Lukasz beschäftigt sich seit über 15 Jahren als Redakteur mit Smartphones, Apps, Gadgets und Content-Marketing. Seit 2021 arbeitet er für Heise Medien und ist derzeit leitender Redakteur bei Heise Bestenlisten. Der studierte Historiker aus Tübingen begeistert sich sonst für Fitness, Fußball, Fotografie sowie basslastige Musik.
Mit dem Razr 40 bietet Motorola ein Klapphandy an, das günstiger ist als das Galaxy Z Flip 5 oder Razr 40 Ultra. Welche Abstriche man machen muss, zeigt der Test.
Flexible Displays gehören zu den spannendsten Innovationen der letzten Jahre bei Mobilgeräten. Diese ermöglichen das Revival der Klapphandys bei Smartphones, die zusammengefaltet nur halb so viel Platz in der Hosentasche benötigen. Andere Varianten klappen horizontal aus und wachsen so zu handlichen Tablets an.
Bisher kamen Foldables immer gepaart mit Top-Technologie, was die schon ohnehin teure Hardware nahezu unerschwinglich gemacht hat für den Otto Normalverbraucher. Ein anschauliches Beispiel dafür ist das Samsung Galaxy Z Flip 5 (Testbericht), das bei seiner Markteinführung knapp 1200 Euro gekostet hat. Es ist zwar schon ordentlich im Preis gefallen, wir gehen aber davon aus, dass das Razr 40 ebenfalls noch ein gutes Stück günstiger wird und den Abstand so wieder ausbaut. Motorola hingegen bietet mit dem Razr 40 jetzt ein weiteres Klapphandy unterhalb seines Top-Geräts Motorola Razr 40 Ultra (Testbericht) an. Damit befinden sich für das laufende Jahr gleich zwei neue Geräte dieser Art im Portfolio des Unternehmens.
Das erhöht die Chance, dass diese noch exotische Kategorie interessanter für eine breitere Käuferschicht wird. Abstriche müssen Käufer dann beim Chip sowie Außen-Display machen. Wirklich preiswert ist das Razr 40 allerdings nicht. Wir haben den jüngsten Ableger der Falt-Smartphones von Motorola getestet und zeigen, wo er sich im Vergleich zum Ultra-Modell oder dem Flip 5 von Samsung unterscheidet.
Bereits das Motorola Razr 40 Ultra (Testbericht) überzeugte mit einer sehr schlanken und schicken Optik, spannenden Farbkonzepten („Viva Magenta“) und exotischen Oberflächen. Auch das Motorola Razr 40 ist ein wahres Schmuckstück und lässt den Konkurrenten Samsung Galaxy Z Flip 5 (Testbericht) fast schon klotzig erscheinen. Anders als beim Ultra-Modell oder dem Samsung-Falthandy gibt es aber nur ein kleines Außen-Display, das in ein glänzend-schwarzes Element eingebettet ist, welches minimal auf der Rückseite herausragt. Daneben befinden sich beide Linsen der Hauptkamera.
Besonders edel wirkt unser cremefarbenes Testgerät durch den Einsatz von Kunstleder auf der Rückseite. Die Oberfläche fühlt sich sehr hochwertig und vor allem organisch an und bietet einen hohen Grip. Nur schweren Herzens würden wir das schicke Gerät in eine Schutzhülle packen – diese gibt es in der Tat auch für faltbare Smartphones.
Das Razr 40 bietet wie das Ultra-Model einen ausgetüftelten Klappmechanismus und schließt mit einem schönen und saftigen Klatschgeräusch vollkommen eben ab. Im gefalteten Zustand passt kaum ein Blatt zwischen die beiden Display-Hälften – das klappt noch besser als beim Koreaner.
Zusammengeklappt ist es einen Finger breit (15,8 Millimeter). Geöffnet ist es mit einer Dicke von 7,5 Millimeter überaus schlank. Mit einem Gewicht von 188 Gramm wiegt es nahezu gleich viel wie das Galaxy Z Flip 5. Die Verarbeitung ist erstklassig und offenbart keine Spaltmaße oder klappernden Elemente. Den Rand des Mobilgeräts umschließt ein Rahmen aus Metall.
