByte gleich große interne, nicht erweiterbare Speicher verwendet UFS 3.1 statt die schnellere 4.0-Version. In Benchmarks macht sich das nur bedingt bemerkbar. In 3Dmark Wildlife Extreme erreicht das Mittelklasse-Smartphone 1270 statt 3600 Punkte, bei PCmark Work 3.0 sind es hingegen sogar 15.300 statt 15.000 Punkte. Auch wer genau darauf achtet, wird im Alltag nur leichte Unterschiede sehen. Das Edge 40 reagiert insgesamt nicht genauso flott wie das bärenstarke Pro-Modell, abseits so eines direkten Vergleiches schlägt sich das Edge 40 aber ziemlich gut. Über mangelnde Leistung wird hier wohl niemand klagen, selbst bei den meisten Spielen sollten Gamer zufrieden sein. Hier ist allerdings am ehesten ein echter Unterschied zu sehen, zumindest bei extrem anfordernden Games.
Beim Rest setzt Motorola ebenfalls den Rotstift an, auch hier gilt aber wieder: Wer (im übertragenden Sinne) nicht gerade auf Highscore-Suche ist, sollte im Alltag problemlos mit der gebotenen Hardware auskommen. Das Edge 40 bietet Wifi-6 statt -7, Bluetooth 5.2 statt 5.3 und USB-C-2.0 statt -3.2. Letzteres dürfte das sein, was Nutzern am ehesten übel aufstößt. Uns hat zudem der recht weit unten platzierte Fingerabdrucksensor mit nicht gerade fehlerfreier Erkennung gestört. Die Stereolautsprecher haben uns hingegen mit vollem Klang und Dolby Atmos überzeugt.
Bei der Software setzt Motorola auf sein bekanntes Erfolgsrezept mit aktuellem, weitgehend „unverbasteltem“ Android – hier in Version 13. Zum weitgehend Vanilla-belassenen Betriebssystem bietet Motorola weiterhin seine tollen Moto-Actions an, die in der dazugehörigen App eingestellt werden dürfen. Gerade die Aktivierung der Taschenlampenfunktion durch eine doppelte Hackbewegung ist für uns nach wie vor unerreicht. Für das Update-Versprechen von Motorola gilt das leider nicht, hier bietet der Hersteller nur zwei volle Android-Versionen und drei Jahre Sicherheits-Updates. Das machen Konkurrenten wie Google und Samsung wesentlich besser.
Mit 4400 zu 4600 mAh ist der Akku des Motorola Edge 40 gar nicht viel kleiner als im Pro-Modell und auch kabelloses Laden per Qi-Standard mit 15 Watt ist wieder mit dabei. Per Kabel dauert das wegen 68 statt 125 Watt etwas länger, nach knapp 40 Minuten ist das Gerät hier wieder voll. Insgesamt liegt die Laufzeit des Edge 40 mit einer Akkufüllung in etwa auf dem Niveau des Pro-Modells – bedeutet: Die fast 12 Stunden im Battery Test von PCmark deuten auf eine Laufzeit hin, die im Alltag locker einem Tag, eher aber zweien entspricht. Das ist ein ordentlicher Wert für ein kräftiges und so dünnes Smartphone.
Die UVP des Motorola Edge 40 liegt bei knapp 600 Euro. Unterschiedliche Speicherversionen gibt es nicht, dafür die drei Farben Schwarz, Blau und Grün.
Ein richtig tolles Smartphone hat Motorola mit dem Edge 40 auf die Beine gestellt, das nur wenige Wünsche offenlässt. Das schlanke Design mit den Edge-Kanten vorn und dem weichen Kunststoffmaterial auf der Rückseite gefällt uns gut, ebenso die Leistung mit ordentlich Speicher. Die Kamera überrascht mit guten Nachtaufnahmen, für Videos wäre aber 4K/60 schön gewesen. Beim Akku punktet das Modell ebenfalls und das Display ist klasse. Bleibt für uns nur USB 2.0 als Kritikpunkt – das sollte in Smartphones jenseits der 400-Euro-Marke im Jahr 2023 nicht mehr auftauchen. Größter Konkurrent für das Edge 40 dürfte das Google Pixel 7 (Testbericht) sein. Wer weitere Alternativen sucht, sollte unsere Bestenliste bis 500 Euro zurate ziehen.
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