Das Scharnier ist schwergängig genug, damit der Winkel zwischen den beiden Bildschirmhälften stets in gewünschter Position verharrt. Typisch für Foldables ist eine leichte Unebenheit in der Mitte der Anzeige, die man ertasten und sehen kann. Diese scheint uns deutlich weniger stark ausgeprägt zu sein als beim Flip 5. Einen Nachteil hat das Modell von Motorola aber gegenüber Samsung: Das Smartphone ist nicht wasserdicht, mit IP52 ist es lediglich gegen leichtes Tropfwasser geschützt. Dafür ist es zumindest gegen Staub in schädigender Menge abgeschottet, was das Galaxy Z Flip 5 wiederum nicht leistet.
Das Haupt-Display misst wie beim Ultra stolze 6,9 Zoll in der Diagonale und bietet so eine ziemlich große Bildschirmfläche im Breitbildformat von 22:9. Das P-OLED-Panel löst mit 2640 × 1080 Pixel bei 413 Pixel pro Zoll (ppi) messerscharf auf. Die Bildqualität ist hervorragend und zaubert Leben auf die Anzeige. Kontraste und Schwarzwerte sind stark ausgeprägt. Farben wirken lebendig und natürlich, verglichen mit Samsung erscheinen diese aber fast schon etwas blass.
Die Bildwiederholrate von bis zu 144 Hertz macht sich besonders bei Animationen und Spielen positiv bemerkbar und sorgt für ein geschmeidiges Erscheinungsbild. Stark ausgeprägt ist zudem die Helligkeit, selbst bei starkem Sonnenschein konnten wir das Display immer gut ablesen. Motorola gibt eine Helligkeit von bis zu 1400 Nits an, das ist wirklich hell. Die Blickwinkel bleiben aus allen Perspektiven stabil. Hier gibt es wahrlich nichts zu meckern.
Eher mager wirkt dagegen das kleine Außen-Display – eine der Einschränkungen, die man beim Razr 40 gegenüber dem Razr 40 Ultra oder Galaxy Z Flip 5 in Kauf nehmen muss. Die Diagonale beträgt gerade einmal 1,5 Zoll bei einer Auflösung von 368 × 194 Pixel. Mit 1000 Nits ist auch diese Anzeige hell genug, um immer ablesbar zu sein.
In erster Linie zeigt das kleine Display die Uhrzeit und das Datum sowie den Ladestand des Akkus an. Mit einer Wischbewegung nach oben gelangt man zu den Benachrichtigungen, mit einem Wisch nach unten gelangt man zu den Schnelleinstellungen und kann etwa den Flugmodus und Bluetooth aktivieren oder die Helligkeit regeln. Eine Always-on-Funktion gibt es beim Zweit-Display nicht.
Zwar kann man das kleine Display auch nutzen, um darüber Fotos mit der Hauptlinse zu machen – insbesondere Selfies. Hierzu aktiviert man den Kameramodus durch ein doppeltes Drehen des Handgelenks. Zum Auslösen des Fotos zeigt man dem Gerät dann die Handfläche. Allerdings ist die Anzeige so klein, dass man sich damit kaum sinnvoll für den Schnappschuss positionieren kann, das Bild wird so immer im Hochformat aufgenommen.
Das Razr 40 bietet zwei Linsen bei der Hauptkamera: 64 Megapixel (f/1.7) mit optischer Bildstabilisierung (OIS) sowie 13 Megapixel für Weitwinkelaufnahmen mit einem Sichtfeld von rund 120 Grad. Letztere übernimmt bei dem Gerät auch Makroaufnahmen – ein klares Beispiel dafür, dass dafür explizit keine Makrolinse vonnöten ist. Die Frontkamera kommt auf üppige 32 Megapixel. Ein Teleobjektiv gibt es nicht – wie bei allen uns bislang bekannten Falt-Smartphones.
Das Hauptobjektiv fasst vier Pixel zu einem zusammen (Pixel-Binning), sodass man Bilder mit einer Auflösung von 16 Megapixel erhält. Wie wir es schon von vielen Smartphones der gehobenen Mittelklasse kennen: Bei Tag schießt das Razr 40 vortreffliche Bilder. Die Bildschärfe überzeugt, der Dynamikumfang ist stimmig – alles in allem wirken die Aufnahmen sehr natürlich und reich an Details. Bei Dunkelheit lässt das Ergebnis stark nach. Ist genügend Umgebungslicht vorhanden, kommen noch halbwegs scharfe Aufnahmen zustande. Bei starker Dunkelheit hilft aber auch der Nachtmodus nicht – man erkennt dann einfach gar nichts mehr.
Ähnliches gilt für die Weitwinkellinse: Bei Tag liefert diese ansprechende Ergebnisse, auch wenn die Bilder einen deutlichen Gelbstich und weniger Bilddetails aufweisen. Bei Dunkelheit sollte man die Weitwinkellinse nicht nutzen. Gelungen sind Makroaufnahmen, die das Motiv gut in den Fokus setzen und genügend Details und Schärfe bieten. Gut gefallen uns auch Selfies der Frontkamera (bei Tag). Im Porträtmodus zaubert die Selfie-Kamera ein gelungenes Bokeh rund ums Profil.
Das Razr 40 ist eine gute Option zum Filmen. Dank des OIS wirken Videoaufnahmen mit der Hauptlinse ziemlich stabil. Die Bildschärfe ist hoch, Farben wirken zudem lebendig und kräftig. Maximal sind 4K möglich bei 30 Bildern pro Sekunde (FPS), mit Full-HD gehen auch 60 FPS. Dasselbe gilt für die Selfie-Kamera.
Herzstück des Razr 40 ist der neue Snapdragon 7 Gen 1 von Qualcomm. Dieser bietet für nahezu alle alltäglichen Aufgaben genügend Leistungsreserven und eignet sich auf für einen Großteil der im Play Store vorhanden Spiele. Der Leistungssprung zum Snapdragon 778G erscheint allerdings eher weniger ausgeprägt.
Bei Work 3.0 von PCmark erreichten wir rund 12.000 Punkte. Das ist ein guter Wert, aber kaum höher als bei Geräten mit dem Snapdragon 778G. Zum Vergleich: Das Razr 40 Ultra kommt hier ruf rund 15.000 Punkte. In Hinblick auf Grafikleistung kann die 7er-Reihe nicht mit Top-Chips mithalten, bietet aber eine grundsolide Basis für die meisten Anwendungen. Beim Benchmark „Wild Life Extreme“ von 3Dmark erreichten wir rund 800 Punkte, das Razr 40 Ultra kommt hier auf 2800 Punkte, das Galaxy Z Flip 5 sogar auf 3600 Punkte.
Standardmäßig verfügt das Razr 40 immer über 8 GByte RAM sowie 256 GByte internen Speicher, allerdings kommt mit UFS 2.2 nicht die schnellste Variante zum Einsatz. Mit an Bord sind zudem Wi-Fi 6E, 5G sowie Bluetooth 5.3. Für die Ortung, die mit 3 Metern hinreichend genau ist, nutzt das Mobilgerät GPS, Glonass, Beidou und Galileo. Der Fingerabdrucksensor sitzt im Power-Button und arbeitet schnell und verlässlich. Gut ist zudem die Tonqualität beim Telefonieren sowie der Sound der Lautsprecher. Einziges kleineres Manko: USB-C unterstützt beim Razr 40 nur den langsamen Standard USB 2.0.
Das Razr 40 läuft unter dem Betriebssystem Android 13. Motorola setzt wie gewohnt auf eine dezente Anpassung der Bedienoberfläche und präsentiert nahezu „Vanilla Android“. Die Benutzererfahrung wird durch die praktischen Moto-Gesten ergänzt: Eine simple seitliche Handbewegung etwa aktiviert die LED-Leuchte als Taschenlampe, während ein schnelles Drehen des Handgelenks die Kamera einschaltet. Diese Funktionen stehen sogar im zusammengeklappten Zustand zur Verfügung und erweisen sich im Alltag als äußerst nützlich.
Der Sicherheits-Patch des Geräts stammt vom Juni und entspricht somit nicht dem aktuellen Stand. Beim Razr 40 hat der Hersteller seine Unterstützungsleistungen im Vergleich zu früheren Modellen erweitert: Nutzer können sich über bis zu drei System-Upgrades sowie vier Jahre Sicherheits-Patches freuen. Obwohl diese Verbesserungen im Vergleich zu früheren Modellen beachtlich sind, kann das Angebot nicht mit den fünf Jahren Support von Samsung mithalten.
Man sieht es dem schlanken Falt-Handy nicht an, aber der Akku bietet mit 4200 mAh fast 10 Prozent mehr Kapazität als das Motorola Razr 40 Ultra (Testbericht) und sogar 12 Prozent mehr als das Samsung Galaxy Z Flip 5 (Testbericht). Einen Teil des eingesparten Platzes durch das kleine Außen-Display scheint Motorola hier der Energiequelle gewidmet zu haben.
Beim Battery Test erreichte das Razr 40 im simulierten Dauerbetrieb bei einer mittleren Helligkeit von 200 cd/m² und aktiver adaptiver Helligkeit rund 10,5 Stunden. Das ist ein guter Wert für ein Foldable und liegt verglichen mit herkömmlichen Smartphones etwa im Mittelfeld. Der Snapdragon 7 Gen 1 scheint aber nicht so auf Effizienz getrimmt zu sein wie der Snapdragon 8 Plus Gen 1 im Razr 40 Ultra, das sogar auf 11 Stunden Laufzeit kommt. Samsung schafft beim Galaxy Z Flip nur rund 9 Stunden.
Eher gemächlich lädt das beiliegende Netzteil mit 33 Watt – was aber 7 Watt mehr sind als bei Samsung. Damit dauert der Ladevorgang etwa 1,5 Stunden. kabelloses Laden (Qi) ist ebenfalls möglich, funktioniert meistens aber nur, wenn man keine Schutzhülle verwendet.
Von einem Schnäppchen und damit massentauglichen Gerät kann beim Motorola Razr bei einer UVP von 899 Euro weniger die Rede sein. Es liegt damit allerdings rund 300 Euro unter der UVP des Ultra-Modells. Als Farben stehen Dunkelgrün („Sage Green“), helles Beige („Vanilla Cream“) sowie Violett („Summer Lillac“) zur Auswahl. Alle Modelle setzen Kunstleder für die Rückseite ein und bieten standardmäßig 8/256 GB Speicher. Mittlerweile bekommt man das Gerät schon für 399 Euro.
Smartphones mit faltbarem Display begeistern uns immer wieder auf Neue. Das trifft auch auf das Motorola Razr 40 zu. Zusammengeklappt benötigt es so nur den halben Platz eines gewöhnlichen Smartphones. Das macht das Handy ideal für Frauen, die nur begrenzt Platz in der Handtasche haben oder Leute, die schon einiges in die Hosentaschen stecken.
Mit dem Motorola Razr 40 wagt sich der Hersteller mit einem Foldable erstmals in die gehobene Mittelklasse. Das Klapphandy sieht verdammt schick aus, ist leicht und zudem schlank. Die Ausstattung bietet eigentlich alles, was man von einem modernen Smartphone erwartet. Schmerzlich ermisst haben wir nur ein richtiges Außen-Display. Im Alltag wird man das Razr 40 also häufig öffnen müssen. Für ein Falt-Smartphone ist dafür die Akkulaufzeit zudem richtig gut. Bei Tag ist die Kamera klasse, schwächelt aber bei Nacht. Mit Preisen jenseits von 800 Euro ist das Razr 40 allerdings alles andere als günstig – für einen Durchbruch als Massenprodukt ist der Pries noch zu hoch, dürfte aber zum Weihnachtsgeschäft hin deutlich fallen.
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